Unabhängigkeitserklärung Erst Kosovo, dann Abchasien?


Mazedonien, Süd-Ossetien, Baskenland: Die Autonomie des Kosovo vor Augen, liebäugeln in ganz Europa Teilprovinzen mit der Unabhängigkeit. In Ex-Jugoslawien genauso wie in Russland. Ein Überblick über potenziell abtrünnige Regionen.

Abchasien

Hat etwa 200.000 Einwohner und liegt zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus. Die Region hatte sich nach Kämpfen von 1992 bis 1993 von Georgien abgespalten und verwaltet sich seither weitgehend selbst. Nach dem Krieg war die ehemalige Touristenhochburg jahrelang isoliert. Seither haben sich die Beziehungen zu Russland verbessert; die meisten Einwohner haben russische Pässe und beziehen ihre Rente aus Russland.

Baskenland

Ein eigenes Baskenland ist seit vier Jahrzehnten das Ziel der Separatistenorganisation ETA. Die halbautonome Region im Norden Spaniens hat etwa 2,1 Millionen Einwohner. Nach einem Bombenanschlag der ETA am Madrider Flughafen, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, wurden die Friedensverhandlungen mit der spanischen Regierungen gestoppt. Auch im Südwesten Frankreichs leben zahlreiche Basken.

Berg-Karabach

Was mit sporadischen Kämpfen zwischen Aserbaidschanern und örtlichen Armeniern begonnen hatte, entwickelte sich 1992 zu einem Krieg zwischen beiden Ländern. Etwa 35.000 Menschen starben, Hunderttausende wurden vertrieben, bis 1994 ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Die Region ist weiterhin Teil von Aserbaidschan, wird jedoch von armenischen Truppen kontrolliert.

Bosnien-Herzegowina

Nach dem Friedensabkommen von Dayton 1992 entstand ein föderaler Staat aus einer muslimisch-kroatischen Föderation und einer Serbischen Republik. Die Bevölkerung - 48 Prozent Muslime, 37 Prozent Serben, 14 Prozent Kroaten - wuchs dadurch aber nicht zusammen. Für den Fall einer Unabhängigkeit des Kosovo haben die bosnischen Serben bereits mit einem Referendum über einen Anschluss an Serbien gedroht. Auch die Kroaten im Westen könnten dann einen Anschluss an Kroatien fordern.

Kroatien

Nach der Massenflucht von Serben während des Kroatien-Krieges in den 90er Jahren stellen die Serben nur noch 4,5 Prozent der Bevölkerung. Nationalistische Parteien in Serbien halten aber weiterhin an der Idee eines Großserbiens fest, zu der auch die Gebiete Ostslawonien, Baranja und Westsrem entlang der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der Donau im Osten Kroatiens zählen sollen.

Kurdistan

Die etwa 20 Millionen Kurden leben verteilt auf die Türkei, den Irak, Syrien und den Iran. Sie selbst bezeichnen sich als die größte staatenlose Minderheit der Welt. Im Südosten der Türkei kämpft die kurdische Arbeiterpartei PKK seit 1984 um Eigenständigkeit, mehr als 30.000 Menschen wurden seither getötet. Die Türkei befürchtet, dass die Kurden im Nordirak planen, ihren eigenen Staat auszurufen, was Unruhen in den türkischen Kurdengebieten auslösen könnte.

Mazedonien

Wie im Kosovo lebt in Mazedonien eine große albanische Minderheit. Sie macht rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus und ist vor allem im Nordwesten an der Grenze zu Serbien und Albanien angesiedelt. Bis zum Friedensabkommen von Ohrid 2001 kämpften albanische Untergrundkämpfer gegen mazedonische Sicherheitskräfte. Nach dem Ende des Bürgerkriegs wurden die Minderheitenrechte gestärkt. Dennoch kommt es in den überwiegend von Albanern bewohnten Regionen weiter zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Ein unabhängiges Kosovo könnte auch hier den Wunsch nach Autonomie wecken, wie der frühere EU-Kosovo-Unterhändler, Wolfgang Ischinger, warnte.

Montenegro

In Montenegro stellen Serben rund ein Drittel der Bevölkerung, die sich weiterhin eng mit dem Mutterland verbunden fühlen. Auch sie könnten einen Anschluss an Serbien anstreben. Im Norden des Landes, zu dem die überwiegend muslimische Region Sandzak zählt, gibt es ebenfalls Autonomiebewegungen. Zusätzlich könnten die Albaner in den Randgebieten im Süden und Osten ihre Zugehörigkeit zu Montenegro in Frage stellen.

Süd-Ossetien

Spaltete sich Anfang der 90er Jahre von Georgien ab. Ein Waffenstillstand wurde unterzeichnet, die Gewalt droht jedoch, wieder aufzuflammen. Russland hat, wie auch in Abchasien, Soldaten stationiert.

Transnistrien

Der winzige Landstrich trennte sich 1990 von Moldawien ab. Ein kurzer Krieg wurde durch den Einmarsch von russischen Truppen beendet. Die wirtschaftlich starke Region mit ungefähr 550.000 Einwohnern wird von Russisch sprechenden Slawen dominiert, die aus Furcht vor einem Zusammengehen Moldawiens mit Rumänien nach Eigenständigkeit streben. Etwa 1200 russische Soldaten sind in Transnistrien stationiert.

DPA/AFP/AP/Reuters AP DPA Reuters

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