VG-Wort Pixel

Persönliche Interviews Hund oder Katze? Liegestuhl oder Rasenmähen? Die Vorlieben der Spitzenkandidaten

Olaf Scholz (l.), Annalena Baerbock und Armin Laschet kämpfen um die Nachfolge von Angela Merkel
Olaf Scholz (SPD, l.), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) kämpfen um die Nachfolge von Angela Merkel
© Michael Kappeler / AFP
Unschlüssige nutzen gerne den Wahl-O-Mat. Wer sich mehr Zeit nehmen möchte, schaut in die Wahlprogramme der Parteien. Aber wofür stehen die Spitzenkandidaten persönlich und was sind ihre Vorlieben? "Müsli oder Rührei?" – das ist die Frage.

"Ich hatte einen Kater", sagt SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Mit dickem Kopf nach einer durchzechten Nacht hat dieser Satz aber nichts zu tun. Getränke, die zu Brummschädeln führen, meidet Scholz momentan: "Im Augenblick alkoholfreies Bier", antwortet er auf die Frage "Bier oder Wein?". "Ich hatte einen Kater" ist seine Antwort auf die beliebte Haustier-Frage "Hund oder Katze?". 

In einer Interviewserie der "Radiozentrale" in Zusammenarbeit mit der Deutschen Presse-Agentur haben sich die Kanzler- und Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien Fragen zu politischen und privaten Themen gestellt. Für die Antworten war jeweils nur 30 Sekunden Zeit. Dazu gab es "Entweder-oder"- und "Ja-oder-Nein"-Fragerunden. Die politischen Ansichten sind zwar grundverschieden, privat gibt es über Parteigrenzen hinweg aber einige Gemeinsamkeiten.

Die Katzenliebhaber sind im Kandidatenvergleich leicht in der Minderheit. Neben Scholz zählt auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock dazu. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU), FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner und Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch tendieren eher zum Hund. AfD-Spitzenkandidat Tino Chrupalla hat "gegen beide Tierarten nichts einzuwenden".

"Keine halben Sachen" beim Klima

Wo die Kandidaten die größten politischen Baustellen in Deutschland sehen ist klar: Annalena Baerbock will beim Klimaschutz "keine halben Sachen mehr", verspricht ein "Klimaschutz-Sofortprogramm" und fordert, "Familien endlich in den Mittelpunkt von Politik" zu stellen. Armin Laschet will Steuererhöhungen verhindern, um Arbeitsplätze zu erhalten, und findet, "Deutschland mangelt es an Tempo" bei Planung und Genehmigung. Außerdem müsse der Staat den Menschen mehr zutrauen, "sie machen lassen" und nicht alles reglementieren.

Top-Thema für Olaf Scholz ist der Mindestlohn, "wenigstens 12 Euro" (aktuell 9,60 Euro). "Viele, die schwere Arbeit leisten, werden nicht gut bezahlt. Das muss sich ändern." Außerdem will der SPD-Kanzlerkandidat "stabile Renten garantieren" und Kinderarmut bekämpfen. FDP-Spitzenkandidat Lindner beklagt, dass überall nur Geld verteilt werde, "aber wie es erwirtschaftet wird, ist völlig aus dem Blick geraten." Ohne starke Wirtschaft seien "alle ökologischen und sozialen Ziele unserer Gesellschaft unrealisierbare Träumerei".

AfD-Kandidat Tino Chrupalla fordert eine "konsequente Abschiebung von Straftätern und Migranten", Entlastungen für den Mittelstand und "mehr Meister als Master". Linke-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch sieht "obszönen Reichtum" in Deutschland und auf der anderen Seite "schreiende Armut". Das muss seiner Ansicht nach ausgeglichen werden durch eine "große Steuerreform", die Reiche stärker belasten würde.

"Rasenmäher macht Spaß"

Abseits vom Politischen deutet sich bei den Kandidaten eine Art Frühstücks-Koalition an: Bis auf Armin Laschet, der sich für Müsli entscheiden würde, bevorzugen alle anderen Rührei. An einem sonnigen Wochenende würden Olaf Scholz, Christian Lindner und Dietmar Bartsch den Liegestuhl aufklappen, der Müsli-gestärkte Armin Laschet würde sich dagegen eher für das Rasenmähen entscheiden.

"Rasenmähen macht Spaß, man sieht, was man geschafft hat", sagt der CDU-Chef. Auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und AfD-Spitzenkandidat Tino Chrupalla würden eher den Rasenmäher anwerfen, als im Liegestuhl zu entspannen. Bei "Bier oder Wein?" punktet der Wein bei Laschet, Lindner und Baerbock. Bartsch und Chrupalla lassen sich beides schmecken und Olaf Scholz bevorzugt - siehe oben - momentan alkoholfrei.

"Eine Welt ohne Krieg und Gewalt"

Und wie reagieren Kanzler- oder Spitzenkandidaten auf die Frage mit der guten Fee: "Wenn Sie nur einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?" Armin Laschet sagt: "Eine Welt ohne Krieg und Gewalt". SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz würde der Fee auftragen, "dass alle gut bezahlt werden". Der Herzenswunsch von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wäre "volle Kanne" Klimaschutz, um "die Erde für unsere Kinder und Enkelkinder zu bewahren".

Christian Lindner würde sich das "beste, tollste Bildungssystem der Welt" wünschen und Dietmar Bartsch ein gesundes und glückliches Leben für seine Familie, und eigentlich auch für alle Menschen - "aber ich fange mal im Kleinen an". Tino Chrupallas Wunsch: "Ein Deutschland, aber normal", dass seine "nationalen Interessen" vertritt.

Soul und Party hinter dem Horizont

Die Musikgeschmäcker sind so unterschiedlich wie die Parteiprogramme. Olaf Scholz ist wohl ein "Soulman": Dürfte er sich ein Lied im Radio aussuchen, wäre das "Respect" von Aretha Franklin, "weil mir das Thema wichtig ist". Armin Laschet wählt besinnliche Töne: "Im Kampf für eine bessere Welt: "What a Wonderful World" von Louis Armstrong".

TV-Triell: Armin Laschet (CDU) mit Uschi Glas

Das Party-Kontrastprogramm käme von Annalena Baerbock mit "Hey Ya!" von Outkast. Christian Lindner schwört auf "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen, Tino Chrupalla würde sich ein Lied von Bruce Springsteen wünschen - Titel offen. Dietmar Bartschs Wunsch wäre Udo Lindenbergs "Horizont", hinter dem es bekanntlich weiter geht. Denn: "Für die meisten Menschen ist der 27.9. (der Tag nach der Wahl) ein ganz normaler Arbeitstag".

nib DPA

Mehr zum Thema



Newsticker