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Bundeswehr-Jahresbericht: Schimmel in der Stube, Löcher im Mobiliar

Marode Kasernen, schlechte ärztliche Versorgung, geringer Sold - Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter des Bundestages, dokumentiert in seinem Jahresbericht die teilweise skandalösen Arbeitsbedingungen für Soldaten in Deutschland.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, hat mit drastischen Worten marode Kasernen in Westdeutschland, mangelnde Ausstattung der Soldaten und unzureichende ärztliche Versorgung kritisiert. Bei der Vorstellung seines Jahresberichtes sagte Robbe heute in Berlin, der Frust der Soldaten liege zum Teil auch darin begründet, dass viele Mängel seit Jahren bekannt seien. Die Bundeswehr schiebe eine "riesige Bugwelle" von Investitionen vor sich her, deren Höhe noch niemand genau ermittelt habe.

Robbe berichtete, wie er bei einem unangemeldeten Besuch in einer Kaserne in Norddeutschland marode Dächer, Schimmel in den Stuben, Schadstofffreisetzung durch sich lösendes Parkett, einsturzgefährdete Decken und nur mit Gummistiefeln betretbare Sanitärräume zu sehen bekam. Und dies sei kein Einzelfall. Da seit Anfang der 90er Jahre vorzugsweise in ostdeutsche Kasernen investiert worden sei, müssten die Soldaten in Westdeutschland "heute in Unterkünften leben, die ich als untragbar und teilweise sogar skandalös bezeichnen muss". Bei einem zweiten Besuch in einer ostdeutschen Kaserne sei das Problem die sanitätsärztliche Versorgung gewesen: ständig wechselnde Ärzte, mangelnde Eignung ziviler Vertragsärzte und tagelange Wartezeiten für eine Behandlung.

Robbe will Erhöhung des Soldes

Beim Besuch einer Unterstützungseinheit der Streitkräftebasis schließlich hätten Soldaten beklagt, dass dringend benötigtes Material und Gerät nur zu 20 bis 30 Prozent bereit stehe. 80 Prozent der Feldwebel-Dienstgrade seien nicht bedarfsgerecht ausgebildet, weil es an entsprechenden Plätzen in den Schulen fehle. Der Wehrbeauftragte beklagte die wachsende Schere zwischen Aufgaben und Finanzmittel. "Natürlich brauchen wir für die Bundeswehr mehr Geld", betonte Robbe, räumte allerdings die angespannte Haushaltslage der Bundesregierung ein.

Robbe sprach sich außerdem für eine Erhöhung des Wehrsoldes aus. Dieser betrage beispielsweise für Wehrpflichtige rund 240 Euro und sei seit 1999 nicht erhöht worden. Er wies darauf hin, dass die Bundeswehr angesichts der bevorstehenden geburtenschwachen Jahrgänge etwa ab 2008 zunehmend mit der Wirtschaft um qualifizierte Arbeitskräfte konkurrieren werden müsse und dies nur mit angemessenem Sold und akzeptablen Arbeitsbedingungen tun könne. 2006 richteten die Soldaten - wie auch schon in den Jahren zuvor - rund 6.000 Beschwerden an den Wehrbeauftragten. Gemessen an der abnehmenden Zahl der Soldaten bedeute dies eine Erhöhung, sagte Robbe.

AP / AP