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Helmut Schmidt: Ruhiger Fels in globaler Brandung

Die SPD steht vor dem Abgrund. Die Umfragen sind verheerend, ihr Personal ist zerstritten, die Lage aussichtslos. Man könnte an den Sozialdemokraten verzweifeln - gäbe es ihn nicht: Altkanzler Helmut Schmidt, der letzte Held der SPD. Mit 89 Jahren ist er eine Kultfigur - über die Parteigrenzen hinweg.

Von Ulrike Posche

Die Bibel kennt keine älteren Herren mit weißen Einstecktüchern in blauen Jacketts. Und es gibt darin auch keine Männer mit parfümiertem Schnupftabak und einem Scheitel, der so messerscharf ist, wie es die Sätze sind, die sein Träger spricht. Doch als der 89-jährige Helmut Schmidt an einem Frühjahrsabend einsam und in sich hineinhorchend hinter der Tür eines noch leeren Festsaales auf das Eintreffen der anderen Gäste wartet - da wirkt er eben doch wie eine weise Gestalt aus der Bibel: ein Allwissender, auf den die Welt nicht verzichten will. Ein Denker, auf den sie nicht verzichten kann. Und es sitzt, wenn man es nüchtern betrachtet, ein Grandseigneur in Hamburger Farben dort, der eine Cola trinkt und Zigaretten raucht.

Den Wahnsinn in der EU angeprangert

Minuten zuvor hat Helmut Schmidt noch den Wahnsinn in der EU angeprangert. In kleinen Schritten war er zum Lesetisch im wappenverzierten Saal des Hamburger Rathauses geeilt, hatte einen beflissenen Herrn, der ihm den Arm reichen wollte, ignoriert. Hatte das Publikum während all dessen keines Blickes gewürdigt und seinen bambusfarbenen Krückstock verächtlich auf den Boden geworfen, so wie er es immer macht, wenn er irgendwo Platz nimmt. Dann hatte er die Regelungswut in Brüssel hingerichtet: "Sie sind sich nicht einmal über den Kosovo einig. Zehn Jahre nach der Intervention! Sie sind sich nur einig über den Bau von Drahtseilbahnen und das Beschriften von Zigarettenschachteln."

Einmal hatte er sogar selbst über seinen Furor gelacht. Es war dieses typische Helmut- Schmidt-Lachen, das beide Zahnreihen beim Zusammenbeißen zeigt. Der Redner Schmidt kann mit einer Kunstpause eine ganze Halle zum gespannten Luftanhalten zwingen. Oder sie zum Lachen befreien. Ob er fände, wurde er neulich gefragt, dass unsere Politiker ihre Schularbeiten ordentlich machten? Lange Pause. "Ich zögere mit der Antwort", schnarrte er plötzlich. Damit war alles gesagt.

Ein Politikertypus, den es heute nicht mehr gibt

Es ist sonderbar, aber manchmal scheint es, als buhlten derzeit die Ereignisse geradezu darum, dass der einstige Innensenator, Minister und Kanzler das Haupt kurz hebt und sie gewichtet. Der Niedergang der Sozialdemokratie, der Aufstand der Tibeter, Olympia und Rauchverbot, Kriege und Krisen. Es gibt kein Thema, das der Besserwisser aus Hamburg-Barmbek derzeit nicht durch seine Meinung werten oder adeln könnte. Seine Worte treffen beim Publikum auf eine merkwürdige Sehnsucht nach einem Politikertypus, den es heute nicht mehr gibt. Schon gar nicht mit solchen Einstecktüchern in solchen Jacketts und Hosenträgern. Eine Sehnsucht nach dem ruhigen Fels in einer globalen Brandung.

Der Ölkrisen-Kanzler, der Terrorismus- Kanzler, der Nato-Doppelbeschluss- Kanzler - alle alten Etiketten scheinen auf einmal verblasst. Der harte Macher war gestern. Das Alter hat Schmidt erhaben gemacht. Seine Schrullen, das ewige Schnupfen und Colasaufen, seine nordelbische Überheblichkeit und die Disziplin, mit der er seinen schwächer werdenden Körper täglich zur Arbeit treibt, tragen ihm endlich die Bewunderung ein, die er früher nie bekam.

Willy Brandt, den Visionär, den haben die Leute geliebt. Ihn, den Macher, haben sie bloß geachtet.

Schmidt als Mensch

Seit aber das Fernsehen Loki und Helmut entdeckte, seit auch das Wochenblatt "Die Zeit" ihn Woche für Woche neu inszeniert, seither erlebt das Publikum zum ersten Mal - den Menschen Schmidt. Und es staunt über private Geständnisse, die der sich früher nie gestattet hätte.

Selbst diejenigen, die einst gegen den Spezialdemokraten und seine Aufrüstungspolitik protestiert haben, jubeln heute über die Zurufe des Herausgebers im "Zeit-Magazin". "Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt" heißt der kleine Talk, den er dort mit seinem Chefredakteur zu allem und jedem führt. Er denke überhaupt nicht daran, sagt er dort, sich das Rauchen abzugewöhnen - wow! Er habe immer zum HSV und nie zu St. Pauli gehalten - Wahnsinn! Er würde gern einmal den Koran lesen - Halleluja! Er beneide, wenn er Kinder sehe, deren Großeltern - rührend! Er habe nie in seinem Leben einen Döner bestellt.

Wollen die Menschen einen aufgeklärten Monarchen

Der Entertainer Harald Schmidt hat eine Erklärung dafür, weshalb das Charisma des anderen Schmidt gerade in einer zweiten Flutwelle sozusagen über das Land kommt: "Es weht einen so eine sanfte Demokratiemüdigkeit an", meint der Fernsehmann. Die Menschen wünschten sich "einen aufgeklärten Monarchen, einen, der die Mühen der Ebene einfach wegraucht". Ja, vielleicht ist das so in Zeiten der Becks und Kochs und Wulffs und Heils.

Sogar Helmut Kohl, 78, der andere Altkanzler, hatte offenbar vor Monaten Sehnsucht nach einem SPD-Mann von Format, nach dem hochmütigen Widersacher aus gemeinsamen Tagen. Zum Besuch in Schmidts Herausgeber-Büro bei der "Zeit" sei für Helmut Kohl eigens ein grauer Ledersessel angeliefert worden, so erzählen Beobachter. Er hätte sich sonst nicht angemessen bequem niederlassen können.

"Eine Legende mit Talent zum Live-Act"

Am Hamburger Domplatz hat man sich schon daran gewöhnt, dass dann und wann Polizeikonvois die Straße sperren, Hubschrauber mitten auf der Kreuzung landen, weiße Mäuse vorfahren. Meistens ist kurz drauf ein Getrappel auf den Fluren des Redaktionsgebäudes zu hören, und der Außenminister Singapurs etwa flitzt mit seiner Entourage zur Audienz beim Weltökonomen, oder Gerhard Schröder oder Henry Kissinger oder irgendein früherer Staatspräsident.

Als das Umfrageinstitut Forsa neulich nach dem "coolsten Kerl Deutschlands" fragen ließ, nannten die interviewten Männer nicht an erster Stelle Oliver Kahn, Til Schweiger oder Franz Müntefering. Sie kürten den Alten aus dem Reihenhaus in Hamburgs Norden. Die WDR-Comedy "Mitternachtsspitzen" widmet dem Ehepaar Schmidt seit Monaten eine liebevolle Parodie. "Loki und Smoky - der Exkanzler hustet uns was". Im Internetportal Youtube kann man die Folgen anklicken. Das preisgekrönte Filmporträt "Helmut Schmidt außer Dienst", das Sandra Maischberger im vergangenen Jahr im NDR präsentierte, wird praktisch jede Woche einmal bei irgendeinem anderen Sender wiederholt. Der Sender Phoenix zeigt alte Schmidt-Reden aus dem Bundestag in Bonn und eine neue, die er vor der "Stiftung Weltethos" in Tübingen hielt.

Ob er es will oder nicht, Helmut Schmidt ist schon lange nicht mehr nur der Bundesaltkanzler, der Publizist und Vortragsredner. Helmut Schmidt ist längst eine Legende mit Talent zum Live-Act. Er ist eine schichten- und generationenübergreifende Kultfigur. Was der Rapper-König Bushido für die Gangs von Neukölln ist, ist er für Leser und Hörer und für melancholische SPD-Wähler. Ein Klartext-Redner ist er, einer, der sich von niemandem etwas verbieten lässt - außer vom Gesetz und seinem Gewissen. Ein Held unserer Zeit. Er sagt, was Gott verboten hat. Er will kein Ideal sein, für niemanden. "Herr Schmidt, ich soll Ihnen von meinem Sohn sagen, dass Sie mit Ihrer Raucherei kein Vorbild für die Jugend sind", richtete ihm einmal ein besorgter Vater nach einer Lesung aus. Der ehemalige Oberleutnant der Wehrmacht blickte versonnen ins Weite, sagte nichts und sah dem Mann dann direkt in die Augen: "Sagen Sie Ihrem Sohn, Sie hätten Ihre Pflicht getan", gab er schließlich kühl zurück.

Schmidt fasziniert Beck

In einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" kritisierte der frühere Leichtathlet Thomas Wessinghage den damals zuständigen Kanzler wegen dessen Unterstützung des Olympia-Boykotts von 1980: "Selbst ein arroganter und nicht zu vernünftigen Gesprächen williger Bundeskanzler Schmidt wird im Nachhinein einsehen, dass der Boykott nichts gebracht hat." So etwas lässt Schmidt nicht auf sich sitzen. Mit Verweis auf die damalige Weltlage erklärte er umgehend in einem Leserbrief, wie es wirklich war und ist: Er habe den Boykott "von Anfang an und bis heute für sinnlos und schädlich gehalten, ebenso wie die heutigen Vorschläge für einen Boykott der Olympischen Spiele 2008 in Peking".

Tage später zitieren andere Blätter diese Zeile groß. "Ich steh ja wieder dauernd in der Zeitung", jammert er gelegentlich mit gespieltem Barmen, wenn er wieder etwas losgetreten hat. Die Wahrheit ist, ein bisschen eitel ist er schon noch. Ein wenig genießt er den Rummel, das Getrappel, die Avancen dann doch.

Es hat ihm natürlich auch gefallen, dass der SPD-Vorsitzende Kurt Beck ihn im Herbst bei einem Mittagessen im Hotelrestaurant drängte, er möge zum Parteitag kommen. Wegen des Signals, der Kontinuität. Schmidt habe zwei Löffel Suppe gelöffelt, lustlos im Salat gestochert, er habe zwei Flaschen Cola getrunken und Reyno White geraucht, berichten Becks Leute, er habe sich schweigend alles angehört. Als es nach dem Essen aber endlich um das Gerangel innerhalb der SPD ging, da habe er mit großem Appetit reingehauen. Er habe alles und jeden analysiert. Beck war fasziniert. Nicht, dass er sich Helmut Schmidt nun zum Vorbild genommen hätte, wie Gerhard Schröder es einst tat. Der hat ja sogar Schmidts Kunst der rhetorischen Verknappung kopiert - wenn auch nicht immer mit Erfolg. Beck war begeistert davon, "wie der Helmut noch drauf war".

Er verliert kein Wort über die gegenwärtige Anmutung der SPD

Auf dem Parteitag hat der Vorsitzende dann aber doch lieber so geredet wie immer. Schmidt und Schröder lauschten nebeneinander von der Ehrenbank. Umstehende wollen nach Becks Rede gehört haben, wie sich der fünfte Kanzler a. D. zum siebten Kanzler a. D. hinüberbeugte und ein einziges Wort fallen ließ: "Provinziell."

Nein, ums Verrecken nicht! Helmut Schmidt äußert sich zu vielem, aber nicht zur gegenwärtigen Anmutung seiner Partei. Nicht öffentlich. Die miesen Quoten, Kanzlerkandidat Beck, Steinmeier oder Steinbrück? Kein Wort kommt ihm über die Lippen. Im kleinen Kreis, gewiss, da lasse er schon mal durchblicken, wie geknickt er nach der verlorenen Hamburg- Wahl gewesen sei, berichtet ein Parteifreund. Wie ihn der Linksruck quäle. Dass er das Abrücken von Schröders Agenda- Politik für einen großen Fehler halte. Dann unke er, dass es wohl eine lange Zeit brauchen werde, bis die Partei sich wieder "aus dem ganzen Schlamassel befreien kann". Neulich ist ihm ein Satz herausgerutscht, den die Auguren prompt als Votum für Peer Steinbrück deuteten: "Ich kann wohl sagen, dass der gegenwärtige Finanzminister seine Arbeit sehr ordentlich macht." An dieser Stelle klatschte das Publikum besonders heftig. Steinbrück ist Hamburger, wie Schmidt selbst. Er ist die Wiederauferstehung des "Schmidt-Schnauze".

Doch während Steinbrück oft für sein nassforsches Oberklasse-Auftreten schimpfiert wird, applaudiert das Publikum dem wider alle guten Vorsätze paffenden Herrn Schmidt sogar stehend, wenn er Tacheles redet. "Die Deutschen haben eine Neigung, sich ängstigen zu lassen von Dingen, die morgen passieren könnten", sagt er bei einer Podiumsdiskussion und legt eine schön-dramatische Pause zwischen das könn und das ten, "aber ich warne mein Volk vor Pessimismus!" Finanzkrise, Raucherbein, Hartz - die Welt ist nun mal kein sicherer Ort, soll das heißen.

"Er hat es geschafft, über den Horizont hinaus zu denken"

Bei einer China-Diskussion in Dresden, zu der er mit seinen drei Bodyguards im kleinen Flieger einschwebte, sagt er vor 2000 Zuschauern: "Ich finde, anderen Ländern beizubringen, wie sie ihr Land einrichten sollen, das sollten wir den Amerikanern überlassen." Die Sachsen jubelten, klatschten, feixten wie in alten Zeiten. Schmidt hält im Speziellen nichts vom Amerika der Bush-Ära, das ist bekannt, und generell nichts vom Einmischen. "Es ist nicht unsere Aufgabe, den Tibetern und Chinesen zu sagen, wie sie mit den buddhistischen Mönchen umzugehen haben." Ob es denn ein Fehler der Kanzlerin gewesen sei, den Dalai Lama zu empfangen, will Moderator Frank Sieren an jenem Abend in Dresden wissen. "Das war sicher ein Fehler, ja", schnippt Schmidt zurück, "eine unnötige Geste, die niemanden gefreut hat", Pause, "außer den Dalai Lama." Applaus, Gelächter. Sieren: "Aber 80 Prozent der Deutschen waren laut Umfrage dafür, dass er empfangen wurde." Schmidt: "Deswegen wird es trotzdem nicht besser."

Er spricht stets apodiktisch, nach ihm kann nichts mehr kommen. Um ihn sind lauter kleine Fische und viel Schwarmintelligenz. Er ist, trotz aller Gebrechlichkeit, der Zander, mit großem Gebiss, der Rest ziemlich zäh. So schwimmt Schmidt noch mit 89 Jahren gegen den Strom und über allem. "Helmut Schmidt hat es geschafft, über den Horizont hinaus zu denken", schwärmt sein Freund Theo Sommer, "man sieht in ihm keinen Parteistrategen, keinen Eiferer, sondern jemanden, der Grundsätzlichkeit und Aufrichtigkeit ausstrahlt." Egal, ob er bei "Beckmann" sitzt oder in den Konferenzen seines Blattes, überall streut er unpopuläre Thesen und harte Fakten wohldosiert ins Gespräch. Die Zahl der Studienabbrecher in Deutschland beispielsweise, verglichen mit der Zahl chinesischer Studienabbrecher. Skandinaviens Exportzahlen und deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Er hat das alles parat.

Meistens hat er recht

Er sagt nicht, dass Wladimir Putin ein lupenreiner Demokrat gewesen sei, das nicht. Er sagt aber: "Demokratischer als das Land Putins war Russland nie zuvor." Jenen, die China für eine Diktatur halten, hält er entgegen: "Es geht der Masse der 1300 Millionen Chinesen - das sind mehr als 15-mal so viel, wie wir in Deutschland haben - besser denn je. Natürlich bringt das auch Ungerechtigkeiten mit sich! Viele Leute wollen auch Auto fahren und können es sich nicht leisten. Viele Leute im Hinterland haben nicht denselben Lebensstandard wie die in Shanghai, in Hongkong oder weiß der Kuckuck. Gerechtigkeit ist doch eine Illusion", sagt Soze Schmidt und fliegt eine kühne Schlusskurve, "man soll doch froh sein, wenn es im eigenen Land halbwegs gerecht zugeht."

Es ist nicht immer einfach, Schmidts selbstbewusste Haltungen zu ertragen. "Früher habe ich ihn für dieses Unbelehrbare und Selbstgerechte immer gehasst", sagt eine Mittfünfzigerin, die mit ihrem Mann aus Berlin nach Dresden gereist ist, um den Konfuzianer aus Hamburg zu hören, "heute bewundere ich ihn, weil er so oft recht hat." Schmidt findet auch, dass er meistens recht hat.

Der Autor und Asienexperte Frank Sieren hat mit dem Exkanzler ein gemeinsames China-Buch geschrieben. "Vergnüglich" sei das falsche Wort für die Gespräche mit dem widerspenstigen Denker, sagt Sieren, "aber wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat, über ein stabiles Selbstvertrauen verfügt und dem Passivrauchen etwas abgewinnen kann, ist es spannend". Helmut Schmidt bemühe sich, den Kern der Dinge ständig neu zu ergründen. Immer wieder beginne er mit dem Nachdenken von vorn. Das ist anstrengend, aber auch beglückend.

Neues Buch

Dieses Immer-wieder-neu-Beginnen ist Helmut Schmidts Lebenselixier. Ein Dutzend Zeitungen am Morgen, deutsche und ausländische, die Rituale des Bücherschreibens, sechs bis zehn Seiten am Tag, handschriftlich im Sekretariat zum Tippen abgeliefert, dann von guten Freunden wie Hans Apel und Manfred Lahnstein lesen lassen und mit Marginalien versehen zurückbekommen; das lebhafte Diskutieren in der Redaktion, das gierige Aufsaugen der Erzählungen seiner vielen Besucher, die er zwischen Billy-Regalen und Schreibtisch empfängt und mit einem irischen Sahnelikör von Bailey's bewirtet. All das ist Helmut Schmidts wahrer Himmel. Daraus zieht er seine spröde Altersgröße.

Und genau das ist es, was die Politikverdrossenen begeistert. Auf so einen haben sie gewartet. Auf so einen warten Junge und Alte an den Bühnenausgängen, um sich Bücher und Fotos signieren zu lassen. Er hasst solchen Rummel. "Aber es gibt ja nicht viele mit seinem Sinn für Realitäten", sagt der Publizist Theo Sommer, "er ist ein durchweg anständiger Mensch, das merken die Leute." Auf dem Hamburger Parteitag im Oktober applaudierten seine Anhänger sogar, als er gar nichts sagte, sondern plötzlich nur auf der Großleinwand zu sehen war, wie er sich just in dem Moment, in dem Parteichef Kurt Beck von der Gesundheitsreform sprach, eine Zigarette anzündete.

Kurz ein müder, gebrechlicher Herr biblisches Alters

Es ist Frühling 2008. Helmut Schmidt hat wieder einmal alles unbeschadet überlebt, den SPD-Parteitag, den langen Winter, eine Operation am Auge, das Rauchen. An jenem stürmischen Frühlingsabend aber, als er im Hamburger Überseeclub hinter einer Saaltür auf das Eintreffen seines Freundes Valéry Giscard d'Estaing wartet, da ist er für einen unbeobachteten Moment lang dann doch ein müder, gebrechlicher Herr von biblischem Alter. Man hat ihm eine Cola serviert, er raucht. Auf dem Tischlein ragt eine kolossale Pfeffermühle in die Luft. Das hat etwas Höhnisches. Dann betritt der frühere französische Staatspräsident, begleitet von einer sehr hübschen Pressedame, den kleinen Empire-Saal, und sofort geht ein Ruck durch Schmidt. Der andere mag jünger sein, er ist der Kokettere: "I am not even lively", entschuldigt sich der Ex-Kanzler, weil er sich nicht erheben kann. Man spricht Englisch, Schmidt habe ja nur ein paar französische Brocken vom Pariser Montmartre im Repertoire, sagt Giscard, und die eigneten sich nicht zur Konversation unter Stuckdecken. "Up from here", erklärt Schmidt dem alten Freund und legt die Hand waagerecht vors Kinn, "everything is okay". Hier oben ist noch alles gut in Schuss. "But downstairs - terrible!"

Im Sommer soll Schmidts neues Buch erscheinen. Es werden zwei Biografien folgen, im Dezember wird er 90. Er wird Vorträge halten müssen, weil oben noch alles okay ist. Er wird auf Bühnen sitzen, Cola trinken, Tabak schnupfen und dozieren, er wird Interviews geben bei "Beckmann" und Co. Das reinste Rummelpottlaufen wird um ihn beginnen. Wenn Gott will, und von dem geht er aus, dann wird er seinen Stock in nächster Zeit noch oft auf den Boden schmeißen und in der Zeitung stehen.

Es wird "terrible" werden, schrecklich. Aber er wird es genießen, endlich geliebt zu werden.

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.