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Kritik an Großer Koalition: Zeit, übers Nörgeln zu nörgeln

Die neu vorgestellte Ministergarde der Großen Koalition muss seit dem Moment ihrer Bekanntgabe Kritik einstecken, dabei ist diese Regierung aufregender denn je - Schluss jetzt mit der Großen Nörgelei.

Ein Kommentar von Ulrike Posche

Es ist ja so, dass schon jetzt wieder das Große Nörgeln über die Große Koalition losgeht. Oder wie diese Abkürzungsfimmelanten sagen würden: Das GroNö über die GroKo.

Dabei ist Alexander Dobrindt gerade erst in seinem schönen Glencheck-Anzug beim Präsidenten gewesen. Die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt (IBuK), Doktor Ursula von der Leyen, hat mit einem roséfarbenen Blazer Merkels mehrheitlich anthrazitfarbene Truppe aufgemischt und Herlind Kasner, Mutter der Kanzlerin, stand in diesen Minuten erst beim Eid ihrer Tochter auf der Tribüne. Schon jetzt nörgeln die ersten Kommentatoren über das, was diese Koalition sicher nicht schaffen wird.

Welch eine Anmaßung von Wissen!

Die aufregendste Koalition seit Rot-Grün

Ganz ehrlich, diese Koalition ist doch die aufregendste, die wir haben, seit Gerhard Schröder und Joschka Fischer mit flachen Sektschalen auf ihre Gemeinsamkeit anstießen. Damals im Jahr 1998, bei rot und grün.

Es sitzen Menschen in diesem Kabinett, weil sie Themen beherrschen und nicht weil sie aus Franken kommen, oder vom nördlichen Niederrhein und von Landesverbänden an den ovalen Tisch geboxt wurden. Es sitzen lauter Politikerinnen auf den blutergussblauen Stühlen der Regierungsbank, die sich was trauen.

Die Kanzlerin zum einen, die ihre beinahe wichtigsten Ministerien und Zukunftsthemen in die Hoheit des dicken Herrn an ihrer Seite abgab. Sie nimmt den Streit, die Diskussionen, die es garantiert mit Sigmar Gabriel noch geben wird, in Kauf. Wir werden Ursula von der Leyen bestaunen können, die es ihrem Naturell entsprechend entweder so zackig angehen wird wie einst der von und zu Guttenberg - oder viel klüger. Mal sehen. Wird spannend. In jedem Fall.

„KommSe mal her, Frau Nahles“

Andrea Nahles wurde soeben Arbeits- und Sozialministerin, weil sie von beidem viel, wenn nicht sogar alles versteht. Sie hat "Ja" gesagt, obwohl sie stets glaubte, Ministerin - Hallo, Leute, das ist echt nichts für mich! Sie sei doch schließlich ein reines SPD-Parteitierchen, sagte sie früher. Man kann ihr bereits bei der Persönlichkeitsschärfung zusehen. Sie spricht seit Sonntag viel besonnener. Sie siezt jetzt. "KommSe mal her, Frau Nahles", sagte Merkel vorhin, als sich das frische Kabinett im Schloss Bellevue zum Gruppenbild aufstellen musste. Andrea neben Angela. Der Beginn einer Frauenfreundschaft - wer hätte das vor drei Monaten für möglich gehalten!

Dass sich die kluge Barbara Hendricks mit 61 Jahren einen solchen Brocken wie das Umweltministerium zumutet und zutraut - daran gibt es doch erst mal nichts zu nörgeln. Und schließlich Alexander Dobrindt - das ist der Glencheck-Mann mit der Brille - Alexander Dobrindt hat dem Phoenix-Reporter heute früh ganz fest in die Hand versprochen, dass er sich als Verkehrsminister ein neues Mindset zulegen wird. Dass er nicht mehr so holzen will und wüten und beleidigen wie neulich noch als Generalsekretär der CSU. Das alles ist doch schon mal ein guter Anfang! Da warten wir doch mal ab und gucken gespannt, was er so mit der Maut dengelt. Und nörgeln (GroNö) nicht schon jetzt über das, was die Große Koalition (GroKo) noch überhaupt gar nicht verbockt hat!