VG-Wort Pixel

Klimagipfel COP26 kompakt Rund 30 Staaten, Städte und Unternehmen wollen Verkauf von Verbrennerautos beenden

Autoabgase
Umweltschädling Verbrennerauto: Mehr als 20 Staaten wollen damit Schluss machen
© Marijan Murat / DPA
Alle Entwicklungen und Nachrichten zum Klimagipfel COP26 in Glasgow kompakt bei stern.de.

Inhaltsverzeichnis

Seit dem 31. Oktober läuft der UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow. Auf Einladung der Vereinten Nationen beraten Regierungsvertreter und Fachleute aus rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Menschheit die beschleunigte Erderhitzung noch auf ein erträgliches Maß eindämmen kann. Die Erwartungen sind enorm. Alle Entwicklungen und Nachrichten zum Klimagipfel kompakt hier bei stern.de.

Neuer COP26-Entscheidungsentwurf mit abgeschwächter Formulierung zum Kohleausstieg

Am offiziell letzten Tag der UN-Klimakonferenz in Glasgow hat der britische Konferenzvorsitz überarbeitete Verhandlungstexte vorgelegt. In der am Freitagmorgen vorgelegten Rahmenentscheidung der COP26 ist weiterhin ein Aufruf zum Ausstieg aus der Kohleenergie enthalten. Allerdings wurde dieser mit dem Zusatz "ohne CO2-Abscheidung" abgeschwächt. Kohlekraftwerke, die Kohlendioxid abfangen und damit ihre klimaschädliche Wirkung verringern, sind damit anders als in dem ersten Entwurf vom Mittwoch nicht mehr eingeschlossen.

Bei dem Appell an die Staaten, ihre Förderung für alle fossilen Energieträger einzustellen, wurde nun eingeschränkt, dass damit "ineffiziente" Subventionen gemeint sind. Damit fällt die Förderung etwa von Erdgas-Infrastruktur für eine Übergangsphase beim Umstieg von der Kohle auf erneuerbare Energien nicht unter diesen Aufruf.

Wenn diese Formulierungen von den Verhandlern abgesegnet würden, wäre dies dennoch ein Fortschritt. Im 2015 geschlossenen Pariser Klimaabkommen waren die fossilen Energien nicht als Haupttreiber der Erderwärmung genannt worden.

Flasbarth: Große Verursacher von Treibhausgasen müssen liefern

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth hat die großen Verursacher von Treibhausgasen dazu ermahnt, ihrer Verantwortung auf der Weltklimakonferenz gerecht zu werden. "Wir sollten nicht so tun, als ob die kleinen Inselstaaten die Aufholjagd in diesem Jahrzehnt gestalten könnten", erklärte Flasbarth zu den bisher bekannten Ergebnissen der UN-Verhandlungen im schottischen Glasgow. Die kleineren Staaten würden kaum Treibhausgase emittieren und damit auch nicht wie Industriestaaten zur Erderwärmung beitragen. Es sei "gut und richtig", dass man sich im neuen Entwurf für die Abschlusserklärung das Ziel gesetzt habe, die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2010 zu senken. Aber eines sei auch klar: "80 Prozent der Emissionen kommen aus den G20-Staaten."

Rund 30 Staaten, Städte und Unternehmen wollen Verkauf von Verbrennerautos beenden

Ein Bündnis aus rund 30 Staaten, Städten und Unternehmen hat sich in Glasgow zum vollständigen Umstieg auf emissionsfreie Autos bis spätestens 2040 bekannt. "Zusammen werden wir daran arbeiten, dass alle Verkäufe neuer Autos und Kleinbusse generell bis 2040 und in führenden Märkten nicht später als 2035 emissionsfrei sind", heißt es in der vom britischen COP26-Vorsitz veröffentlichten Erklärung.

Zu den Unterzeichnern gehören neben Großbritannien EU-Staaten wie Dänemark, Polen, Österreich und Kroatien, andere Industrieländer wie Israel und Kanada, Schwellen- und Entwicklungsländer wie die Türkei, Paraguay, Kenia und Ruanda, Bundesstaaten wie Kalifornien sowie Städte wie Barcelona, Florenz und New York. Von den deutschen Autobauern schloss sich Mercedes Benz der Initiative an, außerdem machen Ford, Volvo und Jaguar Landrover mit. Darüber hinaus beteiligen sich dutzende Unternehmen, die in die Autoindustrie investieren oder über eigene Wagenflotten verfügen, wie Eon, Ikea und Unilever. Die Autobauer sagten zu, "in führenden Märkten" bis spätestens 2035 nur noch emissionsfreie Autos und Kleinbusse zu verkaufen und dies mit einer Geschäftsstrategie zu fördern, die eine entsprechende "Nachfrage der Konsumenten" stärke. 

Deutschland gehört nicht zu den Unterzeichnern. "Der fossile Verbrenner wird 2035 auslaufen. Die Verbrennertechnologie wird aber weiterhin gebraucht. Wir wollen sie mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral machen und die Vorteile der Technologie erhalten", begründete der scheidende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Absage. Die geplante Erklärung berücksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen aber nicht.

Dieser Text wurde nach Veröffentlichung der Erklärung aktualisiert.

Deutschland und andere Staaten wollen grüne Schiffskorridore schaffen

Auf dem Weg zum Null-Emissions-Ziel wollen Deutschland und knapp 20 weitere Staaten ihren Schiffsverkehr in den nächsten Jahren auf ersten Routen klimaneutral gestalten. In der nach dem Glasgower Fluss Clyde benannten Clydebank-Erklärung bekennen sich die Länder dazu, bis zur Mitte des Jahrzehnts mindestens sechs Null-Emissions-Schiffsrouten zwischen verschiedenen Häfen zu etablieren, wie der britische Gastgeber der Weltklimakonferenz mitteilte. Bis 2030 sollen "viele weitere" hinzukommen. Zu den Unterzeichnern gehören neben Deutschland und Gastgeber Großbritannien etwa auch die USA, Frankreich, Italien, die Niederlande und die skandinavischen Staaten.

Deutschland bei Pakt für klimafreundlicheren Luftverkehr nicht dabei

Deutschland hat sich einer auf der Weltklimakonferenz geschlossenen Allianz für mehr Klimaschutz in der Luftverkehrsbranche nicht angeschlossen. Wie auch beim Pakt zum Ende des Verbrennungsmotors fehlt die Bundesrepublik bislang auf der vom britischen Gastgeber veröffentlichten Liste der 14 Staaten, die sich zu einem Herunterfahren ihrer klimaschädlichen Emissionen und zum Netto-Null-Ziel im Jahr 2050 bekennen. Die Gründe dafür waren zunächst unklar.

In der Erklärung der Allianz heißt es, man erwarte in den kommenden 30 Jahren eine erhebliche Zunahme der Zahl der Flugpassagiere. Zu den Unterzeichnern gehören die USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Türkei. Die Allianz will auch auf klimafreundlichere Kraftstoffe setzen.

Klima-Aktivisten appellieren in Glasgow an künftige Bundesregierung

Klima-Aktivisten von Fridays for Future haben sich am Morgen auf der Weltklimakonferenz zu einer Protestaktion am Pavillon der Deutschen Delegation versammelt. Mit hochgehaltenen Schildern und aufgemalten Ampeln riefen sie die Koalitionsverhandler von SPD, Grünen und FDP dazu auf, ihre Klima-Versprechen einzuhalten. "Es ist ein historische Chance, weil gerade über eine neue Regierung verhandelt wird. Deutschland hätte die Macht, Dinge voranzubringen und zu liefern", sagte die deutsche Klima-Aktivistin Luisa Neubauer, die die Gruppe von etwa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus mehreren Ländern anführte.

Fridays for Future hält die aktuellen Klimaschutz-Pläne der Ampel-Verhandler in Berlin für nicht ausreichend, um eine Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu verhindern. Die Aktivistinnen und Aktivisten machten auch auf die Verantwortung der Industriestaaten für die Folgen der Klimakrise im globalen Süden aufmerksam.

Jugend muss sich laut Studie auf deutlich mehr Extremwetter einstellen

Wegen des Klimawandels muss sich die heutige Jugend nach einer Studie darauf einstellen, bis zu siebenmal häufiger mit Extremwetter konfrontiert zu werden als die in den 60er-Jahren geborene Generation. Dies zeigt ein Bericht im Auftrag von PMNCH, einer globalen Allianz unter dem Dach der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Schutz von Frauen und Kindern. Er soll heute auf der Weltklimakonferenz vorgestellt werden. Demnach steigt auch das Risiko von Gesundheitsschäden, erzwungener Flucht aus der Heimat, unzureichender Ernährung und Arbeitslosigkeit.

Der Studie zufolge werden fast alle der heute etwa 1,2 Milliarden Heranwachsenden im Alter von 10 bis 19 Jahren zumindest einer klimabedingten Gefahr ausgesetzt sein – etwa Hitzewellen, Wirbelstürmen, Luftverschmutzung, Überschwemmungen oder Wasserknappheit. Um sie zu schützen, sei es unerlässlich, die Erderhitzung wie 2015 in Paris vereinbart auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Kinder und Jugendliche treffe keine Schuld, doch müssten sie die schlimmsten Konsequenzen ertragen.

COP26-Nachrichten von Dienstag, den 9. November:

Klimaschutz-Index: Deutschland rückt im weltweiten Vergleich vor

Im Rennen um den besten Klimaschutz hat Deutschland den Abstand zu den skandinavischen Länder an der Spitze etwas verkürzt. Im neuen Klimaschutz-Index 2022 liegt die Bundesrepublik auf Rang 13, so gut wie seit acht Jahren nicht mehr (Vorjahr: Platz 19). Die Rangliste wurde heute von Germanwatch, dem NewClimate Institute und dem Climate Action Network in Glasgow vorgestellt. Verglichen werden darin die Bemühungen der größten Emittenten, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu drosseln. Zudem wird bewertet, inwieweit die Staaten auf dem richtigen Pfad sind, das 2015 in Paris vereinbarte Klimaziel zu schaffen – also die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

In dem Index belegen Dänemark, Schweden und Norwegen die Ränge vier bis sechs, vor allem dank großer Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien und guter Klimapolitik. Die Plätze eins bis drei bleiben erneut frei, "da sich noch kein Land tatsächlich auf einem 1,5-Grad-Pfad befindet", wie es hieß.

Am Ende der Tabelle finden sich den Verbänden zufolge "die größten Bremser": Australien mit der schlechtestmöglichen Wertung 0,0 – noch hinter Brasilien und Algerien. Aber auch fünf EU-Staaten befinden sich bei der Klimapolitik in der untersten Kategorie "sehr schlecht": Das sind Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und Tschechien.

Festnahmen bei Protesten am Rande der Klimakonferenz

Bei Protesten von Fracking-Gegnern in Glasgow sind 16 Menschen vorübergehend festgenommen worden. "Wir haben einen friedlichen Protest ermöglicht", teilte die Polizei gestern Abend mit. Um allerdings das Demonstrationsrecht mit der öffentlichen Sicherheit und den Rechten der Gemeinschaft in Einklang zu bringen, würden die Demonstranten "auf sichere Weise" entfernt.

Wie schottische Medien berichten, wollten die Demonstranten ein Abendessen von Wirtschaftsbossen blockieren. Einige Protestler hätten sich aneinander gekettet und manche sogar an den Boden festgeklebt, schrieb die "Scottish Sun" unter Berufung auf Augenzeugen. Alle Festgenommenen kamen später wieder auf freien Fuß. Am Rande der COP26 kommt es täglich zu Protesten.

COP26-Nachrichten von Montag, den 8. November:

Klimaschutz-Index wird Dienstag in Glasgow vorgestellt

Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow präsentieren Umweltschutzorganisationen an diesem Dienstag den Klimaschutz-Index 2022. Verglichen werden darin die Bemühungen der größten Emittenten, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu drosseln. Zudem wird bewertet, inwieweit die Staaten auf dem richtigen Pfad zum 2015 in Paris vereinbarten Klimaziel sind, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Vorgelegt wird der Index von Germanwatch, dem NewClimate Institute und dem Climate Action Network.

Offizieller Schwerpunkt ist das Thema Gleichstellung von Frauen in der Klimapolitik. Im Programm der britischen Präsidentschaft heißt es dazu, die Stärkung von Frauen als Entscheiderinnen führe auch in der Klimakrise zu "besseren Ergebnissen für alle".

Obama lobt Jugend für Klimaprotest

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat an die Jugend appelliert, die Politik beim Klimaschutz unter Druck zu setzen. "Ich will, dass ihr wütend bleibt! Ich will, dass ihr frustriert bleibt!", sagte der 60-Jährige in Glasgow. Er lobte insbesondere die Klimaschutzbewegung Fridays for Future und auch deren deutsche Aktivistin Luisa Neubauer, die 2019 erfolgreich 270.000 Menschen in Berlin auf die Straße gebracht hätten. Neubauer habe bewiesen, wie man Angst in praktisches Handeln übersetzen könne.

Obama rief junge Leute auch auf, bei Wahlen für den Klimaschutz abzustimmen. "Wählt, als ob euer Leben davon abhängt - denn das tut es", sagte er. Er wisse aus eigener Erfahrung: Regierungen brauchten den Druck der Bürger. Nur auf Proteste zu setzen, reiche nicht. "Denkt nicht, dass ihr die Politik ignorieren könnt", warnte der Ex-Präsident.

Auch als Verbraucher habe die Jugend riesige Macht, sagte Obama. Firmen könnten über Kaufentscheidungen dazu gebracht werden, klimafreundlich zu wirtschaften. "Nebenbei" komme als Aufgabe hinzu, Eltern, Großeltern und andere Vertreter der älteren Generation von der Bedeutung des Klimaschutzes zu überzeugen. "Sie hören euch mehr zu, als ihr denkt", sagte er.

Schottlands Regierungschefin wirft Johnsons Partei Korruption vor

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat dem britischen Premierminister Boris Johnson und seiner Konservativen Partei Korruption vorgeworfen. "Es gibt zunehmend Beweise für systematische Korruption im Herzen von Johnsons Regierung", sagte Sturgeon am Montag in einer Gesprächsrunde mit Journalisten. "Wenn wir dieses Verhalten in Russland oder anderen Ländern erleben würden, würde Boris Johnson es als Korruption anprangern."

Derzeit sind Johnsons Tories in mehrere Skandale verwickelt. So verhinderte die Regierungsmehrheit zunächst die Suspendierung eines Tory-Abgeordneten wegen unzulässiger Lobby-Arbeit. Außerdem wurde publik, dass die Konservativen mehreren Großspendern einen Platz im Oberhaus ermöglicht hatten.

"Im Herzen seiner Regierung herrscht eine tiefe Missachtung von Regeln und der Einhaltung von Standards", sagte Sturgeon. Johnson scheine zu denken, dass Regeln und Gesetze für alle außer für sich und seine Partei gelten. Johnsons Verhalten überzeuge immer mehr Menschen in Schottland von der Notwendigkeit, die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen, sagte Sturgeon mit Blick auf die von ihrer Partei beworbenen Abspaltung Schottlands von Großbritannien. Der Premier sei inkonsequent und scheine keine Prinzipien zu haben.

Berlin sagt weitere Hilfen für ärmere Länder zu

Die Bundesregierung hat bei in Glasgow eine Erhöhung ihrer Hilfen für ärmere Länder bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels angekündigt. Das Bundesumweltministerium werde seine Unterstützung für den internationalen Anpassungsfonds um 50 Millionen Euro aufstocken, sagte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth in der schottischen Stadt. Damit steige Deutschlands Beitrag zu dem Fonds auf 440 Millionen Euro.

Der Klimawandel sei "eine solche Realität geworden, dass Klimaanpassungsmaßnahmen unabdingbar sind", hob Flasbarth hervor. Der Chef des Anpassungsfonds, Mikko Ollikainen, lobte Deutschland als "den größten und einen der beständigsten Unterstützer" des Fonds. Als Beispiele für die Verwendung der Mittel nannte Ollikainen den Bau von Dämmen und die Instandsetzung von Kanälen im Senegal zum Schutz vor Hochwasser infolge des Klimawandels oder Bewässerungsprojekte in Costa Rica zum Schutz vor hitzebedingten Ernteausfällen.

Klimagipfel COP26 kompakt: Rund 30 Staaten, Städte und Unternehmen wollen Verkauf von Verbrennerautos beenden

Obama warnt bei Klimagipfel: "Wenn wir jetzt nicht handeln, ist es zu spät"

Der frühere US-Präsident Barack Obama bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow
Der frühere US-Präsident Barack Obama bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow
© Christoph Soeder / DPA

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat beim Weltklimagipfel dazu aufgerufen, auf die besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten zu hören. "Sie senden eine klare Botschaft: Wenn wir nicht jetzt handeln – und zwar mutig handeln –, dann ist es zu spät", sagte Obama in Glasgow. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 wäre nicht zustande gekommen, wenn kleine Inselstaaten und ärmere Länder nicht das Wort ergriffen und ihre Geschichten hörbar gemacht hätten.

"Wir haben nicht genug getan", gestand der Ex-Präsident ein, der auf Hawaii geboren wurde und sich selbst als "Inselkind" bezeichnete. Es müsse nun abgesichert werden, dass Versprechen für mehr Klimaschutz auch gehalten würden.

Klimaschützer kritisieren hohe Zahl von Lobbyisten bei COP26

Die Zahl der Lobbyisten für fossile Energieträger bei der UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow hat zu Beginn der zweiten Woche des Gipfels Kritik von Klimaschützern auf sich gezogen. Nach Angaben der Organisation Global Witness ist die Zahl der Öl- und Gas-Lobbyisten größer als jede einzelne Delegation der teilnehmenden Länder. Das geht den Angaben zufolge aus eine Liste der Vereinten Nationen hervor. Demnach sind bei der Konferenz 503 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie akkreditiert. Die größte nationale Delegation Brasilien hat hingegen nur 479 Mitglieder.

Gleichzeitig hätten sich viele Gruppen aus Ländern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, über mangelnden Zugang zu der Konferenz beklagt, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Anwesenheit Hunderter Lobbyisten werde "die Skepsis von Klimaschutzktivisten nur noch erhöhen", warnte Murray Worthy von Global Witness der Mitteilung zufolge.

Arme Länder durch Klimawandel von massivem Wirtschaftseinbruch bedroht

Den am meisten von den Folgen der Erderwärmung betroffenen Staaten droht laut einer Studie in den nächsten Jahrzehnten ein drastischer klimabedingter Einbruch ihrer Wirtschaftskraft. Den 65 untersuchten armen Ländern und kleinen Inselstaaten drohe beim derzeit zu erwartenden Klimawandel bis 2050 im Schnitt ein Rückgang ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 19,6 Prozent, heißt es in der heute veröffentlichten Studie, die von der Klima-Analytikerin Marina Andrijevic von der Humboldt-Universität in Berlin koordiniert wurde.

Bis zum Jahr 2100 sei mit einem Rückgang von 63,9 Prozent zu rechnen, heißt es in der Studie im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Christian Aid weiter. Diesen Zahlen liegt die Annahme zugrunde, dass die Erderwärmung im Jahr 2100 die Marke von 2,9 Grad über dem Niveau vorindustrieller Zeit erreicht hat. Sollte die Welt mit ihren Klimaschutzmaßnahmen auf den Pfad kommen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, läge der BIP-Verlust durch den Klimawandel im Durchschnitt bei diesen Ländern noch immer bei 13,1 Prozent bis 2050 und bei 33,1 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts.

Besonders stark leidet den Studienautoren zufolge Afrika unter den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels: Dort befinden sich acht der zehn am stärksten betroffenen Länder. Die Studie wurde anlässlich des Themenschwerpunkts klimabedingte Schäden und Verluste bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow veröffentlicht.

Briten rufen zur Bereitstellung weiterer Gelder auf

Die britische Regierung hat als Gastgeber der Weltklimakonferenz die reichen Industriestaaten aufgerufen, vor 2030 mehr Gelder im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe bereitzustellen. "Wir müssen nun handeln, um zu verhindern, dass der Klimawandel immer mehr Menschen in die Armut stürzt", sagte die britische Handelsministerin Anne-Marie Trevelyan, die heute in Glasgow die Gespräche über entsprechende finanzielle Zusagen leiten soll, einer Mitteilung zufolge.

Selbst wenn das angestrebte Ziel erreicht werde, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, seien große Investitionen und schnelles Handeln notwendig, um Klimaschäden zu begrenzen und abzufedern, hieß es. Großbritannien kündigte in diesem Zuge 290 Millionen Pfund (rund 339 Millionen Euro) an finanziellen Zusagen an, die insbesondere Ländern in Asien und dem Pazifik zugute kommen sollen und sowohl in die Energiewende als auch in Anpassungsmaßnahmen fließen sollen.

COP26-Nachrichten vom Wochenende:

Gegengipfel in Glasgow: Tribunal sitzt über Klimasünder zu Gericht

Nach zwei Großdemonstrationen für mehr Klimaschutz mit Zehntausenden Demonstranten hat am Sonntag in Glasgow ein Gegengipfel zur UN-Klimakonferenz begonnen. Der viertägige "People's Summit" startete mit einem "Tribunal der Völker", das über die Klimapolitik der meisten Staaten und der Vereinten Nationen zu Gericht sitzen will. Falsche Lösungen und Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung gefährdeten schon jetzt Gesundheit und Heimat von Millionen Menschen, hieß es.

Wie die Proteste an den Tagen zuvor hat auch der Gegengipfel zum Ziel, den Druck auf die Verhandlungsteams der etwa 200 in Glasgow vertretenen Staaten zu erhöhen. Kernforderungen sind radikaler Klimaschutz, eine umfassende Entschuldung aller Entwicklungsländer sowie Reparationszahlungen der Industriestaaten. Die COP26 Coalition – ein Bündnis von Organisationen und Kampagnen – schrieb: "Wir brauchen Klimaschutz, der für alle funktioniert, nicht nur für die Leute mit dem meisten Geld in der Tasche."

Trotz Corona ist Glasgow der größte COP aller Zeiten

Die Weltklimakonferenz in Glasgow dürfte trotz aller Hürden wegen der Corona-Krise das größte derartige UN-Treffen aller Zeiten sein. Zu diesem Schluss kommen die auf Klimathemen spezialisierten Journalisten von Carbon Brief nach einer Auswertung der vorläufigen Anmeldungen. Offiziell registriert wurden demnach 39.509 Delegierte – fast doppelt so viele wie bei der letzten Klimakonferenz 2019 in Madrid. Zwar dürfte die tatsächliche Teilnehmerzahl am Ende niedriger liegen, weil manche Delegationen – etwa aus Afghanistan, Samoa und Vanuatu – doch nicht anreisten. Doch ist der Abstand zu bisher größten COP (Conference of the Parties – Konferenz der Vertragsparteien), dem Treffen 2015 in Paris (30 372), so groß, dass der Rekord locker geknackt werden dürfte.

Klimaaktivistin Neubauer kritisiert bisherige Ergebnisse der COP26

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat die bisherigen Ergebnisse der Weltklimakonferenz (COP26) scharf kritisiert. "Wie erwartet dreht sich sehr viel um mehr oder weniger leere Reden", sagte Neubauer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ, Samstagsausgabe). Das Abkommen zum Schutz der Regenwälder zum Beispiel sehe ein viel zu spätes Ende der Rodungen im Amazonas vor. Auch die Übereinkunft zur Methan-Reduzierung sei "nicht radikal genug".

Al Gore mahnt Staaten zur Einhaltung ihrer Klima-Versprechen

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore hat die Staaten dazu ermahnt, ihre Klimaschutz-Versprechen einzulösen. "Was wir bislang erlebt haben, ist nichts im Vergleich zu dem, was geschehen würde, wenn wir die Zusagen, die hier in Glasgow gemacht worden sind, nicht einhalten würden", sagte Gore am Freitag auf der Weltklimakonferenz.

Um die junge Generation nicht zu enttäuschen, müsse Schluss sein "mit der Zeit des Aufschiebens und der Ablenkung", erklärte der langjährige Umweltaktivist. Die Staatengemeinschaft müsse anerkennen, dass sie nun in eine "Phase der Konsequenzen" eingetreten sei und diese zu einer "Phase der Lösungen" machen. Niemand könne mehr wegschauen, so Gore. Es gebe sehr genaue Daten über Treibhausgasemissionen und ihre Auswirkungen auf den Planeten. Auch die Verursacher von Treibhausgasen seien genau identifizierbar, erklärte er. Dabei gehe es nicht darum, eine Art Klima-Polizei zu errichten, sondern darum, gemeinsam Verantwortung zu tragen. "Die ganze Welt ist miteinander verbunden". Das habe auch die Pandemie gezeigt. Auch für die Klimakrise gelte: "Wir sollten auf die Warnungen der Wissenschaft hören."

Klima-Aktivistin vom Amazonas nach COP26-Rede bedroht – auch Bolsonaro attackiert sie

Eine Klimaaktivistin aus dem Amazonas-Gebiet hat nach eigenen Angaben nach ihrer Rede bei der Eröffnungszeremonie der Weltklimakonferenz COP26 etliche Todesdrohungen erhalten. "Ich denke, ich habe die richtigen Worte gesagt, weil sie mich attackiert haben", sagte Txai Suruí, die zum indigenen Volk der Paiter Suruí gehört, der BBC am Freitag.

Suruí hatte den Teilnehmern der Konferenz davon berichtet, wie der Klimawandel das Leben ihrer Gemeinschaft bedroht und sie zum Handeln aufgerufen. Brasiliens Präsident Jair Bolsanaro bezichtigte sie daraufhin, das Land zu attackieren. Suruí wurde zum Ziel von Anfeindungen und Drohungen in sozialen Medien. "Ich bin nicht hier, um Brasilien zu attackieren, ich bin hier, um die Realität zu bringen", verteidigte sich Suruí in dem BBC-Interview.

COP26-Nachrichten von Donnerstag, den 4. November:

Studie: 98 Prozent des Great Barrier Reef seit 1998 von Korallenbleiche betroffen

98 Prozent des Great Barrier Reef in Australien sind einer Studie zufolge seit 1998 von Korallenbleiche betroffen gewesen. Nur ein Bruchteil des weltgrößten Korallenriffs sei unberührt geblieben, hieß es in der am Donnerstag in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlichten Studie. 

Seit 1998 hätten fünf Massenbleichen das Riff in ein "Schachbrett" mit unterschiedlich stark betroffenen Bereichen verwandelt, sagte Hauptautor Terry Hughes von der australischen James Cook University. Während zwei Prozent des Unterwasser-Ökosystems verschont blieben, seien 80 Prozent seit 2016 "mindestens einmal stark ausgebleicht" worden.

Ursache ist laut Wissenschaftlern vor allem der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Ozeane. Häufigkeit, Intensität und Ausmaß dieser klimabedingten Hitzewellen im Meer nähmen zu, warnte Hauptautor Hughes. 2016, 2017 und 2020 kam es infolge von Hitzewellen zu drei Massenbleichen an dem Korallenriff.

Wissenschaftler der australischen Regierung hatten im Juli erklärt, die Korallen wiesen seit der letzten Bleiche zwar Anzeichen der Erholung auf. Sie räumten jedoch ein, dass die langfristigen Aussichten für das Riff "sehr schlecht" seien. 

UNO: Entwicklungsländer brauchen zehn mal mehr Klimahilfen als vorgesehen

Entwicklungsländer benötigen zum Schutz vor den immer härteren Folgen des Klimawandels nach UN-Angaben fünf bis zehn Mal so viele Finanzhilfen wie bislang vorgesehen. Laut einem am Donnerstag vorgestellten Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) benötigen allein die Entwicklungsländer bis 2030 bis zu 300 Milliarden Dollar (260 Milliarden Euro) pro Jahr für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und bis zu 500 Milliarden Dollar jährlich bis 2050.

Für die Entwicklungsländer, die wegen der Erderwärmung noch stärker von Stürmen, Überschwemmungen und Dürren betroffenen sind, steht bei der COP26 die Forderung an die reicheren Staaten, sich an die Zusage von jährlich 100 Milliarden Dollar zu halten, im Mittelpunkt. Doch nur ein Teil der zugesagten Klimahilfen ist für Anpassungsmaßnahmen vorgesehen, die die Auswirkungen des Klimawandels auf Länder, Menschen und Eigentum mindern sollen.

Die Industriestaaten hatten wenige Tage vor Beginn Weltklimakonferenz COP26 eingestanden, ihr Ziel für jährliche Klimahilfen für ärmere Länder zu verfehlen. Die versprochenen 100 Milliarden Dollar an Hilfen pro Jahr für die Bekämpfung des Klimawandels werden voraussichtlich erst ab 2023 erreicht. Die reicheren Länder hatten sich zu dieser Summe bereits ab 2020 verpflichtet.

Zwei Drittel der Deutschen für mehr Engagement beim Klimaschutz

Zwei Drittel der Deutschen sind der Meinung, dass Deutschland mehr für den Klimaschutz tun sollte. 67 Prozent äußerten dies in der Befragung des Instituts infratest dimap für den am Donnerstag veröffentlichten ARD-"Deutschlandtrend". Nur 20 Prozent halten die derzeitigen Anstrengungen demnach für angemessen. Neun Prozent – sind der Auffassung, die Politik solle sich hier weniger stark engagieren.

Auch international sehen mit Blick auf die laufende UN-Klimakonferenz in Glasgow 83 Prozent einen großen oder sehr großen Handlungsbedarf beim Klimaschutz. Allerdings zweifeln 82 Prozent zugleich daran, dass die internationale Staatengemeinschaft den Herausforderungen gerecht werde. Dies sind drei Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr.

85 Prozent machen dafür eine zu starke Orientierung der Staaten an ihren jeweiligen nationalen Interessen verantwortlich. 56 Prozent sehen den internationalen Klimaschutz dadurch ausgebremst, dass die Staaten vor allzu harten Einschnitten zurückschrecken würden. Befragt wurden am Dienstag und Mittwoch 1329 Wahlberechtigte telefonisch und online. Die Fehlerquote wurde je nach Anteilswert mit zwei bis drei Prozentpunkten angegeben.

USA und 19 weitere Staaten stoppen Finanzierung von Projekten für fossile Energien im Ausland

Insgesamt 20 Staaten, darunter die USA und Kanada, wollen nach eigener Aussage keine internationalen Projekte für fossile Brennstoffe mehr finanzieren. Das geht aus einer gemeinsamen Verpflichtung hervor, die auf dem Weltklimagipfel in Glasgow verkündet wurde, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Stattdessen sollen die dafür vorgesehenden 18 Milliarden US-Dollar künftig in saubere Energien fließen. Mit ihrer Verpflichtung, die alle fossilen Energieträger einschließt, gehen die Staaten über die Zusage der G20-Gruppe der wichtigsten Industriestaaten hinaus, die lediglich das Ende der Finanzierung ausländischer Kohle-Projekte zugesagt hatte. Umgesetzt werden soll die Verpflichtung bis Ende 2022.

Zu den 20 Staaten zählen auch Dänemark, Finnland, Italien, Costa Rico, Äthiopien, Gambia, Neuseeland und die Marshallinseln. Hinzu kämen fünf Entwicklungsinstitutionen, darunter die Europäische Investitionsbank und die Ostafrikanische Entwicklungsbank. Nicht vertreten sind allerdings asiatische Länder wie China, Japan und Südkorea, die für ein Großteil der Investitionen in fossile Energien verantwortlich seien, heißt es. Innerhalb der G20 hatten aber auch diese Staaten zumindest die Einstellung der Finanzierung von Kohle-Vorhaben zugesagt. Klima-Organisationen sprachen laut Reuters trotz allem von einem "historischen Schritt". Pferdefuß: Es soll Ausnahmen geben – unter nicht näher definierten "begrenzten Umständen". Sie müssten aber mit dem 1,5-Grad-Klimaziel im Einklang stehen, hieß es.

Kritik an von der Leyen wegen Privatjet-Flug über 70 Kilometer

Bericht: China 2020 für 31 Prozent weltweiter CO2-Emissionen verantwortlich

China ist im vergangenen Jahr für 31 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich gewesen. Das geht aus dem Klimabericht des Forschungsprojekts Global Carbon Projekt 2021 hervor, der am Donnerstag anlässlich der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow veröffentlicht wurde. Dieser hohe Anstieg der CO2-Emissionen könne darauf zurückzuführen sein, dass die chinesische Wirtschaft sich früher von der Corona-Krise erholt habe als der Rest der Welt, erklärten die Autoren des Global Carbon Projekt. Verantwortlich für die höheren CO2-Emissionen seien die Energiebranche und die Industrie. 

In diesem Jahr werden die weltweiten Treibhausgasemissionen dem Bericht zufolge wieder annähernd das Niveau von vor der Covid-Pandemie erreichen. Wenn sich die diesjährigen Trends fortsetzten, sei ein weiterer Anstieg der Emissionen im Jahr 2022 nicht auszuschließen, erklärten die Forscher. Dies gelte vor allem, wenn der Straßenverkehr und der Luftverkehr auf ihr früheres Niveau zurückkehren.

COP26-Nachrichten von Mittwoch, den 3. November:

Gutachten: Klimawandel ist wichtigste Herausforderung für Wälder

Einem neuen Gutachten zufolge ist die Anpassung an den Klimawandel die wichtigste Aufgabe, um die Wälder in Deutschland langfristig zu schützen. Zu diesem Ergebnis kommt der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik, der an diesem Mittwoch seinen Bericht an das Bundesagrarministerium übergeben hat.

Die Wissenschaftler empfehlen in ihrer Expertise, die Widerstandsfähigkeit von Wäldern angesichts der fortschreitenden Erderhitzung zu stärken und die künftige Waldpolitik auf dieses Ziel auszurichten. Dazu gehören laut Beirat etwa ein besseres Risikomanagement im Umgang mit Extremwetterereignissen, die Förderung von nachhaltiger Holzverwendung und der Schutz der Artenvielfalt.

Die Folgen des Klimawandels haben den Wäldern in Deutschland deutlich zugesetzt, wie auch der Waldbericht der Bundesregierung im Sommer gezeigt hatte. Die starken Stürme in den Jahren 2017 und 2018, die extreme Dürre und Hitzewellen in den Jahren 2018 bis 2020 sowie die massenhafte Vermehrung von Borkenkäfern hätten in den Wäldern zu Störungen und massiven Waldschäden geführt, hieß es in dem Bericht. Nach Angaben des Bundesagrarministeriums gibt es in Deutschland mittlerweile 280.000 Hektar Schadfläche, die wiederbewaldet werden müsste.

Ärmere Staaten pochen bei Weltklima-Gipfel auf Solidarität

Ohne finanzielle Zusagen kein wirksamer Klimaschutz: Diese Formel dürfte den Verhandlern im schottischen Glasgow mittlerweile bekannt sein. Das Geld ist auch bei der diesjährigen Weltklimakonferenz einer der Knackpunkte. Mit eindringlichen Appellen erinnerten die Vertreter ärmerer Staaten die Industrienationen am Mittwoch an ihre Finanz-Versprechen - und daran, was es für sie bedeutet, wenn nicht genug getan wird, um die Erderhitzung zu stoppen.

"Wir können nicht länger warten", sagte Sonam Phuntsho Wangdi aus dem südasiatischen Staat Bhutan als Sprecher einer Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder. "Wir haben am wenigsten zu dieser Klimakrise beigetragen." Die 46 Länder der Gruppe, in denen etwa eine Milliarde Menschen leben, seien für nur ein Prozent der globalen klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Zugleich litten sie heute schon tagtäglich unter dem Klimawandel. "Wir sind abhängig von den Entscheidungen, die hier getroffen werden."

Der Vertreter der Entwicklungsländer äußerte sich enttäuscht darüber, dass die Industriestaaten ihr im Pariser Klimaabkommen von 2015 bekräftigtes Versprechen, jedes Jahr 100 Milliarden US-Dollar zur Bewältigung der Klimakrise zur Verfügung zu stellen, erst mit Verspätung erreichen. "Es ist zu wenig und zu spät", sagte Wangdi. Eigentlich sollte die Summe seit 2020 in die stark betroffenen Länder fließen. Nun wird sie voraussichtlich 2023 erstmals erreicht.

Großbritanniens beständigstes Schneefeld geschmolzen

Ausgerechnet während der UN-Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow haben Wissenschaftler in Großbritannien ein beunruhigendes Zeichen für den Fortschritt der globalen Erwärmung ausgemacht. Ein als "Sphinx" bezeichnetes Schneefeld in der schottischen Cairngorm-Bergkette sei komplett weggeschmolzen, berichtete die BBC am Mittwoch unter Berufung auf einen Experten vor Ort. Es gilt eigentlich als beständigstes Schneefeld im ganzen Land.

Ganzjährige Schneefelder werden im Lauf des Jahres meist deutlich kleiner. Dass sie vorübergehend ganz verschwinden, geschieht meist nur in besonders warmen Jahren. Beim Schneefeld "Sphinx" geschah das im 20. Jahrhundert rund alle 30 Jahre. Seit der Jahrtausendwende passiert dies jedoch häufiger, alle paar Jahre. Das ist nach Angaben des Experten Iain Cameron aller Wahrscheinlichkeit nach eine Folge des Klimawandels.

Bei der COP26 in Glasgow ringen derzeit Staats- und Regierungschefs sowie Delegationen und Experten aus 200 Ländern darum, wie das Pariser Klimaziel von einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius erreicht werden kann. Einer der Sitzungssäle ist nach dem Gipfel Cairn Gorm benannt, der nicht weit von dem verschwundenen Schneefeld liegt.

Studie: Deutschen trauen Ampel-Koalition bei Klimaschutz wenig zu

Während in Glasgow der Weltklimagipfel läuft, herrscht unter den Bundesbürgern wenig Zuversicht, dass die künftige Bundesregierung im Kampf gegen Klimawandel und Naturzerstörung Erfolg haben wird. Einer repräsentativen Umfrage des Civey-Instituts im Auftrag des Naturschutzbundes (Nabu) zufolge herrscht diesbezüglich weithin Pessimismus. Auf die Frage "Haben Sie den Eindruck, dass die künftige Bundesregierung die richtigen Maßnahmen für die Bekämpfung der Klimakrise ergreifen wird?", antworteten 51,3 Prozent der Befragten mit Nein, wie die AFP vorliegende Umfrage ergab. 

Weniger als ein Drittel der Befragten (29,6 Prozent) antwortete demnach mit Ja. Beim Thema Schutz der Natur war die Skepsis der Umfrage zufolge noch größer: Hier verneinten 62,9 Prozent der Befragten die Frage danach, ob die künftige Bundesregierung die Zerstörung der Natur stoppen werde. Nur jeder Fünfte (20,6 Prozent) ging davon aus, dass die künftige Regierung der Zerstörung der Natur Einhalt gebieten werde.

"Die Ergebnisse der Umfrage sind ziemlich ernüchternd", sagte Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger. "Bei Klima- und Naturschutz genießen die Koalitionäre von SPD, Grünen und FDP bisher nur wenig Vertrauen." Der Schutz der Natur und die Einhaltung des 1,5-Grad-Limits bei der Erderwärmung seien aber "die beiden größten Herausforderungen unserer Zeit und längst keine Randthemen mehr".

COP26-Nachrichten von Dienstag, den 2. November:

Seeschifffahrt will Klimaziele verschärfen: CO2-neutral bis 2050

Die internationale Seeschifffahrt will ihre Klimaziele deutlich verschärfen. Statt den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bis 2050 zu halbieren, wie bisher von der Weltschifffahrtsorganisation IMO angepeilt, strebt die Branche nun an, bis dahin netto gar kein zusätzliches CO2 mehr in die Atmosphäre zu lassen. "Unsere Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein", sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann. Einen entsprechenden Vorschlag habe der Weltreederverband ICS bei der IMO in London, einer Organisation der UN, auf Initiative der deutschen Reeder eingereicht.

Das Problem: Containerschiffe können anders als Autos lange Strecken nicht mit Batteriekraft bewältigen. Zwar wird in den maritimen Branchen über ein großes Spektrum an alternativen Antriebskonzepten und Treibstoffen diskutiert. Neben Wasserstoff und Ammoniak stehen unter anderem sogenannte "E-fuels" im Blickfeld - beispielsweise Methanol, dessen Verbrennung zwar CO2 freisetzt, bei dessen Herstellung zuvor aber massenhaft CO2 gebunden wird, so dass ein neutraler Kreislauf entsteht. Allen Alternativen ist aber gemein: Noch nichts ist marktreif und in großem Stil für den breiten Praxiseinsatz verfügbar. 

Die Schifffahrt, die weltweit um die 90 Prozent aller Waren transportiert, ist nach IMO-Angaben für mehr als zwei Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Die Branche ist auch deswegen unter Druck, weil die EU die Zielmarken für die Verringerung von Treibhausgasemissionen verschärfen will. Dem Kommissionspaket "Fit for 55" zufolge sollen diese gegenüber 1990 bis 2030 um mindestens 55 Prozent sinken. Bis 2050 sollen in der Union netto gar keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausgestoßen werden.

Klimagipfel: Mehr als 100 Staaten besiegeln Pakt gegen Methan-Ausstoß

Mehr als 100 Staaten haben sich einer von der EU und den USA ins Leben gerufenen Initiative zur Reduzierung des Ausstoßes von klimaschädlichem Methan angeschlossen. Beim Klimagipfel im schottischen Glasgow teilten die EU und die USA am Dienstag mit, diese Länder repräsentierten 70 Prozent der Weltwirtschaft. Mit dabei sind neben Deutschland unter anderem auch Frankreich, Kanada, Israel und Japan. Die wichtigen Länder Indien, China und Russland standen allerdings nicht auf der Liste.

Methan ist das zweitschädlichste Treibhausgas und verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung. Die schon im September ins Leben gerufene Initiative hat zum Ziel, Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber 2020 zu senken. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden.

"Den Ausstoß von Methan zu reduzieren, ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag in Glasgow. Sie stellte den Pakt gemeinsam mit US-Präsident Joe Biden vor. Der Ausstoß von Methan in die Atmosphäre habe einen erheblichen Beitrag zur Erderwärmung. "Das ist die am tiefsten hängende Frucht", die man schnell und effektiv reduzieren müsse. US-Präsident Joe Biden sprach von einem "wegweisenden Engagement". Er sagte in Glasgow, das 30-Prozent-Ziel könne wahrscheinlich sogar übertroffen werden. 

Methan entsteht zum Beispiel in der Landwirtschaft, auf Abfalldeponien oder in der Öl- und Gasindustrie. Einer von der EU-Kommission zitierten Statistik des Weltklimarats (IPCC) zufolge ist Methan für die Hälfte der bisherigen Klimaerwärmung von rund einem Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit verantwortlich.

Deutschland unterstützt Südafrika beim Kohleausstieg mit knapp 700 Millionen Euro

Deutschland hilft mit weiteren Partnern Südafrika beim Umstieg von der Kohleenergie zu erneuerbaren Energien. Wie das Bundesumweltministerium mitteilte, stellt Berlin dazu über die nächsten fünf Jahre knapp 700 Millionen Euro bereit. Die Partnerschaft wurde demnach in Glasgow zusammen mit Großbritannien, den USA, Frankreich und der EU angekündigt. Insgesamt seien für die fünf Jahre 8,5 Milliarden US-Dollar (7,3 Milliarden Euro) vorgesehen, der Großteil als Kredite. Laut Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erzeugt Südafrika derzeit seinen Strom fast zu 90 Prozent aus Kohle.

Für Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) kann Südafrika mithilfe der Partnerschaft Maßstäbe für eine "sozial gerechte Energiewende" setzen und "eine Blaupause für andere Regionen" werden. Um den Kohleausstieg dort sozial verträglich zu gestalten, seien "auch Investitionen in die soziale Infrastruktur" nötig. Hilfe bräuchten vor allem die mehr als 90.000 Minenarbeiter, aber auch die Berufsausbildung von Jugendlichen, die beruflichen Möglichkeiten von Frauen sowie kleine und mittelständische Unternehmen müssten gefördert werden. Deutschland will zudem den südafrikanischen Bergbauregionen bei der Sanierung der Minenstandorte helfen.

Gipfel-Vorsitz zu "Fossil des Tages" gekürt

Die britische Regierung als Ausrichter des Weltklimagipfels ist von den Umweltschützern des Climate Action Networks (CAN) zum "Fossil des Tages" gekürt worden – unter anderem wegen Organisationsmängeln bei dem Mammuttreffen in Glasgow mit 28.000 Teilnehmern. Die versprochene inklusive Einbindung aller Interessen und Aktivisten zeige sich derzeit vor allem in dem, was die Briten am besten könnten: nämlich "in der Kunst des Schlangestehens", erklärten sie ironisch. An den ersten beiden Tagen hatten sich sehr lange Schlangen vor dem Kongresszentrum gebildet. Die Wartezeit betrug etwa am Dienstag weit mehr als eine Stunde bis zum Sicherheitscheck.

CAN rügte zudem, Vertretern der Zivilgesellschaft, die von weit her angereist seien, werde gesagt, es gebe keinen Platz in den Veranstaltungen und sie sollten diese online anschauen. "Da hätten wir gleich zuhause bleiben können – obwohl: Dann hätten wir das Wetter verpasst", bilanzierten sie mit Blick auf den trüben schottischen Herbst. Man hoffe, dass dieser Negativpreis der COP26-Präsidentschaft in dieser Hinsicht ein "Weckruf" sei.

Ministerin im Rollstuhl kann nicht auf COP26-Gelände gelangen

Die israelische Energieministerin Karine Elharrar hat nach eigenen Angaben aufgrund fehlender Barrierefreiheit zunächst nicht an der Weltklimakonferenz teilnehmen können. "Es ist traurig, dass die UN, die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen fördert, sich im Jahr 2021 nicht um Barrierefreiheit bei ihren Veranstaltungen kümmern", schrieb Elharrar am Montagabend auf Twitter. Laut Medienberichten versuchte die Ministerin am Montag erfolglos, über mehrere Eingänge in das entscheidende Gebäude zu kommen. Die Organisatoren hätten der Ministerin zudem die Fahrt mit einem Shuttle angeboten, das allerdings auch keinen rollstuhl-gerechten Zugang gehabt habe. Elharrar habe zwei Stunden draußen gewartet und sei dann wieder in ihr Hotel zurückgekehrt. Der britische Botschafter in Israel, Neil Wigan, entschuldigte sich bei der Politikerin und zeigte sich verstört über den Vorfall. Großbritanniens Umweltminister George Eustice bedauerte ebenfalls, hätte sich von Israel jedoch Informationen "über diese besondere Anforderung für ihre Ministerin" gewünscht, sagte er im BBC-Radio.

Studie nennt Klimawandel als Hauptursache für verheerende Brände in den USA

Der Klimawandel ist einer neuen Studie zufolge die Hauptursache für die verheerenden Waldbrände in den USA. Zwischen 2001 und 2018 zerstörten Brände im Westen der USA pro Jahr durchschnittlich 13.500 Quadratkilometer Land - und damit doppelt so viel wie zwischen 1984 und 2000. "Es ist so viel schneller passiert, als wir bisher angenommen hatten", sagte die Klimaforscherin Rong Fu der "Los Angeles Times".

Um zu verstehen, was zu der deutlichen Verschlechterung der Lage binnen kurzer Zeit geführt hat, analysierten Fu und ihr Team für die just zum Weltklimagipfel in der Fachzeitschrift "PNAS" veröffentlichte Studie verschiedene Faktoren, die das sogenannte Sättigungsdefizit (VPD) der Luft beeinflussen. Dieser Wert gibt an, wie viel Feuchtigkeit die Luft bei einer bestimmten Temperatur aufnehmen kann. Je höher das Defizit ist, umso mehr Wasser wird aus dem Boden und aus der Vegetation gezogen. Diese trocknen dann aus und die Waldbrandgefahr erhöht sich.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Zunahme der Waldbrände im Westen der USA während der Sommermonate eng mit dem Sättigungsdefizit der Luft zusammenhängt. Den Berechnungen von Fu und ihrem Team zufolge waren natürliche Klimaschwankungen nur für einen durchschnittlichen Anstieg des VPD um 32 Prozent verantwortlich. Die restlichen 68 Prozent des Anstiegs in den vergangenen 20 Jahren seien auf die globale Erwärmung zurückzuführen. "Vor dem Jahr 2000 konnten wir dieses Feuer begünstigende Wetter gut mit Wetterdaten erklären", sagte Fu. Mittlerweile sei jedoch weniger als ein Drittel davon auf natürliche Phänomene zurückzuführen.

COP26-Nachrichten von Montag, den 1. November:

100 Staaten wollen bis 2030 Entwaldung stoppen

Auf dem Weltklimagipfel haben sich mehr als 100 Staaten verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies hat die britische Regierung, die der UN-Konferenz vorsitzt, am späten Montagabend bekanntgegeben. Die beteiligten Länder, darunter Deutschland und die gesamte EU, repräsentieren demnach 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Mit dabei sind die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt, also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo.

Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen.

Brasilien verschärft Klimaziel für 2030

Brasilien hat pünktlich zur Weltklimakonferenz (COP26) in Glasgow sein Klimaziel für 2030 verschärft. "Die von unserem Land bis 2020 erzielten Ergebnisse zeigen, dass wir noch ehrgeiziger sein können", sagte Staatschef Jair Bolsonaro in einer am Montag in Glasgow gezeigten Videobotschaft. Demnach sollen sich die Treibhausgasemissionen des Landes bis 2030 im Vergleich zu 2005 halbieren. Bislang war eine Reduktion um 43 Prozent vorgesehen.

Nach Angaben von Brasiliens Umweltminister Joaquim Leite will das Land bis 2050 Kohlenstoffneutralität erreichen. Diese Zusagen werde er nächste Woche bei seiner Teilnahme an der COP26 formalisieren. Außerdem kündigte er an, dass nun bis 2028 - und somit zwei Jahre früher als ursprünglich vorgesehen - illegale Abholzungen im Amazonasgebiet vollständig unterbunden werden sollen.

Indien will bis 2070 Klimaneutralität erreichen

Indien strebt erst bis 2070 Klimaneutralität an. Wie Premierminister Narendra Modi am Montag bei der Weltklimakonferenz in Glasgow bekanntgab, will der drittgrößte CO2-Emittent der Welt das Ziel sogenannter Netto-Null-Emissionen in 50 Jahren erreichen. Nach UN-Angaben haben sich mehr als 130 Länder das Ziel gesetzt, die Treibhausgas-Emissionen bereits bis 2050 auf Null zu reduzieren.

Neben dem Ziel für die Klimaneutralität kündigte Modi Nachbesserungen in weiteren Bereichen an. Demnach will Indien auch den Ausbau Erneuerbarer Energien vorantreiben und bis 2030 eine Gesamtkapazität durch nicht-fossile Energieträger von 500 statt wie bisher 450 Gigawatt erreichen. Ebenfalls bis 2030 soll 50 Prozent des Energiebedarfs in Indien aus Erneuerbaren gedeckt werden. Die sogenannte Kohlenstoffintensität der indischen Wirtschaft soll bis zum Ende des Jahrzehnts um 45 Prozent reduziert werden. Bisher geplant waren 35 Prozent. 

Johnson fliegt von COP26 in Glasgow zurück nach London

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson wird im Flugzeug von der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow zurück nach London reisen. "Wir stehen unter erheblichem Zeitdruck", entgegnete Johnsons Sprecher am Montag auf Kritik an der Flugreise. Johnson hatte die an der COP26 teilnehmenden Staats- und Regierungschefs zuvor eindringlich dazu aufgerufen, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Umwelt- und Klimaschützer verlangen, den Flugverkehr, insbesondere Privat- und Kurzstreckenflüge, deutlich zu verringern. Flugzeuge stoßen pro Passagier und Kilometer bedeutend mehr klimaschädliche Treibhausgase aus als alle anderen Fortbewegungsmittel.

Johnson war am Sonntagabend vom G20-Gipfel in Rom mit einer gecharterten Airbus-Maschine nach Glasgow geflogen. Das selbe Flugzeug werde ihn am Dienstag zurück nach London bringen, erklärte sein Büro. "Der Kraftstoff, den wir verwenden, ist nachhaltig und die Emissionen werden auch ausgeglichen", sagte sein Sprecher.

Kanada will Export von Kohle bis 2030 verbieten

Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Glasgow hat Kanada sich dazu verpflichtet, bis 2030 keine Kohle mehr zu exportieren. Damit sollten vor allem Entwicklungsländer dabei unterstützt werden, "so schnell wie möglich auf saubere Kraftstoffalternativen umzustellen", teilte das Büro von Premierminister Justin Trudeau am Montag mit. Auch werde Ottawa umgerechnet bis zu 700 Millionen Euro internationaler Hilfen für das Umschwenken auf saubere Energien bereitstellen. Die Trudeau-Regierung hatte bereits angekündigt, dass Kanada ab 2030 komplett auf Strom aus Kohle verzichten werde.

Xi fordert Welt zur Einhaltung von Klimaversprechen auf

Chinas Präsident Xi Jinping hat die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz zu einer Intensivierung ihrer Klimabemühungen aufgefordert. "Taten sind die einzige Möglichkeit, Visionen in die Realität umzusetzen", schrieb Xi der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge in einem Statement zum Auftakt der Konferenz am Montag. Nach den von Xinhua veröffentlichten Auszügen machte Xi zunächst keine konkreten neuen Zusagen, forderte jedoch alle Seiten auf, "ihre Versprechen einzuhalten". Die Industrieländer sollten nicht nur selbst mehr tun, sondern auch die Entwicklungsländer dabei unterstützen, mehr zu tun, so der chinesische Präsident. 

Der chinesische Präsident hatte auf eine Reise nach Glasgow verzichtet und hielt auch keine Rede per Videoschalte. In einem kurz vor dem Gipfel vorgelegten Aktionsplan wiederholte die Regierung in Peking zur Enttäuschung von Klimaschützern größtenteils zuvor zugesagte Ziele. So soll der CO2-Ausstoß bis 2030 ihren Höhepunkt erreichen. Zudem wird Klimaneutralität bis 2060 angestrebt. Kein Land produziert eine so große Menge klimaschädlicher Treibhausgase wie China. 

Macron: Länder mit hohen Emissionen brauchen ambitioniertere Ziele

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Länder mit besonders hohen Treibhausgasemissionen zu engagierterer Klimapolitik aufgerufen. "Der Schlüssel für die nächsten zwei Wochen ist, dass die größten Emittenten, deren nationale Pläne mit dem 1,5-Grad-Ziel nicht übereinstimmen, ihre Ambitionen höher stecken", sagte Macron am Montag bei der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow. Er forderte, es müsse ausreichend Engagement gezeigt werden, um zurück zum Ziel zu gelangen, die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dabei gehe es vor allem um nationale Strategien. Derzeit werde auf eine Erwärmung von 2,7 Grad Celsius zugesteuert, sagte Macron.

Neben mehr Ehrgeiz verlangte der französische Staatschef Solidarität und Transparenz. Reiche Länder müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und ausreichend Gelder für Klimaschutz in ärmeren Regionen zur Verfügung stellen. Die Umsetzung der Versprechen und die Verwendung von Geldern sollten transparent sein. Macron sprach sich zudem dafür aus, wirtschaftliche Entscheidungen mit der Klimapolitik vereinbar zu machen. Verträge müssten Klimaambitionen widerspiegeln.

Thunbergs Klima-Aufruf erreicht in Kürze eine Million Unterschriften

Ein offener Brief führender Klimaaktivistinnen um die Schwedin Greta Thunberg an die Staatenlenker der Erde hat in kurzer Zeit mehr als eine Million Unterstützer gefunden. Bis zum Montagnachmittag hatten den zum Start der Weltklimakonferenz in Glasgow veröffentlichten Aufruf fast 1,1 Millionen Menschen online mit ihrer E-Mail-Adresse unterzeichnet. Das war auf der Webseite des Kampagnennetzwerks Avaaz zu sehen, mit dem die Aktivistinnen den Appell ins Leben gerufen haben.

In dem Aufruf fordern Thunberg, Vanessa Nakate aus Uganda, die Polin Dominika Lasota und Mitzi Tan von den Philippinen die Staats- und Regierungschefs der Erde auf, der Klimakrise endlich entscheidend und mit sofortigen und drastischen Maßnahmen zu begegnen. "Verrat. So beschreiben junge Menschen weltweit das Versagen unserer Regierungen bei der Reduzierung der CO2-Emissionen", schreiben sie.

Die Welt sei "katastrophal weit" vom entscheidenden Ziel des Pariser Weltklimaabkommens entfernt – der Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. "Dennoch beschleunigen Regierungen weiterhin die Krise, indem Sie Milliarden in fossile Brennstoffe investieren." Für die Erde bedeute das "Alarmstufe Rot".

Merkel: Sind beim Klimaschutz nicht da, wo wir hinmüssen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Gemeinschaft bei der Weltklimakonferenz in Glasgow zu ehrgeizigeren Klimazielen aufgerufen. "Wir sind nicht da, wo wir hinmüssen", sagte Merkel am Montag im Plenum der Staats- und Regierungschefs bei der COP26. Die von den Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaabkommens von 2015 eingereichten Emissions-Reduktionsziele "ergeben zusammen nicht das, was wir in Paris vereinbart haben".

Merkel verwies gleichwohl auf Fortschritte beim Klimaschutz. So sei die Einigung der G20-Gruppe vom Wochenende auf einen Stopp der internationalen Finanzierung von Kohlekraftwerken ab dem kommenden Jahr "sehr wichtig". Allerdings werde es "mit staatlichen Aktivitäten alleine" kein Vorankommen beim Klimaschutz geben, warnte Merkel. "Es geht um eine umfassende Transformation unseres Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens."

Nachdrücklich plädierte Merkel deshalb für die Bepreisung von CO2-Emissionen. In der derzeitigen "Dekade des Handelns" müsse es darum gehen, "national ambitionierter zu sein, aber auch globale Instrumente zu finden, die nicht nur Steuergelder einsetzen, sondern auch wirtschaftlich vernünftig sind", sagte Merkel. "Das ist für mich die CO2-Bepreisung."

Klimagipfel COP26 kompakt: Rund 30 Staaten, Städte und Unternehmen wollen Verkauf von Verbrennerautos beenden

Biden: Nur noch kurzes Zeitfenster bei Kampf gegen Klimawandel

Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise hat US-Präsident Joe Biden die Staats- und Regierungschefs beim UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow zum Handeln aufgerufen. "Wir stehen an einem Wendepunkt der Weltgeschichte", sagte Biden am Montag. "Wir haben nur noch ein kurzes Zeitfenster vor uns." Weiter sagte der US-Präsident: "Glasgow muss der Startschuss für ein Jahrzehnt des Ehrgeizes und der Entschlossenheit sein." Biden warnte vor den Konsequenzen, sollten die Maßnahmen unzulänglich sein. "Mit jedem Tag, den wir warten, steigen die Kosten der Untätigkeit."

Biden sagte, aus dem Kampf gegen den Klimawandel erwüchsen auch Chancen. Millionen gut bezahlter Jobs könnten entstehen. Die USA wollten mit gutem Beispiel vorangehen. "Ich weiß, dass das nicht der Fall war. Deshalb macht meine Regierung Überstunden, um zu zeigen, dass unser Engagement für den Klimaschutz aus Taten und nicht aus Worten besteht." Trumps Vorgänger Donald Trump hatte daran gezweifelt, ob der Klimawandel menschengemacht ist – was wissenschaftlich klar widerlegt ist.

Klimagipfel: Sportler-Aufruf an Staats- und Regierungschefs

Über 50 Teilnehmer der Olympischen Spiele und der Paralympics in Tokio haben in einem Video die Staats- und Regierungschefs der Welt zur verstärkten Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen.Initiatorinnen sind die zweimalige Segel-Olympiasiegerin Hannah Mills und ihre Landsfrau und Ruderin Melissa Wilson.

"Beim olympischen Traum geht es darum, so gut wie möglich zu sein – und das bedeutet nicht nur, an Wettkämpfen teilzunehmen oder Medaillen zu gewinnen, sondern auch, ein guter Weltbürger zu sein", sagte Mills. "Ich bin der Meinung, dass wir die Verantwortung haben, unsere Plattformen zu nutzen, um darauf hinzuweisen, dass wir alle verantwortungsvoller leben und handeln müssen."

An dem Video mit dem Titel "Dear leaders of the world" ("Liebe Staats- und Regierungschefs der Welt") beteiligten sich Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt. Darunter waren die Hamburger Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig, der langjährige NBA-Basketballprofi Pau Gasol aus Spanien, der zweimalige Tennis-Olympiasieger Andy Murray und die Rennrollstuhl-Fahrerin und siebenmalige Paralympics-Siegerin Hannah Cockroft (beide Großbritannien). Unterstützt wurde die Aktion durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). In einer Mitteilung vom Montag verwies das IOC unter anderem darauf, dass von 2030 an alle Olympischen Spiele klimapositiv sein müssen.

US-Präsident Biden fallen bei UN-Klimakonferenz die Augen zu

US-Präsident Joe Biden hat bei der Eröffnungsveranstaltung der UN-Klimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow am Montag sichtbar mit Müdigkeit gekämpft. In einem Video, das auf Twitter kursierte, ist zu sehen, wie dem 78 Jahre alten Präsidenten der Vereinigten Staaten mehrmals die Augen zufallen, während er mit verschränkten Armen eine Rede anhört. Erst als ihn ein junger Mann anspricht, scheint er wieder etwas wacher zu werden. Er klatscht zum Abschluss der Rede, reibt sich aber auch gleich die Augen. Biden war erst am Montag aus Rom vom G20-Gipfel zum Auftakt der Konferenz angereist.

Prinz Charles betont Privatsektor-Rolle im Kampf gegen Klimawandel

Prinz Charles hat beim Auftakt der Weltklimakonferenz an die wichtige Rolle des Privatsektors für eine klimaneutrale Zukunft erinnert. Industrie und Banken hätten Billionen, um die Transformation voranzutreiben, sagte der britische Thronfolger am Montag vor Staats- und Regierungschefs in Glasgow. Sie, die Politikerinnen und Politiker, müssten dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen klar seien und sich nicht immer wieder änderten. Nur dann hätten Investoren das Vertrauen, Geld in die Hand zu nehmen.

"Wir wissen durch die (Corona)-Pandemie, dass der Privatsektor Fristen drastisch verkürzen kann, wenn sich alle auf die Dringlichkeit und Richtung einer Sache einigen", sagte Prinz Charles. Jeder Sektor müsse Prozesse nun beschleunigen, um Innovationen zur Marktreife zu bringen. Je mehr nachhaltige und finanzierbare Projekte es gebe, desto mehr Investitionen würden locker gemacht. "Ich beschwöre Sie, die Entscheidungsträger der Welt, praktische Wege zu finden, Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, damit wir alle mit der Arbeit beginnen können, diesen kostbaren Planeten und die bedrohte Zukunft der jungen Menschen zu retten."

Naturfilmer David Attenborough: "Wir sind größte Problemlöser der Erde"

Der britische Naturfilmer David Attenborough hat die Verhandlerinnen und Verhandler des Weltklimagipfels COP26 an ihre Verantwortung für zukünftige Generationen erinnert. Die Menschen von morgen würden zur COP26 zurückblicken und sich fragen, ob die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre durch die dortigen Entscheidungen zurückgegangen sei oder nicht, sagte Attenborough bei der Eröffnungszeremonie der Konferenz am Montag in Glasgow. "Wir haben allen Grund zu glauben, dass die Antwort JA sein kann", sagte der 95-Jährige. Es werde allerdings hart werden und riesige Anstrengungen benötigen, auch eine industrielle Revolution.

"Letztendlich sind wir aber noch immer die größten Problemlöser, die je auf der Erde gelebt haben", sagte der Brite zu den Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Attenborough, der durch seine aufwendigen Naturdokumentationen weltweit bekannt geworden ist, gilt in Großbritannien als Großvater der Nation, den viele sich sogar als Staatsoberhaupt wünschen würden.

Erdogan: Keine Teilnahme am Klimagipfel wegen mangelnder Sicherheit

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine Teilnahme am UN-Klimagipfel in Glasgow nach eigenen Angaben wegen mangelnder Sicherheitsstandards abgesagt. "Nachdem unseren Anforderungen nicht entsprochen wurde, haben wir darauf verzichtet, nach Glasgow zu reisen", sagte Erdogan nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu vom Montag im Flugzeug vor mitreisenden Journalisten. "Das ist eine Angelegenheit, die nicht nur unsere eigene Sicherheit betrifft, sondern auch das Ansehen unseres Landes", sagte er. Sie hätten "in letzter Minute" erfahren, dass den Anforderungen der Türkei nicht entsprochen werden könne. Einem anderen Land seien dieselben Standards aber ausnahmsweise genehmigt worden. "Das entsprach auch nicht den diplomatischen Gepflogenheiten. Das konnten wir nicht akzeptieren", sagte er.

UN-Chef Guterres: "Wir schaufeln uns unser eigenes Grab"

Die von den Staaten weltweit versprochenen Anstrengungen beim Klimaschutz reichen nach Worten von UN-Generalsekretär Antonio Guterres hinten und vorne nicht aus, um eine Katastrophe abzuwenden. Er rief die Regierungsvertreter auf der Weltklimakonferenz am Montag in Glasgow auf, mehr zu tun. "Wir schaufeln unser eigenes Grab", warnte Guterres bei der feierlichen Auftaktveranstaltung mit Dutzenden Staats- und Regierungschefs. Regierungen müssten Subventionen für fossile Brennstoffe beenden, aus der Kohle aussteigen und einen Preis für sämtliche Emissionen festlegen, verlangte er.

"Es ist an der Zeit, zu sagen: Genug", sagte Guterres. "Genug brutale Angriffe auf die Artenvielfalt. Genug Selbstzerstörung durch Kohlenstoff. Genug davon, dass die Natur wie eine Toilette behandelt wird. Genug Brände, Bohrungen und Bergbau in immer tiefere Lagen."

Guterres äußerte Zweifel an den Klimaschutzversprechen mancher Staaten. Selbst, wenn alle tatsächlich eingehalten würden, steige die Erwärmung zur Jahrhundertwende auf 2,7 Grad über vorindustriellem Niveau. "Wir steuern immer noch auf eine Klimakatastrophe zu", sagte er. Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) habe eine besondere Verantwortung, weil sie für 80 Prozent der schädlichen Treibhausgase verantwortlich sei. Die G20 hatten sich gerade in Rom darauf geeinigt, daran zu arbeiten, die Erwärmung möglichst bei 1,5 Grad zu begrenzen. Wie sie das erreichen wollen, blieb aber vage.

Klimagipfel COP26 kompakt: Rund 30 Staaten, Städte und Unternehmen wollen Verkauf von Verbrennerautos beenden

Boris Johnson: COP26 muss Bombe des Klimawandels entschärfen

Der britische Premierminister Boris Johnson hat als Gastgeber des Klimagipfels COP26 die Weltgemeinschaft auf schnelles und ehrgeiziges Handeln gegen die drohende Klimakatastrophe eingeschworen. Das Treffen müsse "diese Bombe" entschärfen und "der Anfang vom Ende" des zerstörerischen Klimawandels werden, sagte Johnson zu Beginn der feierlichen Eröffnungszeremonie am Montag in Glasgow. "COP26 kann und darf nicht das Ende der Geschichte sein." Man habe mit dem Pariser Klimaabkommen ein Rettungsboot geschaffen, dem man nun einen Schubs in die Richtung einer grüneren, saubereren Zukunft geben müsse.

"Es ist eine Minute vor Mitternacht auf der Uhr des Weltuntergangs", sagte Johnson. "Wir fühlen uns vielleicht nicht wie James Bond und sehen vielleicht auch nicht so aus." Aber mit Blick auf den Film-Geheimagenten und die Gefahr der Erderhitzung sagte er: "Lasst uns diese Bombe entschärfen." Man habe nun die einmalige Chance, das Ruder herumzureißen und dafür zu sorgen, dass kommende Generationen die heutigen Mächtigen nicht verurteilen würden, sagte der Premier zu seinen Amtskolleginnen und -kollegen.

Chinas Präsident Xi will Klimagipfel schriftlich adressieren

Chinas Präsident Xi Jinping wird auf dem UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow voraussichtlich weder persönlich sprechen noch sich per Video zuschalten. Wie aus der am Montag abrufbaren Version der offiziellen Rednerliste hervorging, soll stattdessen ein schriftliches Statement von Xi Jinping auf der Website des Gipfels veröffentlicht werden. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums wollte dies zunächst nicht bestätigten. Genau wie sein russischer Amtskollege Wladimir Putin war Xi Jinping bereits am Wochenende nicht zum G20-Gipfel der führenden Wirtschaftsmächte nach Rom gereist. Dort waren beide per Video zugeschaltet. Kein Land produziert eine so große Menge klimaschädlicher Treibhausgase wie China.

"Moment der Wahrheit": Von der Leyen erklärt Klimarennen für eröffnet

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat zu Beginn der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow von einem "Moment der Wahrheit" gesprochen. Das globale Rennen für Klimaneutralität bis Mitte des Jahrhunderts sei eröffnet, schrieb die deutsche Politikerin auf Twitter. Europa habe sich dazu verpflichtet, als erster Kontinent in der Welt klimaneutral zu sein und sich für einen ehrgeizigeren Klimaschutz mit seinen Partnern zusammenzutun. "COP26 ist ein Moment der Wahrheit für unsere Pläne, den Klimawandel zu stoppen", schrieb von der Leyen.

Die Europäische Union hat sich bereits dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken. Bis 2050 will die Staatengemeinschaft dann klimaneutral sein, also alle Treibhausgase vermeiden oder speichern. 

mad / rw / yks / tkr DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker