"Die haben mir eine Perspektive geboten"

12. Juni 2013, 11:40 Uhr

22.150 Rechtsextreme gibt es in Deutschland, laut Verfassungsschutzbericht ist jeder Zweite gewaltbereit. Der Fotograf Sean Gallup hat Neonazis und ihre Opfer porträtiert. Von Sean Gallup

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"Er hat geblutet wie ein Schwein", erinnert sich Alexander Friedrich daran, wie 2006 ein Neonazi der Kameradschaft "Sturm 34" während eines Dorffestes im sächsischen Breitenborn ein Bierglas auf dem Kopf eines schlafenden Punks zerschlug. Unter der Führung des 19-jährigen Skinheads Tom W. (hier auf dem Weg in den Gerichtssaal in Dresden) stürmte die Gruppe kurz nach Mitternacht das Zelt: Manche vermummt, manche mit kahl rasierten Köpfen. Gästen an benachbarten Tischen gelang es schließlich, die Angreifer aus dem Zelt zu drängen. Zurück blieben neun Verletzte, darunter ein junges Mädchen: Es erlitt einen Schock, weil die Neonazis ihren Vater nieder geschlagen hatten.

Szenen wie diese ereignen sich immer wieder in Deutschland. Der amerikanische Fotograf Sean Gallup hat Rechtsextremismus als ein gesamtdeutsches Phänomen dokumentiert. In seinen Fotos und Texten rückt er den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt: als Täter, als Opfer, als sich Wehrenden, als Aussteiger aus der Szene, der selbst zum Opfer zu werden droht. Am Anfang trifft es die bunten Außenseiter, weil sie vielleicht mit ihren gefärbten Haaren und ihrer Lebensfreude den Hass der Neonazis auf sich ziehen. Oder es trifft die kleinen Gruppen einfach Auszugrenzender, wie Menschen, die in Deutschland Schutz vor politischer Verfolgung gesucht haben. Es ist diese Vielzahl von Schicksalen, die die ganze Bandbreite und Komplexität des Rechtsextremismus vor Augen führt.

Die Ausstellung "Rechtsextreme Gewalt in Deutschland 1990–2013" wurde zuerst im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden gezeigt, nun gehen die Werke auf Wanderung: Noch bis 14. Juli sind sie in Rottenburg am Neckar zu sehen, ab dem 7. Spetember in Dortmund. Wir geben im Folgenden einen Einblick.

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