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19. Januar 2010, 13:57 Uhr

So kommen Ihre Spenden zu den Opfern

Seit in Haiti die Erde bebte, läuft auch in Deutschland die Spenden-Maschinerie auf Hochtouren. Wie die Hilfe organisiert ist - und warum sich deutsche Organisationen gegen Chaosvorwürfe wehren. Von Roman Heflik und Manuela Pfohl

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Ein Geldschein wandert in eine Sammelbüchse - die Spendenbereitschaft der Deutschen ist auch für die Erdbebenopfer in Haiti groß© Thomas Kienzle/AP

Selbst wenn man wollte - den Spendenaufrufen für Haiti kann sich zurzeit niemand entziehen: Bei Anne Will bittet Bundespräsident Horst Köhler die Zuschauer um Geld für die Erdbebenopfer, Angela Merkel wirbt in der "Bild" um Almosen für das geschundene Land, und im ZDF trommeln heute Abend Thomas Gottschalk und Steffen Seibert bei der "Ein Herz für Kinder"-Spendengala. Und die Deutschen machen mit: Die Bereitschaft sei "diesmal besonders groß", freute sich Rudolf Seiters, der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

Doch während die Finanzmittel der Katastrophenhelfer stetig steigen, kommt die Hilfe vor Ort nur tröpfelnd an. Nach anfänglich chaotischen Szenen auf dem Flughafen in Port -au- Prince - der Tower brach unter der Wucht der Erdstöße zusammen - hat das amerikanische Militär inzwischen die Kontrolle übernommen. Das Land sei einfach zu verwüstet, um aus eigener Kraft die internationale Hilfe zu empfangen, sagte US-Vizepräsident Joseph Biden. "Es ist, als wollte man eine Bowlingkugel durch einen Strohhalm saugen."

Fehlende Landeerlaubnis für Rettungsteams

Noch immer läuft die internationale Rettungsmaschinerie nicht auf Hochtouren. Einige Flugzeuge mit Rettungsteams bekamen keine Landeerlaubnis, weil die Amerikaner zuerst ihre Truppen absetzen wollten. Inzwischen sind alle Hilfsflüge vorübergehend gestoppt, weil es am Flughafen keine Lagerflächen mehr gibt. Auch der Landweg vom Nachbarstaat Dominikanische Republik ist verstopft, viele Hilfskonvois werden geplündert. Kann Katastrophenhilfe unter solchen Bedingungen überhaupt funktionieren? Können die unzähligen Spenden wirklich sinnvoll eingesetzt werden?

Die Hilfsorganisationen wehren sich vehement gegen den Eindruck, sie seien hilflos angesichts der enormen Zerstörungen. "Natürlich ist so ein Einsatz immer eine riesige Herausforderung mit vielen Schwierigkeiten", sagt Oliver Müller, der Leiter von Caritas International. "Die Koordination braucht immer einige Zeit. Aber das ist normal." Unicef-Sprecher Rudi Tarneden sagt: "Klar, dass in einer solchen Extremsituation die Nerven blank liegen. Aber die professionellen Helfer wissen, wie man auf traumatisierte Menschen reagiert und was nötig ist."

Sich nicht gegen das Chaos stemmen, sondern damit richtig umgehen, so könnte man das Motto der ausländischen Retter umschreiben: "Auf Extremsituationen wie diese, können sich die betroffenen Menschen nicht vorbereiten", sagt Iris Manner von World Vision. "Unser Job als Hilfsorganisation ist es, dass wir uns möglichst schnell eine Übersicht über die dringendsten Probleme verschaffen, die wir angehen müssen." Und das geschieht nach Einschätzung von Experten mit bemerkenswerter Effizienz. Denn die internationalen Katastrophenhelfer haben aus ihren Fehlern in der Vergangenheit gelernt.

In der Nacht des Bebens, vom 12. auf den 13. Januar, erschien bereits wenige Minuten nach den Erdstößen auf den Handy-Displays der Rettungsdienstleiter der "Major Desaster Alert", die höchste Alarmstufe des "Global Disaster Alert and Coordination Systems", eines weltweiten Katastrophenmeldesystems. Die Meldung lautete: Erdbeben der Stärke 7 in sehr dicht besiedelter Westprovinz Haitis. Wahrscheinlichkeit, dass internationale Hilfe benötigt wird: hoch.

Auch Ingo Radcke, der Leiter der Malteser Hilfsdienste International, erhielt die Nachricht und reagierte. Schon am nächsten Morgen schalteten sich die Führungskräfte der "Aktion Deutschland hilft" (ADH) zu einer ersten Telefonkonferenz zusammen. ADH ist eines der wichtigsten Hilfsbündnisse in Deutschland, zu dem sich unter anderem Malteser, World Vision, Johanniter und Care zusammengeschlossen haben. Auch in diesem Gremium galt es, sich schnell zu koordinieren: Welche Helfer sind schon vor dem Beben vor Ort gewesen? Wer kann was transportieren?

Spendenkonten Vermutlich Hunderttausende sind bei dem schweren Erdbeben in Haiti ums Leben gekommen. Unzählige sind obdachlos, verletzt und hilfsbedürftig. Wenn Sie für die Opfer der Naturkatastrophe spenden wollen, finden Sie hier eine Liste mit Hilfsorganisationen, die vor Ort die Bedürftigen unterstützen.

Seite 1: So kommen Ihre Spenden zu den Opfern
Seite 2: Spendengelder werden auch für Wiederaufbau verwendet
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
2k11m1 (20.01.2010, 13:58 Uhr)
Hilfe für Haiti
Haiti braucht unsere Hilfe? Gut.
Aber: Tausende deutsche Obdachlose erfrieren und verhungern, Tausende Kinder und Jugendliche müssen im Abfall, in der Kanalisation oder sonstwo hausen.
Deutschland, also wir Steuerzahler und Empfänger (oder eben auch Verkürztempfänger) staatlicher Leistungen, zahlt Hilfe, deutsche Hilfsorganisationen zahlen, die EU zahlt (wobei Deutschland mehr als ein Drittel in die EU einzahlt) und wer bezahlt für Deutschland? Wir sind jetzt schon mit ca. 20.000 ? pro Kopf verschuldet, ein armes Land wie Äthiopien gerade mal mit 96$ (92?) Die Zahlen für Haiti habe ich leider im Moment nicht zur Hand..
Für mich sieht es aus, als sollten die Deutschen so ausgesaugt werden, daß sie als Volk nicht überleben sollen.
mister-mister (20.01.2010, 08:22 Uhr)
@facilidad_de_ser
Sie haben sicher den logistischen Background, um alles besser zu machen als diejenigen, die vor Ort alles versuchen, das Desaster in den Griff zu bekommen.
.
Leider bringen Sie außer dem üblichen Hetz-Gewäsch nichts zustande. Vorschlag: PC runterfahren und'n bißchen draußen spielen gehen.
.
Den Job, zu dem Sie meinen etwas absondern zu müssen, tun einstweilen andere.
chatahootchee (19.01.2010, 19:32 Uhr)
@FACILIDAD_DE_SER
Warum sind denn die Soldaten dort? Zum Erreichen einer gewissen Ordnung, damit die Hilsgueter ausgeteilt werden koennen. Sie sind auch dort, um den Flugplatz anfliegbar zu machen. Und auch, um zusaetzliche Landeplaetze fuer Hubschrauber zu schaffen. Sie sind auch dort, um Wasser bereitzustellen. Und schwer bewaffnet sind sie auch nicht. Aber immer gut fuer eine grottendumme Hetze ...
chatahootchee (19.01.2010, 19:28 Uhr)
ENDLICH MAL EIN BERICHT,
der versucht, nicht gleich alles mies zu machen. Die Katastrophe ist eigentlich unvorstellbar und es war eigentlich schon Chaos vor dem Erdbeben.
Und zur Erinnerung an den Schneefall der letzten Wochen: Was brach da nicht alles im entwickelten Deutschland zusammen? Wie lange hat es gedauert, Strassen befahrbar zu machen? Und das im Winter...
facilidad_de_ser (19.01.2010, 19:26 Uhr)
Es sind genügend Hilfsgüter da...
...nur werden sie von den 12.000 schwerbewaffneten US-Soldaten nicht ausgeteilt. Die Bevölkerung von Haiti fragt sich wieso nicht.
Video hier: watch?v=0F5TwEK24sA&feature=related
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