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22. März 2011, 17:15 Uhr

Kernkraft spaltet die Welt

Die Kanzlerin lädt zum zweiten Atomgipfel, doch mit der Kehrtwende steht Deutschland nahezu allein: Das Gros der Staaten hält an der Kernkraft fest, China und Indien rüsten auf. Eine Übersicht.

Das Atomdesaster in Japan bewegt bislang nur wenige Staaten zu einem echten Umdenken in der Energiepolitik. Zwar wollen die meisten Regierungen ihre Meiler noch einmal überprüfen lassen, doch so radikal wie Deutschland schwenkt bislang kaum jemand um.

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Vizeumweltminister Zhang Lijun befürwortet den Bau der 27 Atomkraftwerke in China© Liu Jin/AFP

China - Ausbau auf 40.000 Megawatt

Der Nationale Volkskongress beschloss nur wenige Tage nach den Atomunfällen in Japan einen massiven Ausbau der Kernenergie. Laut dem zwölften Fünfjahresplan sollen bis 2015 Anlagen mit einer Kapazität von 40.000 Megawatt gebaut werden. "Wir können von Japan lernen und werden einige Lektionen in unseren Aufbau der Atomenergie einfließen lassen", sagte Vizeumweltminister Zhang Lijun am Rande des Volkskongresses in Peking. "Chinas Entschlossenheit zur Entwicklung der Atomenergie und alle diesbezüglichen Pläne werden sich nicht ändern." Bislang stehen im Land 13 Reaktoren.

Bis September 2010 waren bereits 34 weitere Atomanlagen genehmigt, 25 davon sind schon im Bau. Beobachter glauben aber, dass es auch in China hinter den Kulissen eine Debatte über die Zukunft dieser Energieform geben wird. Auch hier bebt die Erde - erst kürzlich erschütterte ein Beben der Stärke 5,8 die Provinz Yunnan.

Indien - Mega-AKW geplant

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh kündigte eine Überprüfung aller Reaktoren auf Erdbeben- und Tsunamisicherheit durch die Atomenergiebehörde und die staatliche Betreiberfirma an. Der stramme Atomkurs der Regierung steht bisher aber nicht infrage. Indien hat gerade seinen 20. Reaktor in Betrieb genommen. In der Stadt Madban plant die Regierung das größte Kernkraftwerk der Welt: sechs Reaktoren, 9900 Megawatt. Bis 2032 will sie die Atomstromproduktion verdreizehnfachen. Proteste dagegen gibt es zurzeit kaum.

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Für Barack Obama gehört Atomstrom zur angestrebten Energiewende dazu© Tim Sloan/AFP

USA - Moratorium gefordert

In den Vereinigten Staaten forderten prominente Politiker in Washington ein Moratorium für den Bau neuer Kraftwerke, stellten deren Sinn aber nicht grundsätzlich infrage. "Die tragischen Ereignisse, die nun in Japan ablaufen, könnten sich sehr leicht auch in den Vereinigten Staaten zutragen", sagte der Demokrat Ed Markey, Energieexperte im Repräsentantenhaus. Auch der unabhängige Senator Joe Lieberman riet, "die Bremse zu ziehen".

Für Präsident Barack Obama ist Atomstrom fester Bestandteil der angestrebten Energiewende. Die US-Regierung hat die Laufzeiten Dutzender bestehender Kraftwerke verlängert. Zurzeit prüfen die Behörden Anträge für den Bau 20 neuer Reaktoren in den nächsten 20 Jahren. Obama hat von der Regierung gedeckte Kredite in Höhe von 8,3 Milliarden Dollar für eine neue Anlage in Georgia zugesagt.

Die USA beziehen 20 Prozent ihrer Elektrizität aus den 104 Reaktoren im Land. 31 davon sind baugleiche Modelle wie der japanische Unglücksreaktor in Fukushima. Sorgen bereiten Atomskeptikern nun vor allem vier Reaktoren im erdbebenanfälligen Kalifornien.

Russland - keine Planänderung

Russland setzt den vorgesehenen Bau von 26 Atomkraftwerken fort. "Wir werden unsere Pläne nicht ändern, aber Schlüsse daraus ziehen, was momentan in Japan passiert", stellte Regierungschef Wladimir Putin klar. Russland strebt eine führenden Position auf dem Weltmarkt für Nuklearenergie an und baut unter anderem in Indien und China Reaktoren. Daheim soll der Atomstrom-Anteil von derzeit 16 Prozent auf 33 Prozent bis 2030 wachsen. Der nächste Meiler soll im Gebiet Kaliningrad (früher Königsberg) errichtet werden, mithilfe von Siemens.

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