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11. November 2004, 07:34 Uhr

"Ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen"

Seine Rückkehr aus Frankreich sollte er nicht mehr erleben. Um 03.30 Uhr verstarb Jassir Arafat im Militärhospital Percy bei Paris. Bestürzt reagierte die arabische Welt auf die Nachricht.

Trauer um Jassir Arafat in Ramallah: "Wir haben eines unserer großen Symbole verloren"© Reinhard Krause/Reuters

Palästinenserpräsident Jassir Arafat ist tot. "Arafat ist am 11. November 2004, um 03.30 Uhr im Militärhospital Percy, Clamart, gestorben", sagte am Donnerstag Christian Estripeau, Chefarzt der Klinik. Rund 13 Stunden nach seinem Tod hat Jassir Arafat seine letzte Heimreise angetreten. Die Leiche des Palästinenserpräsidenten wurde mit einem Hubschrauber vom Militärkrankenhaus Percy bei Paris zum nahen Militärflughafen Villacoublay gebracht. Von dort sollte der mit einer palästinensischen Flagge bedeckte Sarg nach einer Zeremonie mit einem französischen Militärflugzeug nach Kairo geflogen werden.

An der Ehrung in Villacoublay sollten auch Premierminister Jean-Pierre Raffarin, der palästinensische Außenminister Nabil Schaath, Offiziere und Diplomaten teilnehmen. Mehr als 1000 Arafat-Anhänger warteten vor dem Flughafengelände.

Nach einem Besuch von Staatspräsident Jacques Chirac am Totenbett war Arafat gemäß der muslimischen Totenriten gewaschen, in ein weißes Leinentuch gehüllt und in den Sarg gelegt worden. Das wurde aus Diplomatenkreisen in Paris bekannt.

Beisetzung in Ramallah

Arafat soll am Samstag in Ramallah in einem Steinsarg und in Erde aus Jerusalem beerdigt werden, um eine spätere Umbettung nach Jerusalem zu ermöglichen, erklärte der Fatah-Sprecher Assam al Ahmed. Israel hat eine Bestattung in Jerusalem abgelehnt und den Gazastreifen als letzte Ruhestätte des verstorbenen Präsidenten vorgeschlagen. Ramallah gilt als Kompromiss, die Palästinenser haben jedoch erklärt, an ihrem Ziel der Grabstätte in Jerusalem festzuhalten. "Die letzte Ruhestätte wird die Al-Aksa-Moschee sein", sagte Kabinettsminister Sajeb Erakat.

Am Regionalflughafen von Kairo ist nach Bekanntwerden des Todes eine Moschee für das Totengebet hergerichtet worden. In der König-Faisal-Moschee, in der gleichzeitig bis zu 800 Menschen beten können, wurden neue Teppiche ausgelegt. Obwohl die Trauerfeier um 10.00 Uhr Ortszeit auf den Kairoer Flughafen beschränkt werden soll, war schon am Donnerstag an zentralen Plätzen in der ägyptischen Hauptstadt ein großes Sicherheitsaufgebot sichtbar. Nach Ansicht von Beobachtern will die äyptische Regierung spontane Demonstrationen verhindern.

Zu der Trauerfeier haben sich nach palästinensischen Angaben bereits die Staatschefs aus Jordanien, Jemen, Ägypten, Algerien, Südafrika und Brasilien angekündigt. Auch Außenminister Joschka Fischer wird teilnehmen. Bundeskanzler Gerhard Schröder nimmt dagegen nach Angaben eines Regierungssprechers nicht teil.

Rätsel um Todesursache

Der 75-jährige Palästinenserführer war seit dem 29. Oktober in einer französischen Militärklinik bei Paris, die auf Krebs und Blutkrankheiten spezialisiert ist, behandelt worden. Er litt nach Angaben der Palästinenser zuletzt an Gehirnblutung und Organversagen. Der Präsident hatte seit Tagen in einem tiefen Koma gelegen, während sich sein Zustand weiter verschlechterte. Bis zuletzt wurde um seine Krankheit gerätselt. Auch am Tag seines Todes gab es keine offiziellen Angaben über die tödliche Krankheit des palästinensischen Präsidenten. Inzwischen ist das Rätsel, warum aus dem Militärkrankenhaus bei Paris keine Informationen drangen, fast so groß wie das Rätsel über die Todesursache selbst.

Beim heutigen Stand der Technik kann man bei einem lebenden Menschen praktisch eine Autopsie vornehmen", sagt der New Yorker Hirnspezialist Eric Braverman. "Auch Blut- und Urinproben lagen vor. Wir können ziemlich sicher sein, dass die Ärzte eine Diagnose haben, diese aber nicht öffentlich machen." Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Vertraulichkeit glauben einige an eine Taktik der palästinensischen Führung. "Arafats Tod könnte von einer lange bekannten, chronischen Krankheit herrühren", sagt Orient-Experte Rory Miller vom Londoner King's College. "Und nun müssten sich die Politiker aus Ramallah fragen lassen, warum sie nicht früher etwas dagegen unternommen haben."

Nach dem Tod Arafats ist der palästinensische Parlamentspräsident Rauhi Fattuh als Übergangspräsident vereidigt worden. Auf einer Sondersitzung des Parlaments in Ramallah wurde die Zeremonie wenige Stunden nach Bekanntwerden der Nachricht vom Ableben Arafats vollzogen. Die vorläufige Nachfolge ist in der Verfassung geregelt. Auf Fattuh kommt als Hauptaufgabe zu, Wahlen in den Palästinensergebieten binnen 60 Tagen zu organisieren. Der frühere palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas ist zum neuen Vorsitzenden der PLO gewählt worden. Er tritt damit in der wichtigsten Palästinenserorganisation die Nachfolge Arafats an. Ahmed Kureia bleibt Ministerpräsident und Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates, der das Kommando über die Sicherheitskräfte führt.

Arafats langjähriger Kampfgefährte Faruk Kaddumi ist zum Chef der Fatah-Bewegung nominiert worden. Kaddumi hatte die letzten Friedensvereinbarungen mit Israel abgelehnt und gilt als wenig kompromissbereit. Die Fatah ist die größte und einflussreichste Gruppe innerhalb der PLO. Die Nominierung Kaddumis dürfte die politische Entwicklung bei den Palästinensern in der Nach-Arafat-Ära komplizieren. Militante Gruppen innerhalb der Fatah-Fraktion Arafats hatten sich in den vergangenen Monaten immer wieder an Anschlägen in Israel beteiligt. Israel hatte Arafat dafür verantwortlich gemacht, Terror und Gewalt nicht entschieden genug entgegen getreten zu sein.

Flaggen auf Halbmast

Vor Arafats Amtssitz in Ramallah wehten die Flaggen auf Halbmast. "Er hat seine Augen geschlossen, ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen", sagte Tajeb Abdel Rahim, einer der engsten Mitarbeiter Arafats. Er brach in Tränen aus, als er Arafats Tod verkündete. Im Gazastreifen zündeten Kinder Reifen an, der schwarze Rauch verdunkelte den Himmel. Die Palästinenserführung rief 40 Tage Trauer aus.

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