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27. August 2008, 14:36 Uhr
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Deutschland will Beobachter schicken

Die Bundesregierung hat beschlossen, 15 Militärbeobachter in das georgische Konfliktgebiet zu entsenden. Zwei sind dort offenbar bereits angekommen. Unterdessen hat Frankreichs Außenminister Kouchner die Befürchtung geäußert, Russland könne nun auch eine Gefahr für die Ukraine sein.

Ein Georgier passiert mit seinem Esel einen russischen Kontrollpunkt außerhalb der Stadt Gori© EPA/DPA

Deutschland will bis zu 15 Militärbeobachter an die Grenze der georgischen Krisenregion Südossetien schicken. Das Bundeskabinett habe beschlossen, sich an der Aufstockung der Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Georgien zu beteiligen, hieß es am Mittwoch in Regierungskreisen. Die deutschen Soldaten sollten unbewaffnet, aber in Uniform, als Militärbeobachter zum Einsatz kommen. Zwei von ihnen seien bereits in der georgischen Hauptstadt Tiflis eingetroffen. Insgesamt soll die OSZE-Mission um 100 Beobachter aufgestockt werden. Weil die deutschen Militärbeobachter nicht bewaffnet sind, muss der Bundestag ihrer Entsendung nicht zustimmen.

Die Lage hat sich mit der Anerkennung Südossetiens und Abchasiens durch Russland weiter verschärft. Der Westen sieht darin einen Verstoß gegen das Völkerrecht. Bisher hatten sich 200 Experten im Auftrag der OSZE darum bemüht, Georgien bei der Beilegung der inneren Konflikte und der Demokratisierung zu unterstützen. Unter den Helfern waren bereits in der Vergangenheit auch vier deutsche Zivilisten. Am 19. August hatte die OSZE die Aufstockung für mindestens sechs Monate beschlossen.

Auch im zweiten georgischen Krisengebiet, in Abchasien, ist die Bundeswehr mit zwölf Soldaten präsent. Als Teil der UN-Beobachtermission Unomig sollen dort drei Militärbeobachter sowie neun Ärzte und Sanitäter dabei helfen, den Konflikt zwischen Georgiern und Abchasen zu entschärfen. Die UN-Truppe überwacht die Einhaltung des Moskauer Abkommens von 1994, in dem eine Sicherheitszone und ein Verbot schwerer Waffen in bestimmten Gebieten vereinbart worden war.

Die französische EU-Ratspräsidentschaft befürchtet, dass Russland nach Georgien noch in weiteren Fällen die Verschiebung von Grenzen anstreben könnte. Nachdem Moskau die Unabhängigkeit der abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien und Abchasien erklärt habe, könne es "andere Ziele" geben, sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner am Mittwoch im Radiosender Europe 1. Er nannte dabei "insbesondere die Krim, die Ukraine und Moldawien".

"Das ist sehr gefährlich", sagte Kouchner. "Die Konflikte im Kaukasus sind äußerst hart." Dort hätten sich Völker über Jahrhunderte bekämpft. Er hoffe nicht, dass es zu weiteren Konfrontationen komme. "Es muss die politische Lösung vorgezogen werden."

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hatte am Dienstag erklärt, dass Moskau die Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien anerkenne. Damit bewege sich Russland "außerhalb des internationalen Rechts", sagte Kouchner. "Wir können Verstöße gegen das gesamte Völkerrecht und die Vereinbarungen zur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie UN-Resolutionen nicht akzeptieren." Die 27 Staatschefs der EU würden bei ihrem Gipfeltreffen am Montag deshalb "natürlich reagieren", sagte Kouchner weiter.

Telefonat zwischen Merkel und Medwedew

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Russland in einem Telefonat mit Medwedew für fehlende internationale Absprachen vor der Anerkennung von Abchasien und Südossetien kritisiert. "Ich habe (...) deutlich gemacht, dass ich erwartet hätte, dass man in den Gremien OSZE oder UN-Sicherheitsrat über die Frage spricht, bevor die einseitige Anerkennung erfolgt", sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Es gebe viele Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, in denen die territoriale Einheit Georgiens betont worden sei und an denen auch Russland mitgearbeitet habe. Deshalb halte sie die Anerkennung der Unabhängigkeit der beiden von Georgien abtrünnigen Gebiete für "sehr bedauerlich".

Reuters/AFP
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Administrator (27.08.2008, 13:53 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Für eine ausführliche Diskussion haben wir Ihnen das Kaukasus-Forum in den stern.de-Foren eingerichtet. Sie finden den Link im Artikel oben oder unter stern.de/forum. Sie können sich einfach mit Ihren hier gültigen Daten einloggen.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
starmax (27.08.2008, 13:46 Uhr)
Sachlich bleiben, auch
wenns schwer fällt!
mArQz (27.08.2008, 13:38 Uhr)
USA ist ja um soviel besser, pfff......
Ach die bösen Russen, habt ihr euch schonmal die Tourdaten der Amerikanischen Soldaten angeschaut? Es gibt sogar ein T-Shirt davon. Da sind diese 3 aufgelisteten Daten/konflikte von Russland fast schon lächerlich.
Es regt mich einfach nur auf, dass USA so frech ist und sich zu der ganzen Angelegenheit überhaupt äußert. Die USA sind die letzten die ich bei solchen Angelegenheiten um Rat bitten würde. Und was machen wir? Wir laufen den blind hinterher..ohje.. :-/
starmax (27.08.2008, 13:17 Uhr)
Erschrecken müssen nur die,
die die Kosovopolitik gutheißen, das russische Vorgehen aber erurteilen!
Es macht mich wütend, wenn einige im leider parteiischen Europa hier mit zweierlei Maß messen wollen. Diese perverse und verlogene US-Gut-und-Böse-Doktrin zu befolgen, ist gefährlich, brandgefährlich sogar!
Wir müssen auf neutralen Abstand zu Russland wie USA beharren, auf Neutralität und Sachlichkeit achten, anstatt wie so oft den Amis sklavisch zu folgen und deren kreditruinösen Lebensstandard zu finanzieren, indem wir auch noch den US-Ölraub billigen (nicht anderes geschieht im Irak, soll demnächst im Iran ablaufen - allerdings gegen russische und chinesische Interessen; und gegen die eines jeden echten Demokraten)
520i (27.08.2008, 13:11 Uhr)
FAKTEN
FAKT ist, dass Südossetien und Abchasien nur von 1918-1921 zur Georgien gehört haben, im Bürgerkrieg.
Alles andere ist indiskutabel.
Man stelle sich vor Kuba hätte gesagt: Wir marschieren in Grenada ein, anndünnemal hatten wir das schonmal annektiert. Kuba wäre einmarschiert, hätte US-Soldaten abgeschossen und dann eine russische Raketenabwehr installiert um sich vor brasilianischen Atomraketen zu schützen.
In diesem Vergleich macht Kuba das, was Georgien gemacht hat. DA wär was los gewesen...
STR_EDDS (27.08.2008, 13:03 Uhr)
Russlandfreunde
Es ist schon erschreckend, wie jedes Mittel geheiligt wird, sofern es auch nur im weitesten Sinne gegen die USA oder den "Westen" geht. Die ganzen verständnisvollen Kommentare, die aus dem Zusammenhang gerissenen Fakten einiger Schreiber - das kann doch nicht bei klarem Verstand passiert sein?
UThome (27.08.2008, 12:56 Uhr)
SED - KGB - Cyberkrieg ?

Man kommt sich in den letzten Tagen vor wie in Riga vor einem halben Jahr. Herscharen von russlandfreundlichen Kommentatoren erobern die Kommentarecken der Zeitungen und verbreiten russische Propaganda. Der kalte Krieg muss nicht mehr beginnen, der Cyberkrieg ist schon in vollem Gange. Im Übrigen hat der franz. Außenminister recht wenn er dabei "insbesondere die Krim, die Ukraine und Moldawien" nennt. Ergänzen kann man das durch die baltischen Staaten. Was dort die durch Moskau gesteuerte Jugendorganisation der Russischen Bevölkerungsschicht veranstaltet hat grenzt schon an einen Umsturzversuch, mal abgesehen von den Öl- und Gassperren.
In der "Zeit" war ein Kommentar von Josef Joffe über "Rote und Weiße Zaren" abgedruckt, ich fand ihn treffend.
httw://www.zeit.de/online/2008/35/stalin-lesen-heisst-putins-kaukasus-strategie-verstehen
Loki-Asgard (27.08.2008, 12:52 Uhr)
Russland hat Recht
Es war unerläßlich das Russland die beiden Staaten anerkannt hat.
Nur so konnten die usa und ihre Vasallen gestoppt werden.
Es ist sehr schön das Russland jetzt Leben und Freiheit der Oseten und Abchasen garantiert.
Ob jetzt irgendwelche Beobachter in Georgien abhängen interessiert doch niemanden mehr.
WillisRache (27.08.2008, 12:42 Uhr)
@Almanistanbuli
wow.. hier hat ja doch noch jmd ein gehirn !!
bin 100% deiner meinung !
Almanistanbuli (27.08.2008, 12:37 Uhr)
Zweierlei Mass????
.... die Gruende für den Einmarsch in den Iraq sind meiner Meinung nach weitaaus trifftiger (Despot, Kurdenverfolgung, Gefahr für Oelversorgung) als die russischen Einmaersche in der DDR, Tschechien, Ungarn, der versuchte Tschecheniengenozid, Afghanisatn 1989....). Russland ist eine sowohl brutale und und damit auch schwache 'Militaermacht', die weder Rechtstaatlichkeit noch Demokratie sondern pure Machtdemonstartion als Grund für einen 'regime change' beabsichtigt. Wir sollten schnellstmoeglich die ca 35% Gasimporte aus Russland reduzieren, Gerhard's Gaspipeline stoppen und es nicht weiter zulassen, dass sich russische Staatsfonds in dt Unternehmen einkaufen.
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