Waffenstillstand im Nahen Osten hält

22. November 2012, 06:15 Uhr

Noch traut niemand dem Waffenstillstand, doch erstmals seit Beginn des Konflikts ist es in der Nacht in Israel und dem Gazastreifen ruhig geblieben. Auf den Straßen in Gaza feierten die Menschen.

Die zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas vereinbarte Waffenruhe ist in der Nacht zum Donnerstag von beiden Seiten eingehalten worden. Lediglich kurz nach Beginn der Feuerpause am Vorabend wurden nach Angaben der israelischen Polizei noch vereinzelt Raketen auf Südisrael abgefeuert, zu Schaden kam jedoch niemand. Der UN-Sicherheitsrat rief die Konfliktparteien zur Achtung der Vereinbarung auf.

US-Präsident Barack Obama dankte dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi für seine Vermittlung zwischen Israelis und Palästinensern. Er lobte in einer Mitteilung des Weißen Hauses in Washington insbesondere dessen "persönliche Verhandlungsführung". Zudem betonte Obama die "enge Partnerschaft" zwischen Washington und Kairo.

Waffenstillstand muss sich noch bewähren

Der UN-Sicherheitsrat rief Israel und die Hamas in einer Erklärung dazu auf, die Feuerpause ernst zu nehmen. Zudem forderte das Gremium gemeinsame Anstrengungen der Weltgemeinschaft, um den Menschen im Gazastreifen "zusätzliche Nothilfe" zur Verfügung zu stellen. Auch der Sicherheitsrat lobte Mursi für die Vermittlung der Waffenruhe.

Israel und die Hamas hatten sich am Mittwoch nach einwöchigem gegenseitigen Beschuss unter Vermittlung Ägyptens auf eine Feuerpause geeinigt. Ägyptens Außenminister Mohammed Amr verkündete die Einigung bei einer Pressekonferenz mit US-Außenministerin Hillary Clinton in Kairo. Um 20 Uhr (MEZ) trat die Waffenruhe dann in Kraft.

Die Vereinbarung sieht zunächst einen Stopp aller Angriffe vor, gefolgt von Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand. Auch die Grenzübergänge zum Gazastreifen sollen bald wieder geöffnet werden. Ziel ist, den Grenzverkehr für Waren und Menschen zu vereinfachen - das Gebiet steht seit Jahren unter israelischer Blockade. Überwacht werden soll das Abkommen von Ägypten.

Feiern in den Straßen von Gaza

Israel hatte am Mittwoch vergangener Woche eine Militäroffensive gegen Ziele im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen begonnen, um damit Raketenbeschuss von palästinensischer Seite zu stoppen. Alle Bemühungen um eine Waffenruhe zerschlugen sich zunächst, so zuletzt am Dienstag. Unter Vermittlung Ägyptens wurde am Mittwoch in Anwesenheit Clintons in Kairo weiter verhandelt.

Die Feuerpause erwies sich zunächst als stabil. Nach Angaben der israelischen Polizei wurden zwar nach ihrem Inkrafttreten nochmals zwölf palästinensische Raketen auf Südisrael abgefeuert, verletzt oder getötet wurde jedoch niemand. In den Straßen des Gazastreifens feierten die Menschen ausgelassen das Abkommen. Hamas-Chef Chaled Maschaal sagte, Israel habe seine Ziele verfehlt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte nach einem Telefonat mit Obama, sein Land wolle der ägyptischen Initiative "eine Chance geben". Insgesamt wurden seit dem Beginn der israelischen Offensive mehr als 150 Palästinenser und fünf Israelis getötet, etwa tausend weitere Menschen wurden zudem verletzt.

Internationale Erleichterung

Das vorläufige Ende der Gewalt wurde international mit Erleichterung aufgenommen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er hoffe, dass beide Seiten nun auch die noch offenen Fragen für einen dauerhaften Waffenstillstand klären würden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, alle Seiten seien nun gefragt, aus der Feuerpause einen stabilen Waffenstillstand zu machen.

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