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27. November 2009, 09:24 Uhr

SSV Ulm kündigt drei Spielern

Der in den Manipulationsskandal verwickelte Regionalligist SSV Ulm hat drei Spielern gekündigt. Bei einem weiteren verdächtigten Club, dem SC Verl, brachen Unbekannte unterdessen in die Geschäftsstelle ein - Alle Infos zum Wettskandal.

Wettskandal, Manipulation im Fußball, Wetten, Sportwetten

Ein neuer Wettskandal erschüttert Europas Fußball© Bernd Weißbrod/DPA

Fußball-Regionalligist SSV Ulm hat wegen des Wettskandals drei Spielern gekündigt. "Wir haben im Gespräch festgestellt, dass die drei in den Skandal verwickelt sein könnten", erklärte SSV-Vizepräsident Mario Meuler und bestätigte damit Informationen der "Bild"-Zeitung. Bei den Spielern handle es sich um Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic, sagte Meuler am Freitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der frühere Bundesligist geht davon aus, dass es um manipulierte Spiele in der vergangenen Saison gehen soll. "Uns ist zumindest nichts anderes bekannt", sagte Meuler.

Bei Kraljevic habe es am Donnerstag eine Hausdurchsuchung auf Initiative der Staatsanwaltschaft Bochum hin gegeben. "Wir wissen aber nicht, was dabei herausgekommen ist", sagte Meuler. Auch die Wohnung von Marinovic sollte durchsucht werden, der 26-Jährige sei aber nicht zu Hause gewesen. Bei Radojevic habe es zwar keine Durchsuchung gegeben, der Verein habe bei dem 31-Jährigen jedoch einen Verdacht gehabt und sei von sich aus auf ihn zugegangen.

Über das Gespräch mit den drei Akteuren könne man aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben. Das sei mit der Staatsanwaltschaft so abgesprochen. Noch vor wenigen Tagen hatte der Verein alle SSV-Spieler eine Ehrenerklärung unterschreiben lassen. Darin versicherten sie, nichts mit Wettmanipulationen zu tun zu haben.

+++Einbrecher durchwühlen Büros beim SC Verl+++
Beim im Fußball-Wettskandal in den Fokus geratenen Regionalligisten SC Verl ist in der Nacht zu Donnerstag eingebrochen worden. "Die Unterlagen in meinem Büro sind wild durchwühlt worden", sagte der Vereinsvorsitzende Peter Mankartz der Deutschen Presse- Agentur (dpa) am Freitag und bestätigte einen Bericht der "Neuen Westfälischen". Der oder die unbekannten Täter durchsuchten in dem Büro auf dem Vereinsgelände mehrere Schränke, nach ersten Erkenntnissen der Polizei ist nichts entwendet worden.

An einen Zusammenhang mit den zwei möglicherweise manipulierten Partien mit Verler Beteiligung der vergangenen Saison, in dessen Zuge die Ostwestfalen am Dienstag zwei Spieler suspendiert hatten, glaubt Mankartz nicht. "Aber ich kann auch nichts ausschließen", sagte er. Die Polizei behandelt den Vorfall nach Angaben eines Sprechers vorerst als "normalen Einbruch".

+++Spieler von Fortuna Düsseldorf vernommen+++
Im Zuge der Wettskandal-Ermittlungen sind am Donnerstag zwei Spieler von Fortuna Düsseldorf vernommen worden. Die Aktiven der zweiten Mannschaft wurden anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt, wie die "Rheinische Post" berichtete. Der Verein geht davon aus, dass die Spieler nicht als Beschuldigte, sondern als Zeugen vernommen wurden. "Im Moment wissen wir aber noch gar nichts", wurde der Vorstandsvorsitzende des Clubs, Peter Frymuth, zitiert. Die Bochumer Staatsanwaltschaft war zu einer Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Laut Informationen der Zeitung geht es bei der Untersuchung um drei Spiele der in der Regionalliga West aktiven zweiten Mannschaft, die allesamt verloren wurden: ein 0:3 bei der Zweitvertretung von Schalke 04 am 31. Oktober, ein 1:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern II eine Woche zuvor und eine Partie aus der Vorsaison, als Fortunas Zweite am 3. Mai - damals noch in der NRW-Liga - gegen den Bonner SC 1:4 unterlag.

+++Torwart von Goslar sollen 1.500 Euro geboten worden sein+++
Im Zusammenhang mit einem Bestechungsvorwurf in der Fußball-Regionalliga hat die Bremer Polizei bei einer Hausdurchsuchung Bargeld in Höhe der angeblichen Bestechungssumme gefunden. Medienberichten zufolge war der 21 Jahre alte Verdächtige, der sich als "Markus aus Bremen" vorstellte, am Donnerstag vergangener Woche an den Torhüter des Goslaer Regionalligisten GSC 08 herangetreten und hatte ihm 1.500 Euro angeboten. Der Torhüter habe jedoch abgelehnt, absichtlich gegen den SSV Wilhelmshaven zu verlieren, teilte die Polizei in Goslar am Donnerstag mit.

Stattdessen habe er seinen Verein informiert, der den Deutschen Fußballbund und die Polizei einschaltete. Da das Mietwagen-Kennzeichen des Bremers notiert worden war, spürte ihn die Polizei Goslar in Zusammenarbeit mit Bremer Kollegen schnell auf. Ein Zusammenhang zum europaweiten Fußballwettskandal sei bis jetzt nicht nachgewiesen, hieß es. Das konkrete Motiv sei ebenfalls unklar. Parallel zu dem Bestechungsversuch war in den Medien von einer angeblichen Wette im sechsstelligen Bereich auf das Spiel berichtet worden.

+++Verl-Kapitän will aussagen+++
Der wegen Manipulationsverdacht suspendierte Kapitän des Fußball-Regionalligisten SC Verl, Patrick Neumann, will bei der Staatsanwaltschaft Bochum aussagen. "Er wird gegenüber den Bochumer Ermittlern alles sagen, was er weiß", kündigte sein Anwalt Lutz Klose im "Westfalen-Blatt" an. Dabei gebe es allerdings "nicht so viel zu gestehen". Neumann sei in "diese Sache hineingedrückt worden". "Nach dem gewonnenen Spiel gegen Gladbach II ist mein Mandant von einer Person außerhalb des Vereins massiv psychisch unter Druck gesetzt worden", sagte Klose. Neumann war wie Tim Hagedorn am Dienstag vom Club suspendiert worden.

+++Uefa nennt Namen von verdächtigten Clubs+++
Der Sumpf des Wett- und Manipulationsskandals im europäischen Fußball ist noch tiefer als zunächst angenommen: Die Europäische Fußball-Union (Uefa) veröffentlichte am Mittwoch nach einer Zusammenkunft der neun von den möglichen Betrügereien betroffenen Verbände eine Liste von fünf unter Manipulationsverdacht stehenden Clubs bzw. sieben Spiele, die möglicherweise verschoben wurden. Bei den fünf Clubs, die neu unter Verdacht stehen, handelt es sich um KF Tirana, KS Vilaznia (beide Albanien), FC Dinaburg (Lettland), NK Ljubljana (Slowenien) sowie Honved Budapest (Ungarn). Insgesamt sollen sieben Spiele der Qualifikation zur Champions- beziehungsweise Europa League manipuliert worden sein. Laut der Uefa sind möglicherweise drei Schiedsrichter involviert. Die entsprechenden Namen wurden jedoch nicht bekannt gegeben wurden. An der Uefa-Sitzung nahm auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach teil.

Folgende Spiele sollen betroffen sein:

Champions-League-Qualifikation, 2. Runde vom 21. Juli 2009: Stabaek IF - KF Tirana

Europa-League-Qualifikation, 2. Runde vom 16. Juli 2009: Bnei Yehuda Tel Aviv - FC Dinaburg

Europa-League-Qualifikation, 2. Runde vom 23. Juli 2009: FC Dinaburg-Bnei Yehuda Tel Aviv

Europa-League-Qualifikation, 2. Runde vom 23. Juli 2009: KS Vllaznia - Rapid Wien

Europa-League-Qualifikation, 2. Runde vom 16. Juli 2009: Rapid Wien - KSV Vllaznia

Europa-League-Qualifikation, 3. Runde vom 6. August 2009: NK Ljubljana - FC Metalurg Donezk

Europa-League-Qualifikation, 3. Runde vom 30. Juli 2009: Fenerbahce Istanbul - Honved Budapest

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