Samsung könnte durch Alleingang in Probleme geraten

27. Februar 2013, 07:03 Uhr

Samsung ist derzeit der größte Smartphone-Hersteller. Die Südkoreaner könnten dies nutzen, um sich unabhängig vom Google-System Android zu machen. Der Android-Chef rät jedoch von einem Alleingang ab.

1 Bewertungen
Telekommunikation, Computer, Internet, Messen, Android, Chef, Samsung, Alleingang, 4161

Auch beim diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona erfreuen sich Samsung-Geräte großer Beliebtheit©

Android-Chef Andy Rubin hat Samsung davor gewarnt, die wachsende Marktmacht für den Aufbau einer isolierten eigenen Plattform zu nutzen.

Es sei zwar eine natürliche Entwicklung, dass ein großer Hersteller wie Samsung auch Alternativen zu Android auslote, sagte der Google-Manager auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Ein Alleingang eines einzelnen Herstellers wäre aber eine Insellösung. "Und mein Rat ist: Bauen sie keine Inseln, sie funktionieren nicht mehr. Sie müssen Ökosysteme aufbauen, die verschiedenen Herstellern offenstehen."

Zugleich glaubt Rubin nicht, dass sich Samsung auch als größter Smartphone-Hersteller ganz von dem bei Google entwickelten Android-System verabschieden könnte. "Es gibt in jedem Haushalt immer mehr Geräte verschiedener Hersteller, die mit Android laufen", betonte er. Und das Google-Betriebssystem sei dabei die gemeinsame Grundlage. "Es ist zu so einer mächtigen Kraft geworden, dass es schwer ist, darauf zu verzichten."

Android hat 70 Prozent Marktanteil

Android - ein Betriebssystem, dass Google allen Herstellern kostenlos zur Verfügung stellt - beherrscht den Smartphone-Markt derzeit mit einem Anteil von rund 70 Prozent. Samsung gelingt es am besten, diese Welle zu reiten: Rund jedes dritte weltweit verkaufte Computer-Handy kommt von den Südkoreanern. Sie sind damit mit Abstand erfolgreicher als andere Android-Anbieter. Immer wieder wird spekuliert, Samsung könnte diese Marktmacht und die Strahlkraft seiner Marke Galaxy nutzen, um sich mit anderen Betriebssystemen unabhängiger von Google zu machen.

Rubin führt den weiten Abstand von Samsung vor anderen Android-Anbietern auf ein besseres Management durch die Südkoreaner zurück. "Das hat nichts mit Android zu tun." Möglicherweise helfe Samsung auch, ein breit aufgestellter Konzern zu sein, der zentrale Bausteine wie Speicher, Prozessoren und Bildschirme selbst entwickele und herstelle.

Der Android-Chef wies in Barcelona zugleich jüngste Berichte zurück, Google bereite eigene Geschäfte nach dem Vorbild der Apple Stores vor. "Google hat keine Pläne und wir haben nichts anzukündigen", sagte Rubin. Zuletzt hatte unter anderem das "Wall Street Journal" berichtet, nach Apple und Microsoft denke auch Google über Geschäfte zunächst in den USA nach. Sie könnten Geräte unter dem Google-Markennamen oder auch Technik des übernommenen Handy-Herstellers Motorola verkaufen, hieß es.

Verbraucher informieren sich online

Rubin erklärte, heutzutage sei es immer unwichtiger, sich zum Beispiel ein Mobiltelefon vor dem Kauf in einem Geschäft anzusehen. Verbraucher informierten sich über neue Technik im Internet oder bei Bekannten und könnten sie sich zum Beispiel in Geschäften der Mobilfunk-Betreiber ansehen. "Außerdem laufen heute viele Geräte auf der selben Plattform", sagte Rubin mit Blick auf die Dominanz von Android, dessen Entwicklung er bei Google verantwortet. Er wies Spekulationen zurück, Google schiebe derzeit Android als Marke in den Hintergrund zu Gunsten des eigenen Konzernnamens. Die Gerüchte waren aufgekommen, nachdem die App-Plattform für das System von Android Market in Google Play umbenannt worden war.

Der von Google übernommene Handy-Pionier Motorola bekomme keine Sonderbehandlung, betonte Rubin. Sein Team und das von Motorola seien komplett getrennt. Er schließe zwar nicht aus, dass Motorola einmal eines der Flaggschiff-Geräte der Nexus-Serie bauen werde - "wir können sie schließlich nicht dafür bestrafen, dass sie zu Google gehören". Aber Motorola werde durch den gleichen Auswahlprozess wie andere Hersteller gehen müssen. Bei den Nexus-Modellen versucht Google, mit wechselnden Hardware-Partnern die bestmöglichen Android-Geräte zu entwickeln. So wird das aktuelle Smartphone Nexus 4 von LG gebaut.

Kein Konflikt zwischen Android und Chrome

Einen Konflikt zwischen den beiden Google-Betriebssystemen Android und Chrome sieht Google nicht. "Wenn zwei verschiedene Geräte im Laden stehen, ist die Chance größer, dass der Kunde am Ende bei Google landet." Es gehe darum, Angebote für unterschiedliche Nutzungsszenarien zu haben. Bei Chrome laufen die Programme komplett aus dem Internet - ähnlich wie bei dem neuen Firefox-Betriebssystem des Browser-Entwicklers Mozilla, das in Barcelona vorgestellt wurde.

Nach Einschätzung von Rubin ergänzen sich Android und die Firefox OS eher, anstatt direkt miteinander zu konkurrieren. Es gebe Preisklassen, in denen Android aufgrund technischer Mindestvorgaben nicht eingesetzt werden könne und da mache ein System wie das von Firefox Sinn. Für Google werde eine Verbreitung des Firefox-Systems auf jeden Fall positiv sein: "Mehr Zugang zum Internet bedeutet auch mehr Zugang zu Google." Und er selbst sei Firefox allein schon deshalb wohlgesonnen, weil die Entwickler die gleichen Werte einer offenen Plattform vertreten.

Erste Smartphones mit dem Firefox-Betriebssystem sollen zunächst in Lateinamerika auf den Markt kommen und dem Vernehmen nach nur rund 100 Euro kosten.

amt/DPA
 
 
MEHR ZUM THEMA
Wissenstests
Wie gut ist Ihr Allgemeinwissen? Wie gut ist Ihr Allgemeinwissen? Kniffliges für Ihr Hirn: Quizzen Sie sich zum Allgemeinwissens-Champion! Mit diesen Fragen und Antworten sammeln Sie zudem genug Stoff für jeden Party-Smalltalk. Zu den Wissenstests
 
"Naturwunder Erde"
Markus Mauthe bereist die Welt Markus Mauthe bereist die Welt Zwei Jahre, vier Lebensräume, 17 Reiseziele: In einem einzigartigen Langzeitprojekt bereist ein Fotograf die Welt. Zu den Fotostrecken
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von bh_roth: VPN-Server erkennbar?

 

  von Gast 92508: Welche Kühlschranktemperatur ist richtig

 

  von Gast 92503: Warum habe ich nach meiner Privatinsolvenz immer noch einen sehr schlechten Scorwert bei der Schufa...

 

  von Gast 92501: gibt es ökologische Fahrradbekleidung?

 

  von Gast 92499: Rechtsfrage

 

  von rocky1703: mein sohn ist 21 jahre und hat seine ausbildung abgebrochen abgebrochen muss ich weiter unterhalt...

 

  von Amos: Warum heißt es häufig "Freiheitsstrafe" statt "Gefängnisstrafe"? Klingt das...

 

  von Gast: Haben Sie Behindertenrabatte?

 

  von Amos: Was ist dran am möglichen Ende von AC/DC? Alles nur Spekulationen?

 

  von Gast 92465: ich habe bei meinem Nissan Pixo den Lüftungsmotor wegen Geräusche vor 1 Jahr austauschen lassen.

 

  von getachew: Wie kann man die Monatskarte der Bvg steuerlich absetzen?

 

  von Amos: Warum trägt der BVB auch ein VW-Logo auf dem Trikot? Aus Sympathie für Wolfsburg? Bisher hatten sie...

 

  von bh_roth: Zwei Windows Betriebssysteme auf einer Festplatte möglich?

 

  von Gast 92439: Temperatur schwankt im Kühlkombie von -20 bis - 12 Grad. warum?

 

  von Anoukboy: Ich bin Französin, habe mehrere Jahre in Deutschland gewohnt une gearbeitet. Ich ziehe nach...

 

  von Gast 92418: Daten von externer Festplatte auf PC laden?

 

  von Amos: Deutsche Spitzengastronomie wird zu 95% von männlichen Köchen dominiert. Köchinnen kenne ich...

 

  von Amos: Woher stammt die Unsitte, vieles als "vorprogrammiert" zu bezeichen? Statt...

 

  von Gast 92411: wie stelle ich meine e-mail adresse um?

 

  von gerti: suche eine alternative Pfanne zu Aluguss für Induktionsherd welche nicht so schwer ist...

 

 
 
stern - jetzt im Handel
stern (17/2014)
Der Schicksalsflug