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Apple-Tablet: iPad Pro im Test: Ich sehe was, was du nicht siehst

Groß, schnell, teuer: Mit dem neuen iPad Pro gelingt Apple erneut ein großer Wurf - im wahrsten Sinne des Wortes. Doch das diesjährige Tablet will mehr sein als nur ein Notebook-Ersatz. Ein Bauteil zeigt, wie Apple sich die Zukunft vorstellt.

Das iPad Pro glänzt mit einem riesigen Bildschirm, der mit der richtigen Software zum Tor in neue Welten werden soll.

Das iPad Pro glänzt mit einem riesigen Bildschirm, der mit der richtigen Software zum Tor in neue Welten werden soll.

Noch Tablet, oder schon Computer? Diese Frage stellt sich immer wieder, seit Apple im Herbst 2015 das erste iPad Pro vorgestellt hat. Das ist nun viereinhalb Jahre und drei Generationen her, doch in gewisser Weise sitzt das Gerät noch immer zwischen den Stühlen. Technisch war es schon lange spitze, der Software fehlte es jedoch an Feinschliff und Flexibilität.

Mit der jüngst vorgestellten vierten Generation seines Profi-iPads möchte Apple nun endgültig den Laptop beerben: Das 2020er-Modell ist schneller und hat dank einer speziellen Kamera neue Tricks auf Lager. Es gibt jedoch einen großen Haken. Welcher das ist und was das iPad Pro (2020) sonst noch kann, verrät unser Test.

iPad Pro: Groß und größer

Zunächst die technischen Daten: Das iPad Pro gibt es in zwei Bildschirmgrößen, 11 und 12,9 Zoll. Ich habe das größere der beiden Modelle getestet, dessen Display sich in der Diagonale über 32,76 Zentimeter erstreckt. Das entspricht in etwa einem DIN-A4-Blatt. Das macht das große Modell ideal für digitale Zeitschriften.

Durch das große Display wird das iPad Pro zur Entertainment-Maschine.

Durch das große Display wird das iPad Pro zur Entertainment-Maschine.

Der Bildschirm selbst gehört zu den besten, die man derzeit bekommen kann und stellt Inhalte farbecht und extrem scharf dar. Einzelne Bildpunkte sind auch bei genauem Hinsehen nicht zu erkennen. Dazu ist der Bildschirm sehr hell. Entsperrt wird das Gerät wie beim Vorgänger mit dem Gesichtsscanner Face ID. Das funktioniert sogar, wenn das Tablet quer oder der Unter gehalten wird, solange der Nutzer die Kamera nicht mit der Hand verdeckt.

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A12Z: So schnell ist der neue Prozessor

Neu ist der A12Z-Prozessor, dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des A12X aus dem Vorgänger. Beide Chips liegen im Testprogramm Geekbench 5 etwa gleichauf: Das 2018er iPad Pro erzielte 4604 Punkte, das neue 4702. Ein Unterschied von rund zwei Prozent. Im Metal-Benchmark, der vor allem die Grafikleistung analysiert, beträgt die Differenz rund 6,5 Prozent.

Im Vergleich zur Vorgänger-Generation hält sich der Leistungssprung somit in Grenzen. Im Vergleich zur Android-Konkurrenz befinden sich beide Geräte ohnehin in einer eigenen Liga: Das Huawei Mate 30 Pro erzielt bei Geekbench 5 etwa 3072 Punkte, das Galaxy Tab S6 mit 2465 Punkten nur knapp die Hälfte. Selbst viele populäre Windows-Rechner schneiden schlechter ab als das iPad.

Ob Fortnite, Adobe Lightroom oder GarageBand: Mit herkömmlichen Spielen und Programmen ist der Prozessor kaum auszureizen. Wozu braucht man also so viel Rechenpower?

iPad Pro mit Tiefensensor

Hier kommt das neue Kameramodul auf der Rückseite ins Spiel. Neben der Hauptkamera mit 12 Megapixeln gibt es nun ein Ultraweitwinkelobjektiv, welches mit 10 Megapixeln auflöst und mehr von der Szenerie einfangen kann. Wer das iPad Pro zum Filmen und Fotografieren nutzt, kann sich nun kreativer austoben.

Die zwei Kameralinsen des iPad Pro, der unscheinbare Punkt rechts daneben ist der Lidar-Sensor.

Die zwei Kameralinsen des iPad Pro, der unscheinbare Punkt rechts daneben ist der Lidar-Sensor.

Die eigentliche Sensation des iPad Pro ist aber der unscheinbare Punkt neben den beiden Linsen - dabei handelt es sich um einen Lidar-Sensor. Lidar ist die Abkürzung für "Light Detection and Ranging", eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Anders als beim Radar nutzt man dafür jedoch Laserstrahlen, die vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen werden können.

Da die Lichtgeschwindigkeit kontant ist, kann der Sensor exakt bestimmen, wie lange das Licht benötigt, um auf ein Objekt zu treffen und wieder zurückzukehren. Aus diesen Daten wird gemeinsam mit den beiden Kameras und den Bewegungssensoren die Entfernung berechnet. Das benötigt viel Rechenpower. Dieser Vorgang passiert Tausende Male pro Sekunde, sodass der Empfänger - in diesem Fall das iPad - daraus ein Bild mit unterschiedlichen Tiefen zeichnen kann. Die Technologie funktioniert sowohl drinnen als auch draußen und bei Distanzen bis zu fünf Metern.

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Augmented Reality: Die Welt ist nicht genug

Lidar soll sogenannte "Augmented Reality"-Anwendungen auf die nächste Stufe heben. Übersetzt heißt das übrigens "Erweiterte Realität", und genau darum geht es: Die echte Welt mit virtuellen Dingen anzureichern. Das können kleine Monster sein, wie bei "Pokémon Go", aber auch Richtungspfeile in Navigations-Apps. Augmented Reality sei eine Schlüsseltechnologie der Zukunft, sagte Apples Marketingchef Phil Schiller bereits vor einigen Jahren im stern-Interview. "AR kann alles verändern. Die Art, wie wir spielen, wie wir in der Schule lernen. Wie wir Apps im Berufsalltag verwenden oder in der Schule unterrichten."

Ein Fingertipp, schon sieht man ein Modell der Erde mitten auf der Straße: Apple denkt, dass Augmented-Reality-Apps das Lernen revolutionieren könnten.

Ein Fingertipp, schon sieht man ein Modell der Erde mitten auf der Straße: Apple denkt, dass Augmented-Reality-Apps das Lernen revolutionieren könnten.

Die schwedische Möbelhauskette Ikea war eines der ersten Unternehmen, das auf Augmented Reality setzte. Mit der App "Place" ist es möglich, virtuelle Möbel maßstabsgetreu in den eigenen vier Wänden zu platzieren - wie bei einem Katalog der Zukunft. Es folgten Spiele, in denen fantastische Welten auf dem Küchentisch entstanden. Lern-Programme, durch die plötzlich ein Sonnensystem mitten im Klassenzimmer schwebte.

Ist Lidar das fehlende Puzzleteil?

Die Technologie ist jedoch noch eine Nische. Apple glaubt, mit Lidar nun das fehlende Puzzle-Teil zu besitzen, um AR zum Durchbruch zu verhelfen. Vor allem im Business-Bereich: So ist derzeit eine Visualisierungs-App namens Shapr3D in Arbeit, mit der man in Echtzeit das 3D-Modell eines Raumes erstellen kann. Ikea passt seine "Place"-App ebenfalls an die neuen Möglichkeiten an. Und die medizinische Lernsoftware "Complete Anatomy", die auch an der Universität Zürich eingesetzt wird, nutzt den Lidar-Sensor, um etwa nach Operationen oder Sportverletzungen den Bewegungsradius eines Arms zu messen. Makler, Innenarchitekten, Physiotherapeuten - Apple skizziert eine Reihe von Einsatzzwecken, um das Potenzial der Technik zu verdeutlichen.

Mit den richtigen Anwendungen soll das iPad Pro auch im medizinischen Bereich Fuß fassen, hofft Apple. Hier zu sehen eine App, mit der Physiotherapeuten computergestützt die Beweglichkeit von Patienten ermitteln können.

Mit den richtigen Anwendungen soll das iPad Pro auch im medizinischen Bereich Fuß fassen, hofft Apple. Hier zu sehen eine App, mit der Physiotherapeuten computergestützt die Beweglichkeit von Patienten ermitteln können.

Die Sache hat nur einen Haken: All diese Programme kann man noch nicht ausprobieren, denn sie müssen erst entwickelt werden. Und das wird dauern. Bislang wird der Lidar-Sensor lediglich von einer einzigen Anwendung genutzt: der vorinstallierten Maßband-App. In Zeiten von 1,50 Meter Mindestabstand im öffentlichen Raum ist die fraglos praktisch. Aber sie reicht nicht aus, um einschätzen zu können, ob Lidar im iPad der nächste große Schritt in Richtung Augmented Reality ist - oder nur eine technische Spielerei. Immerhin erscheinen in bisherigen AR-Anwendungen Objekte schneller und man muss das Tablet nicht erst umständlich ausrichten. 

Das Problem der fehlenden Apps dürfte jedoch nur temporär sein. Insider erwarten, dass Apple mindestens eines der neuen iPhone-Modelle in diesem Jahr ebenfalls mit einem Lidar-Sensor ausstattet, spätestens dann werden weitere Entwickler auf den Zug aufspringen. Apple will auf diese Weise das Fundament für die kommenden Jahre legen, wenn Gerüchten zufolge eine Augmented-Reality-Brille auf den Markt kommen soll. Das iPad Pro ist gewissermaßen der erste Probelauf für Apples wichtigste Wette auf die Zukunft.

Maus als Produktivitäts-Treiber

Auch die zweite große Neuerung kann man noch nicht ausprobieren: Gleichzeitig mit dem iPad Pro kündigte Apple mit dem Magic Keyboard neues Zubehör an, welches mit Trackpad, Hintergrundbeleuchtung und einer Scherentastatur punktet. Der eingebaute Standfuß ermöglicht einen Betrachtungswinkel von 120 Grad, die Tasten haben einen Hub von 0,7 Millimetern. Apple rüstet sich damit für einen Showdown mit Microsofts Arbeitstablet Surface. Wie gut das funktioniert, zeigt sich erst nach einem Test der Tastatur - wir werden diese Passage dann entsprechend aktualisieren. Das Magic Keyboard, das zugleich als Schutzhülle fungiert, erscheint jedoch erst im Mai zum stolzen Preis von 400 Euro. Immerhin können Besitzer der Vormodelle den bisherigen Apple Pencil der zweiten Generation weiter nutzen.

Das neue Magic Trackpad bringt erstmals ein Mauspad und eine beleuchtete Tastatur mit. Leider kommt das Accessoire erst im Mai.

Das neue Magic Trackpad bringt erstmals ein Mauspad und eine beleuchtete Tastatur mit. Leider kommt das Accessoire erst im Mai.

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Mit iPadOS 13.4 erhält das Tablet außerdem endlich eine vollwertige Maus-Unterstützung, bisher gab es nur eine etwas unbefriedigende Zwischenlösung, der Grundfunktionen wie ein Rechtsklick fehlten. Mit der Überarbeitung kommen nicht nur viele Funktionen hinzu, der sich an Steuerelemente anpassende Mauszeiger fühlt sich erstmals auch nicht mehr wie ein Fremdkörper an.

Und man muss sagen: Mit Bluetooth-Tastatur und -Trackpad lässt es sich hervorragend auf dem Tablet - oder ist es doch ein Computer? - arbeiten. Vor allem Anwendungen wie Luma Fusion (Videoschnitt) oder Numbers (Tabellenkalkulationen) profitieren von der Maussteuerung. Diese Funktion ist aber nicht exklusiv dem neuen Tablet vorbehalten, sie steht für alle iPad-Pro-Modelle, iPad Air 2 oder neuer, iPad 5. Generation oder neuer sowie das iPad mini 4 zur Verfügung.

Mit dem Betriebssystem iPadOS ist das Tablet deutlich flexibler geworden.

Mit dem Betriebssystem iPadOS ist das Tablet deutlich flexibler geworden.

Fazit: Das beste iPad

Schneller Prozessor, toller Bildschirm, bis zu ein Terabyte Speicher, perfekt angepasstes Zubehör: Das iPad Pro ist fraglos eines der besten Tablets auf dem Markt. Womöglich sogar das beste. Trotzdem fühlt sich die neue Generation noch unvollständig an, denn die auf dem Papier spektakulärste Neuerung - der Lidar-Sensor in der Kamera - wird noch nicht ausgereizt. Das ist schade und eigentlich gar nicht Apples Art. Man darf nun gespannt sein, ob und in welchem Umfang Entwickler in ihren Apps die Technologie aufgreifen werden. Vielversprechend ist sie auf jeden Fall.

Dank einer neuen Betriebssystem-Version haben Nutzer des iPad Pro gleich mehrere Möglichkeiten der Steuerung: Maus, Trackpad, Apple Pencil und natürlich weiterhin den Touchscreen. Viele Fans vermissen letzteren gerade bei Macbooks. Sie können nun alternativ ein iPad wählen. Damit hat das iPad einen großen Schritt Richtung Business-Tauglichkeit gemacht. Das liegt aber weniger an der eigentlichen Hardware, sondern am Zubehör und nützlichen Software-Neuerungen wie dem Betriebssystem iPadOS, den hohen Datenschutz-Standards und der Maus-Unterstützung. Das Gesamtpaket überzeugt, hat jedoch seinen Preis: Das 11-Zoll-Modell (128 GB) gibt es ab 850 Euro, die 12,9-Zoll-Version für etwa 1070 Euro, jeweils ohne die Tastaturhülle.

Allerdings gelten die meisten Vorteile auch für das iPad Pro der dritten Generation aus dem Jahr 2018, das man bereits für 750 beziehungsweise 990 Euro (12,9 Zoll) erhält. Hier verzichtet man lediglich auf die Ultraweitwinkelkamera, ein paar Prozent Rechenpower und den Lidar-Sensor. Der ist technisch zwar spannend, bislang aber lediglich eine Wette auf die Zukunft. Ob einem diese Unterschiede 100 Euro wert sind, muss jeder für sich entscheiden.

Alternativen

Wer gar nicht so viel Leistung braucht und sowieso nicht vor hat, mehrere hundert Euro für Zubehör auszugeben, der dürfte auch mit dem "normalen" iPad (lesen Sie hier unseren Test) zufrieden sein, das man ab etwa 330 Euro bekommt. Für alltägliche Aufgabe ist das ausreichend, das neueste Modell unterstützt sogar den Apple Pencil (erste Generation).

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Wer auf Windows angewiesen ist, für den sind Microsofts Surface-Pro-Tablets eine Alternative. Sie werden wie die meisten Notebooks von Intel-Prozessoren angetrieben. Stift und Tastaturhülle sind aber auch hier nicht im Lieferumfang enthalten. Und wirklich günstiger als ein iPad Pro sind sie auch nicht: Los geht es bei um die 950 Euro, mit besserer Ausstattung knackt man schnell die 2000-Euro-Marke. Android-Tablets sind für Profi-Anwender mangels passender Apps in der Regel keine Option.

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