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+++ Ukraine-Newsticker +++: Putin auf Krim-Besuch

Wladimir Putin besucht erstmals seit ihrer Angliederung die Krim. Im südostukrainischen Mariupol werden mehrere Menschen getötet - wie viele, ist unklar. Die Ereignisse im stern.de-Newsticker.

+++ 17.48 Uhr: Ukraine kritisiert Putins Besuch auf der Krim +++

Die Ukraine hat den Besuch von Kremlchef Wladimir Putin auf der von Kiew abtrünnigen Halbinsel Krim als "unverhohlene Respektlosigkeit" verurteilt. Russland verstoße gegen ukrainische Gesetze, bilaterale Grenzverträge und die Charta der Vereinten Nationen, teilte das Außenministerium in Kiew am Freitag mit. "Diese Provokation ist ein weiterer klarer Beweis, dass Russland die Spannungen in den ukrainisch-russischen Beziehungen beständig eskalieren lässt und nicht willens ist, bilateralen Streit diplomatisch zu beenden."

+++ 16.07 Uhr: Linke: EU hat versagt +++

Die Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl, Gabi Zimmer, wirft der EU Versagen in der Ukraine-Krise vor. "Die EU hat alles falsch gemacht in den letzten Monaten, was auch nur falsch zu machen ging", sagt sie zu Beginn des Linke-Bundesparteitags. Die Fehler der EU gingen sogar bis zur Ost-Erweiterung der Union zurück. Dabei sei es nicht geschafft worden, auch die Verbindung zu Russland zu stärken. "Russland ist Teil Europas, es muss eingebunden werden", sagt Zimmer.

+++ 16.01 Uhr: USA werfen Putin Provokation vor +++

Der Besuch von Wladimir Putin auf der annektierten Krim ist in den USA auf scharfe Kritik gestoßen. "Wir akzeptieren die illegale Annexion der Krim durch Russland nicht. Dieser Besuch wird nur die Spannungen verschärfen", sagt in Washington die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Laura Magnuson.

+++ 15.26 Uhr: Regierung in Kiew spricht von mehr als 20 Toten in Mariupol +++

Wieder neue Zahlen zu Mariupol: Nach Angaben der Regierung in Kiew sind mindestens 21 Menschen bei den Kämpfen zwischen ukrainischen Militäreinheiten und Separatisten getötet worden. Unter den Todesopfern seien 20 Milizionäre und ein Polizist, so das Innenministerium.

+++ 15.20 Uhr: EU weitet Sanktionen aus +++

Die EU-Staaten weiten ihre Sanktionen gegen Russland aus. Die 28 Außenminister werden am Montag in Brüssel weitere Einreiseverbote und Kontensperrungen beschließen, verkünden die Diplomaten in Brüssel. Davon sollen vor allem Personen betroffen sein, die die Annexion der Krim durch Russland unterstützt haben. Die Minister wollen auch beschließen, dass künftig nicht nur Personen, sondern auch Organisationen und Unternehmen von Sanktionen getroffen werden können. Mit umfassenden Wirtschaftssanktionen sei noch nicht zu rechnen.

+++ 15.10 Uhr: Drei Tote und 25 Verletzte in Mariupol +++

Laut Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden sind bei den Kämpfen in Mariupol drei Menschen getötet und 25 Menschen verletzt worden. Zuvor hatten örtliche Medien von acht Toten berichtet.

+++ 14.45 Uhr: Putin bei Parade auf der Krim +++

An Bord eines Bootes nimmt Wladimir Putin in der Bucht von Sewastopol die Parade von zehn Kriegsschiffen und 70 Kampfflugzeugen und Hubschraubern ab. Das russische Staatsfernsehen überträgt die Feier live. Die Führung in Kiew spricht von einer "Provokation".

Wie im russischen Fernsehen zu sehen ist, fährt Putin in Begleitung von Verteidigungsminister Sergej Shogui auf einem weißen Boot ein Dutzend russischer Kriegsschiffe ab. Es entspreche der "historischen Wahrheit", dass die Krim zu Russland zurückgekehrt sei, sagt Putin in einer kurzen Ansprache. Er gratuliert den in Paradeuniformen angetretenen Mannschaften zum "69. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg". Die Soldaten auf den Schiffen antworten mit Hurra-Rufen, während sich auf den Kais tausende Menschen drängen.

+++ 14.30 Uhr: Rasmussen kritisiert Putins Krim-Besuch +++

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nennt den Besuch Wladimir Putins auf der Krim "unangemessen". Die Schwarzmeerhalbinsel sei nach internationalem Recht weiterhin ukrainisches Gebiet. Putin besuche sie ohne eine Einladung der Kiewer Regierung, sagt Rasmussen. Er wirft dem russischen Präsidenten vor, internationales Recht zu missachten.

+++ 14.10 Uhr: Separatisten wollen sich hinter Milizenführer zusammenschließen +++

Die verschiedenen Separatistengruppen in der Ukraine wollen sich offenbar hinter einem Milizenführer zusammenschließen, der nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes Oberst des russischen Geheimdienstes ist. Igor Strelkow sei "vorgeschlagen worden, Kommandeur aller Selbstverteidigungskräfte des Donbass zu werden", sagt der selbsternannte Gouverneur von Donezk, Pawlo Gubarew.

Strelkow führte bisher die bewaffneten Separatisten in Slawjansk an. Der 43-Jährige soll maßgeblich an der Geiselnahme von OSZE-Militärbeobachtern in der vergangenen Woche beteiligt gewesen sein. Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU ist er in Wahrheit Oberst des russischen Militärgeheimdiensts GRU und heißt Igor Girkin - was er bestreitet. In einem Interview hatte Strelkow angekündigt, er und seine Leute würden nicht in Donezk haltmachen, sondern die ganze Ukraine "von den Faschisten befreien".

+++ 13.50 Uhr: EU-Parlamentarier rügt Putin-Auftritt +++

Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok (CDU), wertet die Teilnahme von Russlands Präsident Wladimir Putin an den Feiern zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland auf der Krim als Zeichen der Destabilisierung. "Putin zeigt der Welt, was er von den Protesten gegen sein völkerrechtswidriges Vorgehen auf dem Krim hält", sagt Brok am Freitag. "Das ist keine Geste der Stabilisierung und eine Ermutigung für die Separatisten in der Ostukraine."

+++ 12.56 Uhr: Putin landet auf der Krim +++

Kremlchef Wladimir Putin ist am wichtigsten russischen Feiertag demonstrativ auf der abtrünnigen ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim gelandet. Der russische Präsident werde in Sewastopol an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg 1945 teilnehmen, meldet die Agentur Interfax. In der Hafenstadt ist am Nachmittag eine Flottenparade geplant.

+++ 12.31 Uhr: Medien berichten von acht Toten in der Südostukraine +++

Bei Kämpfen in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sollen laut ukrainischen und russischen Medien mehrere Menschen getötet worden sein. Die ukrainische Nachrichten-Website "Insider" berichtet von acht getöteten pro-russischen Kämpfern.

In der Stadt im Südosten des Landes ist es zu schweren Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und prorussischen Kräften gekommen. Ein Führungsmitglied der moskautreuen "Selbstverteidigungskräfte" sagt, mehrere Aktivisten seien verletzt worden.

Ein Kameramann des britischen Fernsehsenders ITV berichtet über Twitter von "heftigen Gefechten" und Rauch über der Stadt: "Heckenschützen überall. Schwere Waffen. Ein Mann wurde direkt neben mir getroffen."

+++ 12.23 Uhr: Bundesregierung besorgt über Menschenrechtslage auf der Krim +++

Die Bundesregierung äußert sich besorgt über die Menschenrechtslage auf der Halbinsel Krim. Es gebe Berichte über ein repressives Vorgehen besonders gegenüber den Krim-Tataren, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung appelliere daher nachdrücklich an Russland, die Rechte der Minderheiten auf der Krim zu schützen.

+++ 12.11 Uhr: Brok vermutet Putin hinter Referendum +++

Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament, Elmar Brok (CDU), vermutet weiterhin Wladimir Putin hinter dem umstrittenen Abspaltungs-Referendum in der Ostukraine. "Ich glaube nicht, dass das gegen den Willen von Putin geschieht. Es soll doch keiner sagen, dass das ein Selbstläufer ist in der Ostukraine. Putin weiß doch, wie das läuft. Da sind wir etwas blauäugig." Brok weist auch darauf hin, dass ein Beschluss des russischen Parlaments die rechtlichen Grundlagen geschaffen habe, Donezk und Lugansk aufzunehmen.

+++ 10.10 Uhr: Behörden machtlos gegen Referendum +++

Die örtlichen Behörden in der Ostukraine räumen ein, hinsichtlich der Volksbefragung über die Abspaltung von Kiew machtlos zu sein. Es gebe nicht genügend Einsatzkräfte, um das Referendum der moskautreuen Kräfte an diesem Sonntag zu verhindern, teilt das Bürgermeisteramt in Donezk mit. Aus Sicherheitsgründen solle nicht versucht werden, die Separatisten von der Einrichtung von "Wahlbüros" etwa in Schulen abzuhalten.

Die offiziellen Vertreter des russisch geprägten Gebiets lehnen das Referendum als illegal ab. Allerdings sympathisieren auch Polizisten mit den prorussischen Aktivisten.

+++ 8.49 Uhr: Militärparade in Moskau +++

Mitten im Ukraine-Konflikt findet an diesem Morgen in Moskau die traditionelle Militärparade zur Feier des Sieges über Nazi-Deutschland am 9. Mai 1945 statt. Rund 11.000 russische Soldaten nehmen an der militärischen Machtdemonstration auf dem Roten Platz teil. Putin würdigt bei der Parade den russischen Patriotismus: "Dies ist ein Feiertag, an dem die über alles siegende patriotische Kraft triumphiert, an dem wir alle besonders stark fühlen, was es bedeutet, dem Mutterland treu zu sein, und wie wichtig es ist, für unsere Interessen einzustehen."

Laut russischen Medien könnte Putin im Anschluss auf die annektierte ukrainische Halbinsel Krim reisen, um in Sewastopol einer ähnlichen Militärparade beizuwohnen.

+++ 7.21 Uhr: Ukrainer wollen Einheit erhalten +++

Das Pew Research Center veröffentlicht in den USA das Ergebnis einer Umfrage, bei der sich 77 Prozent der befragten Ukrainer für die Einheit ihres Landes aussprechen. Im Westen der Ukraine unterstützen dies den Angaben zufolge 93 Prozent, im Osten sind es 70 Prozent. Die Umfrage wurde Ende April durchgeführt - nach der Annexion der Krim durch Russland, aber noch vor den jüngsten Ausschreitungen in Odessa und anderen Städten im Osten des Landes.

Die meisten Ukrainer stehen der Übergangsregierung in Kiew der Umfrage zufolge aber kritisch gegenüber. Lediglich 41 Prozent (die Krim ausgenommen) meinen, dass die Zentralregierung eine positive Wirkung auf die Entwicklung des Landes habe.

Eine zeitnah angesetzte Umfrage in Russland ergibt, dass die meisten befragten Russen die Annexion der Krim und das Vorgehen Putins in der Krise befürworten. 84 Prozent halten das umstrittene Krim-Referendum von Mitte März für fair.

+++ 5.00 Uhr: Gysi kritisiert Merkel +++

Linksfraktionschef Gregor Gysi wirft Angela Merkel vor, im Ukraine-Konflikt die falschen Signale zu setzen. In der "Passauer Neuen Presse" kritisert Gysi das Treffen Merkels mit dem ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Pjotr Poroschenko in Berlin. Dass dem Oligarchen im Kanzleramt "der rote Teppich" ausgerollt worden sei, sei ein Fehler gewesen. Merkel hatte Poroschenko bei dem Treffen am Mittwoch zum Dialog gemahnt.

Gysi beklagt außerdem, dass es in der deutschen Öffentlichkeit ein Schwarz-Weiß-Denken gebe. "Putin wird zum Bösen erklärt, und die anderen sind nur die Guten", sagt er.

+++ 4.36 Uhr: Merkel wirft Putin zu wenig Einsatz vor +++

Angela Merkel kritisiert das Verhalten Wladimir Putins. Sie wirft ihm vor, sich nicht genügend für eine Lösung der Ukraine-Krise einzusetzen. Putin "tut derzeit (...) zu wenig, um zur tatsächlichen Entspannung der gefährlichen Situation beizutragen", sagt die Kanzlerin der Zeitung "Rheinische Post". Es sei wichtig, "zum Gespräch bereit und fähig zu bleiben". Auch weitere Schritte seien nicht auszuschließen: "Notfalls sind wir auch zu weiteren Sanktionen bereit, auch wenn wir sie uns wahrlich nicht wünschen."

+++ 1.13 Uhr: Obama plant kein Treffen mit Putin +++

US-Präsident Barack Obama plant kein Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin bei den "D-Day-Feiern" Anfang Juni in der Normandie. Es gebe keine Planungen zu bilateralen Gesprächen mit anderen Staats-und Regierungschefs, sagt der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest. Bei den Feierlichkeiten am 6. Juni gehe es um die Erinnerung an die Landung der Alliierten an der französischen Normandieküste vor 70 Jahren. "Und das hat nichts mit Präsident Putin zu tun", so Earnest.

Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass Putin eine Einladung des französischen Präsidenten François Hollande zu den Feiern im Juni angenommen habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls in der Normandie dabei sein will, sprach anschließend von einer "guten Nachricht". Obama-Sprecher Earnest wich der Frage aus, ob der US-Präsident das ebenso sehe. Die Frage, ob Obama in der Normandie Putin "aktiv ausweichen" wolle, verneinte der Sprecher nicht.

Putin und Obama haben wegen der Ukraine-Krise zwar mehrfach miteinander telefoniert, ein persönliches Treffen gab es aber seit Ausbruch der Krise nicht.

car/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters