VG-Wort Pixel

Machtwechsel in Washington "Endlich wieder Hoffnung": Deutsche Politiker freuen sich über neuen US-Präsidenten Biden

Sehen Sie im Video: Joe Biden ruft US-Bürger in Antrittsrede zur Einheit auf.




Der neue US-Präsident Joe Biden hat das Land in seiner Antrittsrede zur Einheit aufgerufen. Die USA hätten durch die jüngste Vergangenheit eine schwere Prüfung erlitten. "Und wir sind gestärkt daraus hervorgegangen", sagte Biden vor dem US-Kapitol. "Das ist Amerikas Tag. Das ist der Tag der Demokratie, ein Tag der Geschichte und Hoffnung". Die USA müssten entschieden gegen Rassismus und inländischen Terrorismus vorgehen, sagte Biden. Gemeinsam seien die Menschen in der Lage, eine bessere Zukunft zu schaffen. "Wir können große und wichtige Dinge tun. Wir können Fehler korrigieren. Wir können Menschen in gute Jobs bringen. Wir können unsere Kinder in sicheren Schulen unterrichten. Wir können dem tödlichen Virus überstehen. Wir können Arbeit belohnen und die Mittelschicht wieder aufbauen. Wir können Diskriminierung beenden und wir können Amerika erneut zur führenden Kraft in der Welt für das Gute machen." Es sei Zeit für einen Neuanfang, sagte Biden. Die Spaltung des Landes müsse überwunden werden. "Ich werde ein Präsident für alle Amerikaner sein, für alle Amerikaner. Und ich verspreche, ich werde genauso hart für diejenigen kämpfen, die mich nicht unterstützt haben, wie für diejenigen, die das getan haben. Unter seiner Führung werde sich Amerika wieder dafür einsetzen, gemeinsam mit den Partnern den globalen Herausforderungen zu begegnen, sagte Biden. Amerika werde nicht nur durch Stärke führen, sondern aufgrund der Stärke ein Vorbild.
Mehr
In der Ära von Donald Trump stürzten die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf einen Tiefpunkt. Nach der Vereidigung von Joe Biden hofft man in Deutschland, dass es nun wieder steil bergauf geht. Ganz einfach wird das aber nicht.

Nach der Amtsübergabe an US-Präsident Joe Biden will die Bundesregierung die schwer angeschlagenen Beziehungen zu ihrem wichtigsten Bündnispartner außerhalb Europas wiederbeleben. "Ich freue mich auf ein neues Kapitel deutsch-amerikanischer Freundschaft und Zusammenarbeit", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laut einer Mitteilung von Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Die Amtseinführung von Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris sei eine "Feier der amerikanischen Demokratie" gewesen.

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich erleichtert über den Machtwechsel im Weißen Haus nach vier Jahren Donald Trump, in denen die deutsch-amerikanischen Beziehungen in die schwerste Krise der Nachkriegszeit gestürzt sind. "In den letzten vier Jahren haben wir gesehen, was 'America first' bedeutet hat: keinerlei Abstimmung, keinerlei Konsultationen", sagte Maas im ZDF. Joe Biden wolle das nun ändern. "Ich bin sehr froh, dass es jetzt endlich wieder soweit ist. Denn wir brauchen die Vereinigten Staaten, um große Herausforderungen, um die Krisen dieser Zeit wirklich wieder in den Griff zu kriegen."

"Die transatlantische Brücke wird neu gebaut"

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer stellte dem neuen US-Präsidenten ein stärkeres sicherheitspolitisches Engagement Deutschlands in Aussicht. "Wir und unsere europäischen Partner, Verbündete Amerikas, müssen selbstbewusste Schritte zur Stärkung der transatlantischen Sicherheit machen", sagte die CDU-Politikerin. Auch wenn die Corona-Pandemie die Spielräume einenge, "müssen wir mehr, nicht weniger, in unsere Sicherheit investieren". Es komme jetzt auf konkrete Beiträge an, damit Europa sich selber besser schützen und ein stärkerer Bündnispartner Amerikas werden könne.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte bereits vor der Vereidigung die Hoffnung auf eine engere Zusammenarbeit mit den USA geäußert. "Wir freuen uns darauf, die USA als unverzichtbaren Partner in vielen Fragen künftig wieder an unserer Seite zu wissen: beim gemeinsamen und solidarischen Kampf gegen die Covid-19-Pandemie, beim weltweiten Klimaschutz, bei Fragen der Sicherheit, auch der Rüstungskontrolle und Abrüstung und in vielen drängenden Konflikten auf der Welt", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft.

CSU-Chef Markus Söder twitterte: "Die transatlantische Brücke wird neu gebaut. Die Trümmer, die Trump verursacht hat, müssen wir beiseite schieben." SPD-Chef Norbert Walter-Borjans rief dazu auf, "gemeinsam nach vorn zu blicken". Die Grünen hoffen mit Biden auf einen Neustart der weltweiten Abrüstungsbemühungen. "Mit der neuen US-Administration besteht endlich wieder die Hoffnung, dass es da vorangehen kann", sagte Parteichefin Annalena Baerbock der Deutschen Presse-Agentur.

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen waren in der Ära Trump auf einen Tiefpunkt abgesackt. Der nach vier Jahren am Mittwoch ausgeschiedene US-Präsident hatte Deutschland nicht wie einen Verbündeten, sondern wie einen Gegner behandelt, den er in einem Atemzug mit China und Russland nannte und sogar mit Sanktionen traktierte. Zu den Hauptstreitpunkten zählten die Verteidigungsausgaben, die Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland und der deutsche Handelsüberschuss. Auch mit Biden werden sie aber nicht verschwinden. In der Bundesregierung hofft man allerdings darauf, dass sich der Umgang miteinander deutlich ändert.

mad DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker