VG-Wort Pixel

Bengasi-Attacke USA vermuten terroristischen Anschlag


Der Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi hat möglicherweise einen terroristischen Hintergrund. Die Geheimdienste gehen mittlerweile von einem geplanten Angriff durch Al-Kaida aus.

Der tunesische Präsident Moncef Marzouki hat den Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi scharf verurteilt. Die Angreifer bezeichnete er am Mittwoch bei einem Besuch in der libyschen Hauptstadt Tripolis als Terroristen. Die Attacke, bei der der US-Botschafter Chris Stevens in Libyen und drei weitere Menschen ums Leben kamen, gefährde die Stabilität der gesamten Region, sagte Marzouki nach einem Treffen mit dem libyschen Parlamentspräsidenten Mohammed Magariaf.

Die Attacke trage "klar" die Handschrift des Terrornetzwerks Al-Kaida, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Mike Rogers, dem Sender CNN. Dass es sich um einen geplanten Angriff handeln könnte, sei "derzeit die Arbeitshypothese", sagte zudem ein ranghoher Regierungsvertreter AFP. Demnach könnten sich extremistische Angreifer die wütende Menge in Bengasi zu Nutze gemacht haben.

Das Konsulat war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. Der US-Botschafter und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum. Zunächst hatte es geheißen, dass es sich um einen spontanen Angriff gehandelt habe. Seit Dienstag gibt es in zahlreichen Ländern Proteste gegen einen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Auch in Kairo hatten militante Islamisten die US-Botschaft gestürmt.

Vieles deutet auf einen Terroranschlag hin

Das Internetportal Youtube erschwerte indes den Zugriff auf das Video aus Libyen und Ägypten. Zwar verstoße der Inhalt des Films nicht gegen die Youtube-Richtlinien, angesichts der "schwierigen Lage in Libyen und Ägypten" sei der Zugang in beiden arabischen Ländern jedoch "vorübergehend eingeschränkt" worden, erklärte ein Sprecher des Google-Dienstes.

Laut Rogers deutet aber viel auf einen Terroranschlag hin. "Seit Monaten haben wir beobachtet, wie Al-Kaida nach westlichen Zielen Ausschau gehalten hat", sagte der US-Abgeordnete. "Das fand überall in Nordafrika statt. Wir haben bestimmte Aktivitäten beobachtet, die einen glauben lassen können, dass es eine mit Al-Kaida verbündete Gruppe war."

Die Proteste hielten unterdessen an. Unweit der tunesischen Hauptstadt Tunis setzte die Polizei Tränengas gegen rund 300 Demonstranten ein, die auf das Gelände der US-Botschaft vordringen wollten, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Offiziellen Angaben zufolge wurden fünf Menschen festgenommen, mindestens zwei Polizisten wurden verletzt.

Obama über Romney: "Erst schießen und dann zielen"

Auch in Kairo protestierten am Abend erneut hunderte Menschen vor der US-Botschaft. Dem Sender CNN zufolge kam es zu Zusammenstößen mit Vertretern der Sicherheitskräfte. Auch in Casablanca in Marokko gingen bis zu 400 Menschen auf die Straßen. Einige dutzend Menschen protestierten zudem im Gazastreifen gegen die USA und zündeten vor dem Sitz der UNO US-Fahnen an. Das iranische Außenministerium verurteilte den Film als "schändlich". Mehrere iranische Medien kündigten für Donnerstag eine Demonstration in Teheran an.

Unterdessen erreichten die Vorfälle auch den US-Wahlkampf. US-Präsident Barack Obama warf seinem Herausforderer Mitt Romney eine Taktik nach dem Motto "erst schießen und dann zielen" vor, nachdem dieser seine Reaktion auf die Attacken kritisiert hatte. Romney hatte Obama vorgeworfen, nach den Angriffen vom Dienstag zunächst Verständnis für die Angreifer gezeigt zu haben, statt die Attacken sofort zu verurteilen.

Bei einer Veranstaltung in Las Vegas sagte Obama, dass kein Terrorakt es schaffen werde, die "Werte der USA" zu trüben. "Kein Gewaltakt wird die Entschlossenheit der USA erschüttern", sagte er.

Die USA ließen zudem die Sicherheit aller ihrer Vertretungen überprüfen. Das Konsulatspersonal in Bengasi wurde nach Deutschland ausgeflogen, das Personal der Botschaft in Tripolis wurde reduziert, wie ein US-Vertreter mitteilte. Die US-Marine schickte außerdem als "Präventivmaßnahme" zwei Kriegsschiffe an die Küste Libyens.

jat/AFP/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker