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Edward Snowden im Interview: "Ich war ein High-Tech-Spion"

Da sieht sich der Whistleblower wohl in seiner Ehre verletzt: Edward Snowden schildert sich als klassisch ausgebildeten Spion. Zuvor wurde ihm vorgeworfen, ein unwichtiger Systemadministrator zu sein.

Der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hat sich in einem Interview als "High-Tech-Spion" der US-Geheimdienste bezeichnet. Er sei klassisch ausgebildeter Spion und habe für die US-Geheimdienste NSA und CIA verdeckt im Ausland gearbeitet, sagte der 30-Jährige in vorab veröffentlichten Ausschnitten eines Interviews des US-Senders NBC. Es ist das erste TV-Interview in den USA mit Edward Snowden und wird am Mittwochabend (Ortszeit) in den Staaten ausgestrahlt.

Damit wies Snowden Anschuldigungen seiner Kritiker zurück, die ihn lediglich als kleinen Hacker bezeichnet hatten. "Wenn die Leute also sagen, dass ich nur ein unwichtiger Systemadministrator bin und nicht weiß, wovon ich spreche, ist das das ein bisschen irreführend", sagte der IT-Fachmann. Er habe als "technischer Experte" für die US-Geheimdienste CIA und NSA und als Ausbilder beim Militärgeheimdienst DIA gearbeitet.

Zwar habe er einen Decknamen gehabt, aber nicht "mit Menschen" gearbeitet und beispielsweise "keine Agenten rekrutiert", sagte Snowden weiter. Seine Aufgabe sei es gewesen, "für die Vereinigten Staaten Systeme zum Laufen zu bringen". Das habe er "auf allen Ebenen" gemacht - "von ganz unten" bei Einsätzen vor Ort "bis ganz nach oben".

Snowden hatte massenhaft vertrauliche NSA-Dokumente an Journalisten übergeben und die Spähaffäre damit ins Rollen gebracht. Er wird von den USA per Haftbefehl gesucht. Derzeit hält sich der Whistleblower in Russland auf, wohin er im Juni 2013 geflohen war. Da Snowden der US-Pass aberkannt wurde, konnte er seine geplante Weiterreise nach Lateinamerika nicht fortführen. Der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages will ihn als Zeugen vernehmen. Unklar ist noch, wo und wie.

Deutschland verzichtet auf Verfahren gegen NSA

Die Bundesanwaltschaft leitet wegen der NSA-Ausspähaffäre offenbar kein Ermittlungsverfahren gegen den US-Geheimdienst ein. Dies berichteten "Süddeutsche Zeitung" sowie WDR und NDR unter Berufung auf Behördenkreise. Demnach sieht die Bundesanwaltschaft keine Möglichkeiten, an belastbares Material über die Aktivitäten der Amerikaner und des britischen Geheimdienstes GCHQ zu kommen, im Zuge derer Millionen Deutsche und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgespäht worden waren.

Die Überwachung von Merkels Handy wurde laut Medienberichten erst im Sommer 2013 gestoppt. Die CDU-Vorsitzende soll bereits seit 2002 von der NSA abgehört worden sein.

"Akt der Rechtsbeugung"

Dass die Kanzlerin belauscht wurde, brachte den NSA-Skandal in Deutschland erst richtig ins Rollen. Doch auch die Kommunikation ganz normaler Internetnutzer kann vom US-Geheimdienst und seinem Partnerdienst GCHQ ausgespäht werden. Die Dienste zapfen zum Beispiel die Unterseekabel an, über die Daten verschickt werden.

Auch mehrere Bürgerrechtsgruppen hatten Strafanzeige beim Generalbundesanwalt gegen die Bundesregierung und Geheimdienstmitarbeiter erstattet. Damit wollten sie im NSA-Skandal den öffentlichen Druck erhöhen. Die Internationale Liga für Menschenrechte, der Chaos Computer Club und der Verein Digitalcourage werfen der Bundesregierung und den hiesigen Geheimdiensten vor, mit der NSA zusammen gearbeitet und Daten an sie weitergegeben zu haben.

Die Linke äußerte sich empört über den Bericht, dass die Bundesanwaltschaft offenbar keine Ermittlungen wegen der massenhaften Ausspitzelung einleiten will. Dies wäre ein "beispielloser Akt der Rechtsbeugung", sagte Parteichef Bernd Riexinger. "Damit würde amtlich festgestellt, dass die größte Grundrechtsverletzung in der Geschichte der Bundesrepublik juristisch unaufgearbeitet bleibt." Der Staat würde seine Schutzfunktion gegenüber den Bürgern "für eine Demonstration des außenpolitischen Duckmäusertums gegenüber der USA opfern", rügte er. Riexinger forderte die Bundesregierung auf offenzulegen, ob im Hintergrund Druck zur Einstellung der Ermittlungen ausgeübt wurde.

mka/DPA/AFP / DPA