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Frankreich: Autos brennen, Sarkozy urlaubt

Auch zwei Tage nach der Wahl haben sich die Proteste gegen den neuen französischen Präsidenten Sarkozy nicht gelegt: Zehntausend Jugendliche steckten Autos in Brand und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Sarkozy wurde beim Ausspannen auf einer Yacht entdeckt.

Die zweite Nacht in Folge haben Tausende linke Jugendliche auf Demonstrationen in Frankreich zu "Widerstand" gegen den gewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy aufgerufen. Dabei kam es in der Nacht vor allem in Paris erneut zu Ausschreitungen. Trotzkistische Gruppen hatten zum "Widerstand gegen Sarkozy" mobilisiert. Kundgebungen gab es auch in Lyon, Lille, Toulouse, Nantes und Rennes. In den Einwanderer-Vororten, wo es 2005 zu wochenlangen Unruhen gekommen war, blieb es hingegen ruhig.

Sozialistenchef François Hollande rief die Demonstranten zu friedlichem Verhalten auf. "Ich kann die Wut und Enttäuschung verstehen", sagte Hollande im Rundfunk. Die einzige demokratische Reaktion auf Sarkozys Wahl sei jedoch die Teilnahme an der Parlamentswahl am 10. Juni.

55 Autos in Flammen

Die Demonstranten riefen "Sarko Fascho" oder "Sarko Gesindel, verschwinde". Dabei nahmen sie ein Wort Sarkozys auf, der 2005 als Innenminister erklärt hatte, er wolle die Vorstädte mit dem Hochdruckreiniger "von Gesindel befreien".

Die größte Kundgebung mit 500 Teilnehmern gab es auf dem Pariser Bastille-Platz. Etwa 200 vermummte Jugendliche blockierten zeitweise den Verkehr, warfen Scheiben ein und stürzten Müllcontainer um. Die Polizei ging massiv gegen die Randalierer vor. 218 Personen wurden vorübergehend festgenommen. Im Großraum Lille/Roubaix gingen 55 Autos sowie Müllcontainer in Flammen auf und Polizisten trieben etwa 100 Randalierer mit Tränengas auseinander. In der Nacht nach Sarkozys Wahlsieg waren landesweit 730 Autos in Brand gesteckt und 592 Randalierer festgenommen worden. Die Schäden entsprachen nach offiziellen Angaben denen einer Silvesternacht.

Sarkozy auf Yacht entdeckt

Nicolas Sarkozy hat sich nach seinem Wahlsieg laut Augenzeugen auf eine Yacht zurückgezogen, die in der Nacht zum Dienstag vor Malta ankerte. Am Vormittag nahm das Schiff den Angaben zufolge Kurs auf Sizilien. Fotografen sahen mit Teleobjektiven einen Mann in blau-weiß gestreiftem T-Shirt an Deck der Yacht, der aussah wie der 52-Jährige.

Die Yacht wurde von einem maltesischen Patrouillen-Boot begleitet. Nach Angaben seiner Berater zog sich Sarkozy nach seinem Wahlsieg zurück, um über die Bildung einer Regierung zu entscheiden. Die Besetzung der Ministerposten wird Aufschluss über den Kurs des neuen Präsidenten geben. Am Montag war Sarkozy in Begleitung seiner Familie in Malta eingetroffen und zur Yacht "La Poleta" gebracht worden, die unter britischer Flagge registriert ist.

DPA/Reuters / DPA / Reuters