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G8-Gipfel in L'Aquila: Ein Hoffnungsschimmer für das Weltklima

Die Rettung des Weltklimas bekommt eine echte, wenn auch kleine Chance: Erstmals haben sich die USA - der weltgrößte Klimasünder - unter ihrem neuem Präsidenten Obama auf Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung festlegen lassen. Allerdings können erst Generationen in ferner Zukunft überprüfen, ob die Versprechen der G8-Staaten das Papier der beschlossenen Erklärung wert waren.

Die Staats- und Regierungschefs der G-8 haben sich auf ihrem Gipfeltreffen darauf verständigt, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Bisher hatten sich die USA unter dem früheren Präsidenten George W. Bush gegen eine solche Zielsetzung gewehrt.

Viel wird davon abhängen, ob die G8-Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag im italienischen L'Aquila die Kollegen aus aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien davon überzeugen können, ihnen zu folgen. Diese sogenannten Schwellenländer wollen, dass die G8-Staaten ihnen mit Milliarden beim Klimaschutz unter die Arme greifen.

Gastgeber des dreitägigen Treffens ist Italiens Premier Silvio Berlusconi. Der Tagungsort liegt in einem Erdbebengebiet in den Abruzzen.

Für Obama, der wie die anderen "Chefs" die schweren Zerstörungen besichtigte, ist es der erste Auftritt in dem machtvollen Zirkel. Nicht nur bei den Klimaverhandlungen wurde deutlich, wie groß die an ihn geknüpften Hoffnungen nach acht Jahren Präsidentschaft von George W. Bush sind.

Zu Beginn des dreitägigen Gipfels sicherte die Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu, die schwerste Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren mit aller Kraft überwinden zu wollen. Noch war die Gipfelrunde zu vorsichtig, von einer Erholung zu sprechen. Da ist der Internationale Währungsfonds schon optimistischer: Er schraubte seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft für 2010 nach oben.

Immerhin versprachen die G8, in der Krise nicht mit unfairen Mitteln ihre Handelspartner ausstechen zu wollen. Wenn es irgend geht, soll die laufende Welthandelsgespräche, die sogenannte Doha-Runde, möglichst rasch zum Ende gebracht werden. Zölle sollen gesenkt werden und Handelsschranken fallen, um vor allem die armen Länder davon profitieren zu lassen.

In der Klimadebatte markierte der G8-Gipfel für Deutschland und die EU-Partner eine echte Wende. Auch die USA wollen, dass sich die Erde - im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters - um weniger als zwei Grad erwärmt. Der britische Regierungschef Gordon Brown sagte: "Es ist ein historisches Abkommen."

Die deutsche Bundeskanzlerin dämpfte - bei allem Lob für Obama - allzu hohe Erwartungen: "Da ist noch eine Menge Arbeit zu leisten, was mittelfristige Zielsetzungen angeht. Es gibt aber eine Trendwende in den Vereinigten Staaten von Amerika."

Schwedens Premierminister, der amtierende EU-Ratsvorsitzende, Fredrik Reinfeldt zeigte sich zuversichtlich für die Verhandlungen über ein Weltklimaabkommen: "Die amerikanische Führungsstärke, die Barack Obama jetzt zeigt, gibt Hoffnung für künftige Erfolge im Kampf gegen den Klimawandel."

Geht es nach den G8, sollte der weltweite Ausstoß gefährlicher Treibhausgase bis 2050 um 50 Prozent verringert werden. Die G8 allein müssten dafür die Verschmutzung um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 zurückfahren.

Bei den Verhandlungen mit den sogenannten G5 - zu denen China, Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika gehören - an diesem Donnerstag dürftev wenig Handfestes herauskommen, da der chinesische Staatspräsident Hu Jintao vorzeitig in die Heimat reiste.

Er hatte seinen Besuch wegen der angespannten Lage in Xinjiang abgesagt; dort kam es zu Massenprotesten, weil das Volk der Uiguren nach mehr Unabhängigkeit strebt.

Für die Weltwirtschaft scheint das Schlimmste überstanden, auch wenn die G8 keine Entwarnung geben wollen. "Die Lage bleibt unsicher, und es verbleiben bedeutsame Risiken für die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität", heißt es in der entsprechenden Erklärung. Reinfeldt sagte, die Lage sei weiterhin "sehr problematisch".

Nach einem Schrumpfen der Weltwirtschaft in diesem Jahr um 1,4 Prozent rechnet der IWF bereits 2010 mit einem Wachstum von 2,5 Prozent. Noch im April hatte der IWF ein globales Wachstum von lediglich 1,9 Prozent für 2010 vorausgesagt.

Für die G8 ist es entscheidend, dass die im April beim Weltfinanzgipfel (G20) in London eingegangenen Zusagen zur Neuordnung der Finanzmärkte aufrechterhalten werden. Die G8-Staaten bekräftigen ihren Kurs, Steuerbetrug und -flucht zu bekämpfen.

In ganz Italien sind mehr als 15.000 Polizei- und Militärkräfte im Einsatz, um den Gipfel zu sichern. Berlusconi führte Merkel nach ihrer Ankunft durch das am 6. April zerstörte Onna nahe des Gipfelorts. Dort wird Deutschland beim Wiederaufbau helfen. Das Beben in der Abruzzenregion kostete 307 Menschen das Leben. Zehntausende sind seitdem obdachlos.

DPA / DPA