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Griechenlands neuer Finanzminister: Giannis Varoufakis mag Streit und hasst Sparen

Das kann ja heiter werden: Mit Giannis Varoufakis wird ein harter Spargegner neuer Finanzminister in Griechenland. Einer, der als Wirtschafsprofessor Ahnung hat und keinem Streit aus dem Weg geht.

Liebt die Provokation: Giannis Varoufakis, Athens neuer Mann fürs Geld

Liebt die Provokation: Giannis Varoufakis, Athens neuer Mann fürs Geld

Die neue, "originelle Koalition" in Athen (CDU-Mann Peter Tauber) hat einen nicht minder "originellen" Finanzminister - einen 53-Jährigen, ausgestattet mit dem griechischen als auch einem australischen Pass, der gerne als Finanzexperte bei BBC, CNN und Co. auftritt, eine Computerspielfirma besitzt und der nicht müde wird, gegen das EU-Sparprogramm zu wettern. "Fiskalisches Waterboarding" nannte er die harschen Auflagen der Kreditgeber einmal. Kurzum: Mit Giannis Varoufakis macht der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras jemanden zum obersten Buchhalter, mit dem nicht gut Kirschen ist.

Ende Februar läuft das zweite Rettungspaket aus, kurz danach geht Griechenland das Geld aus, weshalb Varoufakis schnell mit der Geldgeber-Troika wird reden müssen. Die noch ausstehenden 1,8 Milliarden Euro haben EU und IWF bislang zurückgehalten, da Athen nicht die gewünschten Reform-Fortschritte gemacht hat. Und die neue Regierung plant bereits ein rund 20 Milliarden Euro teures Sozialpaket – Refinanzierung bislang mehr oder weniger ungeklärt. Als Finanzminister ist es die Aufgabe des 53-Jährigen, mit den Gläubigern einen Weg zu finden, finanzielle Spielräume auszuloten.

Wirtschaftsprofessor mit internationalem Ruf

Eine Möglichkeit wäre der Schuldenschnitt. Eine Option, die auch Varoufakis favorisiert, der aber von nahezu allen EU- und Euroländern abgelehnt wird. Mit der Forderungen nach dem so genannten Hair Cut war die Regierungspartei Syriza auf Stimmenfang gegeben. Sie wird auch vom anderen neuen Finanzfachmann in Athen unterstützt: Giannis Dragasakis wird als stellvertretender Regierungschef die Aufsicht über den gesamten Bereich Finanzen und Wirtschaft haben und ebenfalls an den Verhandlungen mit den Geldgebern teilnehmen.

Immerhin kann Varoufakis mit Sachkenntnis aufwarten - ein Umstand, der Tsipras Wahlprogramm stets abgesprochen wurde. In Griechenland gilt der Wirtschaftsprofessor sogar als Popstar - trotz oder weil er jemand ist, der keinem Streit aus dem Weg geht. Was diverse Universitäten (Sydney, Glasgow, Austin) nicht davon abhielt, ihn als Dozent zu rufen. Seine teilweise provokanten wie banalen wie vereinfachenden Aussagen ("Wenn es in Griechenland kein Wirtschaftswachstum gibt, dann sehen die Kreditgeber keinen Cent") sind auch in seinem Blog nachzulesen, den er bislang fleißig befüllt hat. Als Finanzminister werde er in Zukunft weniger bloggen, ließ er seine Leser nun wissen. Aufhören will er damit aber nicht.

Niels Kruse