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Gipfeltreffen in Kairo: Ahmadinedschad mit Schuh attackiert

Erst liest ihm ein sunnitischer Religionsgelehrter die Leviten, anschließend geht ein junger Syrer mit einem Schuh auf ihn los. Ahmadinedschads erste Reise nach Ägypten gerät zum Hindernislauf.

Der Iran ist in der arabischen Welt wegen seiner aggressiven Außenpolitik nicht gut gelitten. Mit einer Charmeoffensive versucht Präsident Mahmud Ahmadinedschad diese Woche beim Gipfel der Organisation für islamische Kooperation (OIC) in Kairo, neue Freunde unter den Arabern zu gewinnen.

Denn sollte das syrische Regime unter Präsident Baschar al-Assad demnächst von Rebellen gestürzt werden, blieben dem Iran nur noch wenige Verbündete in der Region: Die radikale libanesische Schiiten-Bewegung Hisbollah, die Houthi-Rebellen im Norden des Jemens und einige versprengte schiitische Oppositionsgruppen in den von Sunniten regierten arabischen Golfmonarchien.

Der Beginn dieses historischen Besuches - seit der islamischen Revolution im Iran 1979 war kein iranischer Präsident mehr in Ägypten - verläuft für Ahmadinedschad jedoch eher unschön. Zwar darf er in einem Interview der staatlichen ägyptischen Tageszeitung "Al-Ahram" unzensiert über sein Lieblingsthema sprechen: "Die zionistische Verschwörung mit dem Ziel der Weltherrschaft".

Mursi hat Interesse an Kooperation mit Teheran

Doch sein Besuch bei Al-Azhar, der wichtigsten Institution des sunnitischen Islam am Dienstagabend ist unharmonisch, was auch bei der anschließenden Pressekonferenz noch deutlich zu spüren ist. Der Präsident des schiitischen Gottesstaates ist verärgert, als ihn das Oberhaupt von Al-Azhar, Scheich Ahmed al-Tajjib, auffordert, die Rechte der sunnitischen Minderheit im Iran zu respektieren. Zudem solle der Iran die Beleidigung der Gefährten des Propheten Mohammed unterbinden, die von den schiitischen Muslimen nicht als rechtmäßige Nachfolger anerkannt werden. Außerdem solle sich der Iran aus den internen sunnitisch-schiitischen Konflikten in den arabischen Golfmonarchien heraushalten.

Als dann auch noch in der islamischen Altstadt von Kairo ein junger syrischer Oppositioneller mit einem Schuh in der Hand auf ihn losgeht, ist der Abend für Ahmadinedschad endgültig gelaufen. Die ursprünglich für den nächsten Morgen geplante Besichtigung der Pyramiden sagen die Ägypter wegen Sicherheitsbedenken ab.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist an einer Kooperation mit Teheran interessiert, obwohl er und Ahmadinedschad im Syrien-Konflikt unterschiedliche Ziele verfolgen. Denn die Muslimbruderschaft, als deren Kandidat sich Mursi im vergangenen Jahr um das Präsidentenamt beworben hatte, träumt von der Bildung eines starken islamischen Bündnisses.

Bündnis der islamischen Staaten unwarscheinlich

Essam al-Arian, der stellvertretende Vorsitzende der Partei der Muslimbrüder, erklärt zu Beginn des Gipfels der Organisation für islamische Kooperation in Kairo, es wäre doch schön, wenn die Muslime auch so ein starkes Bündnis hätten wie die EU-Mitglieder oder die Nato-Staaten: "Wenn Ägypten, Saudi-Arabien, die Türkei, der Iran, Indonesien, Pakistan und Nigeria zusammenarbeiten würden, dann hätte die islamische Nation eine Zukunft."

Doch an ein so breites Bündnis ist auch dann nicht zu denken, wenn sich Ägypten für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zum Iran entscheiden sollte. Denn Saudi-Arabien misstraut den Iranern und unterstützt die Gegner ihres Partners Baschar al-Assad. Und auch die iranisch-türkischen Beziehungen haben unter dem Syrien-Konflikt sehr gelitten.

Von Anne-Beatrice Clasmann, DPA / DPA