HOME

Irak: Die Sicherheitslage ist verheerend

Die Sicherheitslage im Irak bleibt prekär. Bei einem neuen Anschlag auf das britische Militär in der südirakischen Stadt Basra wurden am Samstag drei Soldaten getötet.

Die Sicherheitslage im Irak bleibt prekär. Bei einem neuen Anschlag auf das britische Militär in der südirakischen Stadt Basra wurden am Samstag drei Soldaten getötet. Ein vierter Soldat sei bei dem "ernsten Zwischenfall" schwer verletzt worden, teilte die Regierung in London mit. In der nordirakischen Stadt Kirkuk intervenierten US-Truppen, um blutige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und der turkmenischen Minderheit zu beenden. Nach Erkenntnissen der US-Regierung gelangen ausländische militante Kämpfer nicht nur über Syrien oder Iran in den Irak, sondern auch über Saudi-Arabien.

Jeden Tag sterben Soldaten

Bei dem Zwischenfall in Basra wurde ein Geländewagen der britischen Armee im Stadtzentrum beschossen. Auch eine Handgranate sei auf das Fahrzeug geworfen worden, berichtete ein BBC-Reporter vor Ort. Bei dem Zwischenfall sollen auch mehrere irakische Zivilisten verletzt worden sein. Seit dem Ende der größeren Kampfhandlungen im Irak am 1. Mai sind insgesamt 61 amerikanische, zehn britische und ein dänischer Soldat bei Anschlägen getötet worden.

Erst in der Nacht zum Samstag war bekannt geworden, dass die britische Botschaft in Bagdad nach einer "glaubhaften Drohung" eines Anschlags drei Tage zuvor evakuiert worden war. Am Dienstag waren bei einem verheerenden Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad 23 Menschen getötet worden.

UN arbeitet provisorisch

Die UN nahmen derweil ihre Arbeit in Bagdad wieder auf. Einige Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zogen notdürftig in Zelte und Container um. UN-Generalsekretär Kofi Annan ernannte den Koordinator für die humanitäre Hilfe im Irak, den Portugiesen Ramiro Lopes da Silva, zum Interimsnachfolger für den bei dem Bombenanschlag getöteten Irak-Sonderbeauftragten Sergio Vieira de Mello.

Das Flugzeug mit dem Leichnam Vieira de Mellos traf am Samstag in seinem Heimatland Brasilien ein. An einer Trauerfeier wollten Annan und der brasilianische Präsident Luiz Inàcio Lula da Silva teilnehmen. Vieira de Mello soll nach Angaben seiner Familie am Montag im französischen Thonon-les-Bains am Genfer See beigesetzt werden.

Die US-Armee entsandte am Samstag nach türkischen Medienberichten Truppen mit Panzern und Hubschraubern in die Kurdenstadt Kirkuk. Zuvor war dort erneut auf eine Demonstration von etwa 1000 Turkmenen geschossen worden. Nach Berichten des Nachrichtensenders CNN-Türk starben zwei Demonstranten, elf weitere Menschen wurden verletzt. Fernsehbilder zeigten eine heftige Schießerei zwischen Turkmenen und Kurden.

Bereits am Freitag hatten Kämpfer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) nach türkischen Medienberichten in der Nähe von Kirkuk auf demonstrierende Turkmenen geschossen und dabei sieben Menschen getötet. Der Protest der turkmenischen Minderheit habe sich gegen die Zerstörung eines Grabmals durch die Peschmerga (Kämpfer) des Kurdenführers Dschalal Talabani gerichtet.

Schlachtfeld im Kampf gegen den Terrorismus

Der Irak ist nach den Worten von US-Zivilverwalter Paul Bremer zu einem neuen Schlachtfeld im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus geworden. Die Anschläge auf die jordanische Botschaft und das UN- Hauptquartier in Bagdad könnten nach ersten Ermittlungen entweder von ausländischen Terroristen oder von Mitgliedern des früheren Regimes oder in Zusammenarbeit beider Gruppen begangen worden sein.

Militante ausländische Kämpfer gegen die US-Besatzungsmacht kommen nach Erkenntnissen der US-Regierung nicht nur aus Syrien oder Iran in den Irak, sondern auch über die saudi-arabische Grenze. Das lasse sich aus der Gefangennahme verschiedener dieser Personen ableiten, sagte US-Vizeaußenminister Richard Armitage am Freitag in einem Fernsehinterview. Dass diese Kämpfer nicht an den Grenzen gestoppt würden, bereite den USA große Sorgen, fügte Armitage hinzu.

US-Präsident George W. Bush erklärte, ausländische "Elemente vom Typ der El Kaida" kämen in den Irak, "um gegen uns zu kämpfen, weil sie den Gedanken an eine freie Gesellschaft im Nahen Osten nicht ertragen können". Der Irak entpuppe sich als "fortdauernde Schlacht im Krieg gegen den Terrorismus", sagte Bush während eines Besuches in Seattle (Bundesstaat Washington).

DPA