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Obama und Castro telefonieren: "Hi, Barack!" "Wie geht's, Raúl?"

Mehr als ein halbes Jahrhundert gab es keine diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und Amerika. Nun haben die beiden Staatschefs miteinander telefoniert. Ein historisches Ereignis.

Barack Obama (l.) und Raúl Castro (r.) schüttelten sich bei Nelson Mandels Trauerfeier die Hand

Barack Obama (l.) und Raúl Castro (r.) schüttelten sich bei Nelson Mandels Trauerfeier die Hand

US-Präsident Barack Obama und der kubanische Staatschef Raúl Castro haben ein historisches Telefonat geführt. Das knapp einstündige Gespräch sei der erste direkte Kontakt zwischen einem US-Präsidenten und einem kubanischen Staatschef seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen nach der kubanischen Revolution vor mehr als einem halben Jahrhundert gewesen, sagte ein Regierungsvertreter in Washington. Obamas Regierung kündigt eine Normalisierung der Beziehungen zu Kuba an.

Ein Botschafter für Kuba

Der Nachrichtensender CNN berichtete, dass Obama eine "bedeutende Veränderung" der Kuba-Politik der Vereinigten Staaten ankündigen werde. Nach Informationen der "New York Times" will Washington mit dem einstigen Erzfeind über eine volle Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehungen verhandeln und könnte dann eine Botschaft in dem kommunistisch regierten Karibikstaat eröffnen.

Der demokratische Senator Richard Durbin teilte mit, dass Handels- und Reisebeschränkungen gelockert würden. "Bei Handel, Reisen und Ideenaustausch die Tür zu Kuba zu öffnen, wird eine positive Kraft für den Wandel entfalten, wie es mehr als 50 Jahre unserer aktuellen Politik der Ausgrenzung nicht vermochten", erklärte Durbin.

Austausch von Gefangenen

Nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington ließ Kuba einen wegen Spionageverdachts inhaftierten US-Bürger frei. Der 65-jährige Alan Gross sei auf Bitten der USA aus humanitären Gründen freigekommen, hieß es. Gross war im Dezember 2009 festgenommen und 2011 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, weil er illegales Kommunikationsmaterial wie Satellitentelefone an Mitglieder der jüdischen Gemeinde auf Kuba verteilt haben soll. Bei seiner Verhaftung war der IT-Spezialist für die US-Entwicklungsorganisation USAID unterwegs.

Im Gegenzug ließ die US-Regierung nach Angaben aus Washington drei kubanische Geheimdienstagenten frei. Die Männer waren 1998 in Florida festgenommen und 2001 wegen Spionageaktivitäten verurteilt worden. Offenbar hatten sie den Auftrag, die kubanische Exilgemeinde in dem US-Bundesstaat auszuhorchen. US-Außenminister John Kerry habe sich in den vergangenen Monaten für den Gefangenenaustausch eingesetzt, sagte ein US-Regierungsvertreter. Auch der Vatikan sei in die Geheimverhandlungen eingebunden gewesen.

Die Festnahme von Gross hatte der vorsichtigen Annäherung zwischen Kuba und den USA, die mit dem Amtsantritt von Obama im Januar 2009 eingesetzt hatte, einen Rückschlag versetzt. Seit 1961 unterhalten die beiden Länder keine diplomatischen Beziehungen, im Jahr darauf verhängten die USA ein bis heute geltendes Handelsembargo gegen den kommunistisch regierten Karibikstaat. Obama hatte in den vergangenen Jahren einige Restriktionen gelockert, etwa bei Reisen und Geldtransfers von in den USA lebenden Exil-Kubanern in Heimatland.

Erste Annäherung bei Mandelas Trauerfeier

Zuletzt hatten beide Länder im Kampf gegen die Ebola-Epidemie im Westafrika zusammengearbeitet. Am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela hatten sich Obama und Castro die Hand geschüttelt. Anschließend hatte das Weiße Haus allerdings erklärt, dass die Begegnung nicht geplant gewesen sei.

yps/AFP / AFP