HOME

Caucus in Iowa: Wählerin erfährt, dass Pete Buttigieg homosexuell ist – und will ihren Stimmzettel zurück

Noch steht das Endergebnis der Vorwahl der US-Demokraten in Iowa nicht fest. Klar ist aber bereits, dass Pete Buttigieg zu den Siegern gehört. Eine Stimme hat der 38-Jährige allerdings wieder verloren – weil er einen Mann liebt.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa

DPA

Pete Buttigieg hat einen Vorzeigelebenslauf: Studium an den Elite-Unis Harvard und Oxford, danach Unternehmensberater bei McKinsey, anschließend Wechsel in die Politik. Als Bürgermeister der 100.000-Einwohner-Stadt South Bend im US-Bundesstaat Indiana legte er 2014 eine siebenmonatige Pause ein, um für die US-Marine nach Afghanistan zu gehen. Der 38-Jährige spielt Klavier und Gitarre, spricht neben Englisch sieben weitere Sprachen und ist seit Juni 2018 verheiratet.

Dass sein Ehepartner ein Mann ist, daraus hat Buttigieg nie ein Geheimnis gemacht. Bereits im Jahr 2015 ging er mit seiner Homosexualität an die Öffentlichkeit. Würde er zum Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl im November gewählt und könnte Donald Trump tatsächlich besiegen, dann wäre er nicht nur der jüngste, sondern auch der erste bekennende schwule Präsident der US-Geschichte.

Wählerin in Iowa wusste nicht, dass Buttigieg schwul ist

Diese Fakten sind alle bekannt. Allerdings nicht allen, wie sich bei den Vorwahlen der Demokraten in Iowa jetzt zeigte. Eine Wählerin aus der Kleinstadt Cresco, die Buttigieg ihre Stimme gegeben hatte, fiel aus allen Wolken, als sie hörte, dass der Kandidat homosexuell ist, und wollte ihren Wahlzettel wiederhaben.

Die Frau hatte ursprünglich die Senatorin Amy Klobuchar unterstützt, und war zu Buttigieg übergewechselt, wie mehrere US-Medien berichten. Dann habe sie gehört, wie einige seiner Anhänger seinen Ehemann Chasten Buttigieg erwähnten.

"Wollen Sie damit sagen, dass er einen gleichgeschlechtlichen Partner hat?", fragt die Wählerin daraufhin die demokratische Bezirksleiterin Nikki van den Heever.

"Ja", antwortet van den Heever.

"Machen Sie Witze?", hakt die Wählerin völlig überrascht nach.

"Er ist mit ihm verheiratet, ja", sagt van den Heever.

"Nun, dann will ich so jemanden nicht im Weißen Haus haben", erklärt die Wählerin. "Kann ich also meine Karte zurückhaben?"

"Ich weiß nicht, Sie haben sie unterschrieben. Wir können nachfragen", antwortet van den Heever.

Ein Twitter-Video das von der Filmemacherin Annabel Park gepostet wurde, zeigt die Kehrtwende der Demokratin.

"Ich hab das nicht gewusst", sagt die Wählerin.

Van den Heever versucht die Frau zu beruhigen: "Es geht doch aber nur darum, dass er ein Mensch ist, oder? Genau wie Sie und ich, und das sollte eigentlich keine Rolle spielen."

"Nun, er sollte besser die Bibel lesen", schießt die Wählerin zurück.

"Das tut er", sagt van den Heever. "Und er sagt, dass Gott keine politische Partei wählt, weil ..."

"Warum steht dann in der Bibel, dass ein Mann eine Frau heiraten sollte?", fällt die Wählerin ihr ins Wort.

"Also, ich respektiere Ihren Standpunkt in dieser Sache völlig. Das tue ich wirklich", versichert van den Heever. "Aber ich denke, wir waren nicht dabei, als die Bibel geschrieben wurde ..."

"Wie kommt es, dass dies noch nie aufgedeckt wurde?", unterbricht die Wählerin sie wieder.

"Das ist allgemein bekannt", sagt die Bezirksleiterin. 

"Ich habe es noch nie gehört", insistiert die Wählerin.

Van den Heever bietet der Frau an, sich zu erkundigen, ob die Regeln eine Rücknahme des Votums erlauben und versucht dann noch einmal, sie zu besänftigen: "Ich schätze, was ich möchte, ist, dass Sie tief in Ihrem Inneren nachdenken und überlegen: Sollte es eine Rolle spielen, ob es ein Mann oder eine Frau ist oder ob sie heterosexuell oder homosexuell sind, wenn Sie an das glauben, was sie sagen? Das ist meine Frage an Sie."

Doch die Wählerin lässt sich nicht umstimmen: "Es ist alles einfach den Bach runtergegangen, alles den Bach runter", sagt sie.

Van den Heever versichert der Wählerin, dass sie absolut ein Recht auf ihre Meinung habe und sie nicht versuche, sie zum Umdenken zu bewegen. Dann erklärt sie, dass sie Christin sei und ihr Gott wolle, dass sie alle Menschen liebe. Anschließend legt sie ihre Hand auf die Schulter ihres Sohnes, der neben ihr steht und sagt: "Was ich meinen Sohn lehre, ist: 'Liebe ist Liebe, und wir sind alle Menschen'."

US-Vorwahlen: Wer ist Pete Buttigieg? Und was sind seine Chancen gegen Trump?

Filmemacherin Park wollte mit dem Video nach eigenen Angaben die Geduld der demokratischen Bezirksleiterin würdigen. "Ich denke, es ist wichtig für uns, solche Gespräche zu führen, und ich fand es einfach toll, wie Nikki damit umgegangen ist, sonst hätte ich es nicht gepostet", zitiert die US-Seite "People" die 51-Jährige. "Ich möchte zeigen, dass dies wirklich ein großartiges Beispiel dafür ist, wie wir damit umgehen sollten."

Die Wählerin habe nach dem Ende des Gesprächs mit van den Heever ihre Stimme zurückgezogen und neu gewählt, berichtet der US-Sender CNBC unter Berufung auf die Landkreisvertreterin der Demokraten, Laura Hubka. "Sie will einfach keine schwule Person im Weißen Haus haben."

Statt Buttigieg habe die Wählerin ihre Stimme Elizabeth Warren gegeben, erklärte Hubka. Die Senatorin aus Massachusetts unterstützt wie alle Kandidaten der Demokraten die gleichgeschlechtliche Ehe.

Quellen: "People"CNBC, Twitter