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Neues Enthüllungsbuch Ex-Berater John Bolton packt aus: 600 Seiten schwere Vorwürfe gegen Donald Trump


Bitte um Wahlkampfhilfe aus China, grünes Licht für Umerziehungslager: Donald Trumps Ex-Berater John Bolton zeichnet in seinem Buch ein vernichtendes Bild des US-Präsidenten – und beschreibt auch dessen peinliche Wissenslücken.

Dass diese Liaison aus Hardliner und Talentlosigkeit kein gutes Ende nehmen würde, war schnell klar. Nach rund anderthalb Jahren verließ der als Kriegstreiber berüchtigte John Bolton den Posten als Donald Trumps Sicherheitsberater. Oder wurde rausgeworfen, wie der US-Präsident behauptet. Nun jedenfalls tritt Bolton nach und plaudert aus dem Nähkästchen Weißes Haus – und sein noch nicht erschienenes Buch "Der Raum, in dem es geschah" hat es in sich. So in sich, dass die US-Regierung versucht, es mit allen Mitteln zu kleinzuhalten. Bessere PR könnte sich Bolton kaum wünschen.

600 Seiten Vorwürfe gegen Donald Trump

Auf knapp 600 Seiten Hintergrund erhebt der erzkonservative Republikaner teilweise schwere Vorwürfe: Etwa, dass Trump Chinas Präsident Xi Jinping gebeten haben soll, ihm bei der Wiederwahl zu helfen. So habe der US-Präsident in Verhandlungen um ein Handelsabkommen mehrfach klargemacht, dass es ihm darum gehe, ein Ergebnis zu erzielen, das es ihm erlauben würde, bei der US-Wahl im November in den landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten zu siegen, schreibt Bolton. Chinas Versprechen, mehr landwirtschaftliche Produkte zu kaufen, seien ein wichtiger Teil des Abkommens gewesen. "Er (Trump; d. Red.) betonte die Bedeutung von Landwirten und von größeren chinesischen Käufen von Sojabohnen und Weizen für den Ausgang der Wahl", schrieb Bolton.

"Es ist wirklich schwierig, irgendeine signifikante Entscheidung Trumps während meiner Zeit im Weißen Haus zu identifizieren, die nicht von Überlegungen zu seiner Wiederwahl getrieben war", schreibt Bolton in einem vorab vom "Wall Street Journal" veröffentlichten Kapitel. Auch der "New York Times" und der "Washington Post" liegt das Buch offenbar vor, das am 23. Juni veröffentlicht werden soll – falls es nicht noch auf Antrag des Weißen Hauses von einem Gericht blockiert wird.

Amtsenthebungsverfahren war gerechtfertigt

Bolton zufolge ist das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump nicht nur wegen der Vorwürfe in der Ukraine-Affäre, sondern auch wegen anderer Fälle gerechtfertigt gewesen. Trump habe mehrfach strafrechtliche Ermittlungen zugunsten von "Diktatoren" unterbunden, etwa in Bezug auf China und die Türkei. Dabei sei es unter anderem um Ermittlungen gegen die Unternehmen ZTE und Halkbank gegangen, schreibt Bolton demnach. "Das Verhaltensmuster sah nach Behinderung der Justiz als Alltagsgeschäft aus, was wir nicht akzeptieren konnten", so Bolton. Er habe seine Bedenken damals auch schriftlich an Justizminister William Barr gerichtet.

Bolton, der eineinhalb Jahre eng mit Trump zusammengearbeitet hatte, warf dem Präsidenten zudem vor, seine Außenpolitik häufig auf Bauchgefühl und Unwissenheit basieren zu lassen. So habe Trump etwa nicht gewusst, dass Großbritannien eine Atommacht sei und einmal gefragt, ob Finnland zu Russland gehöre, wie Bolton der "New York Times" zufolge schreibt. Zudem soll Trump einen Nato-Austritt ernsthaft erwogen und eine Invasion Venezuelas als "cool" bezeichnet haben.

Bolton erklärt auch, es sei klar gewesen, dass Trumps persönliche Diplomatie mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un nie zu einem befriedigenden Ergebnis führen würde. Während eines Treffens mit dem Nordkoreaner 2018 habe Außenminister Mike Pompeo Bolton einen Zettel zugesteckt, in dem jener über Trump geschrieben habe: "Der redet so viel Scheiße." Irgendwo zwischen amüsant und erschreckend ist die Episode, in der Bolton erzählt, dass Trump Kim eine CD von Elton Johns "Rocket Man" zukommen lassen wollte, was aber wegen der Sanktionen eigentlich verboten war. Der US-Präsident hatte den Diktator "Little Rocket Man" genannt, und wollte mit seiner Geste zeigen, dass er das nur scherzhaft gemeint habe. Trump soll Außenminister Pompeo mit dem Auftrag der CD-Übergabe regelrecht belagert haben.

Bolton beschreibt auch, wie Chinas Xi Trump beim G-20-Gipfel in Hamburg gut vorbereitet und ausführlich schmeichelte, was dem US-Präsidenten spontane Zugeständnisse abtrotzte. Trumps Berater hätten sich im Nachhinein bemüht, die Situation wieder geradezurücken. Bei einem weiteren Treffen habe Trump Xi sogar gesagt, dieser sei "die tollste Führungsperson der chinesischen Geschichte". Die Lage der Menschenrechte in China – etwa im Zusammenhang mit der Demokratiebewegung in Hongkong oder der unterdrückten muslimischen Minderheit der Uiguren – hätten Trump demnach nicht interessiert. Trump soll Xi sogar zur weiteren Unterdrückung und Internierung der Uiguren in Umerziehungslagern ermuntert haben.

Hat Bolton Geheimnisse verraten?

Die US-Regierung hatte wegen des Buches bereits am Dienstag Klage bei einem Bundesgericht in Washington eingereicht. Darin heißt es, Bolton habe bei seinem Amtsantritt als Sicherheitsberater Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnet. Diese verpflichteten ihn unter anderem dazu, Schriften wie das Buch vor einer Veröffentlichung dem Nationalen Sicherheitsrat zur Überprüfung vorzulegen. Der Ex-Sicherheitsberater hatte sein Manuskript eigenen Angaben zufolge mit den Sicherheitsbehörden abgestimmt, die vorliegende Version soll bereits "entschärft" sein. Bolton soll umgerechnet 1,8 Millionen Euro für das Buch erhalten. Der Verlag Simon & Schuster kritisierte die Klage scharf und sprach von Bemühungen, unliebsame Informationen zu unterdrücken.

Bislang gab es kein Buch aus Trumps engstem Führungszirkel im Weißen Haus, dessen Autor bekannt war – es gab indes ein anonymes Buch. Trump hatte Bolton im September wegen Meinungsverschiedenheiten zu Iran, Nordkorea und anderen Themen geschasst. Bolton will sich in einem ausführlichen Fernsehinterview äußern, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll. In einem vorab veröffentlichten Ausschnitt sagte er, Russlands Präsident Wladimir Putin glaube, er könne Trump nach Belieben manipulieren, weil dieser kein "ernsthafter Gegner" sei. "Ich glaube nicht, dass er sich über ihn Sorgen macht." Putin sei im Vorteil, weil er sein ganzes Leben damit verbracht habe, sich um Russlands strategische Position in der Welt zu bemühen, wohingegen Trump nichts über solche Themen "lesen oder lernen will".

Auch das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, das Anfang des Jahres im Senat abgeschmettert worden war, kommt in dem Buch vor. Boltons bestätigte im Wesentlichen die damals von der Opposition gemachten Vorwürfe. Weswegen er sich nun aber wiederum Kritik von den Demokraten anhören muss. Denn Bolton hatte sich geweigert, im dem Verfahren vor dem Repräsentantenhaus ohne Vorladung unter Strafandrohung auszusagen. Kritiker werfen ihm daher vor, scheinheilig zu agieren und nur möglichst viel Profit aus seinem Buch schlagen zu wollen.

Und wie reagiert der US-Präsident? In einem Interview mit dem Sender Fox News vor er seinem ehemaligen Berater vor, mit seinem Buch "das Gesetz gebrochen" zu haben, da es streng geheime Informationen enthalte. Über Details aber wollte sich Trump nicht äußern. Sein designierter Wahl-Herausforderer Joe Biden erklärte indessen, das Bolton-Buch zeige, dass der Präsident "das amerikanische Volk verkauft hat, um seine politische Zukunft zu schützen". Sollten Boltons Schilderungen zutreffen, habe Trump seine "heilige Pflicht" verletzt, "die amerikanischen Interessen und Werte zu schützen".

nik mit DPA AFP

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