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Trotz Warnung: EU-Diplomaten harren in Pjöngjang aus

Bereits vor einigen Tagen hatte das nordkoreanische Regime ausländischen Diplomaten empfohlen, das Land zu verlassen. Nun haben die EU-Staaten beschlossen, den Rat aus Pjöngjang nicht zu befolgen.

Die sieben EU-Staaten mit Botschaften in Nordkorea, darunter auch Deutschland, wollen ihre Diplomaten nicht aus der Hauptstadt Pjöngjang abziehen. Dies sagte ein EU-Diplomat in Brüssel. Neben Deutschland planten auch Bulgarien, Großbritannien, Polen, Rumänien, Tschechien und Schweden "derzeit keine Evakuierung der Botschaften". Es gebe keine Anzeichen für erhöhte militärische Aktivität in Pjöngjang. Nordkorea hatte zuvor erklärt, es werde beim Abzug der Diplomaten aus der Hauptstadt behilflich sein. "Die Lage ist angespannt und potenziell brisant, aber wir glauben nicht, dass wir am Rande eines bewaffneten Konflikts stehen", sagte der Beamte. In der deutschen Botschaft in Pjöngjang arbeiten acht aus Berlin entsandte Diplomaten.

Auch allen in Südkorea lebenden Ausländern hat Nordkorea das Verlassen des Landes nahegelegt. "Wir wollen, dass den Ausländern in Südkorea im Falle eines Kriegs nichts passiert", hieß es in einer Erklärung des Asien-Pazifik-Friedenskomitees in Pjöngjang. Die koreanische Halbinsel steuere auf einen "thermo-nuklearen Krieg" zu, hieß es in der Erklärung. Alle ausländischen Organisationen, Unternehmen und Touristen sollten sich über Schutzräume informieren und im Voraus Pläne zur Abreise zurechtlegen, wurde ein Sprecher des Komitees von den Staatsmedien zitiert. Die deutsche Botschaft in Seoul schätzt, dass sich derzeit ungefähr 5000 Bundesbürger in Südkorea aufhalten.

Nordkoreanische Raketen wohl startklar

Nordkorea hat nach Einschätzung des südkoreanischen Militärs die Vorbereitungen für den Start einer Mittelstreckenrakete abgeschlossen. Technisch sei Nordkorea imstande, die Rakete mit einer geschätzten Reichweite von bis zu 4000 Kilometern an diesem Mittwoch an der Ostküste abzufeuern. Darauf wiesen Informationen der militärischen Aufklärung hin, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen hochrangigen Militär.

Nach Berichten südkoreanischer Medien hatte Nordkorea zwei Mittelstreckenraketen an die Ostküste verlegt, wo sie auf mobilen Startrampen stehen. Spekuliert wurde, dass Nordkorea im Konflikt um seine Raketen- und Atomprogramme eine oder mehrere Raketen zur Demonstration militärischer Stärke testen könnte. Die Raketen könnten theoretisch Ziele in Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Pazifik-Insel Guam treffen, hieß es aus Militärkreisen.

Sonderwirtschaftszone stillgelegt

Zugleich wurde die Produktion in der Sonderwirtschaftszone Kaesong eingestellt. Die rund 53.000 nordkoreanischen Arbeiter erschienen nicht zur Arbeit. Der gemeinsam betriebene Industriekomplex galt einst als Symbol der Annäherung zwischen Nord- und Südkorea.

Nordkorea unterstellte den USA und Südkorea erneut, einen Atomkrieg vorzubereiten. Sollte ein Konflikt auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen, werde Nordkorea einen "gnadenlosen Vergeltungskrieg" führen. Die Ankündigung kam wenige Tage nach der Empfehlung Nordkoreas an ausländische Botschaften in Pjöngjang, die Botschaftsgebäude zu räumen. Trotz der Warnungen vor möglichen Gefahren waren die Diplomaten in der Hauptstadt geblieben.

Japan stationiert Raketen in Tokio

Das japanische Verteidigungsministerium bringt wegen der Bedrohung Raketenabwehrvorrichtungen in der Hauptstadt Tokio in Stellung. Eine PAC-3-Abschusseinheit wurde auf dem Gelände des Ministeriums im Stadtteil Ichigaya aufgestellt, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Südkorea vermutet, dass Nordkorea noch in dieser Woche eine Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von 3000 bis 4000 Kilometern von einer mobile Startrampe von der Ostküste starten wird.

Die USA entsandten ihrerseits strategische Bomber der Typen B-52 und B-2 nach Südkorea. Sie können sowohl konventionelle als auch atomare Waffen tragen. Weiterhin beorderten die USA zwei Kriegsschiffe in die Umgebung der koreanischen Halbinsel. Dabei handelt es sich um Zerstörer, die mit dem Raketenabwehrsystem Aegis ausgerüstet sind. Das US-Militär kündigte außerdem die Stationierung einer weiteren Raketenabwehrstellung auf der Pazifikinsel Guam an. Auf der rund 3400 Kilometer südöstlich von Nordkorea gelegenen Insel sind 6000 US-Soldaten, in Südkorea fast 30.000 US-Soldaten stationiert.

tkr/DPA/AFP / DPA
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