HOME

+++Liveticker zum Atomtransport+++: Castor rollt nach Plan

Das Wendland in Aufruhr, der Castor in Deutschland, Gysi auf dem Trecker. Verpassen Sie nichts von dem Transport und den Protest dagegen - im Liveticker von stern.de.

21:03 Uhr: Castor in Hessen

Nach einigen Pausen rollt der Castor jetzt wie geschmiert: Er hat die Landesgrenze von Baden-Württemberg nach Hessen passiert. Der Zug sei über Mannheim ins hessische Lampertheim gefahren, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei in Koblenz am Abend. Castor-Gegner vermuten, dass der Zug nun über Darmstadt nach Aschaffenburg und von dort weiter nach Niedersachsen fährt.

19:50 Uhr: Castor hat Karlsruhe durchfahren

Der Castor-Transport hat am Abend unbehindert Karlsruhe durchfahren. Einige hundert Menschen demonstrierten gegen die strahlende Fracht. Atomkraftgegner hatten zuvor nach Polizeiangaben vergeblich versucht, die Gleise zu besetzen. Drei Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Vor dem Hauptbahnhof versammelten sich 200 bis 300 Demonstranten. Zahlreiche Straßen, die über die Bahngleise führen, waren gesperrt. Castor-Gegner vermuten, dass der Zug nun über Mannheim nach Darmstadt und von dort nach Niedersachsen fährt. Ziel es Transports ist das Zwischenlager Gorleben.

18:00 Uhr: Castor verlässt Kehl

Der Castor-Transport verlässt den Bahnhof von Kehl. Dabei fährt der Zug über eine Brücke, von der sich Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace abgeseilt hatte, berichtete ein Fotograf der DPA. Die Polizei hatte nichts unternommen, um die drei Umweltschützer zu entfernen. Der Zug war in Kehl kurz hinter der deutsch-französischen Grenze für Rangierarbeiten fast vier Stunden lang gestanden. Castor-Gegner vermuten, dass der Zug über den Karlsruher Güterbahnhof nach Mannheim und von dort aus weiter nach Darmstadt fährt. In der Karlsruher Innenstadt wurden nach und nach alle Straßen gesperrt, die über die Bahngleise führen.

17:15 Uhr: 600 Trecker dicht an dicht

Eine der Castor-Transportstrecken von Dannenberg ins Zwischenlager Gorleben ist dicht. Landwirte haben mit Traktoren aller Modelle die Straße im beschaulichen Ort Splietau und dahinter versperrt. Fast 600 dicht an dicht stehende Traktoren sollen es sein, wie Polizisten und Landwirte vor Ort bestätigen. Die Aktion sei "echt überraschend" gewesen, sagt die grüne Europa-Abgeordnete Rebecca Harms.

16:40 Uhr: Alarm bei Kehl

Bei Kehl seilten sich Aktivisten von Greenpeace von einer Brücke ab, über die der Castor- Transport in Kürze fahren soll. Derzeit habe das aber noch keine Auswirkungen auf den Transport, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei in Koblenz. Der Zug mit dem hoch radioaktiven Atommüll stehe noch planmäßig für Rangierarbeiten im Bahnhof von Kehl. Wenn der Zug abfahrbereit sei, werde entschieden, ob die Polizei gegen die Aktivisten vorgehe. Castor-Gegner vermuten, dass der Transport von Kehl über den Karlsruher Güterbahnhof nach Mannheim und von dort aus weiter nach Niedersachsen fährt.

16:15 Uhr: Erste Randale

Die Party ist bald vorüber, das Demo-Gelände leert sich zusehends. 50.000 Menschen waren insgesamt da, sagen die Veranstalter. Von "etwas mehr als 20.000" spricht die Polizei. Es kommt zu den ersten Ausschreitungen. 150 Demonstranten versuchen, die mögliche Transportstrecke zu unterhöhlen. Die Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray ein, um die Aktion zu unterbinden. Die Demonstranten, darunter auch Autonome, werfen Lehmklumpen auf die Beamten.

15:30 Uhr: Es wird voller und voller

Es wird immer voller auf der Demo nahe Gorleben. Bis zum frühen Nachmittag versammelten sich nach Schätzungen der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg mehr als 40.000 Menschen auf dem Kundgebungsgelände zwischen Dannenberg und Splietau. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke sagte, es seien zudem noch "mehrere zehntausend" unterwegs. Die Polizei sprach von mindestens 20.000 Demonstranten. Die bisher größte Protestkundgebung in der Geschichte des Gorleben-Widerstandes hatte rund 25.000 Teilnehmer. Kerstin Rudek von der BI rief zu weiteren Protestaktionen in den kommenden Tagen auf. "Bleibt im Wendland. Demonstriert weiter. Sorgt weiter dafür, dass sie mit Gorleben nicht durchkommen. Atomausstieg ist Handarbeit", sagte sie. Viele Teilnehmer skandierten "Abschalten, abschalten" während ihrer Rede. Es ist bislang friedlich. Randale wurde aus dem Wendland noch nicht vermeldet

15:44 Uhr: Treckerfahrer Gysi

Applaus für Gregor Gysi: Der Linken-Fraktionschef hat bei der Demo im Wendland erfolgreich seine Trecker-Fahrkünste unter Beweis gestellt. Im Rahmen einer Ausbildung zum Rinderzüchter habe er mit 16 Jahren zu DDR-Zeiten eine Fahrerlaubnis erworben, erläuterte Gysi und wies damit Sorgen um seine Fahrtüchtigkeit zurück. Anders als die Grünen-Chefs Claudia Roth und Cem Özdemir, die auf dem Beifahrersitz Platz nahmen, steuerte Gysi in einer Kolonne von mehreren hundert Treckern den orangen Renault selbst. An der Seite flatterte eine große "Atomkraft - nein Danke"-Fahne im Wind. "Du schaffst das", feuerten ihn die Menschen an, als er auf den riesigen Acker der großen Demo nahe Danneberg einbog

14:40 Uhr: Blockade-Bauern

Bauern haben mit rund 250 Traktoren am Samstagnachmittag eine Landstraße zwischen Dannenberg und Gorleben blockiert. Bei der lahmgelegten Strecke handelt es sich um die sogenannte Südroute nach Gorleben. Sie ist eine von zwei üblichen Transportwegen ganz am Ende des Castor-Transports, nachdem die Behälter von der Schiene auf Lastwagen geladen worden sind.

14:15 Uhr: Gleise werden geräumt

Die Demo im Wendland bekommt regen Zulauf. Jetzt werden 40.000 Menschen erwartet. In Berg in Rheinland-Pfalz besetzen Demonstranten weiter die Gleise. Sie haben den Castor zur Umleitung über Kehl in Baden-Württemberg gezwungen. Die Polizei startet die Räumung der Gleise. Laut den Einsatzkräften haben sie es dabei mit etwa 500 Demonstranten zu tun, die Veranstalter der Gleis-Demo sprechen von bis zu 2000 Teilnehmern.

14:00 Uhr: Castor erreicht Deutschland

Der Zug mit den Castor-Behältern mit Atommüll hat Deutschland erreicht. Er überquerte die Rheinbrücke zwischen dem Straßburg und dem deutschen Grenzort Kehl in Baden-Württemberg. Der Transport war wegen einer Gleisblockade im deutsch-französischen Grenzgebiet bei Berg in Rheinland-Pfalz zu einer Änderung der Fahrtroute gezwungen worden.

13:45 Uhr: Castor könnte umgeleitet werden

Der Zug mit den Castor-Behältern könnte wegen einer massiven Gleisblockade kurz hinter der deutsch-französischen Grenze beim rheinland-pfälzischen Berg möglicherweise umgeleitet werden. "Das ist nicht auszuschließen", sagt ein Polizeisprecher. Über eine Räumung der Gleise bei Berg sei noch nicht entschieden worden. Der Zug, der weiterhin auf französischer Seite der Grenze nahe Straßburg in der Ortschaft Hausbergen steht, könnte statt wie geplant bei Lauterbourg und Berg auch über die Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl nach Deutschland fahren. An der Gleisbesetzung bei Berg beteiligen sich nach Polizeiangaben etwa 500 Menschen. Die Gesamtzahl der Demonstranten gibt die Polizei mit mehr als tausend an. Atomkraftgegner sprechen von etwa 2500 Teilnehmern.

13:30 Uhr: Merkel kritisiert Auswüchse

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) passen die geplanten Aktionen beim Protest im Wendland nicht. "Was so harmlos daherkommt, Entschottern, das ist keine friedliche Demonstration, sondern ein Straftatbestand", sagte die CDU-Vorsitzende am Samstag in Bonn beim Landesparteitag der nordrhein-westfälischen CDU. Kernkraftgegner hatten dazu aufgerufen, Schottersteine aus dem Gleisbett zu entfernen. Zugleich kritisierte Merkel SPD und Grüne. Die früheren Regierungsparteien hätten jahrelang nicht an der Erkundung eines Endlagers für Abfälle aus Kernkraftwerken gearbeitet. Unter sozialdemokratischen Regierungen seien zudem Bauentscheidungen für Atomkraftwerke getroffen worden.

13:00 Uhr: Die Demo läuft

Im Wendland ist die große Anti-Atomkraft-Demo gestartet. Die Polizei sprach zum Auftakt der Kundgebung von mehr als 10.000 Teilnehmern. Der Zulauf sei aber noch sehr groß, hieß es. Atomkraftgegner rollten außerdem mit mehr als 600 Traktoren an.Bürgerinitiativen rechneten mit der größten Protestkundgebung seit 30 Jahren im Wendland - sie sprachen von erwarteten rund 40 000 Demonstranten. Ein großes Polizeiaufgebot sicherte den Protest. Daran beteiligten sich auch Spitzenpolitiker der Grünen und Linken. Auf Transparenten forderten die Atomkraftgegner "Stoppt den Wahnsinn".

12:30 Uhr: Westerwelle mischt sich ein

Die Grünen dürfen nach Ansicht von Guido Westerwelle nicht gegen die Castor-Atomtransporte demonstrieren. Denn in seiner Zeit als Bundesumweltminister habe ihr Fraktionschef Jürgen Trittin bei den damaligen Castor-Transporten quasi auf der Lok gestanden, sagte Westerwelle am Samstag beim Landesparteitag der schleswig-holsteinischen FDP in Elmshorn. Trittin habe damals argumentiert, dass selbst bei einem sofortigen Ausstieg diese Transporte wegen rechtlicher Verpflichtungen nicht zu vermeiden seien. An dieser Situation habe sich nichts geändert - außer, dass Trittin keinen Schnauzbart mehr habe. "Aber das ist kein politisches Argument."

Der Zug mit dem umstrittenen Atommüll rollt derweil Richtung Deutschland.