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Gruppe verboten: "Combat 18", das Neonazi-Netzwerk unter den Initialen Adolf Hitlers

Innenminister Seehofer hat "Combat 18" verboten. Die rechtsextreme Gruppe war im Sommer bereits in den Fokus geraten, weil der mutmaßliche Lübcke-Mörder Kontakte zu ihr gehabt haben soll. Ein genauerer Blick auf die Organisation.

Waffen und Totenkopfflagge der rechtsextremen Gruppe "Combat 18"

Wenn in jüngster Zeit vom Verbot von Neonazi-Organisationen die Rede war, fiel dabei regelmäßig der Name "Combat 18". Die neonazistische Gruppierung ist seit dem Mordfall Walter Lübcke im Visier der Sicherheitsbehörden, weil der Tatverdächtige Stephan E. zu der Organisation Kontakte gehabt haben soll. Nun wurde sie verboten. Die wichtigsten Fakten dazu.

Wer oder was ist "Combat 18"?

"Combat 18" (C18) ist eine Chiffre. Die Zahlen beziehen sich auf den 1. und 8. Buchstaben im Alphabet, also "A" und "H" – die Initialen von Adolf Hitler. Übersetzt, also: "Kampftruppe Adolf Hitler".

Die Gruppierung wurde laut Verfassungsschutz 1992 in England von Angehörigen der "British National Party" (BNP) als deren Saalschutz gegründet. Dort erlangte "C18" in der Folgezeit auch mediale Bekanntheit durch Gewaltakte und eine gezielte Einschüchterung politischer Gegner. Von Großbritannien aus entwickelte sich demnach ein Netzwerk, das in vielen europäischen Ländern aktiv ist.

Unter der Leitung zweier britischer Neonazis war "C18" laut Verfassungsschutz zunächst in der rechtsextremistischen Musikszene aktiv und hatte die einflussreiche neonazistische Skinheadorganisation "Blood & Honour" (B&H) nach dem Tod ihres Gründers Ian Stuart Donaldson 1993 übernommen.

Die Organisation propagierte nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer Gewalt als legitimes Mittel im politischen Kampf, um ihr Ziel – einen nationalsozialistisch geprägten Staat – zu verwirklichen. Sie verfolgt das Konzept des "führerlosen Widerstands", wie etwa das ARD-Magazin "Panorama" vor rund einem Jahr in einer ausführlichen Recherche offenlegte: Demnach sollen sich gewaltbereite Neonazis in kleinen autonomen Zellen organisieren, Waffendepots anlegen und ohne einen Befehl aus der "Führungsriege" Terroranschläge begehen.

Seit 2013 sei die Untergrundgruppe "Combat 18 Deutschland" aktiv, berichtete "Panorama". In Deutschland gab den Verfassungsschützern zufolge seit den 2000er Jahren immer wieder vereinzelte Hinweise auf örtliche "C18"-Sektionen. Diese Strukturen konnten sich demnach aber nicht über einen längeren Zeitraum weiterentwickeln und hatten letztlich keinen Bestand.

Drei Skinheads nehmen in Hagen an einem Neonazi-Aufmarsch teil

Drei Skinheads nehmen in Hagen an einem Neonazi-Aufmarsch teil (Archivfoto vom 10.02.2001)

DPA

Wie ist "C18" organisiert?

Das geht zum Teil aus einem "Richtlinien"-Heft hervor, dass "Panorama" im Sommer auswerten konnte. Darin hieß es, unter anderem:

  • "Jedes Bundesland/Gau bekommt seine Sektion (sofern ein Mitglied in diesem wohnt), mit einem Sektionsführer." 
  • Einmal monatlich müsse sich jede "Sektion" treffen.
  • Alle drei Monate finde ein bundesweites Treffen statt.
  • Die Gruppierung verstehe sich als "Bruderschaft", es gebe "Bruderpflichten" und Mitglieder würden als "Brüder" bezeichnet.
  • Zu "Treffen/Auswärtsfahrten" sei das Tragen der schwarzen Uniform mit "C18"-Emblem – ein feuerspeiender Drache – Pflicht. Das dürften aber nur "C18"-Mitglieder.
  • Außerdem soll es ein Schweigegelübde geben: "Alles Gruppeninterne darf NIEMALS mit Nichtmitgliedern besprochen werden. Absolute Verschwiegenheit", zitierte das ARD-Magazin aus dem Heft. 
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Die "gewisse Waffenaffinität" von "C18"

"Anhaltspunkte, die auf die Entstehung einer rechtsterroristischen Vereinigung hindeuten, liegen derzeit nicht vor", hieß es im vergangenen Jahr noch im Bericht der Verfassungsschützer. Schwerpunkt von "C18" sei vielmehr die auch kommerzielle Beteiligung an kleineren rechtsextremistischen Musikveranstaltungen mit 80 bis 100 Teilnehmern.   

Nun griff das Innenministerium am Donnerstag dennoch durch. Die Organisation sei durch eine Verbotsverfügung untersagt worden, sagte ein Sprecher. Zudem hätten in diesem Zusammenhang ab 06 Uhr Durchsuchungen in mehreren Wohnungen in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz stattgefunden.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums richtet sich "Combat 18 Deutschland" gegen die verfassungsmäßige Ordnung, da sie "mit dem Nationalsozialismus wesensverwandt" sei. Die Gruppierung bekenne sich zur NSDAP und deren Funktionären, sei rassistisch, antisemitisch und fremdenfeindlich ausgerichtet und weise eine "kämpferisch-aggressive Grundhaltung" auf. Zudem liefen "Zwecke und Tätigkeit" der rechtsextremen Organisation den Strafgesetzen zuwider.

Quellen: ZDF, "Panorama", WDR"Spiegel", "Bild", Mit Material der Nachrichtenagentur AFP

fs / fin