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Groß-Demo-Grafik So unbedeutend ist Pegida im Vergleich


20.000 Teilnehmer bei Pegida, 15.000 bei Legida - diese Teilnehmerzahlen klingen beeindruckender als sie sind. Zu anderen Zeiten gingen eine Million Menschen und mehr auf die Straßen - ein Überblick.
Von Florian Gossy (Grafik) und Niels Kruse (Text)

Wer hat Angst vor Pegida? Rund 20.000 Anhänger der Anti-Islambewegung haben sich zuletzt in Dresden zusammengefunden. Zeitgleich protestierten bundesweit 100.000 Menschen gegen die Parolen der Veranstalter Kathrin Oertel und Lutz Bachmann. Bei der Demo des Leipziger Ablegers Legida wurden Mittwochabend 40.000 Menschen erwartet. Gekommen waren, wohl auch wegen Anreiseschwierigkeiten, 15.000.

Die Kräfteverhältnisse in Deutschland scheinen klar zu sein: eine eher kleine, konservative bis deutsch-nationale Ansammlung von "Abendspaziergängern" lässt das ganze Land vor Entsetzen vibrieren, während zeitgleich in Berlin 50.000 Gegner von Massentierhaltung auf die Straße gehen, was vielen Medien nicht mehr als eine Randnotiz wert ist.

Deutschland-Karte mit 20 Großdemos seit 1958

Auf unserer Deutschland-Karte finden Sie 20 ausgewählte Demonstrationen seit 1958. Fahren Sie mit der Maus über die dargestellten Kreise, um mehr Informationen zu bekommen. Sie können auch auf die Kreise klicken. Benutzen Sie das Mausrad, um in die Karte hinein- oder herauszuzoomen.

Jährliches Treffen der 10.000 Kommunisten

Zumindest beim Blick auf nackte Zahlen relativiert sich die Bedeutung der Abendlandschützer: 20.000 Teilnehmer sind zwar eine Hausnummer, doch die gleiche Menge war vergangenes Jahr auf der 1.-Mai-Veranstaltung in Berlin unterwegs. Gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 protestierten 2010 40.000 Menschen und selbst der Pegida in seiner Obskurität nicht nachstehende Liebknecht-Luxemburg-Umzug lockt noch rund jeweils 10.000 Teilnehmer an - das aber schon seit Jahren.

Lässt man einmal die Pegida zugrunde liegenden, tiefergehenden sozialen Ängste außer Acht, können es die "Patrioten" und die art- und sachverwandten Veranstaltungen in Köln, Kassel oder Leipzig ohnehin nicht mit großen Massenbewegungen der vergangenen Jahrzehnte aufnehmen:

  • Als die damalige, SPD-geführte Bundesregierung 2003 ihre Hartz-IV-Programme diskutierte, zogen dagegen rund eine halbe Million Menschen auf die Straße.
  • Ähnliche Größenordnungen erreichten die Proteste gegen Krankenkassenreformen (1996) und in der DDR gegen das SED-Regime 1989.
  • Die Stationierung von Pershing-II-Raketen (1983) und der drohende Irak-Krieg 20 Jahre später, setzte sogar je eine Million besorgte Bürger in Gang.

Nebenbei bleibt als Fazit dieses Überblicks die ernüchterne Erkenntnis: Je mehr Teilnehmer sich versammelt oder je lauter sie sich in der Öffentlichkeit artikuliert hatten - desto weniger haben sie bewirkt. Weder die Pershing-Stationierung noch den Irak-Krieg, weder die Hartz-Reformen noch Stuttgart 21, weder Acta noch die Abwicklung des Bergbaus konnten die Demonstranten verhindern.


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