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Jahresrückblick

Politischen Gewinner und Verlierer 2018: Wer aufstieg, abstürzte - und die SPD alt aussehen ließ

Ein Grünen-Duo lässt die SPD alt aussehen, eine Frau, die austeilen kann, übernimmt die CDU und in der CSU bekommt der alles, den ein anderer immer verhindern wollte. 2018 ging es für einige Politiker steil aufwärts - und für andere rasant bergab.

Robert Habeck (l.), Horst Seehofer, Annegret Kramp-Karrenbauer

Drei, deren politische Schicksale 2017 für Schlagzeilen sorgten: Robert Habeck (l.), Horst Seehofer, Annegret Kramp-Karrenbauer

DPA / Getty Images

Die Gewinner:

ANNEGRET KRAMP-KARRENBAUER

Ihr Name wird der Einfachheit halber zu AKK verkürzt. Oft wie Angela Merkel von Außenstehenden belächelt, hat Annegret Kramp-Karrenbauer im Wettbewerb mit Friedrich Merz und Jens Spahn die CDU-Spitze erobert. Zuvor hatte die 56-Jährige seit Februar als Generalsekretärin den CDU-Reformprozess vorangetrieben und dafür den Posten der saarländischen Ministerpräsidentin aufgegeben. "Unaufgeregt" und "uneitel" gehören zu den Adjektiven, die ihren Weg begleiten. Eigentlich wollte sie zunächst Hebamme werden. Ähnlich wie Merkel steht sie für einen liberalen Kurs - und kann austeilen. In Anspielung auf Merz, der noch keine Wahl gewonnen hat und ankündigt hatte, für die CDU wieder 40 Prozent zu holen und die AfD zu halbieren, meinte AKK: "Ich habe Wahlen gewonnen mit 40 Prozent für die CDU und rund sechs Prozent für die AfD." Der eine traut sich's zu. Die andere hat's bewiesen. Das ist der Unterschied.

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ROBERT HABECK

Wo die SPD grau wirkt, ist er der beste Beweis, dass Gefühl heute in der Politik mindestens so wichtig ist wie Inhalt. Dank Robert Habeck und seiner Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock schwimmen die Grünen auf der Erfolgswelle - nach dem besten Ergebnis aller Zeiten in Bayern stürzte sich der frühere Kinderbuchautor wie ein Rockstar von der Bühne in die Menge.

"Führende Kraft der linken Mitte" wollen die Grünen werden. Der Hitze-Sommer brachte das Thema Klimaschutz zurück. Und auf einer "Des Glückes Unterpfand"-Reise durch Deutschland besuchte Habeck Orte wie das Hambacher Schloss, Symbol der Revolution von 1848, die die AfD zu instrumentalisieren versucht, um dort deren nationalistische Agenda zu zerpflücken. Die Grünen wollen den Heimat-Begriff mit allen Chancen der Migration positiv besetzen, um sich als "Anti-AfD" klar zu positionieren.

MARKUS SÖDER

Als er auch noch ein Weltraumprogramm präsentierte - "Bavaria One" - mit einem Volumen von 700 Millionen Euro, erntete Markus Söder viel Spott. Denn dazu gab es noch einen Auftritt bei der Jungen Union vor seinem Konterfei mit dem Slogan "Bavaria One - Mission Zukunft".

Das Ministerpräsidentenamt übernahm Söder von Horst Seehofer, der nach Berlin wechselte, weil ihn zu Hause niemand mehr wollte. Im Wahlkampf hob der 51-Jährige dann nicht so richtig ab - erst begab er sich auf einen fast AfD-nahen Kurs, dann versuchte er den mitfühlenden Christsozialen zu geben und sagt heute: Man darf der AfD nicht hinterherlaufen. Am Ende gab es mit 37,2 Prozent eine ziemliche Klatsche, aber dank der Freien Wähler kann die CSU weiter regieren - und Söder seinem alten Widersacher Seehofer nun bald auch noch als CSU-Chef nachfolgen. 

KEVIN KÜHNERT

Gerade mal ein Jahr ist er nun Juso-Chef, doch Kevin Kühnert hat fast eine so hohe Medienpräsenz wie die SPD-Granden - und Einfluss. Als Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen radikale Kräfte in der SPD für sein Aus verantwortlich machte, twitterte Kühnert mit einem Augenzwinkern, es sei eine Ehre, dass sich Maaßen von den Jusos aus dem Amt gedrängt fühle: "Schreiben wir uns so in den Briefkopf. Grüße vom linksradikalen Flügel der SPD."

Kühnert pocht auf eine Alternative zu Hartz IV, setzte eine Vorfahrt für junge Kandidaten bei der Europawahl durch. Sein No-GroKo-Kurs hat aber auch die Spaltung in der SPD befördert. Und mit 29 Jahren kommt er für die erste Reihe wohl noch nicht ganz in Betracht. Zumal dann noch weniger Zeit für den Besuch von Fußballspielen bliebe.  

FRIEDRICH MERZ

Das Comeback 2018 - mit Knick zum Jahresende. Angela Merkel hatte intern gerade ihren Verzicht auf den CDU-Vorsitz erklärt, da lancierte Friedrich Merz, ihr Gegenspieler noch aus Oppositionszeiten, via "Bild" seine Kandidatur. Plötzlich war der Männer-Bund von früher, der Andenpakt, den Merkel so ausgebootet hatte, wieder in aller Munde. Aber schnell geriet der Sauerländer in schweres Fahrwasser. In zehn Jahren Abstinenz hat sich die Politik stark verändert, vor allem durch die sozialen Medien. Das Lostreten einer Debatte über das Recht auf Asyl ging nach hinten los. Und trotz Millionenvermögens meinte Merz, er zähle sich eher zur "gehobenen Mittelschicht". Beklagt, dass zu viel über seinen Aufsichtsratsjob beim US-Vermögensverwalter Blackrock geredet werde und zu wenig über die Tätigkeit für einen Klopapierhersteller. Kam im Wettstreit um den CDU-Vorsitz bei der Basis ziemlich gut an, unterlag bei der Wahl im Dezember dann aber doch knapp AKK.

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WOLFGANG SCHÄUBLE

Der Elder Statesman und CDU-Strippenzieher. Wolfgang Schäuble verhinderte den Bruch zwischen CDU und CSU im Bundestag, zeigte Angela Merkel mit dezenten Winks in Interviews, dass es an der Spitze der CDU einen Wechsel brauchen könnte. Und er traf als Bundestagspräsident nach den ausländerfeindlichen Vorfällen in Chemnitz für viele den richtigen Ton.

Seit 1972 Mitglied des Bundestags, sorgt Schäuble die Zeitenwende: "Ausländerfeindlichkeit, Hitlergrüße, Nazisymbole, Angriffe auf jüdische Einrichtungen - für all das darf es weder Nachsicht noch verständnisvolle Verharmlosung geben." Man müsse sich aber auch den Sorgen stellen, "die viele Bürger umtreiben". Bei der Wahl der neuen CDU-Spitze erlebte der 76-Jährige eine Pleite, als der von ihm öffentlich unterstützte Merz gegen Kramp-Karrenbauer verlor. Führt viele Umfragen zu den beliebtesten Politikern an, auch wenn er zuletzt Sympathiewerte einbüßte. 

ABSTEIGER:

MARTIN SCHULZ

Der Mann aus Würselen wird heute oft als "einfacher Bundestagsabgeordneter" bezeichnet. Das findet der Ex-Präsident des Europaparlaments, Ex-SPD-Chef und Ex-Kanzlerkandidat fast ehrenrührig. Mächtig entgleist, sucht Martin Schulz den Weg zurück in die Spur. Er sagte erst Nein zur großen Koalition, führte die SPD dann doch hinein. Musste aber nach massivem Druck aus den eigenen Reihen auf den Posten des Außenministers verzichten.

Schulz stolperte letztlich über die Antwort auf eine Journalistenfrage: Nach der Bundestagswahl 2017 sagte er, er werde nie Minister unter Kanzlerin Merkel. Viel unterwegs, besuchte Brasiliens Ex-Präsident Lula im Gefängnis, in China fädelte er die Rückkehr von Anthony Modeste zu seinem 1. FC Köln ein. Er hat ein großes Netzwerk - und ist noch nicht fertig. 

SIGMAR GABRIEL

Außenminister wäre auch der Mann aus Goslar heute noch gerne, aber die neue Parteiführung wollte das nicht. Auch von Schulz, dem er die Kanzlerkandidatur und den SPD-Vorsitz überlassen hatte, und der dann vor seinem eigenen Aus das Amt wollte, fühlte sich Sigmar Gabriel hintergangen. Er schob seine Tochter vor, die es angeblich toll fand, dass der Papa sich nicht mehr mit dem "Mann mit den Haaren" im Gesicht abgeben musste.

Gabriel war gerade in den USA, lehrte in Harvard, traf sich mit Trump-Wählern inklusive Friseurbesuch. Hat nun wieder engen Kontakt mit Schulz - beide eint die Sorge um ein Implodieren der SPD. Äußert sich in jüngster Zeit wieder öfter in Interviews, etwa zum SPD-Trauma Hartz IV: "Die SPD muss aufpassen, dass sie keine Hartz-IV-Partei wird." Wer weiß, vielleicht gibt es ein Comeback.

ANDREA NAHLES

Intern wird sie schon mal als "Pippi Langstrumpf" verspottet, schließlich sang Andrea Nahles 2013 vom Rednerpult im Bundestag wenig harmonisch "Ich mach' mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt". Vor ihrer Wahl zur ersten Frau an der Spitze der SPD sagte sie: "Ich glaube, ich kann das."

Doch nach sieben Monaten als Parteivorsitzende steht Nahles mit dem Rücken zur Wand. In Fraktion wie Partei wird offen über ihre Ablösung diskutiert - unglückliche Auftritte, fehlende klare Botschaften und vor allem ihr weiterhin sehr negatives Image in vielen Meinungsumfragen wirken wie Blei an den Füßen. Das Jahr 2019 mit der Europawahl und vier Landtagswahlen dürfte ihr politisches Schicksal entscheiden. Ihre Situation wirft auch ein Schlaglicht auf die personelle Lage der SPD: Nahles hält sich vorerst nur deshalb im Amt, weil gute Alternativen Mangelware sind.    

CHRISTIAN LINDNER

Auch der FDP-Chef hat es nicht leicht. Ständig holt Christian Lindner sein berühmt gewordener Satz zum Jamaika-Ende ein: "Lieber nicht regieren, als falsch regieren." Lindnern wurde zum geflügelten Wort für: lieber etwas nicht machen. Im Bundestag wird der FDP und ihrem Vorsitzenden nun bei jeder Kritik an der GroKo um die Ohren gehauen, sie hätten ja eine Jamaika-Koalition eingehen und selbst regieren können. Hinzu kommt der Aufschwung der Grünen, die der FDP den Rang ablaufen. Lindner war noch einer der Gewinner 2017, er führte die FDP zurück in den Bundestag. Nun sucht er einen Weg, um doch mal wieder mitzuregieren. Auch Jamaika ginge, aber nur ohne Angela Merkel. Er nutzte die Oppositionszeit, um den Jagdschein zu machen und darf nun Rehe und Wildschweine schießen. 

HORST SEEHOFER

Wurde Superminister für Inneres, Bau und Heimat - und trieb den Konflikt mit Angela Merkel wegen ihrer Migrationspolitik auf die Spitze. Horst Seehofer wurde für viele zur "Mutter aller Probleme" der Koalition. Er selbst bezeichnete zum Entsetzen vieler Menschen die Flüchtlingsfrage so. An der Frage der Abweisung von Asylsuchenden schon an der Grenze zerbrach fast die Koalition, ebenso wie an seinem langen Protegieren von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen.

Besonders viel Empörung erntete Sehofer für einen Satz zu einem Abschiebeflug: "Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 - das war von mir nicht so bestellt - Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden." Nach dem CSU-Absturz bei der Bayern-Wahl kündigte er den Rückzug als CSU-Chef an. Mit dem Satz "Noch mal mache ich einen Watschnbaum nicht", prägte er ein im Rest des Landes bis dato unbekanntes Wort für Sündenbock. 

VOLKER KAUDER

13 Jahre war er der treue Mehrheitsbeschaffer in der Unionsfraktion im Bundestag für Gesetzesvorhaben der Kanzlerin. Dann wurde Volker Kauder zum Blitzableiter für den Frust über den Zustand von Union und Koalition. Völlig überraschend stürzten im September die Abgeordneten von CDU und CSU den Mann aus Baden-Württemberg und wählten den Westfalen und bisherigen Fraktionsvize Ralph Brinkhaus an ihre Spitze. Merkel, die die Wahl ihres Vertrauten Kauder zuvor ausdrücklich empfohlen hatte, sagte, in der Demokratie gebe es auch Niederlagen. "Da gibt es auch nichts zu beschönigen." Um Kauder, der vorher ständig über die Fernsehschirme flimmerte, wurde es still. Er hat nun mehr Zeit für seinen Wahlkreis Rottweil und Tuttlingen - und sein besonderes Engagement gilt weiterhin dem Kampf gegen Christenverfolgung in aller Welt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gerät zunehmend unter Druck
mad / DPA
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.