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Jahresrückblick 2004: August

Die deutschen Olympioniken erleben Höhen und Tiefen in Athen, Sturm "Charley" fegt über Florida hinweg, und in Paraguay sterben hunderte Menschen bei einem Brand in einem Einkaufzentrum

01. August
Die 147 Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) stimmen einem Rahmenabkommen zu, das die Leitlinien für die Beseitigung weiterer Hemmnisse im globalen Handel festlegt.

Bundeskanzler Schröder, der als erster deutscher Regierungschef an Gedenkfeiern für den Warschauer Aufstand teilnimmt, lehnt Entschädigungsforderungen von Vertriebenen an Polen strikt ab.

Bei einer Serie von Bombenanschlägen auf christliche Kirchen im Irak werden mindestens elf Menschen getötet.

In Paraguays Hauptstadt Asunción kommen bei einem Brand in einem Einkaufszentrum mindestens 364 Menschen ums Leben.

02. August
Rund 7000 Menschen demonstrieren in Magdeburg und Dessau gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV. Sie fordern in Anlehnung an die Montagsdemonstrationen der Wendezeit unter dem Motto «Wir sind das Volk» einen Stopp der Reform.

04. August


Die Zahl der Arbeitslosen ist mit 4 359 900 auf den höchsten Stand in einem Juli seit der Wiedervereinigung gestiegen, meldet die Bundesagentur für Arbeit.

05. August


Ein unter SPD-Gewerkschaftsmitgliedern kursierender elektronischer Kettenbrief mit einem Aufruf zum schnellen Sturz von Bundeskanzler Schröder sorgt innerhalb der SPD für Aufregung.

Die Wiesbadener Sektkellerei Henkell & Söhnlein übernimmt die Marken Kupferberg und Scharlachberg von der Binger Unternehmensgruppe Racke.

06. August


Das Berliner Landgericht spricht im letzten Prozess gegen Mitglieder des SED-Politbüros die Spitzenfunktionäre Siegfried Lorenz und Hans-Joachim Böhme wegen Mitschuld am Tod von drei DDR- Flüchtlingen schuldig und verhängt wegen Beihilfe zum Mord Bewährungsstrafen von jeweils 15 Monaten.

Die Medienkonzerne Axel Springer AG und der Spiegel-Verlag kehren wieder zur alten Rechtschreibung zurück. Der Süddeutsche Verlag («Süddeutsche Zeitung») will folgen.

Die USA und Grönland erneuern Ihr 1951 geschlossenes Verteidigungsabkommen. Die Radaranlagen auf dem US-Luftstützpunkt Thule können Teil des im Aufbau befindlichen Raketenabwehrsystems werden.

07. August


Der frühere SPD-Parteivorsitzende Oskar Lafontaine will sich eventuell in einer neuen Linkspartei engagieren. Er fordert erneut den Rücktritt von Bundeskanzler Schröder.

08. August


Die Übergangsregierung des Irak beschließt die Wiedereinführung der Todesstrafe.

09. August


Das Bundeskartellamt untersagt Gruner + Jahr im Nachhinein den Lizenzerwerb für die deutsche Ausgabe der Zeitschrift «National Geographic», die seit 1999 erscheint.

Das Eurokorps übernimmt das Kommando der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) und damit seine erste Aufgabe außerhalb Europas.

10. August


18 Jahre nach dem Bombenanschlag auf die Berliner Discothek «La Belle» 1986 einigen sich die Gaddafi-Stiftung und die deutschen Opfer-Anwälte auf Entschädigungszahlungen durch Libyen von umgerechnet insgesamt 28,4 Millionen Euro für die mehr als 160 Opfer.

Das Hamburger Airbus-Werk darf seine Landebahn vorerst nicht verlängern. Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht bestätigt einen im Juni verhängten Baustopp.

11. August
In Großbritannien dürfen erstmals menschliche Embryonen zu Forschungszwecken geklont werden.

12. August


Die japanischen Großbanken UFJ Holdings und die Mitsubishi Tokyo Financial Group kündigen die Fusion zur Mitsubishi UFJ Holdings an. Gemessen an der Bilanzsumme wird das neue Geldinstitut das größte der Welt.

13. August


Die Behörden genehmigen den Bau des Airports Berlin Brandenburg International (BBI) auf dem Gelände des einstigen «DDR- Zentralflughafens» Schönefeld. Die Flughäfen Tempelhof und Tegel werden geschlossen.

Hurrikan «Charley» verwüstet mit bis zu 230 Stundenkilometern Teile Floridas. 27 Menschen sterben.

Bei dem teilweisen Einsturz einer Schule in Goldberg (Mecklenburg-Vorpommern) kommen fünf Bauarbeiter ums Leben.

Mit einer Zeitreise durch die griechische Geschichte von der Mythologie bis zur Gegenwart werden in Athen die XXVIII. Olympischen Spiele eröffnet. Rund 10 500 Teilnehmer aus 202 Ländern gehen in 28 Disziplinen an den Start.

14. August


In Namibia entschuldigt sich Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) 100 Jahre nach der Niederschlagung des Herero-Aufstandes durch kaiserliche Truppen bei den Herero.

15. August


Den größten Marihuana-Fund in Deutschland seit drei Jahren machen Zollfahnder im Hamburger Hafen: In einem Container aus Jamaika stellen sie 2,2 Tonnen sicher.

16. August
Die USA wollen 60 000 bis 70 000 Soldaten aus Europa und Asien abziehen. Deutschland ist am stärksten betroffen.

18. August


Im Irak wählen die Mitglieder der Nationalkonferenz einen Nationalrat, der bis zu den Wahlen als Übergangsparlament fungiert.

19. August


Ein Untersuchungsbericht des amerikanischen Heeres zum Misshandlungsskandal im irakischen Gefängnis von Abu Ghoreib macht vor allem Soldaten der unteren Ebene für die Vorfälle verantwortlich.

Die Internetsuchmaschinen-Firma Google geht an die Börse.

Agfa verkauft die Fotosparte für 175,5 Millionen Euro an Finanzinvestoren und Agfa-Manager.

21. August
Der Internationale Sportgerichtshof in Athen erkennt den deutschen Vielseitigkeitsreitern ihre beiden Goldmedaillen ab. Einzelsiegerin Bettina Hoy muss ihr Gold wegen zweimaliger Überquerung der Startlinie abgeben.

22. August


In Oslo rauben Bewaffnete die Gemälde «Der Schrei» und «Madonna» des Norwegers Edvard Munch aus einem Museum. Die Bilder gelten als unverkäuflich; der Wert von «Der Schrei» wird umgerechnet auf 54 Millionen Euro geschätzt.

24. August


Nach Sprengstoffexplosionen an Bord stürzen zwei russische Passagierflugzeuge im Südwesten des Landes ab. Insgesamt 90 Menschen sterben.

Ein Bericht des Pentagon gibt der politischen und militärischen US-Führung Mitschuld an den Misshandlungen im Militärgefängnis Abu Ghoreib im Irak.

Im Irak überreicht Botschafter Bernd Erbel Übergangspräsident Ghasi el Jawar sein Beglaubigungsschreiben. Der letzte deutsche Botschafter hatte den Irak 1991 verlassen.

26. August
In der umkämpften irakischen Pilgerstadt Nadschaf handelt Schiitenführer Großajatollah Ali el Sistani ein Friedensabkommen mit dem radikalen Schiiten-Prediger Muktada el Sadr aus.

Nach mehr als 13 Jahren ist der Irak wieder mit einem Botschafter in Deutschland vertreten. Alaa Abdul Madschid Hussein al- Haschimi überreicht in Berlin Bundespräsident Horst Köhler sein Beglaubigungsschreiben.

Von der Wiehltalbrücke bei Gummersbach (Nordrhein-Westfalen) stürzt ein brennender Tanklastzug 100 Meter in die Tiefe. Der Fahrer kommt ums Leben. Die Brücke wird erst am 7. Oktober wieder für den Verkehr freigegeben.

Die US-Regierung räumt in einem Bericht an den Kongress erstmals ein, dass Kohlendioxid und andere Treibhausgase die «einzig wahrscheinliche Erklärung für die globale Erderwärmung» sind.

29. August


Michael Schumacher wird zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Beim Großen Preis von Belgien in Spa-Franchorchamps reicht dem Ferrari-Piloten ein zweiter Platz zum vorzeitigen Titelgewinn im 14. von 18 WM-Läufen.

Die Präsidentenwahl in Tschetschenien gewinnt der vom Kreml unterstützte Polizeigeneral Alu Alchanow. Westliche Beobachter bezeichnen die Wahl als «undemokratisch».

In Athen enden die XXVIII. Olympischen Spiele. Deutschland belegt beim Medaillenspiegel den sechsten Platz unter der Rekordzahl von 202 Nationen.

30. August


Bei der größten Montagsdemonstration attackiert der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine in Leipzig die Arbeitsmarktreform der Bundesregierung scharf. Mitte Oktober laufen die Protestmärsche langsam aus.

31. August


Die Welthandelsorganisation (WTO) erlaubt der Europäischen Union und mehreren anderen Staaten, Strafzölle auf US-Importe zu erheben.

Die Bundesregierung rechnet für 2004 mit einem Staatsdefizit von 3,7 Prozent und einem Schuldenstand von 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Damit verstößt Deutschland zum dritten Mal in Folge gegen den Euro-Stabilitätspakt.

Bei einer U-Bahn-Station in Moskau sprengt sich eine Tschetschenin in die Luft: Elf Menschen sterben. Wie beim Attentat auf zwei russische Flugzeuge in der Woche zuvor bekennen sich «Islambuli-Brigaden» zu der Tat.

Bei dem schwersten Anschlag in Israel seit Oktober 2003 werden bei Explosionen in zwei Bussen in Beerschewa neben den beiden palästinensischen Selbstmordattentätern 16 Israelis getötet.

Im Irak werden zwölf Geiseln aus Nepal von islamistischen Extremisten auf brutale Weise ermordet. Elf Geiseln werden erschossen, eine enthauptet.