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Bundesliga: Beißen die Bayern nochmal zu?

Kampf um die Herbstmeisterschaft: Am letzten Spieltag der Hinrunde liefern sich Tabellenführer Hoffenheim und die Bayern ein Fernduell um die Spitze. Die Stimmung bei den Versagern Bremen und Schalke könnte besser sein - und bei fünf Clubs herrscht blanke Abstiegsangst. Das müssen Sie jetzt noch wissen!

Von Klaus Bellstedt, Jens Fischer und Tim Schulze

Vergessen der Gipfel, der ganz Fußball-Deutschland irre gemacht hat. An diesem Wochenende geht es für Hoffenheim und die Bayern darum, die Hausaufgaben zu erledigen. Und das wird schwer genug: Der Überraschungsspitzenreiter empfängt zum Hinrundenkehraus die Knappen aus Gelsenkirchen. Für Ralf Rangnick kommt es also zum brisanten Wiedersehen mit seiner Ex-Truppe, dem FC Schalke 04. Der FC Bayern möchte mit einem Sieg im Derby gegen Stuttgart den nächsten großen Gegner wegbeißen und sich so die Minimalchance auf den Herbstmeistertitel bewahren. Mal schauen, was die Bremer dieses Mal wohl für eine Leistung abliefern werden. Kreisklasse oder Weltklasse, alles haben die Grün-Weißen drauf. Mit Wolfsburg stellt sich in Bremen ein unangenehm zu spielender Gegner vor. Und auch die anderen Partien versprechen Spannung pur, teilweise ist sogar richtig Feuer drin. Aber schauen Sie selbst.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach

Die einen werden als "Bollwerk" gefeiert, die anderen als "Schießbude" verspottet. Die Abwehrspieler von Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach genießen vor dem Duell beider Mannschaften am Freitag eine höchst unterschiedliche Wertschätzung. Von der BVB-Serie mit zuletzt vier Spielen ohne Gegentreffer kann das defensivschwächste Team der Liga derzeit nur träumen. Im Falle einer Niederlage geht der Aufsteiger als Schlusslicht in die Weihnachtspause. Trainer Hans Meyer hofft auf ein Erfolgserlebnis, das Mut für die Rückserie machen soll: "Wir müssen sehen, dass der Abstand zur unmittelbaren Konkurrenz nicht zu groß wird und wollen in Schlagdistanz zur Konkurrenz überwintern."

Alle Hoffnungen auf die belebende Wirkung eines Trainerwechsels erwiesen sich bisher als Wunschdenken. Wie schon beim Amtsantritt von Meyer rangiert der Altmeister auf einem Abstiegsplatz. Längst hat der desillusionierte Coach erkannt, dass die Klasse mit dem aktuellen Kader kaum zu halten ist. Transfers von drei Profis in der spielfreien Zeit sollen helfen, dass drohende Unheil abzuwenden. Zuvor wollen die Gladbacher den Schaden möglichst gering halten und die an einem Wechsel zur Borussia interessierten Spieler nicht weiter abzuschrecken. "Damit es in der Rückrunde etwas einfacher wird, müssen wir in Dortmund punkten", forderte Marko Marin. Und das wird in Dortmund schwer genug.

VfB Stuttgart - Bayern München

Schwäbisches Wiedersehen im Gottlieb-Daimler-Stadion: Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann kehrt nach zuletzt furiosen Wochen in die Stuttgarter Heimat zurück – und hat dabei ein festes Ziel vor Augen: den Gewinn der Herbstmeisterschaft. "Wir fahren mit breiter Brust nach Stuttgart", meint Klinsmann, kein Wunder, sind die Münchner doch mittlerweile seit 15 Pflichtspielen ohne Niederlage. Personell kann der Branchenprimus allerdings nicht aus dem Vollen schöpfen. Ausgerechnet Ribéry - Dreh- und Angelpunkt im Münchner Spiel - fällt wegen einer schmerzhaften Schulterverletzung aus.

Beim Gastgeber aus Stuttgart ist Optimismus angesagt. Nachdem Markus Babbel das Ruder am Neckar übernommen hat, geht es wieder aufwärts mit dem VfB. Nun soll der Coup gegen die scheinbar übermächtigen Bayern gelingen. Dafür wird es wichtig sein, den an einer Wadenverletzung laborierenden Mario Gomez rechtzeitig fit zu bekommen. Dessen Einsatz wird sich aber erst in letzter Sekunde entscheiden.

Hannover - Bielefeld

Hannover 96 sieht sich zum Hinrundenabschluss gegen Arminia Bielefeld in Zugzwang. "Wenn man auswärts nur einen Punkt geholt hat, steht man zu Hause unter Druck. Wir wollen mit einem Sieg ein wenig Ruhe rein bringen", sagte Coach Dieter Hecking. Dazu bedürfe es einer mannschaftlichen Geschlossenheit über 90 Minuten hinweg, wie man sie bisher durchgängig nur teilweise hinbekommen habe.

96 muss in der Partie Morten Jensen, den nominell dritten Torhüter, in den Kasten stellen. "Der Junge ist stabil und braucht unser absolutes Vertrauen", sagte Hecking über den 21-Jährigen, der bislang erst ein Bundesligaspiel bestritten hat. Robert Enke fehlt nach wie vor verletzt, dessen Vertreter Florian Fromlowitz wegen einer Roten Karte, die er sich im Niedersachsen-Derby beim VfL Wolfsburg eingehandelt hat.

Fehlen wird zudem auch Hanno Balitsch. 96-Trainer Dieter Hecking hat den Mittelfeldspieler aus disziplinarischen Gründen vorerst in die Reserve-Mannschaft versetzt. "Für Bielefeld ist er kein Thema. Danach werden wir uns damit noch einmal beschäftigen", kündigte Hecking an. Die Gäste aus Bielefeld kämpfen wie in jedem Jahr ums sportliche Überleben – in Hannover wollen sie punkten.

Werder Bremen - VfL Wolfsburg

Bremer Wundertüte gegen Wolfsburger Konzern-Fußball: An der Weser hoffen sie auf einen halbwegs versöhnlichen Ausklang einer verkorksten Hinrunde, in der Bremen durch extrem schwankende Leistungen auf sich aufmerksam machte. Das launische Team strapazierte die Nerven der Club-Bosse und seiner Fans. Beispielhaft dafür stehen die vergangenen sieben Tage. Am letzten Wochenende verlor Werder gegen Abstiegskandidat Kandidat Karlsruhe durch eine pomadige Leistung, in der Champions League schlug das Team von Trainer Schaaf drei Tage später Inter Mailand mit 2:1 - und das ohne Spielmacher Diego, was die Rettung in den Uefa-Cup bedeutete. Elf Punkte beträgt der Abstand auf Hoffenheim und die Bayern, acht Punkte auf den dritten Rang, der die erneute Qualifikation für die Champions League ermöglichen würde. Allerdings fehlen den Bremern ihre beiden besten Spieler: Diego und Pizarro sind rotgesperrt.

Der Gegner aus Wolfsburg ist dagegen mit sich im Reinen: Im Uefa-Cup holten die Wölfe in drei Spielen drei Siege, und nächste Woche betritt das Team von Felix Magath die große Fußball-Bühne, wenn die Partie gegen den AC Mailand in San Siro ansteht - ein Weihnachtspräsent für die Niedersachsen, denn beide Teams sind für die Zwischenrunde qualifiziert. Aber die Wölfe sind hungrig und wollen mehr. Dafür müssten sie in der Bundesliga ihre Auswärtsschwäche ablegen. Wolfsburg hat nur drei Zähler mehr als Bremen, liegt auf dem sechsten Rang. Eine Niederlage wäre ein kleiner Dämpfer. Ohne Grafite treten die Wolfsburger in Bremen an - bisher konnten sie den Ausfalls des brasilianischen Sturmtanks erfolgreich kompensieren.

Hamburger SV - Eintracht Frankfurt

In Hamburg gibt es ein interessantes Phänomen zu beobachten: Nebenkriegschauplätze wie die Diskussion um die Vertragsverlängerung vom kroatischen Laufwunder Ivica Olic, der Konflikt zwischen Präsident Hoffmann und der mächtigen Fan-Vereinigung "Supporters" um die Macht im Club und der Ärger mit Neuzugang Thiago Neves - das alles hatte bisher keine Auswirkungen auf die Leistung der Mannschaft. Der HSV rangiert auf dem fünften Platz, nur vier Punkte hinter Tabellenführer Hoffenheim. Der neue Trainer Martin Jol hat es geschafft, den Absturz von der Tabellenspitze abzumildern und den HSV im Rennen zu halten, im Uefa-Cup wurde nach schwankenden Leistungen die Zwischenrunde erreicht. Heimstark sind die Hanseaten sowieso, also gute Aussichten gegen Frankfurt, um weiter ein Wörtchen ganz oben mitzureden.

Denn die Eintracht ist auswärts ein sicherer Punktelieferant mit zum Teil desolaten Vorstellungen. Nur im eigenen Stadion hat Trainer Friedhelm Funkel es geschafft, die Leistungen der launischen Diva, die vom Verletzungspech geplagt wird, zu stabilisieren - und seinen Kopf rettete. Für Frankfurt geht es nur darum, den Abstand zu den Abstiegsplätzen möglichst groß zu halten. Gegen den HSV dürfte das schwierig werden.

VfL Bochum - 1. FC Köln

Bochum muss kämpfen: Das Team von Trainer Marcel Koller steht unter großem Druck. Auf einem Abstiegsplatz (derzeit Rang 17) zu überwintern belastet die Psyche und versaut das Weihnachtsfest. Außerdem gibt es Ärger: Koller suspendierte unter der Woche Vahid Hashemian. Der iranische Nationalspieler hatte in der "Bild" über mangelnde Einsätze geklagt. Im knallharten Abstiegskampf, und das sind die Bochumer ja gewohnt, will man sich keine unnötigen Brandherde leisten.

Köln steht zwar mit 19 Punkten auf dem zwölften Rang deutlich besser da, hat aber die letzten vier Spiele verloren. Da ist die Gefahr einer ernsthaften Krise gegeben. Trotzdem: Für einen Aufsteiger ist das eine anständige Bilanz. Christoph Daum hat seiner Truppe drei Wochen Winterurlaub versprochen. An den langen Winterabenden können sie in Köln dann von Podolskis Heimkehr träumen. Das wollen sie sich nicht vom VfL vermiesen lassen. Es gilt: Wer siegt, schlägt einen direkten Konkurrenten - und das sind die wichtigen Punkte. Podolski hin oder her.

Leverkusen - Cottbus

Wer hätte das gedacht? Der aktuelle Tabellen-Dritte Bayer Leverkusen tat sich gegen Cottbus, derzeit auf einem Abstiegplatz, zuhause immer schon schwer. Je zwei Siege und Niederlagen gab es in der Historie der Werkself vor den heimischen Fans zu "bestaunen". Aber dieses Mal sind die Vorzeichen ganz anders: Bruno Labbadias Star-Ensemble um Henrique, Helmes und Vidal spielt in dieser Hinrunde eine fantastischen Fußball - mit kleineren Ausrutschern wie beim 0:2 vor wenigen Wochen gegen die Bayern. Und davon mal abgesehen: Für Bayer geht es doch tatsächlich noch um den Herbstmeistertitel. Für den Fall, dass Bayern und Hoffenheim am letzten Spieltag Punkte liegen lassen, muss Leverkusen seine Hausaufgaben erledigen. Drei Punkte müssen her, gut für Leverkusen: Der zweite Torjäger Stefan Kießling befindet sich in Topform. In Cottbus brennt der Baum - in jeder Hinsicht.

Beim letzten Heimspiel gegen Stuttgart (0:3) präsentierten sich die Lausitzer in erschreckender Verfassung. Dazu der Streit um die beiden bulgarischen Nationalspieler Angelow und Rangelow. Beide haben über bulgarische Medien heftig die Vereinsführung des FC Energie Cottbus kritisiert. Die nach den Geldstrafen für ihr Fehlen bei der Energie-Weihnachtsfeier offenbar tief in ihrer Ehre verletzten Bulgaren wollen den Verein nun unbedingt verlassen. "Ich habe Professionalismus erwartet und bin sehr schockiert und enttäuscht. Mein Wunsch ist, sofort gehen zu können", sagte Angelow dem Fernsehsender "TV2". Rangelov sagte der Zeitung "Tema Sport": "Der FCE hat mich beleidigt. Ich möchte Energie im Winter unbedingt verlassen."

Hertha gegen Karlsruhe

Die Hertha kann mit einem Sieg im Heimspiel gegen Karlsruhe eine richtig gute Hinrunde krönen. Aber Berlin schwächelt, 0:1 in Gelsenkirchen, 0:1 gegen Galatasaray - doch der KSC kommt als gerngesehener Gast. Letztmals gewannen die Badener ein Erstliga-Spiel in Berlin am 30. November 1963 (3:2). Und auch das hier stört die Vorbereitung: Mehrere Berliner Medien spekulieren darauf, dass Torjäger Marko Pantelic vor seinem letzten Heimspiel bei der Hertha steht. Der Vertrag des 30-Jährigen läuft am Saisonende aus und wird wohl nicht verlängert. Bei einem Pantelic-Wechsel in der Winterpause würde der Hauptstadt-Club noch eine Ablöse erzielen. Die Schmerzgrenze des Bundesliga-Vierten soll bei 2,5 Millionen Euro liegen. Abgeblich gibt es Interessenten aus England, die den Serben verpflichten wollen.

Der Karlsruher SC muss - gestärkt durch den Überraschungscoup gegen Werder vom letzten Wochenenede - am Samstag in Berlin ohne vier Stammkräfte antreten. Das ist richtig hart. Trainer Edmund Becker fehlt beinahe die gesamte etatmäßige Abwehrreihe: Stefano Celozzi (Pferdekuss), Tim Sebastian (Muskelfaserriss) und Kapitän Maik Franz (Fersenverletzung) fallen aus. Für Celozzi wird Andreas Görlitz auf der rechten Abwehrseite spielen. Wie zuletzt gegen Werder Bremen bilden Martin Stoll und Stefan Buck die Innenverteidigung. Wegen einer Magen-Darm-Grippe muss Michael Mutzel pausieren. "Es würde uns dennoch gut zu Gesicht stehen, wenn wir unserem Konto noch einen oder drei Punkte hinzufügen könnten", sagte Becker am Freitag.

Hoffenheim - Schalke

Knaller zum Abschluss der Hinrunde: Der Überraschungstabellenführer aus dem Kraichgau empfängt die wiedererstarkten Schalker. Schafft Hoffenheim das Wunder, das in Wirklichkeit keines mehr ist, von der Herbstmeisterschaft? Trainer Rangnick will ja nichts wissen von irgendwelchen inoffiziellen Titeln, aber der "Professor" weiß auch: Rein psychologisch betrachtet wäre das Überwintern auf dem ersten Platz, gerade nach der bitteren Niederlage gegen die Bayern am letzten Wochenende, von großer Bedeutung. Besondere Brisanz steckt in dem Duell wegen der Personalie Ralf Rangnick. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach seiner denkwürdigen Ehrenrunde im Stadion von Gelsenkirchen, die zu seinem Rauswurf führte, kommt es jetzt für den Trainer zum Wiedersehen mit seinem Ex-Club. Dort hofft man nach einer alles in allem verkorksten Hinrunde und einem Platz im Mittelfeld auf ein positives Ergebnis in Hoffenheim, auch um Ruhe in den Verein zu bekommen. Zuletzt geriet Manager Müller wegen verfehlter Einkaufspolitik arg in Bedrängnis. Der 1:0-Erfolg über die Hertha am letzten Spieltag hat die Gemüter zunächst beruhigt. Aber wehe, der Hinrundenkehraus geht daneben. Bordon ist übrigens angeschlagen, Krstajic könnte ihn ersetzen. Fraglich ist, ob Kuranyi von Beginn an stürmt. Ihm gelangen erst sechs Saisontore.

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