Strafen für Verkehrssünden gibt es überall, aber jedes Land schwört auf ein anderes System. Hier ist Europa noch nicht zusammengewachsen, die Auslands-Punkte verfolgen einen nicht nach Haus. Straffrei bleibt man trotzdem nicht. Von Beate M. Glaser

Wer korrekt fährt, vermeidet Punkte im In- und Ausland© Ulrich Perrey/DPA
Ludwig heißt das Maskottchen der Punktedatei im Verkehrszentralregister des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg. Ludwig ist ein niedlicher Marienkäfer mit drei schwarzen Punkten auf seinem knallroten Rücken. Für ihn sind die Pünktchen ein überlebenswichtiges Signal an andere Tiere, damit er nicht gefressen wird. Für die Inhaber eines Flensburger Punktekontos sind die Punkte ebenfalls ein Signal - je mehr Punkte, um so größer ist die Gefahr, den Führerschein zu verlieren.
"Das Punktsystem", so das KBA, "gewährleistet mit einem einheitlichen Maßnahmenkatalog die Gleichbehandlung aller im Straßenverkehr auffällig gewordenen Personen." Es ist Teil eines Trios aus relativ geringen Bußgeldern, Fahrverboten und Punkten. Dieses System verfolge einen pädagogischen Ansatz, sei sozial gerechter und ausgewogener als in anderen Ländern - "und deshalb zu befürworten", so ADAC-Pressesprecher Maximilian Maurer gegenüber stern.de.
Punkte gibt es für Bußgelder ab 40 Euro und für Straftaten. Wie viele auf das Punktekonto kommen, ist abhängig von der Höhe der Strafe bzw. der Schwere des Vergehens. Es gibt sie nicht nur für Auto- und Motorradfahrer. Auch Fahrradfahrer können Punkte einheimsen und die Fahrerlaubnis für den Blechesel verlieren. Wahrscheinlich als erstes Land in Europa führte die Bundesrepublik ein national einheitliches Punktesystem ein. Zuerst ging es mit dem Verkehrszentralregister in Flensburg am 2. Januar 1958 los, dann folgte das Punktesystem 1974. Bis dahin handhabten die Bundesländer die Punktevergabe unterschiedlich, so Stephan Immen, Pressesprecher des KBA, gegenüber stern.de .