Piusbrüder machen gegen Komikerin Kebekus mobil

12. Juni 2013, 12:10 Uhr

Sie provozieren mit homophoben Äußerungen, manche leugnen den Holocaust. Nun wittern die Piusbrüder neues Empörungspotenzial und laufen Sturm gegen das kirchenkritische Video einer TV-Komödiantin.

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Im Satire-Video "Dunk den Herrn" schleckt Carolin Kebekus unter anderem ein Kruzifix ab und macht sich über die katholische Kirche lustig. Jetzt hat die Piusbruderschaft das Video auf dem Kieker.©

Das Video "Dunk den Herrn" der TV-Komikerin Carolin Kebekus sorgt weiter für Aufregung. Inzwischen haben sich die Piusbrüder des Sache angenommen und rufen alle Katholiken dazu auf, Kebekus und ihre Produktionsfirma anzuzeigen. Das Thema war bereits vor einer Woche eskaliert. Nachdem der umstrittene Clip in der Pilot-Folge einer WDR-Show fehlte, wurden Zensurvorwürfe gegen den öffentlich-rechtlichen Sender laut. Kebekus selbst rief sogar dazu auf, sich die Sendung auf EinsFestival nicht anzuschauen.

Der Verbreitung des Clips tat das keinen Abbruch. Auf YouTube ist "Dunk den Herrn" ein voller Erfolg. Doch jetzt meldet sich die Piusbruderschaft zu Wort und nennt Kebekus eine "peinliche Künstlerin", die sich aus der primitivsten Schublade" bedient hätte.

In der Tat dürfte der Film für gläubige Katholiken schwer aushaltbar sein. Kebekus schlüpft darin in verschiedene Rollen, lästert über Riten und Rituale der Katholiken, schleckt ein Kreuz ab und rappt über "After-Show-Partys in der Sakristei".

Verstoß gegen Paragraf 116 StGb

Die Piusbrüder argumentieren damit, dass die Produktionsfirma Bildundtonfabrik gegen Paragraf 116 des Strafgesetzbuches verstoßen habe, wonach die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsvereinigungen gegen geltendes Recht verstößt.

Praktischerweise stellen die extrem konservativen Katholiken, deren einzelne Mitglieder wie etwa Bischof Richard Williamson den Holocaust leugnen und mit antisemitischen und homophoben Überzeugungen provozieren, für klagewillige Katholiken auf ihrer Internetseite gleich eine vorformulierte Strafanzeige zur Verfügung.

Liedtitel konsequent falsch geschrieben

"Weder jüdische Mitbürger noch muslimische Religionsgemeinschaften werden in Deutschland in solcher Weise öffentlich verhöhnt", heißt es in dem Text. Und weiter: "Sind Katholiken mittlerweile etwa Menschen zweiter Klasse, deren Glaubensüberzeugung mit Füßen getreten werden darf?"

Bedrohlich heißt es: "Ich erwarte von der Staatsanwaltschaft Köln ein Beweissicherungsverfahren einzuleiten." Ferner wird dazu aufgefordert, umgehend Ermittlungen aufzunehmen.

Kleiner Schönheitsfehler: In der Anzeige wird der Titel des Liedes konsequent falsch geschrieben. Allein dieser Formfehler dürfte vermutlich schon dazu führen, dass etwaige Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft kaum intensiver verfolgt werden.

kng
 
 
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Holocaust Katholiken Piusbruderschaft Piusbrüder Sturm YouTube
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