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5. Mai 2010, 14:20 Uhr

Krawalle fordern erste Todesopfer

Bei schweren Ausschreitungen in Athen sind am Mittag drei Menschen ums Leben gekommen. Mittlerweile hat sich die Lage in der griechischen Hauptstadt entspannt.

Griechenland, Hilfe, deutsche Banken, Schäuble, Kredite, Anleihen, Krise, Euro, EU, Schulden

Polizisten sichern den völlig ausgebrannten Tatort: die Marfin-Egnatia-Bank am Omonoia-Platz© Milos Bicanski/Getty

Die Demonstrationen in Griechenland gegen den Sparkurs der Regierung sind eskaliert. Bei gewaltsamen Protesten am Mittwoch in Athen sind drei Menschen ums Leben gekommen. Das gaben Polizei- und Feuerwehrsprecher bekannt. Demnach starben sie in der Filiale der Marfin-Egnatia-Bank am Omonoia-Platz, die von vermummten Randalierern mit Molotowcocktails in Brand gesetzt worden war. Bei den Toten handelt es sich nach ersten Angaben um zwei Frauen und einen Mann. Sie hatten in dem vierstöckigen Bankgebäude versucht, sich vor dem Flammeninferno auf einen Balkon zu retten, berichtete die "dpa". Dabei brachen sie im raucherfüllten Treppenhaus zwischen der dritten und vierten Etage ohnmächtig zusammen und wurden vom Feuer erfasst. Die Feuerwehr konnte den Angaben zufolge den Brandort nicht rechtzeitig erreichen, weil Autonome sie mit Steinen "bombardierten".

Die Nachricht vom Tod dreier Unschuldiger verbreitete sich in Windeseile. Die Großdemonstration gegen das massive Sparprogramm der Regierung, an der sich in Athen mehr als 100.000 Menschen beteiligt hatten, löste sich auf. Am Nachmittag beruhigte sich nach Behördenangaben auch die angespannte Lage zwischen den jugendlichen Demonstranten und der Polizei. Es seien aber weiterhin protestierende Gruppen in der Innenstadt unterwegs, die sich in Richtung Parlamentsgebäude voranbewegten.

Zuvor kam es bei einer der - nach Meinung politischer Beobachter - größten Demonstrationen der vergangenen 20 Jahre zu schweren Ausschreitungen. Hunderte Autonome und aufgebrachte Demonstranten versuchten, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Dutzendweise flogen Brandflaschen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Menschen flohen panikartig aus dem Zentrum. Mindestens zwei Bankfilialen brannten lichterloh. Die Feuerwehr habe mindestens vier Menschen in Sicherheit gebracht, berichtete ein Augenzuge. Explosionen von Tränengasgranaten waren zu hören.

Zorn richtet sich auch gegen die EU

Auch in Saloniki, wo etwa 20.000 Menschen auf die Straße gingen, kam es zu Zusammenstößen. Jugendliche warfen die Schaufenster von Geschäften und Fastfood-Restaurants ein. Die Gewerkschaften hatten zuvor ihre Proteste ausgeweitet. Neben den Staatsbediensteten, die bereits am Dienstag in einen Streik getreten waren, legten auch Angestellte in der Privatwirtschaft ihre Arbeit nieder. Ein 24-stündiger Generalstreik legt den öffentlichen Verkehr lahm. Alle Flüge wurden gestrichen, Züge und Fähren stellten ihren Betrieb ein. Auch Schulen, Krankenhäuser, Finanzämter und selbst die Akropolis blieben geschlossen. Journalisten schlossen sich dem Ausstand an, Sendungen in Rundfunk und Fernsehen wurden eingestellt.

Die Proteste richteten sich auch gegen Druck aus dem Ausland. "Sie sind wie Raubvögel", sagte ein 76-jähriger Demonstrant, der mit einer Rente von 345 Euro auskommen muss. "Die Deutschen nehmen Kredite für drei Prozent auf und nehmen von uns fünf Prozent. Warum?" Der Zorn der Rentner richtet sich insbesondere gegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Kürzungen der Pensionen im öffentlichen Dienst. Daneben protestieren die Gewerkschaften gegen staatliche Sparmaßnahmen, die nach ihrer Ansicht vor allem die kleinen Leute treffen. "Der IWF und die EU stehlen uns ein Jahrhundert sozialer Errungenschaften" war auf der Spruchbänder zu lesen, das die Demonstranten auf ihrem Marsch zum Parlamentsgebäude mit sich führten. Auf einer weiteren Banderole hieß es: "Lasst die Reichen für die Krise bezahlen". Der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbands GSEE, Yiannis Panagopoulos, sagte: "Das Land kann nicht ohne Kampf kapitulieren."

Merkel stärkt Ministerpräsidenten den Rücken

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt weiter auf eine erfolgreiche Umsetzung des Athener Sparprogramms. Nur so lasse sich das Vertrauen der Kapitalmärkte wiedergewinnen. Sie traue dem griechischen Ministerpräsidenten zu, "dieses Programm mit Unterstützung der europäischen Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) umzusetzen".

Die Staaten der Euro-Zone und der IWF haben ihre gemeinsamen Beistandskredite über 110 Milliarden Euro mit der Bedingung weiterer Sparmaßnahmen in Griechenland verknüpft. Die Gewerkschaften räumen zwar ein, dass Ausgabenkürzungen nötig seien. Sie fordern aber, dass die Maßnahmen sozial ausgewogen sein müssten. "Es gibt andere Dinge, die die Regierung tun kann, bevor sie von einem Rentner Geld nimmt, der 500 Euro im Monat bekommt", sagte Spyros Papaspyros, Vorsitzender der Gewerkschaft ADEDY, die Beschäftigte im öffentlichen Dienst vertritt.

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn äußerte am Mittwoch Verständnis für die Proteste in Griechenland. Aber ohne die angekündigten Sparmaßnahmen würde die Lage noch schwieriger werden, sagte Strauss-Kahn der französischen Zeitung "Le Parisien". Besorgt äußerte er sich, dass die Krise auf andere Länder übergreifen könnte.

P.S.: Die Proteste in Griechenland eskalieren. Ist die Wut der Bevölkerung auf den Staat, der ein rigides Sparprogramm verhängt hat, berechtigt? Diskutieren Sie mit auf der Facebook-Seite von stern.de.

DPA/APN/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
tannebaum (05.05.2010, 15:29 Uhr)
@prologo
die schuldigen sind die leute selbst...

politiker versprechen immer neue tolle sachen, damit diese auch gewählt werden. aber wenn einer so doof ist und das alles glaubt, zumal all diese dinge nur mit neuen krediten, also neuverschuldung, gekauft werden, dann ist dem nicht zu helfen...

eines mal klarstellen:

was die bürger dieses landes an sozialbeiträgen zahlt ist so viel wie nirgends auf der welt. aber es reicht nicht, um allen "bedürftigen" das zu geben, was politiker denen (bei nichtarbeit) versprachen.

de teil derer also, die jetzt schon die nichtarbeit finanzieren, zahlt schon mehr als jeder andere auf der welt. aber es reicht nicht.

frage: hat daran eine bank schuld??? wohl kaum. die finanziert den mist nur weiter, weil die regierungen neue versprechen machen. aber ist ja auch logisch, wenn die bank daran glaubt, dass deren kredite mal zurückgezahlt werden, oder??? und die zahlen dann auch noch die arbeitenden und nicht die anderen...

der sozialstaat, so wie nach dem krieg geplant, ist längst aus dem ruder gelaufen. nirgends zahlt ein arbeitender so viel auf dieser welt und nirgends bekommt ein nichtarbeitender so viel für nichtstun auf dieser welt.

und sie sagen, merkel und die banken haben schuld... sehen sie, daher glaube ich, sie würden wie die in griechenland auch auf hier auf die strasse gehen. weil sie immer noch daran glauben, dass man nicht selbst für sein schicksal verantwortlich ist, sondern ein staat der alles zahlt.

aber das zeigt auch, dass die geistesgröße zu klein ist, als dass sie einfachste dinge der finanzierungvertahen können...
Lazarus09 (05.05.2010, 15:27 Uhr)
schneewolf (05.05.2010, 15:20 Uhr)
Weil Deutsche Banken genug Toxische Griechische Papiere im Safe haben ...DARUM
Sehen sie nach Google ist ihr Freund!
einsatzreicht (05.05.2010, 15:26 Uhr)
Zum Ko......
Merkel: "Nur so lasse sich das Vertrauen der Kapitalmärkte wiedergewinnen"
Vielleicht fangen sie endlich mal an daran zu arbeiten, das Vertrauen der "Menschen" zurückzugewinnen.
Lazarus09 (05.05.2010, 15:25 Uhr)
had1 (05.05.2010, 15:19 Uhr) Liebend gern haetten die die Hoheit ueber ihre Waehrung zurueck
Dann aber wuerden die die banken auf ihren Griechischen Schrottpapieren sitzen bleiben ...die Gewinne aus diesen deals sind schon laengst verteilt an die Anteilseigner und nun sind die Papiere Toxisch wie alle anderen auch ...darum wird Geretten ..sie retten nicht einen Griechen . Sie retten wie immer Banken und Anleger ...wachen sie auf !
schneewolf (05.05.2010, 15:20 Uhr)
Mal an den Anfang denken
Die Diskussion hier geht langsam inhaltlich aus dem Leim - genau so wie in Griechenland auch. Denken wir doch mal zurück: Die vorige griechische Regierung hat Statistiken über die eigene Wirtschaftskraft, sagen wir mal, frei interpretiert. Dabei hätte Griechenland angesichts von Verschuldung, überbordenden Sozialleistungen und nicht mehr vorhandenem Wirtschaftsprodukt gar nicht in die Euro-Zone aufgenommen werden dürfen. Sicherlich haben viele Banken dies anschließend auch noch in miesester Weise ausgenutzt. Aber ehrlich: Warum sollen die deutschen Steuerzahler dieses Chaos ausbügeln? Das ist die Frage, die mich interessiert - und nicht ideologische Petitessen, mit denen einige jetzt ihr politisches Mütchen kühlen wollen.
had1 (05.05.2010, 15:19 Uhr)
Man muss das alles nicht mehr verstehen...
Da leben unsere lieben EU-Mitbürger jahrelang über ihre Verhältnisse, bescheißen was die Stabilitätskriterien für den EURO angeht wo immer sie nur können und gefährden damit auch die Stabilität unserer Währung.

Jetzt wo Hilfe ansteht, die berechtigterweise mit Auflagen verknüpft ist, demonstrieren die Herrschaften dagegen, dass längst überfällige Einschnitte in diese korrupte System vorgenommen werden.

Ich will wahrlich keine Lanze für Banken und Politiker brechen, aber diese Probleme haben die Griechen selbst verursacht und sonst niemand.

Man sollte diesen maroden Staat über die Klinge springen lassen anstatt weiter gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen. Sollen die doch sehen wie sie klar kommen. Das wird uns sicher auch Geld kosten aber wahrscheinlich immer noch weniger als wir jetzt bezahlen müssen.

HS
Lazarus09 (05.05.2010, 15:19 Uhr)
@mirab Je groesser die Distanz zwischen
"oben", "unten", "arm", "reich" oder "den Regierenden" ist desto schwieriger wird es ...Daran ,an der vergroesserung der Kluft wurde seit Schroeder massiv und mit grossem Erfolg gearbeitet.

Nun Ernten wir und andere EU Buerger die Fruechte unserer Faulheit und Gutglaebigkeit .... Merke.. der Starke braucht keinen Staat ,der sinn der Gemeinschaft ist es die Schwachen zu beschuetzen vor den Starken ..das wurde seit Schroeder straeflich vernachlaessigt
RDUKE7777777 (05.05.2010, 15:17 Uhr)
@styx
Beziehen sie mal nicht alles direkt auf sich.

Die Griechen demonstrieren, weil ihnen Löhne, Sozialleistungen und Geld zum Leben gekürzt wird, obwohl sie nichts für die Misere können - und das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Dass die Proteste sich gegen Deutschland und vorallem gegen das Geld aus Deutschland richten ist ausgemachter Humbug, und das dürfte bei näherer Betrachtung jedem klar werden.

Ich wünschte die Menschen hier hätten sich von Anfang an gegen die soziale Ungerechtigkeit und die üblen Auswüchse des Kapitalismus gestellt, dann wäre alles nicht so weit gekommen wie es heute ist.

Ich hoffe die Griechen verlieren nicht die Energie den Kampf gegen die Ungerechtigkeit weiter zu führen.

Nicht der Arbeiter sollte Bluten, sondern die, die das Alles zu verantworten haben.
Prologo (05.05.2010, 15:14 Uhr)
Die Griechenlandlüge von Merkel verbrennt schon 5 Stunden,....

....nach der heutigen Diskussion im deutschen Parlament, denn in Griechenland werden schon die Banken angezündet.

Vordergründig war die Rettung der deutschen Bankengelder in Griechenland, aber Merkel hat ja verzweifelt versucht, dies als Rettung des EURO und der EU zu verkaufen.

Zugleich wurde als Sicherheit das Sparprogramm von Griechenland akzeptiert. Soviel Dilletantismus hätte ich nicht mal Merkel, geschweige Schäuble zugetraut.

Die stolzen Griechen lassen sich doch nicht von Mutti Merkel und Onkel Schäuble hohe Gehaltsverluste aufzwingen, so sieht es doch für die Griechen jetzt aus!!

Wie gesagt, das Sparprogramm verbrennt schon, und unser Geld auch. Die ersten Toten sind das Ergebnis dieser Kapitalabzockerei, der bisher niemals Einhalt geboten wurde!

Und jetzt beendet das griechische Volk diese Korruption und Ausbeutung auf eigene Art und Weise.

Das kann ein EU Flächenbrand werden, und die Schuldigen kennen wir alle, oder??

MfG,
T.

Dr.IvoKuchenbecker (05.05.2010, 15:13 Uhr)
Gerüchte in Asien: Merkel tritt zurück
Der EURO ist schon stark unter Druck und im freien Fall (< 1,30, 3 - Jahrestief).

An Asiens Börsen geht das Gerücht um, dass Merkel an ihrer Rücktrittserklärung feilt und um 18.01 Uhr am kommenden Sonntag nach der NRW-Wahl zurück tritt.

In Athen wird eine Junta die Regierung übernehmen, das Kriegsrecht ausrufen und in Deutschland US-GI´s, die bisher Bin Laden jagten, nun deutsche Demonstranten in Schach halten werden.

Der CIA wird vorübergehend den Dollar in Europa als Zahlungsmittel einführen.

Frau Merkel wird auf GWB´s Ranch um Asyl nachsuchen.

In Deutschland wird eine Allparteinregierung gebildet., die mit Notstandsgesetzen regieren wird.

Die Börsen sind ein empfindliches Barometer, die schon immer weiter waren als die verlautbarte Presse.
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