VG-Wort Pixel

Regierungspläne zur Staatsbürgerschaft Andere Länder, andere Pässe: So halten es andere Staaten mit der Einbürgerung

Pass Einbürgerung
Begehrt, aber (noch) kompliziert zu bekommen: der deutsche Pass.
© Fabian Sommer / DPA
Wer Deutscher werden will, dem wird es nicht immer einfach gemacht. Die Regierung will deshalb die Einbürgerung vereinfachen. Wie modern sind die Pläne? Zum Vergleiche ein Blick ins Ausland. 

Dass Menschen die Staatsbürgerschaft des Landes bekommen, in dem sie geboren sind, klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Dieses sogenannte Geburtsortsprinzip gilt in fast allen amerikanischen Staaten, in Europa dagegen nur in vier Ländern und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen: In Deutschland etwa müssen die Eltern eines Neugeborenen acht Jahre hier gelebt haben, damit der Nachwuchs den Adler-Pass bekommt. Geht es nach Teilen der Ampel-Koalition soll der Mindestaufenthalt künftig auf fünf Jahre sinken.

Einfacher Deutscher werden

Die Regierung plant die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts. Menschen, die hier leben, sollen einfacher Deutsche werden können, auch für die dringend benötigten Zuwanderer könnten Restriktionen fallen, darunter die sehr lange abgelehnte Mehrstaatlichkeit. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, sagte, es gehe darum, "den letzten Staub der Kaiserzeit aus dem Einbürgerungsrecht" zu klopfen.

Wie modern aber wären die neuen Regelungen etwa im Vergleich mit Staaten, die sich sehr viel deutlicher als Einwanderungsland verstehen?

Das Ius Soli, das Geburtsortprinzip, ist global gesehen, wie gesagt, eher die Ausnahme. Uneingeschränkt gilt es außer den Staaten des amerikanischen Kontinents nur noch in Pakistan, Sudan und Tansania. Mit Einschränkungen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Irland sowie Australien und Neuseeland.

Fünf Jahre Wartezeit ist üblich

In allen Staaten ist es üblich, vor dem Erwerb der Staatsangehörigkeit eine Zeit lang dort gelebt zu haben. Bislang beträgt die Frist hierzulande acht Jahre, was zumindest im Vergleich zu anderen modernen Nationen eher lang ist. Die jetzt von Innenministerin Nancy Faeser geplante Verkürzung auf fünf Jahre wäre im gleichen Rahmen wie in den USA, die Niederlande und Frankreich. Im Musterland der Immigration, Kanada, beträgt die Frist sogar nur drei Jahre, im ebenfalls beliebten Australien sind es vier.

Sehr lange hat sich Deutschland mit Mehrstaatlichkeit schwergetan. Nicht wenige Zuwanderer aber stellt die Entweder-oder-Entscheidung vor enorme Schwierigkeiten. Türken zum Beispiel haben keine Chance darauf, ihr Erbe antreten zu können, da sie dazu einen türkischen Pass benötigen. Iraner oder Syrer wiederum durften ihre Staatsbürgerschaft erst gar nicht aufgeben. Mittlerweile ist es EU-Bürgern erlaubt, zwei Pässe zu besitzen, auch Amerikaner dürfen sowohl Deutsche als auch US-Bürger sein. Künftig soll es die doppelte Staatsangehörigkeit ohne Probleme möglich sein – was weltweit eher die Ausnahme als die Regel ist.

Einbürgerungsquote eher mau

Rund zwölf Millionen Ausländer leben derzeit in Deutschland, das sind rund 15 Prozent der Bevölkerung. Aber die Einbürgerungsquote beträgt gerade einmal 1,1 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das ein eher mauer Anteil. An der Spitze dieser Liste steht Schweden, wo 8,4 Prozent der dortigen Ausländer den schwedischen Pass bekommen. Im EU-Schnitt sind es zwei Prozent. Die geringe Quote hat vielleicht, aber nicht zwingend etwas mit langen Wartezeiten oder sperrigen Behörden zu tun. Die "Süddeutsche Zeitung" verweist etwa darauf, dass Zugezogene in Italien zehn Jahre auf die Einbürgerung warten müssen, aber dennoch mehr von ihnen Italiener werden wollen. 2,6 Prozent um genau zu sein.

Auch wer Spanier werden will, muss zunächst zehn Jahren lang Warten. Es sei denn, die- oder derjenige ist Flüchtling, dann geht es schneller: für sie gilt eine Frist von fünf Jahren. Besonders einfach haben es Menschen aus Ländern, in denen spanisch oder portugiesisch gesprochen wird (also vor allem aus Lateinamerika) – sie können den Pass bereits nach zwei Jahren beantragen.

Quellen: DPA, AFP, Spanische Regierung, "Süddeutsche Zeitung", Gouverment of Canada, Destatis

nik

Mehr zum Thema

Newsticker