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Irak-Konflikt: Tonbandbotschaft der Allianz des Terrors

Die NATO setzt heute ihre Suche nach einem Ausweg aus ihrer schweren Krise im Irak-Konflikt fort. Unterdessen hat eine angebliche Tonband-Botschaft von Osama bin Laden, der darin die Moslems in aller Welt zum Kampf für das irakische Volk aufruft, für Aufsehen gesorgt.

Die NATO setzt heute ihre Suche nach einem Ausweg aus ihrer schweren Krise im Irak-Konflikt fort. Die 19 NATO-Botschafter konnten sich nicht über das Hilfegesuch der Türkei für den Fall eines irakischen Angriffs einigen. Unterdessen hat eine angebliche Botschaft, in der Terroristenführer Osama bin Laden die Moslems in aller Welt zum Kampf für das irakische Volk aufrief, für Aufsehen gesorgt. Auf einem deutsch-spanischen Gipfel konnten Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Kollege José María Aznar ihre Meinungsverschiedenheiten zum Vorgehen in der Irak-Krise nicht überwinden.

"Allianz des Terrors"

In dem am Dienstagabend vom arabischen Fernsehsender El Dschasira ausgestrahlten Tonband warf angeblich Bin Laden den USA vor, sie wollten den Irak besetzen. Das eigentliche Ziel eines Angriffs auf Bagdad sei es, "den Traum der Zionisten von einem Groß-Israel zu verwirklichen". Die Botschaft zeigt nach Auffassung des Weißen Hauses möglicherweise, dass der Terroristenchef gemeinsame Sache mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein mache. Falls sich die Echtheit des Bandes bestätige, weise dies auf eine "Allianz des Terrors" hin, sagte ein Regierungsbeamter in Washington.

Schutz in Tunnel und Höhlen

Gleichzeitig wurden die Mitglieder der irakischen Regierung auf dem Tonband als "Ungläubige" beschimpft. "Die Sozialisten sind Ungläubige, egal ob sie in Bagdad sitzen oder in Aden", sagte eine Stimme, die Bin Ladens gewesen sein soll. Trotzdem rief er die Moslems zum Widerstand gegen die Amerikaner auf. "Die Interessen der Moslems sind wichtiger als die Interessen der Sozialisten", sagte er. Die Stimme appellierte an die Iraker, Tunnel und Höhlen zu graben, um sich vor amerikanischen Luftangriffen zu schützen. So hätten auch er und seine Getreuen die Angriffe der Amerikaner in der afghanischen Bergfestung Tora Bora überstanden.

Die Iraker sollten sich auch von der psychologischen Kriegsführung Washingtons und deren Drohung mit dem Einsatz "intelligenter Bomben" nicht einschüchtern lassen. Ziel dieses "ungerechten Krieges" der "Kreuzfahrer" aus Washington sei "die Besetzung des Irak und die Verwirklichung des Traums der Zionisten von einem Groß-Israel"

Enthüllung durch Collin Powell

Die Existenz des angeblichen Bin-Laden-Bandes war von US-Außenminister Colin Powell enthüllt worden. Er sagte in Washington, in der Bin Laden zugeschriebenen Botschaft werde eine "Partnerschaft" mit dem Irak erklärt und Sympathien für den der Iraker geäußert. Powell sagte vor einem Senatsausschuss, die Verbindung zwischen Terroristen und Staaten mit Massenvernichtungswaffen könne nicht länger ignoriert werden.

Noch Zweifel an der Echtheit

Arabische Experten, die von El Dschasira nach der Ausstrahlung des Bandes befragt wurden, sagten dagegen, die angebliche Botschaft des El-Kaida-Anführers beweise im Gegenteil, wie weit der Graben zwischen der Regierung der sozialistischen Baath-Partei in Bagdad und Bin Laden sei. Andere Beobachter bezweifelten die Echtheit des Bandes. Die Stimme Bin Ladens sei zu verständlich gewesen, hieß es.

Kurs der Bundesregierung

Nach dem demonstrativen Schulterschluss mit Frankreich und Russland in der Irak-Frage sieht sich die Bundesregierung in ihrem Antikriegskurs international gestärkt. Der Versuch, die Krise doch noch friedlich zu lösen, gewinne im UN-Sicherheitsrat immer stärker an Zustimmung, hieß es am Dienstag in Regierungskreisen in Berlin. Im Sicherheitsrat sei die Zahl der Mitglieder, die mit dem Kriegskurs der USA auf einer Linie liegen, derzeit klar in der Minderheit.

"Es gibt keine Vereinbarung"

Die 19 NATO-Staaten setzten am Dienstag ihre Suche nach einem Kompromiss über Hilfen für die Türkei im Falle eines Krieges gegen den Irak fort. Am Abend sagte NATO-Sprecher Yves Brodeur: "Es gibt keine Vereinbarung." Die Beratungen zwischen den Hauptstädten würden in der Nacht fortgesetzt, um zu einem Abschluss zu kommen." Frankreich, Belgien und Deutschland haben bisher eine Entscheidung über den Beginn für Hilfsvorbereitungen für die Türkei blockiert.

Kooperation weiter problematisch

UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix sagte am Dienstag bei seiner Rückkehr aus Bagdad an den UN-Hauptsitz, eine Verstärkung der Waffenkontrolleure sei "nützlich, aber nicht entscheidend". Die Kooperation der Iraker sei "in der Sache" weiterhin problematisch und mangelhaft. Es gebe aber einige Anzeichen, "die sehr willkommen sind."

Wie aus spanischen Regierungskreisen verlautete, hielten Schröder und Aznar auf ihrem Gipfeltreffen bei Arrecife auf Lanzarote an ihren Positionen fest. Schröder und Aznar drückten jedoch ihre Hoffnung aus, dass die Europäische Union bei ihren Sondergipfel am Montag trotz der Differenzen eine gemeinsam Position in der Irak-Frage finden werde. Schröder warb nach diesen Angaben bei seinem spanischen Amtskollegen für den Vorschlag von Deutschland, Frankreich und Russland, die Arbeit der UN-Waffeninspekteure im Irak zu intensivieren und eine Abrüstung auf friedlichem Wege zu erreichen. Aznar stellte sich jedoch weiter hinter die USA und betonte, dass dies keine Lösung für die Irak-Krise bedeute.

DPA