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Interview

Expertin zu Nizza: "Der Dschihad der dritten Generation ist: unsichtbar bleiben und dann zuschlagen"

Ein Mann, ein LKW, eine Menschenmenge: Der barbarische Anschlag von Nizza hat 85 Tote gefordert. Im stern-Interview spricht Terrorexpertin Petra Ramsauer über Strategien von Attentätern, die Bilderflut und die IS-Propaganda. 

Die Promenade in Nizza am Tag nach dem verheerenden Terroranschlag

"Wohl kein Zufall, dass es am Nationalfeiertag geschehen ist": Die Promenade in Nizza nach dem verheerenden Terroranschlag.

Ein Attentäter versucht mit einem LKW möglichst viele Menschen zu überfahren. Woher kommt diese perverse Idee?

Sie ist jedenfalls nicht neu. Schon 2014 hat ein IS-Sprecher den europäischen Dschihadisten in einem Video geraten: Nehmt Euch ein Auto und fahrt in eine Menschenmenge. Diese mörderische Fantasie hat der IS später mehrfach explizit und öffentlich wiederholt. Es gibt sogar einen Leitfaden für solche Wahnsinnstaten, den man im Netz runterladen kann. Allerdings lässt sich noch nicht sicher sagen, ob der Täter zum IS zählte.

Das ist ein Terrorismus, der keine Ausbildung und keine Planung braucht. Jeder könnte ihn verüben.

Ja. Es geht einerseits um die Machbarkeit eines solchen Anschlages. Andererseits darum, keine Spuren zu hinterlassen. Wenn jemand zum Beispiel Sprengstoff kauft, um eine Bomben zu bauen, legt er eine Spur. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Also gilt es, Planung und Kommunikation radikal zu reduzieren. Die Grundidee des Dschihads der dritten Generation ist: für die Sicherheitsbehörden unsichtbar bleiben - und dann zuschlagen.

Und der gewollte Nebeneffekt ist die Verängstigung der Bevölkerung? Weil: Der nächste Attentäter könnte ja mein Nachbar sein.

Die Journalistin und Terror-Expertin Petra Ramsauer

Die Politikwissenschaftlerin Petra Ramsauer, Jahrgang 1969, war Auslandskorrespondentin des österreichischen Magazin "News" und hat mehrere Bücher verfasst. Zuletzt erschien von ihr "Die Dschihad-Generation. Wie der apokalyptische Kult des Islamischen Staates Europa bedroht" (Styria Verlag, Wien).

Sollte sich der IS-Verdacht bestätigen, ist die Strategie klar - die Terroristen wollen eine Drohkulisse aufbauen. Die Menschen sollen das Gefühl haben: Der IS ist überall und kann jederzeit zuschlagen. Das soll Größe und Stärke demonstrieren, gerade jetzt, da der Islamische Staat im Irak und Syrien militärisch immer stärker unter Druck gerät. Wenn Nizza eine Schlagzeile produziert wie "Der IS ist die gefährlichste Terrorgruppe der Welt", dann ist das ganz im Sinn der Dschihadisten. Deswegen ist es für uns Journalisten sehr wichtig, nüchtern und präzise in der Beschreibung zu bleiben.

Wir wissen bislang wenig über den Attentäter von Nizza: Er war ein Kleinkrimineller, 31 Jahre alt, Tunesier. Wie schätzen Sie den Täter ein - ist das einer der vielbeschriebenen "einsamen Wölfe" des Islamismus?

Nach meinen Informationen gibt es erste Hinweise darauf, dass der Täter mit der Terrorzelle in Belgien in Verbindung stand. Andererseits scheint er sich strikt an die Vorgabe gehalten zu haben, nicht elektronisch mit seinen Freunden zu kommunizieren. Noch ist über seinen Hintergrund zu wenig bekannt, um ihn klar zuzuordnen. Es gibt nur gewisse Wahrscheinlichkeiten: Die Tunesier stellen die drittgrößte Gruppe ausländischer Kämpfer beim IS.


Ist es nicht auch vorstellbar, dass der Täter aus persönlichen Gründen Amok gelaufen ist, die nichts mit dem Islam zu tun haben?

Theoretisch ja. Seine genauen Motive sind unklar. Aber die Indizien sprechen gegen eine rein individuelle Tat. Ich gehe jedenfalls von einem Terroranschlag aus.

Warum passieren solche Anschläge immer wieder Frankreich? Was macht das Land zu einer bevorzugten Zielscheibe?

Das hat viele Gründe. Frankreichs militärisches Engagement in Syrien hat viel böses Blut erzeugt. Zugleich ist Frankreich ein Staat mit einem hohen Anteil schlecht integrierter Migranten, die sich als Menschen zweiter Klasse fühlen. Eine zentrale Ausbildungsstätte für Dschihadisten ist der Knast, wo die Lebensbedingungen fürchterlich sind. Es gibt viele Beispiele dafür, dass Migranten als Kleinkrimelle einfahren und als Islamisten rauskommen. Zudem existieren in einem ausdrücklich säkularen Staat wie Frankreich viele Reibungsflächen: Denken Sie nur an das Burka-Verbot. Die französische Revolution, die Aufklärung, ist islamistischer Ideologie genau entgegengesetzt. Es ist wohl kein Zufall, dass das Attentat von Nizza am Nationalfeiertag geschehen ist.


Innenminister Thomas de Maizière sagte, es sei auch "Glück", dass in Deutschland noch kein Attentat geschehen sei. Würden Sie zustimmen?

Es gab in Deutschland Planungen für Attentate, die letztlich verhindert werden konnten. Da war sicherlich auch ein Quäntchen Glück dabei. Was mich aber noch mehr beunruhigt ist der Gedanke, dass Islamisten Deutschland und Österreich als eine Art "Ruheraum" verstehen könnte. Als Rückzugsgebiet, weil der Fahndungsdruck nicht so hoch ist.

Die privaten Fotos und Videos von Attentaten, die ungefiltert über die sozialen Netzwerke laufen, machen die ganze Welt zum Augenzeugen. Das potenziert den Schrecken ins Monströse. Wie wichtig ist dieser Effekt für Terroristen?

Sehr wichtig. Das ist Teil des Cyberwars. Der IS betreibt ihn hochprofessionell und hat sogar Experten aus dem Hollywood-Milieu angeworben. Es gibt im Netz IS-Radio, IS-Fernsehen und ein IS-Magazin. Da werden internationale Presseschauen abbildet. Die laben sich an der medialen Erschütterung, die ein Attentat auslöst - es ist der Ausweis der eigenen Macht. Und sie verwenden audiovisuelles Material sofort zur Propaganda. Ich habe gerade ein Video aus Nizza gesehen, das der IS bearbeitet hat. Da schimmert hinter den Bildern das Porträt von Abu Omar Al-Schischani durch, dem ehemaligen Militärchef des IS. Er kam im März in Folge eines Luftangriffs der Alliierten in Syrien ums Leben. Nun ist da das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag zu sehen, Schischanis Gesicht und der Untertitel: "Das Blut unserer Märtyrer verwandelt sich in Licht und Feuer."

Lässt sich so etwas überhaupt verhindern?

Nein. Die Bilderflut ist nicht aufzuhalten. Aber die etablierten Medien können - und müssen - sich genau überlegen, was sie zeigen. Wenn ein Bild erst mit dem Logo einer starken Medienmarke versehen ist, kann eine Terrororganisation noch besser damit werben. Nach der Devise: Seht her, so bedeutend sind wir.

Aber wer kennt schon deutsche oder österreichische Medienlogos in der Welt?

80 Prozent der IS-Propaganda ist für den europäischen Markt gemacht. Wir sind die Zielgruppe. Und sie wissen, wie wir ticken. Deswegen zeigen sie auch immer wieder tote Kinder.

Was glauben Sie: Sind wir einer Art Dauerkrieg mit Islamisten gelandet? Ist das die neue Ära nach dem Kalten Krieg?

Ich weiß es nicht. Aber sicher ist, dass wir zwei Probleme haben. Erstens: Al Kaida. Im Schatten von Al Kaida ist der IS groß geworden. Nun konzentrieren sich alle auf den IS und es könnte genau andersherum laufen. Zweitens: Selbst wenn der IS geschlagen wäre, bliebe die Frage, wie die Sunniten im arabischen Raum und im Nahen Osten zu befrieden sind - und wo sie hin sollen. Da sind handfeste politische Lösungen gefragt. Aber die sehe ich nicht. Deswegen wird es weiter Flüchtlinge geben.

Aber Europa macht die Schotten dicht.

Ich habe einen Mann erlebt, der nach Syrien wollte, um zu kämpfen, und dann staunend die Fotos von den Helfern an deutschen Bahnhöfen gesehen hat. Er konnte es gar nicht fassen, dass Muslime dort so freundlich behandelt werden. Die Willkommenskultur war das effizienteste Deradikalisierungsprogramm überhaupt.

Und nun ...

... haben wir Dschihadisten und Rechtspopulisten, die beide von derselben Emotion leben: Angst. 

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(