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Vereidigung in Washington "Das schlimmste Kabinett der Geschichte" - Pressestimmen zu Trumps Start

Vereidigung in Washington: "Das schlimmste Kabinett der Geschichte" - Pressestimmen zu Trumps Start
Reich. Reicher. Am reichsten. Die zukünftigen Minister in Donald Trumps Kabinett eint vor allem eins: Reichtum. Viele von ihnen sind Millionäre oder Milliardäre. Und viele von ihnen vertreten äußerst umstrittene Ansichten.
 
Mike Pence – Vizepräsident
Der bisherige Gouverneur von Indiana gilt als ultrakonservativer Republikaner. Ein Albtraum für viele Liberale: Er ist ausgesprochener Gegner der Homo-Ehe, entschiedener Abtreibungsgegner und machte einst Werbung für Therapiemöglichkeiten gegen Homosexualität.
 
Rex Tillerson – Außenminister
Außenpolitische Erfahrungen hat der 64-Jährige keine. Sein gesamtes Berufsleben verbrachte er bisher beim Ölkonzern Exxon. Das Unternehmen kooperiert mit dem russischen Energiekonzern Rosneft. Das verhalf Tillerson zu seinem guten Verhältnis mit Staatschef Putin, der ihm sogar einen russischen „Freundschaftsorden“ verliehen hat.
 
Jared Kushner – Chefberater
Der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka spielte schon im Wahlkampf eine entscheidende Rolle. Der 35-Jährige ist, wie Trump selbst, erfolgreicher Immobilienunternehmer und Herausgeber des „New York Observer“. Problematisch ist jedoch, dass es Trump per Gesetz verboten ist, Verwandte anzustellen. Berater argumentieren, dass es sich bei Kushner um eine Ernennung für das Weiße Haus und nicht das Kabinett handle.
 
Nikky Haley – UN-Botschafterin der USA
Wie Pence lehnt sie Schwangerschaftsabbruch und gleichgeschlechtliche Ehe ab. Die 44-Jährige wurde bereits zweimal zur Gouverneurin von South Carolina gewählt. Mit der Unterstützung von Sarah Palin und der Tea-Party-Bewegung. Nun soll sie die USA bei den Vereinten Nationen vertreten.
 
Scott Pruitt – Leiter der Umweltbehörde
Als Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Oklahoma hat er jahrelang eine Behörde bekämpft. Ausgerechnet die, von der er nun der Chef werden soll. Der 48-Jährige gilt als Freund der Ölindustrie und bestreitet den vom Menschen verursachten Klimawandel.
 
Rick Perry – Energieminister
Auch Perry ist ein Freund der Ölbranche. Bereits zweimal versuchte er selber als US-Präsidentschaftskandidat anzutreten, scheiterte jedoch beide Male. Im Wahlkampf forderte er noch das Ministerium für Energie abzuschaffen, nun ist er Vorsitzender.
 
Ben Carson – Wohnungsbauminister
Einst war er ein Rivale, denn auch Carson wollte ursprünglich US-Präsident werden. Den Posten als Gesundheitsminister lehnte er wegen mangelnder Regierungserfahrung ab. 2015 behauptete er, dass die ägyptischen Pyramiden keine Pharaonengräber, sondern Getreidespeicher waren.
 
 
Dan Coats – Geheimdienstminister
Der ehemalige Deutschland-Botschafter der USA vertritt teilweise vollkommen andere Ansichten als Trump. Er gilt als ausgesprochener Russland-Kritiker. Trump hingegen hat eine Annäherung angekündigt. Einig sind sie sich beim Thema Guantánamo. Sie bezeichnen das umstrittene Gefangenenlager als „wertvolles Werkzeug in unseren Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus.“
 
Stephen Bannon – Chefstratege
Opportunist, Narzisst, Rassist. Mit diesen Worten wird der 62-Jährige häufig beschrieben. Auf seiner rechtskonservativen Website „Breibart.com“ polarisiert er im Netz wie kein Zweiter. Zuletzt sorgte die Seite mit einer Falschmeldung in Deutschland für Aufregung. Breibart.com berichtete, dass 1000 Männer an Silvester unter „Allahu Akbar“-Rufen eine Kirche in Dortmund in Brand gesetzt haben sollen. Die Polizei stellte klar: Frei erfunden – es gab schlicht keinen Brand.
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Die Zeit des Donald Trump ist gekommen. Er wird als Präsident vereidigt. Und die internationale Presse blickt gebangt nach Washington. Die Stimmung schwankt zwischen leiser Hoffnung und Resignation. 

Auf dem sanft geschwungenen Capitol Hill wird Donald Trump am Freitagnachmittag die rechte Hand heben und seinen Amtseid ablegen. Während in Washington die letzten Vorbereitungen zur Vereidigung des 45. US-Präsidenten laufen, blickt die Weltpresse skeptisch in die Zukunft. Die "Washington Post" fürchtet sich vor dem "schlimmsten Kabinett der amerikanischen Geschichte". Die europäische Presse ist zumindest zum Teil bereit, Trump eine Chance zu geben. Und manchen fällt der Abschied von Barack Obama gar nicht so schwer.

Großbritannien: "Times"

"Von heute an ist Präsident Trump mit Entscheidungen über Leben und Tod konfrontiert - zum Beispiel, ob man die von seinem Vorgänger angeordneten Bombenangriffe auf IS-Terroristen in Syrien fortsetzen soll oder nicht. Zugleich scheint er aber die Geheimdienste zu verachten, die traditionell Hilfestellungen für derartige Entscheidungen liefern. Unter den hochrangigen Nominierten für seine Regierung gibt es keinen Verfechter des Freihandels, obwohl er ein wichtiger Pfeiler des amerikanischen Wohlstands ist. Er strebt freundliche Beziehungen zu Wladimir Putin an, obwohl der russische Präsident die Nato und die Europäische Union stören und nach Möglichkeit demontieren möchte. 

Wie Trump diese offenkundigen Widersprüche aufzulösen gedenkt oder ob sie ihm egal sind, bleibt rätselhaft. Doch gerade weil so viel Unsicherheit darüber besteht, wie er zu regieren gedenkt, hat er die historische Chance, die Zweifler in Verwirrung zu stürzen und sich am Ende als echter Reformer zu erweisen. (...) Die Welt kann nur hoffen, dass Trump fundierter Beratung Beachtung schenkt und dann auf der Basis von Kenntnissen regiert. Im Oval Office sind Instinkte nicht genug."

USA: "Washington Post"

"Klagen über das neue Kabinett gibt es jedes Mal, wenn eine neue Regierung ins Amt kommt. Aber was jetzt geschieht ist außerodentlich. Das Kabinett von Donald Trump ist eine beispiellose Ansammlung aus ethischen Problemfällen, Unerfahrenheit, Feindseligkeit gegenüber den eigenen Ämtern und schlichter Unwissenheit. Diese Konstellation ist nichts geringeres als das schlimmste Kabinett in der amerikanischen Geschichte."

Die Niederlande: "De Telegraaf"

"Die Kritik an dem Republikaner ist in den Niederlanden wie überall in Europa groß, aber wenig produktiv. Die Amerikaner haben einen neuen Präsidenten gewählt und wir müssen mit ihm zurechtkommen. Viel wird von seinen Ministern abhängen, jedoch ist wohl bereits klar, dass Trump in seiner Außenpolitik sich nicht mit Selbstverständlichkeit für Europa als wichtigstem Bündnispartner entscheiden wird. Im vorigen Jahr hatte der Republikaner erklärt, dass Nato-Mitglieder nur dann mit dem Schutz der USA rechnen können, wenn sie ihren "ehrlichen Anteil" an den Kosten der transatlantischen Verteidigungsorganisation bezahlen. In militärischer Hinsicht ist Europa schon seit Jahrzehnten auf die USA angewiesen. Die Diskussionen darüber ziehen sich seit langem hin. Doch unter Trump wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass die europäischen Nato-Länder mehr eigne Verantwortung übernehmen müssen." 

Russland: "Wedomosti"

"Das Fehlen einer allgemeinen außenpolitischen Strategie der Obama-Regierung sowie einer klaren Linie im Verhältnis zum Nahen Osten, zu China und zu Russland zeugt bereits von einer Krise der globalen Führerschaft der USA. Donald Trump kann diesen Prozess beenden, indem er unklaren globalen Ambitionen eine klare Strategie der Selbstermächtigung entgegensetzt, die auf nationalen Interessen basiert. Ob er es vermag, werden wir sehen."

USA: "New York Times"

"Die Frage, die die Vereidigung von Trump am Freitag begleitet lautet: Ist er der Aufgabe, die Nation zu vereinigen, gewachsen? Kann er einen Ton anschlagen, den die Amerikaner bereits seit Generationen als präsidial begreifen? Oder werden Selbstdemontage und offene Feindseligkeiten eine Ära der inneren und globalen Krisen kennzeichnen?

Deutschland: "Die Welt"

 "Trump ist bestimmt kein Sympathieträger wie Obama, eher ein Amateur und Grobian, dem diplomatische Umgangsformen, wie sie der deutsche Außenminister Steinmeier verkörpert, wesensfremd sind. Es könnte aber sein, dass er seinen Erfolg gerade diesem Manko verdankt. Die 'dummen' Leute, die ihn gewählt haben, sind jedenfalls klug genug, um zu erkennen, dass die Polit-Profis versagt haben - auf der großen Bühne der Weltpolitik, von der Ukraine bis Syrien, und auf den kleinen Bühnen von North Dakota bis West Virginia, wo der von Obama versprochene Wohlstand nicht eingetroffen ist. Also geben sie einem Amateur die Chance zu zeigen, dass er es besser kann. So vernünftig kann Politik sein."

Tschechien: "Lidove noviny"

"Die Europäer, besonders die Deutschen, hatten sich anfangs in Obama verliebt. Sie sahen in ihm eine Art neuzeitlichen Winnetou, einen edlen Wilden, auf den sie ihre Vorstellungen von Amerika projizieren konnten. Sie glaubten an seinen Pazifismus.

Als sich indes zeigte, dass die USA statt Soldaten nur Drohnen und Abhörmaßnahmen einsetzen, verfielen seine Fans einer leichten Depression. Sie stempelten Obama schnell als falschen Heilbringer ab und stilisierten stattdessen den Überläufer Snowden zu einem Helden.

Obamas Anhänger mussten erkennen, dass der Präsident nie ein Winnetou war, sondern an der Spitze einer atomaren Supermacht stand - nein, das ist wahrlich keine Überraschung, denn in dieses Amt war er ja auch gewählt worden." 

Lettland: "Neatkariga Rita Avize"

"Schon jetzt ist klar, dass die Zeremonie, die die politischen Gegner des gewählten Präsidenten boykottieren wollen, nicht so prächtig und ehrgeizig sein wird wie die vorherigen. Darüber hinaus gibt es Bedenken, dass die vielen Demonstranten, die sich seit Anfang der Woche in Washington versammeln, versuchen werden, die Amtseinführung von Trump zu stören. (...) Die Einstellung der Unterhaltungsindustrie zu Trump ist gelinde gesagt reserviert. Eine ganze Reihe von Schauspielern, Musikern und anderen Prominenten hatte schon bevor sie überhaupt gefragt wurden mitgeteilt, der Inauguration fernzubleiben und nicht bei den Veranstaltungen auftreten zu wollen." 

Spanien: "La Vanguardia"

"Wenn Barack Obama morgen mit seiner Familie das Weiße Haus nach zwei Amtsperioden verlässt, dann hinterlässt er ein komplexes Vermächtnis, mit mehr Licht als Schatten. Der erste schwarze Amerikaner, der US-Präsident geworden ist, hatte 2008 Hoffnungen auf einen Wandel geweckt, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte. Mit dem Motto "Yes, we can" hat er nicht nur sein Land, sondern die halbe Menschheit erreicht. (...) Dank seiner Redegewandtheit und seiner Ehrlichkeit - nicht einen Skandal gab es in acht Jahren - bleibt alles in allem zu hoffen, dass Obama ein Präsident war, der in Erinnerung bleiben wird." 

Dänemark: "Berlingske"

"Donald Trump hat mit seinen Worten und der Wahl seiner Ratgeber ernsthaft Zweifel daran gesät, wen er als Alliierten und Freund sieht, und wer ein Feind ist. Er hat sich den ganzen Wahlkampf über geweigert, harte Worte gegen Russland zu finden, aber keine Probleme gehabt, andere Länder zu kritisieren. Er hat gesagt, dass er den Brexit unterstützen und zu einem Erfolg machen will. Er hat eine demokratisch gewählte Regierungschefin und langjährige US-Alliierte, Deutschlands Kanzlerin Merkel, mit Russlands notorischem Autokraten Putin gleichgestellt. Er hat die Nato überflüssig genannt, obwohl er auch gesagt hat, dass es eine starke Allianz sei.

Insgesamt hat er, bevor er Präsident wurde, Unsicherheit darüber geschaffen, inwieweit die USA immer noch ein enger Freund Europas sind, oder ob sie sich nach neuen Freunden auf der Welt umschauen. (...) Jetzt wird Trump ins Amt eingeführt. Wollen wir hoffen, dass er seine Beziehung zu seinen Freunden schnell abklärt."

Vereidigung in Washington: "Das schlimmste Kabinett der Geschichte" - Pressestimmen zu Trumps Start
ivi DPA

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