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Ukraine-Krise: EU und Ukraine setzen Beratungen im Gasstreit fort

Die Ukraine trauert um die Opfer des Flugzeug-Abschusses, Außenminister Deschtschiza löst mit Putin-Beschimpfungen Unmut in Russlands aus und Gasverhandlungen gehen weiter. Die Ereignisse des Tages.

+++ 19.49 Uhr: EU und Ukraine setzen Beratungen im Gasstreit fort +++

In Kiew werden die Gasverhandlungen zunächst mit Konsultationen zwischen der EU und der Ukraine fortgesetzt. Die Gespräche mit Russland unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger waren am Samstag ohne Einigung unterbrochen worden, am Montagmorgen läuft ein von Russland gestelltes Ultimatum ab.

Bei den Verhandlungen geht es um ausstehende Zahlungen der Ukraine an Russland sowie um den künftigen Gaspreis. Das derzeitige Angebot des russischen Gazprom-Konzerns lehnt die Regierung in Kiew als zu hoch ab. Ein Lieferstopp Russlands hätte auch Auswirkungen auf mehrere EU-Staaten. Die Ukraine bezieht die Hälfte ihres Gasbedarfs aus Russland und leitet 15 Prozent des in Europa verbrauchten russischen Gases durch ihr Staatsgebiet.

Putin hatte 385 Dollar pro tausend Kubikmeter Gas als letztes Angebot bezeichnet und damit gedroht, die Gasversorgung zu kappen, wenn bis Montagmorgen keine Einigung erzielt werde und keine Zahlungen seitens der Ukraine eingegangen seien.

+++ 16.50 Uhr: Ukrainischer Außenminister beschimpft Putin +++

Mit einem üblen Schimpfwort gegen Wladimir Putin zieht sich der ukrainische Außenminister Andrej Deschtschiza den Unmut Russlands zu. Im Gespräch mit Demonstranten vor der russischen Botschaft in Kiew bezeichnet Deschtschiza den Präsidenten mit einem Begriff aus der Fäkalsprache - ein Mitschnitt davon verbreitet sich schnell im Internet. Zahlreiche User äußern sich in Kommentaren zustimmend - aus Moskau kommt Kritik. Offenbar besitze Deschtschiza "keine Kultur", teilt das russische Außenministerium der Agentur Itar-Tass zufolge mit. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnet die Worte des Ministers als skandalös.

+++ 15.14 Uhr: "Russland sieht uns als Feind an", sagt Nato-Chef Rasmussen +++

Der dänische Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wirft Russland hinsichtlich des Ukraine-Konflikts eine feindselige Haltung vor. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel Online" mit Berufung auf die spanische Zeitung "El País". Es sei "deutlich, dass Russland uns als seinen Feind ansieht. Ich bedauere das zutiefst, aber wir müssen diese Tatsache zur Kenntnis nehmen und uns darauf einstellen," so Rasmussen.

+++ 12.41 Uhr: Ukraine und Russland setzen Gasverhandlungen fort +++

Die Gasverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sollen am Sonntagabend in Kiew wieder aufgenommen werden. Wie eine Sprecherin des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz mitteilt, werden der ukrainische Energieminister Juri Prodan, der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, und EU-Energiekommissar Günther Oettinger um 19.00 Uhr zu einer neuen Gesprächsrunde zusammenkommen.

Die Gespräche in Kiew waren am Samstagabend ohne Einigung unterbrochen worden. Oettinger hatte zunächst erklärt, sie seien auf Sonntagmorgen vertagt worden. Nun sollen sie der Naftogaz-Sprecherin zufolge erst am Abend weitergehen.

+++ 8.19 Uhr Putin schickt Staatsbedienstete zum Urlaub auf die Krim +++ +++

Russische Staatsbedienstete sollen ihren Sommerurlaub auf der annektierten Halbinsel Krim verbringen. Das "empfiehlt" Kremlchef Wladimir Putin, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet. Der Direktor der Tourismusbehörde Rosturism, Oleg Safonow, habe ein Telegramm mit einer entsprechenden Anweisung an Staatsbetriebe und Konzerne in Russland weitergeleitet. Ziel sei es, den Kollaps der Tourismusbranche auf der Krim zu verhindern.

Putin fordert demnach, für die Mitarbeiter Aufenthalte in Hotels und Erholungsheimen auf der Halbinsel im Schwarzen Meer zu buchen. Die Kosten der Aktion sollen die Unternehmen oder Gewerkschaften tragen. Bisher seien etwa drei Viertel der rund acht Millionen Krim-Besucher aus der Ukraine gekommen. Seit dem Anschluss der Krim an Russland im März blieben die ukrainischen Touristen aber aus.

+++ 8.19 Uhr Ukraine trauert um Opfer des Flugzeug-Abschusses +++

Nach dem Abschuss eines Militärflugzeugs gedenkt die Ukraine der 49 Opfer. Separatisten hatten die Transportmaschine beim Landemanöver auf den Flughafen der östlichen Stadt Lugansk angegriffen. Es ist der schwerste Schlag für die ukrainische Armee seit Beginn ihrer "Anti-Terror-Offensive" gegen Aufständische Mitte April. Das Flugzeug sei in etwa 700 Metern Höhe von Geschossen aus dem Raketenwerfer "Igla" (Nadel) getroffen worden.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko droht den Aufständischen mit Vergeltung. Der Abschuss sei ein "zynischer terroristischer Akt, der unbedingt bestraft werden wird". Für Montag hat Poroschenko den nationalen Sicherheitsrat einberufen. Er wolle bei der Sitzung einen Friedensplan vorstellen. "Wir werden hart und gezielt durchgreifen", sagt der prowestliche Staatschef.

+++ 8.00 Uhr Merkel und Putin fordern von Russland schärfere Grenzkontrollen +++

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ruft in einem Telefonat den russischen Präsidenten Wladimir Putin - auch als Reaktion auf den Abschuss - zu einer schärferen Kontrolle der Grenze auf. Russland müsse den Zustrom von Waffen und Kämpfern in die Ukraine wirksam eindämmen, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers. An dem Gespräch sei auch Frankreichs Präsident François Hollande beteiligt gewesen.

+++ 4.00 Keine Einigung im Gasstreit zwischen Moskau und Kiew +++

Eine neue Runde der Gasgespräche zwischen Russland der Ukraine ist am Samstagabend zunächst ohne Ergebnis geblieben. Die Verhandlungen würden am Sonntag fortgesetzt, sagte der ukrainische Energieminister Prodan in Kiew. Ein russisches Ultimatum an die Ukraine in dem Streit läuft morgen ab. Moskau und Kiew streiten um ausstehende Zahlungen der Ukraine an Russland und um den erhöhten Gaspreis, den die Regierung in Moskau von ihrem Nachbarland fordert.

and/DPA/AFP / DPA