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Besuch in Fischbeck: Hochwasser-Opfer sind "beeindruckt" von Merkels Mitgefühl

Angela Merkel besucht Hochwasser-Gebiete in Sachsen-Anhalt, um den Betroffenen ihre Anteilnahme auszudrücken. Dass sie die Situation für den Wahlkampf nutze, will sie sich nicht vorwerfen lassen.

Zuhause in Berlin machen gerade die NSA-Spähaffäre und das Drohnen-Debakel richtig Ärger. Da besucht Kanzlerin Angela Merkel die Hochwassergebiete in Sachsen-Anhalt und Opfer der Juni-Flut. Auf dem gebrochenen Elbedeich bei Fischbeck im Norden des Landes lässt sie sich am Dienstag in praller Juli-Sonne über den Stand des Wiederaufbaus informieren. Und zeigt immer wieder Mitgefühl. "Für die, die betroffen sind, ist das nicht vorbei", sagt die CDU-Vorsitzende.

Doch ist das zwei Monate vor der Bundestagswahl nicht alles nur Wahlkampf? Merkel widerspricht. Sie tue nur, was sie glaube, als Kanzlerin tun zu müssen. "Und das ist, in diesen Tagen bei Menschen zu sein, die Hab und Gut verloren haben", sagt sie. Schließlich müsse sie sich auch informieren, worüber sie im Kabinett dann bei dem Hilfspaket entscheide. "Ich glaube, dass die Menschen das auf ihre Art beurteilen und deshalb tue ich das, was mir mein Verstand und mein Herz sagt."

Und auch Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) betont, das sei kein Wahlkampftermin. Merkel habe ihm schon bei ihrem Besuch im Hochwasser in Bitterfeld versprochen, noch einmal zu kommen - wenn die heiße Phase der Flutbekämpfung vorüber sei.

"Von Wahlkampf nichts mitbekommen"

Dabei ist die Lage in der Region noch lange nicht wieder normal. Vor eineinhalb Monaten war der Elbedeich bei Fischbeck gebrochen, riesige Flächen wurden unter Wasser gesetzt. Im Ort Fischbeck stand das Wasser teilweise zwei Meter hoch. Heute sieht der kleine Ort wie eine einzige große Baustelle aus - denn an fast jedem Haus wird gearbeitet, oft liegt Schutt am Straßenrand, auch Dächer sind zerstört. Mehrere Male geht Merkel in stark beschädigte Häuser, spricht mit den Besitzern. In der Region Fischbeck hört Merkel vor allem zu. Bürger finden anschließend lobende Worte. "Sie gibt sich alle Mühe", sagt die 81-Jährige Edith Leschien, die in der am stärksten betroffenen Straße wohnt und kurz mit Merkel sprach. "Sie hat sich Zeit genommen, das ist beeindruckend", sagt später auch die ehrenamtliche Leiterin des Spendenlagers in Kamern, Marion Gortat. Merkel habe viele Fragen gestellt, aber nichts ins Blaue versprochen. "Von Wahlkampf habe ich nichts mitbekommen", sagt die 45-Jährige.

Besuch auf dem Bahndamm

Einige Kilometer weiter wird mit Hochdruck an der zerstörten ICE-Trasse von Hannover nach Berlin gebaut. Bahnchef Rüdiger Grube ist eigens für den Besuch der Kanzlerin gekommen, erläutert ihr die Arbeiten. Mit einem gelben Blazer und einer schwarzen Hose bekleidet, klettert Merkel über den Bahndamm zu den Arbeitern mit ihren schweren Maschinen. Einer von ihnen begrüßt die Kanzlerin gar mit Handkuss. "Das ist eine harte Tätigkeit hier bei der Sonne. Den ganzen Schotter neu machen", sagt Merkel anerkennend.

Und auch auf die Hunderttausenden Bahnreisenden, die wegen der Sperrung Umleitungen und erheblich längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen müssen, geht sie mitfühlend ein. Noch ist nicht bekannt, wann die Strecke wieder nutzbar sein wird. "Ich denke, jeder wird Verständnis haben, dass es sicher sein muss", sagt Merkel.

Nach drei Stunden ist ihr Besuch wieder vorbei. Die Kanzlerin steigt in ihre schwarze Limousine, einige Zaungäste klatschen ihr zum Abschied Beifall.

juho/Rochus Görgen, DPA / DPA