FESTTAG Deutschland feiert die Einheit


Deutschland feiert heute bei einem zentralen Festakt in Mainz und zahlreichen anderen Festen im ganzen Land den Tag der Einheit. Bundestagspräsident Thierse rief zu Toleranz, Solidarität und Gerechtigkeit auf.

Deutschland feiert heute bei einem zentralen Festakt in Mainz und zahlreichen anderen Festen im ganzen Land den Tag der Einheit. In Berlin werden die Feiern zum Jahrestag der Wiedervereinigung von einer rechtsextremistischen Demonstration und der Sorge vor gewalttätigen Protesten überschattet.

Bei dem Festakt in Mainz sollen der Bundesratspräsident und rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski sprechen. Im Anschluss gibt Bundespräsident Johannes Rau einen Empfang für die Ehrengäste, darunter auch Bundeskanzler Gerhard Schröder. Zu den Feiern werden rund 300 000 Besucher erwartet.

In Berlin will die NPD mit etwa 1000 Anhängern aufmarschieren. Zu einer Kundgebung gegen die Rechtsextremen werden rund 10 000 Teilnehmer erwartet. Die Polizei hat sich mit einem Großaufgebot auf gewalttätige Auseinandersetzungen eingestellt. Unter dem Motto »Gemeinsam gegen Terror« sind am Brandenburger Tor am Nachmittag ein Solidaritätskonzert sowie Gesprächsrunden geplant. In Stuttgart wird Altkanzler Helmut Kohl zu einer Feierstunde der CDU erwartet.

Die zentralen Feierlichkeiten unter dem Motto »Feiertag in Deutschland, Festtag in Mainz« hatten am Dienstagabend in Mainz mit einem Bürgerfest begonnen. Die 16 Bundesländer stellten sich in einem »Themenpark« vor. Premiere hatte die Ausstellung »Getrennt gespottet - gemeinsam gelacht«, die 40 Jahre Kabarett in Ost und West dokumentiert.

Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) würdigte bei einer Festveranstaltung im Berliner Schauspielhaus den Freiheitswillen der Ostdeutschen im Herbst 1989. Die damaligen Montagsdemonstrationen in der DDR seien mutig gewesen. Sie hätten die Bereitschaft der Deutschen bewiesen, Verantwortung zu übernehmen. Vor dem Hintergrund der erwarteten Militäraktionen als Reaktion auf die Terroranschläge in den USA sagte er: »Wir dürfen auch jetzt nicht feige und ängstlich sein.« Die Antwort auf die Anschläge liege aber nicht allein im Militärischen. Genauso wichtig sei eine weltweite wirtschaftliche Zusammenarbeit zum gemeinsamen Vorteil.

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) warnte am Dienstag bei der zentralen CDU-Kundgebung zum Tag der deutschen Einheit vor einer Regierungsbeteiligung der PDS in Berlin. Er erinnerte an die fast tausend Flüchtlinge, die an der innerdeutschen Grenze starben. »Wir wollen nicht, dass die Täter jener Zeit, auch nicht ihre ideologischen Nachkommen, wieder eine Chance in Deutschland bekommen.« Die Berliner Wahl am 21. Oktober sei ein »Probelauf« für eine Zusammenarbeit von SPD und PDS, sagte Kohl.

Thierse ruft zu Toleranz und Solidarität auf

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat am elften Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung zu Toleranz, Solidarität und Gerechtigkeit aufgerufen. »Wir haben Anlass, zu feiern, die Einheit, die Freiheit der Ostdeutschen, die Vereinigung Europas - das alles ist ein großes historisches Glück«, sagte Thierse am Mittwoch im DeutschlandRadio Berlin. Man müsse sich aber

auch der Verpflichtungen bewußt werden, die daraus entstünden: »Für inneren Frieden, Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Ausgleich, Toleranz und Solidarität in unserer Gesellschaft müssen wir immer wieder sorgen.«

Abstand zwischen West- und Ost noch erheblich

Thierse mahnte im DeutschlandRadio »eine zweite große Kraftanstrengung zu Gunsten Ostdeutschlands« an. »Die ökonomischen Daten belegen, dass der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland immer noch erheblich ist und dass er nicht abnimmt.« Deutlicher noch als in anderen Bereichen hänge Ostdeutschland in Wissenschaft und Bildung zurück. »Ostdeutschland muss eine Forschungs- und Bildungsregion werden, damit es überhaupt eine gleichberechtigte Chance in Deutschland und Europa hat«, sagte der Bundestagspräsident.

Die Terroranschläge in den USA am 11. September machen nach Ansicht von Thierse deutlich, wie gefährdet die Freiheit ist und wie sehr die Demokratie und die offene Gesellschaft verteidigt werden müssen. Das sei eine Sache, die auch die Deutschen angehe. »Den Tag der Einheit begehen wir nicht nur mit den alten Fragen nach Ost-West im Lande sondern auch mit den neuen und vielleicht sogar uralten Fragen, wie verschiedene Menschen mit unterschiedlicher Überzeugung zusammenleben können. Mit der Frage danach, was die Grundlagen sind für ein friedliches, tolerantes und solidarisches Zusammenleben.«

Es sei wichtig, »dass Politik und die Staatengemeinschaft energisch etwas gegen die Hintermänner und Organisatoren des Terrors tut, damit das Gefühl von Besorgnis und Angst wieder abnehmen kann« und damit eine offene Gesellschaft erhalten bleibe.


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