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Willkommensfest für Flüchtlinge: Ein bisschen Frieden für Heidenau

Nicht bestätigte Befürchtungen: In Heidenau feierten Flüchtlinge und Besucher aus ganz Deutschland miteinander, auch die eigentlich verbotene Gegendemo blieb gewaltfrei. Brenzlig wurde es nur, als Sachsens Innenminister auftauchte.

Von Samuel Rieth, Heidenau

Menschen unterschiedlicher Nationen tanzen auf dem Willkommensfest für Flüchtlinge in Heidenau

Gemeinsam gegen die Hetze: Menschen unterschiedlicher Nationen tanzen auf dem Willkommensfest für Flüchtlinge in Heidenau, wo es zuletzt zu massiven Ausschreitungen mit Rechtsextremen gekommen war

Die Flammen lodern immer höher, und Rauch steigt auf über der Wiese beim Flüchtlingsheim. Bald wird das Feuer zur Glut und Fladenbrote liegen auf dem Rost, daneben Fleisch und Käse. Die Feiernden stehen um den Grill, laden sich Pappteller voll mit Essen. Fast könnte man meinen, hier fände eine ganz normale Party statt.

Aber natürlich ist das Willkommensfest für die Flüchtlinge in Heidenau keine ganz normale Party. Wegen dieser Party ist über eine ganze Stadt polizeilicher Notstand verhängt worden.

Ihretwegen könnten wieder Fäuste, Flaschen, Böller und Steine fliegen, so die Befürchtung, wie am Wochenende zuvor, Rechts gegen Links, Links gegen Rechts, und alle gegen die Polizei.

Am frühen Nachmittag hält ein Lastwagen auf dem Parkplatz des Baumarkts neben dem Flüchtlingsheim. Auf diesem Parkplatz und der angrenzenden Wiese soll das Willkommensfest stattfinden. Der Lastwagen ist aus Berlin gekommen, 12 Tonnen Kleider und Spielzeug, Spenden für die Flüchtlinge. Die waren in den vergangenen selten in der Stadt zu sehen. Zu groß war die Angst, Rechtsradikale könnten sie genauso angreifen wie vor einer Woche die Polizei. Bei dem Fest sollen sie sich sicher fühlen können.

Einladung in sechs Sprachen

Gastgeber sind die Bündnisse "Dresden Nazifrei" und die "Interventionistische Linke". Ihre Gäste haben sie schriftlich eingeladen, mit einem Flyer in sechs Sprachen. "We want to spend the day together", steht dort in der englischen Fassung. Hunderte Flüchtlinge kommen.

In einer Kette stehen sie vor dem Laster, reichen Kisten und Säcke von Hand zu Hand. Dann wühlen sie sich durch die Geschenke, Hosen, Pullover, Gürtel, Handtaschen, ein Kinderwagen und, dringend gebraucht, Schuhe. Daneben werden Zelte aufgebaut und eine Anlage, aus der bald Reggae, Antifa-Lieder und arabische Musik dröhnen. Kinder, syrische und deutsche, toben in der Hüpfburg.  Andere haben die Straßenmalkreide für sich entdeckt, rot, gelb, blau malen sie Kreise auf den Parkplatz. Aber auch Erwachsene: Zwei Flüchtlinge schauen neugierig zu, wie ein schwarzgekleideter Besucher "Nie wieder Deutschland" auf den Asphalt schreibt. 

"Wir wollen uns einfach kennenlernen", sagt der Organisator Henning Obens. "Hinter jeder Zahl, die in den Nachrichten genannt wird, steht ein Mensch." 

Linke aus ganz Deutschland sind angereist, insgesamt feiern hier rund 700 Menschen. "Wir haben Kuchen gebacken", sagt eine Frau, gerade angekommen, das Blech im Arm. Auch Cem Özdemir hat Kuchen mitgebracht. Umringt von Fernsehkameras stellt der Parteichef der Grünen das süße Mitbringsel auf den Tisch. Er hatte angekündigt, zum Fest zu kommen - und dafür zur Not auch gegen das Versammlungsverbot zu verstoßen.

 Zu Hause bleiben? "Das wäre ein Zurückweichen gewesen vor den Neonazis", sagt Özdemir. "Ich habe in der Schule gelernt, es gibt ein staatliches Gewaltmonopol." Und die Bundesländer würden einander ja auch aushelfen, wenn ein G7-Gipfel ansteht oder ein Fußballspiel mit Konfliktpotenzial.

"Geht zurück nach Afghanistan!"

Doch im Einsatz sind in Heidenau heute nur Beamte aus Sachsen und der Bundespolizei. Sie halten sich im Hintergrund. Rechtsradikale wagen sich dennoch nicht in die Nähe. Die Anspannung der letzten Woche scheint von den Flüchtlingen abzufallen. Einige tanzen ausgelassen zur Musik, umringt von klatschenden Zuschauern.

Heute fühle er sich hier sicher, sagt Awais, der an der Straße im Gras sitzt. 29 Jahre ist er alt, vor kurzem noch Bauarbeiter in Pakistan, jetzt einer von rund 600 Flüchtlingen im ehemaligen Praktiker-Markt. "Das Fest ist cool", sagt er und schaut dem Treiben auf der Wiese zu. Vor genau einer Woche hat er draußen vor dem Flüchtlingsheim die Böller der rechten Krawallmacher gehört, ihre Bierflaschen, die auf der Straße zersplitterten, das Geschrei. "Die mochten uns nicht", sagt Awais.

https://youtu.be/bthhGY6hVwk

Ab und an melden sie sich auch heute zu Wort, die Menschen, die Awais und die anderen Flüchtlinge nicht mögen. Immer wieder hupt ein Auto beim Vorbeifahren - schon die Kanzlerin war am Mittwoch mit einem Hupkonzert empfangen worden. Jemand streckt eine Deutschlandfahne aus dem offenen Fenster. Und ein Lastwagenfahrer brüllt: "Geht zurück nach Afghanistan!" 

Vielleicht wäre ein komplettes Versammlungsverbot besser für die Stadt gewesen, meint eine Heidenauerin. Zwar wäre es schade um das Willkommensfest. Aber kein Fest, keine Gegendemo. Damit der Ort endlich zu Ruhe kommen kann. Und wer wird das Chaos aus Kartons und Klamotten auf der Wiese aufräumen, wenn die Feier vorbei ist? "Das sind genau die Bilder, auf die die Rechten warten", sagt sie. Die meisten Heidenauer sind nicht gekommen.

Innenminister Ulbig ist nicht willkommen

Wer aber da ist, will beweisen, dass die Stadt neben dem rechten Mob noch ein zweites Gesicht hat. "Wir wollen zeigen, dass wir nicht alle Arschlöcher sind", sagt ein Mann, der sich lange mit  einem jungen Flüchtling unterhält - auf Englisch. "Lass uns einen Deal machen", meint er dann. "Du bringst mir Persisch bei, und ich bringe dir Deutsch bei." Der Pakt wird mit Handschlag besiegelt.

Doch nicht jeder ist auf diesem Willkommensfest willkommen. Als Markus Ulbig auf dem Parkplatz auftaucht, brauchen einige Linke nur einen Moment, um von friedlicher Feierfreude auf blanken Hass umzuschalten. Der sächsische Innenminister macht einen Spontanbesuch, und er hat, wird Festorganisator Obens später klagen, noch nicht einmal Kuchen dabei.

Nicht erst seit dem Versammlungsverbot von Heidenau steht der Minister in der Kritik. "Hau ab! Hau ab!", schallt es ihm jetzt entgegen. Ulbig wird erst eingekreist, dann zurückgedrängt, von einer Wand von Gegnern, die sich teils ihre Jackenkrägen zur Vermummung übers Gesicht ziehen. Er wirkt hilflos, sein Leibwächter panisch. Sein Weg zurück zum Auto ist eine Flucht. Nur Minuten nach seiner Ankunft fährt Ulbig wieder davon.

Dann geht das Fest weiter, als wäre nichts geschehen. Eine Shisha qualmt, Seifenblasen wehen über die Wiese. Und der Parkplatz wird immer bunter. "German people are the best", hat jemand mit Kreide auf den Asphalt geschrieben. 

Bitte keine Hitlergrüße

Eine andere Gruppe German people trifft sich derweil am Hauptbahnhof, auf dem "Platz der Freiheit". Eigentlich sind laut Oberverwaltungsgericht Bautzen alle Demos außer dem Fest verboten. Doch die Entscheidung, so der Polizeiführer vor Ort in Heidenau, kommt zu spät. Da sind die etwa 250 Teilnehmer der Gegendemo quasi schon losmarschiert. Sie tragen ein paar Deutschlandfahnen und viele Schirme, denn ein leichter Nieselregen fällt.

"Wer eine Prügelei anfängt, wer den rechten Arm ausstreckt, der ist ein Provokateur", sagt ein Mann mit schwarzem Hut und weißer "Ordner"-Binde. "Den übergeb ich selber der Polizei." Alkohol und zerbrechliche Gegenstände seien verboten. Ein kurzer "Spaziergang" zum Rathaus, ohne Zwischenfälle, nur ein Redner.

Dessen Forderungen klingen heute nicht brauner als ein CSU-Parteitag: keine Wirtschaftsflüchtlinge mehr, ein Einwanderungsgesetz müsse her, gewalttätige Asylbewerber bitte abschieben.  "Gewalt gegen Polizei oder Asylbewerber ist unzulässig und abscheulich", sagt er. Viele klatschen Beifall. Auch bei dem Satz: "Wir stehen zu Asyl für politisch Verfolgte und für Kriegsflüchtlinge." Man wolle nur endlich ernst genommen werden von der Politik. Ein kurzer "Wir sind das Volk!"-Chor, dann löst sich die Demo auf.

Von Polizeiautos umzingelt

Stunden später, es ist schon dunkel, sitzen rund 150 Menschen vor dem Real-Markt gegenüber dem Flüchtlingsheim. Die meisten sind jung und männlich, viele betrunken. Und rechte Flüchtlingsgegner, heißt es. Die Polizei spricht einen Platzverweis aus. Doch die Leute rühren sich nicht. Die Polizisten kesseln sie sein, umzingeln sie mit Polizeiautos. Der Platz gehört zu der Sicherheitszone rund um das Flüchtlingsheim. Hier dürfen die Beamten Menschen ohne Anlass erkennungsdienstlich behandeln, und dieses Sonderrecht nutzen sie auch: Einer nach dem anderen muss seine Taschen leeren, den Ausweis zeigen, ein Polizist schießt Fotos von jeder Seite: Blitz, umdrehen, Blitz, umdrehen. Dann schicken sie die Geknipsten nach Hause - wiederkommen dürfen die erst am nächsten Morgen.

Bis nach Mitternacht braucht die Polizei, bis sie mit allen durch ist. Ab und an klirrt eine Bierflasche, aber keine kommt geflogen. Kein Böller, keine Krawalle. Auf dem Festgelände auf der anderen Straßenseite ist sogar die Wiese wieder so aufgeräumt, als hätte es nie stattgefunden. Die Schlacht um Heidenau ist ausgefallen - oder zumindest vertagt. Und so bleibt das Feuer im Grill das einzige, das an diesem Freitag in Heidenau brennt.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(