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NSU-Prozess: Das sind die Fragen des Gerichts an Beate Zschäpe

Wie wurden die Morde des NSU geplant und wie die Opfer ausgewählt? Welche Beweise wurden vernichtet? Diese und weitere Fragen soll Beate Zschäpe beantworten.

Beate Zschäpe mit ihren Anwälten Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel

Beate Zschäpe zwischen ihren Anwälten Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel: Haltloses Mädchen, das nur bei Oma Trost findet?

Dutzende Fragen hat der Vorsitzende Richter Manfred Götzl im NSU-Prozess an die Hauptangeklagte gerichtet. Weitere Nachfragen kamen von der Bundesanwaltschaft und dem Anwalt eines Mitangeklagten. Das sind die Fragen, die Zschäpe und ihre Verteidiger im Januar beantworten sollen.

Zschäpes persönliche Verhältnisse

Der Richter möchte wissen, ob Zschäpe Alkohol oder konsumiert hat, falls ja, wie viel und mit welcher Wirkung. Außerdem, ob Zschäpe im Laufe ihres Lebens schwer erkrankt sei.

Radikalisierung in Jena

Welche Personen gehörten dazu? Was wusste Zschäpe über das zynische "Pogromly"-Spiel und über die politische Einstellung von und Uwe Böhnhardt? Wie standen diese zu Waffen und Gewalt? Zschäpe hatte ausgesagt, sie habe mit Mundlos und Böhnhardt "nationalistische Lieder" gegrölt. Welche Lieder und welche Texte? Eine weitere Frage betrifft Tino Brandt, der den "Thüringer Heimatschutz" gründete und als V-Mann spitzelte. Wann stieß er zur Gruppe um Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt?

Abtauchen in den Untergrund

Zschäpe hatte ausgesagt, die habe eine von ihr gemietete Garage durchsucht und dort Propagandamaterial und Sprengstoff gefunden. Der Richter fragt, wer einen Schlüssel zu der Garage hatte. Außerdem will er wissen, wer beim Abtauchen geholfen habe - mehr als die wenigen Namen, die Zschäpe schon nannte.

Angebliche Rückkehrpläne

Wie knüpfte Zschäpe den Kontakt zu einem Rechtsanwalt, den sie zweimal besucht haben will. Welche Vorstellungen hatten Mundlos und Böhnhardt "hinsichtlich einer Auswanderung nach Südafrika"?

Die Mordserie

Wie war das Verhältnis zwischen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt? Was bedeutet es, wenn Zschäpe sagt, die beiden hätten ihr nicht hundertprozentig vertraut? Der Richter fordert Zschäpe auf, genau und möglichst wortgetreu zu berichten, wie Mundlos und Böhnhardt ihr von den Morden berichtet hätten. Außerdem soll sie die Pistole beschreiben, die sie ihr drei Monate nach dem ersten Mord gezeigt haben sollen, und Auskunft geben, was sie gegebenenfalls über die Herkunft der NSU-Waffen weiß. Zum Mord an der Heilbronner Polizisten Michèle Kiesewetter: Zschäpe soll preisgeben, was sie über die Planung und Auswahl der Opfer dieses Anschlags weiß.

Helfer der Neonazis

Der Richter fordert Zschäpe auf, Namen möglicher weiterer Helfer zu nennen. Ausdrücklich erkundigt er sich nach der Ehefrau des mitangeklagten André E.: "Welche Kenntnis hatte Susann E. von den Taten?"

Auffliegen des NSU

Wie erfuhr Zschäpe von dem gescheiterten Banküberfall ihrer beiden Freunde am 4. November 2011 in Eisenach? Zschäpe hatte behauptet, sie habe das im Radio gehört. Über welchen Radiosender? Außerdem will der Richter wissen, welche Beweise sie im Fall des Todes der beiden Männer habe vernichten sollen. Wo war sie während ihrer viertägigen mutmaßlichen Irrfahrt durch Deutschland, bevor sie sich in Jena der Polizei stellte?

jen / DPA