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Die Morgenlage WHO warnt vor vorschnellen kompletten Lockdowns

Die WHO hat vor negativen Nebeneffekten landesweiter Lockdowns im Kampf gegen die Corona-Pandemie gewarnt
Ein geschlossenes Geschäft: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor negativen Nebeneffekten landesweiter Lockdowns im Kampf gegen die Corona-Pandemie gewarnt
© Getty Images
Fernduell in Florida: Biden wirft Trump "Superspreader-Event" vor +++ Landesparlamente beraten über Corona-Maßnahmen +++ Bundesregierung stellt Wirtschaftsprognose vor +++ Die Nachrichtenlage am Freitagmorgen.

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

wie werden die Beschlüsse von Bund und Ländern zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auf Landesebene umgesetzt? Damit befassen sich heute diverse Landeskabinette und Landtage. In Sondersitzungen werden sich Minister und Abgeordnete in fast allen Bundesländern wohl die Köpfe heiß reden. Unterdessen warnt aber Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO vor vorschnellen kompletten Lockdowns.

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

WHO Europa-Chef warnt vor negativen Folgen kompletter Lockdowns 

Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor vorschnellen kompletten Lockdowns gewarnt. Zwar wisse man, dass strikte Beschränkungen wie Anfang des Jahres die Übertragung von Krankheitserregern einschränken und dem Gesundheitssystem den dringend benötigten Raum zur Erholung gebe, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag in Kopenhagen. "Wir wissen aber auch, dass komplette Lockdowns die Nachfrage nach psychischer Gesundheitsfürsorge steigern und zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt führen wird." Zudem würden weniger chronisch Kranke in Krankenhäuser gehen, was zu vorzeitigen Todesfällen führen würde.

Darüber hinaus hätten die indirekten Auswirkungen eines Lockdowns negative Folgen für die Wirtschaft, Menschen würden in finanzielle Notlagen kommen. "Angesichts dieser Realitäten erachten wir nationale Lockdowns als letzte Möglichkeit." Vielmehr könnten Maßnahmen ergriffen werden, die Leben retteten und gleichzeitig die Lebensgrundlagen erhielten. 

Fernduell in Florida: Biden wirft Trump "Superspreader-Event" vor

Wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl haben sich Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden am Donnerstag ein Fernduell im wichtigen Bundesstaat Florida geliefert. Angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen in der weiter grassierenden Corona-Pandemie griff Biden den Präsidenten scharf an. Dessen Großveranstaltungen seien "Superspreader-Events", bei denen Trump nicht nur Viren, sondern auch Zwietracht im Land verteile. 

Walmart räumt wegen Unruhen im Land Waffensortiment aus den Regalen

Der US-Handelsriese Walmart hat angekündigt, in den USA sein Waffen- und Munitionssortiment aus den Verkaufsregalen zu entfernen. Die Artikel sollen vorübergehend nur noch auf Anfrage an die Kunden verkauft werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Im Osten der USA war es zuletzt nach tödlichen Polizeischüssen auf einen Afroamerikaner zu Unruhen gekommen.

Das Unternehmen wolle mit der Maßnahme die Sicherheit für seine Mitarbeiter und Kunden erhöhen. "Wir haben vereinzelte Unruhen erlebt", sagte eine Sprecherin. Ähnliche Aktionen seien bereits früher "bei einzelnen Gelegenheiten" veranlasst worden.

Erstmals mehr als 90.000 Corona-Neuinfektionen in den USA

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA ist im Land ein Rekordwert bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Wie die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 91.295 neue Ansteckungsfälle erfasst. Damit wurde zum ersten Mal die Schwelle von 90.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages gebrochen.

Milliarden-Gewinne für Tech-Konzerne in der Corona-Krise

Die großen Tech-Konzerne profitieren vom veränderten Verhalten der Nutzer und Werbekunden in der Corona-Pandemie. Amazon bescherte der Trend zum Einkauf im Internet einen Rekordgewinn im vergangenen Quartal. Facebook profitiert in seinem Werbegeschäft davon, dass mehr kleine Firmen ins Netz gehen, um Einbrüche durch die Krise aufzufangen. Bei Google brummt unter anderem das Geschäft der Videoplattform YouTube, während Menschen mehr zuhause sind. Und bei Apple wuchs in Zeiten von Arbeit im Homeoffice und Online-Lernen das Geschäft mit Mac-Computern und iPads.

Deutsche Rüstungsgüter über Umwege nach Saudi-Arabien geliefert

Trotz eines Exportstopps hat die Bundesregierung seit Anfang 2019 auf Umwegen zu Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien beigetragen. Im vergangenen Jahr erlaubte sie Frankreich in zwei Fällen, Rüstungsgüter im Gesamtwert von 4,87 Millionen Euro aus deutscher Produktion in den autoritär geführten Wüstenstaat zu exportieren. 2020 stimmte sie einer solchen Lieferung aus Südkorea zu. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen hervor, die der Deutschen-Presse-Agentur vorliegt. 

Danach ermöglichte die Bundesregierung 2019 und 2020 über drei sogenannte Sammelausfuhrgenehmigungen auch die Lieferung von Teilen für Kampfjets der Typen "Eurofighter" und "Tornado", die für Saudi-Arabien bestimmt sind. Beide Flugzeuge sind europäische Gemeinschaftsprodukte.

Was heute wichtig wird:

Sondersitzungen zu den neuen Corona-Maßnahmen

In mehreren Bundesländern kommen an diesem Freitag die Landeskabinette zu Sondersitzungen zusammen, um die Bund-Länder-Beschlüsse für einen Teil-Lockdown im November umzusetzen. Die am Mittwoch getroffenen Vereinbarungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Regierungschefs der Länder bedürfen juristisch noch der Überführung ins jeweilige Landesrecht. In Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen hatten die Landesregierungen die entsprechenden Verordnungen bereits am Donnerstag erlassen.

In mehreren Ländern sind zudem Sondersitzungen der Landtage zum Thema geplant. So wollen etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ihren Kurs in Regierungserklärungen darlegen.

Wirtschaftsminister stellt Herbstprognose der Bundesregierung vor

Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft bisher stark in Mitleidenschaft gezogen. Um 10.00 Uhr stellt Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die aktuelle Konjunkturprognose der Bundesregierung vor. Mit Spannung erwartet wird, ob Altmaier die Schätzung anpasst, nachdem Bund und Länder massive Beschränkungen wie die Schließung von Restaurants und Kneipen sowie von Kultureinrichtungen für den November beschlossen hatten.

Im dritten Quartal ist die deutsche Wirtschaft Ökonomen zufolge wieder gewachsen, nachdem die Konjunktur im Frühjahr infolge der Corona-Krise noch eingebrochen war. Wie stark das Bruttoinlandsprodukt (BIP) tatsächlich zugelegt hat, gibt das Statistische Bundesamt ebenfalls um 10.00 Uhr in einer ersten Schätzung bekannt.

Beratungen zu Terrorismusbekämpfung nach Messerattacke von Nizza

Nach der Messerattacke mit drei Toten gilt in Frankreich die höchste Terrorwarnstufe. Die EU-Justizminister und die EU-Kommission beraten über Mittel und Wege zur Bekämpfung des Terrorismus. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) wird am Nachmittag ein Statement über die Beratungen abgeben

Missbrauchsprozess gegen Ex-Jugendtrainer

Ein ehemaliger Fußballtrainer muss sich ab 8.30 Uhr wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten. Dem 21-Jährigen wird vorgeworfen, als Trainer das Vertrauen der Kinder erworben und intime Aufnahmen erhalten zu haben. Mit drei der betroffenen Minderjährigen soll es zu Körperkontakt gekommen sein. Die Taten ereigneten sich im Zeitraum von Oktober 2017 bis zur Festnahme im Februar 2020. Der Deutsche sitzt seither in Untersuchungshaft. Zuvor sei der Mann den Behörden nicht wegen Sexualdelikten aufgefallen.

Fußball-Bundesliga: Schalke gegen Stuttgart

Um 20.30 Uhr eröffnen der FC Schalke 04 und der VfB Stuttgart den 6. Bundesliga-Spieltag. Schalke wartet inzwischen seit 21 Spielen auf einen Bundesliga-Sieg. Mit nur einem Punkt stehen die Königsblauen auf Tabellenplatz 17. Aufsteiger Stuttgart dagegen ist erstaunlich gut in die Saison gestartet und liegt auf Platz 5. Holt der VfB weitere Punkte gegen den Wiederabstieg? Oder beendet Schalke seine Horror-Serie?

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Ihre stern-Redaktion

ivi/sve DPA AFP

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