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1. Bundesliga: Sieben Fragen an den 26. Spieltag

Sieben Gegentore haben Leverkusen, Hoffenheim und Basel jüngst bekommen. Sie bekommen von uns sieben Fragen an den Spieltag. Das Thema heute: Ex-Spieler, die auf ihre ehemaligen Clubs treffen. Der Bundespräsident. Freitagsspiele. Tätowierungen. Der Begriff "Topspiel". Strafversetzungen in die Regionalliga. Und Straßenköter. Grr, wuff.

Sieben Tore sind so angesagt wie früher Schoko in der schlimmen Müllermilch-Werbung, in der der kleine Junge durch die Saloon-Tür kam. 7:1 gewann Barcelona gegen Leverkusen, 7:1 die Bayern gegen Hoffenheim, 7:0 gar die Münchner gegen Basel. Nie um die schamlose Übernahme eines Trends verlegen, haben wir unsere traditionelle Bundesligavorschau kurzerhand von fünf auf sieben Fragen ausgeweitet.

Ein kostenloses Upgrade für Sie, ganz ohne ethische Fallstricke, weil wir nicht Air Berlin sind. Und Sie nicht Christian Wulff. Oder? Falls doch: Guten Tag, Herr Bundespräsident! Präsidenten spricht man, wenn uns unsere Kenntnis des Protokolls nicht trügt, auch nach dem Ende ihrer Amtszeit immer noch mit ihrem Titel an, wie etwa Bill Clinton immer noch "Mr. President" ist und Gerhard Schröder immer noch "Herr Bundeskanzler".

Fußballspieler aber werden nicht immer mit der gleichen Wertschätzung empfangen, wenn sie noch einmal an die Stätte ihres ehemaligen Wirkens zurückkehren. Dabei erhalten sie in der Regel nicht einmal mehr einen Ehrensold von ihren früheren Arbeitgebern, und auch die Fußballvariante des Zapfenstreichs, das Abschiedsspiel, ist längst aus der Mode gekommen.

Da trifft es sich gut, dass an diesem Wochenende gleich in sechs Spielen ein Wiedersehen im regulären Ligabetrieb ansteht. Was besagte sieben Fragen aufwirft:

1) Hat Otto Rehhagel mit dem FC Bayern immer noch eine Rechnung offen?

Otto Rehhagel ist der älteste Trainer der Bundesliga. Und er ist nicht mehr der Jüngste. Aber sicher braucht der Hertha-Coach keine Gedächtnisstütze, um sich daran zu erinnern, wie ihm einst beim FC Bayern mitgespielt wurde. Gefeuert wurde er, und zuvor von den Bossen, vor allem von Franz Beckenbauer, immer wieder öffentlich untergraben. Das wird der nicht für seine Nachgiebigkeit bekannte Altmeister kaum vergessen haben.

Sein Nach-, nach-, nach-, nach-, nach-, nach-, nach- nachfolger Jupp Heynckes hat den Vorteil, ein Freund der Familie Hoeneß zu sein. Als Heynckes für Jürgen Klinsmann als Interimscoach einsprang, war er dem Vernehmen nach sogar gerade zu Besuch beim heutigen Präsidenten. Das kann man sich von Otto und Beate nicht vorstellen, dass sie im Hause Gegenbauer residieren. Dafür sind sie bei Westerwelles zum Essen eingeladen.

Aber zurück zur Hertha-Bayern-Connection. Neben Rehhagel finden wir im Berliner Kader mit Christian Lell, Andreas Ottl und Thomas Kraft gleich drei weitere Ex-Bayern, deren Motivation zumindest nicht das Problem sein wird, wenn am Sonnabend um 18:30 das sogenannte Topspiel der Woche auf Sky gezeigt wird. Die Teilnahme von Augsburg letzte Woche, Mainz vorletzte Woche und Kaiserslautern im Januar hat die Marketingprofis in Unterföhring auch nicht daran gehindert, es "Topspiel" zu nennen. Warum also nicht? Hertha. Topspiel. Gern geschehen.

2) Hatte Vedad Ibisevic heimlich immer ein Brustring-Tattoo unter dem Trikot?

Vedad Ibisevic ist jetzt ein Schwabe. Aber auch, als er noch ein Badener war, fiel auf, dass er dem VfB Stuttgart nichts Böses wollte. Nicht eines seiner 56 Tore für Hoffenheim erzielte er gegen das Team mit dem roten Brustring. Dafür gelang ihm sein allererstes Bundesligator gegen den VfB, als Einwechselspieler für Alemannia Aachen 2006 bei einer 2:4-Heimniederlage.

Ob Ibisevic eigentlich schon immer VfB-Fan war, ist mangels einschlägiger Tätowierungen nicht bekannt. Anders ist das bei Markus Babbel, dessen Unterarm bekanntlich immer noch ein Hertha-Tattoo ziert, obwohl er jetzt in Hoffenheim arbeitet. In Stuttgart wurde er einst entlassen, was sein aktuelles Heimspiel am Freitagabend gegen die Schwaben nicht uninteressanter macht. Zudem nach dem 1:7 von München, das ohne Mitwirken des in Bayern noch gesperrten Kapitäns Andreas Beck zustandekam, der, wie passend, aus der Jugend des VfB stammt.

Noch ein Wort zum Freitag. Das Spiel in Sinsheim ist bereits das achte Saisonspiel des VfB, das an einem Freitagabend ausgetragen wird, und das zweite in Folge. Bis zum Ende der Saison werden noch zwei weitere dazu kommen. Was hat es damit wohl auf sich? Im Fall des FC Bayern sind es in der ganzen Spielzeit nur zwei Freitagsspiele, was man noch mit Englischen Wochen erklären könnte. Stuttgart spielt halt nicht im Europapokal. Aber das tun der HSV (vier Freitagsspiele) und Werder Bremen (drei Freitagsspiele) auch nicht.

3) Wer vermisst seinen Ex-Spieler am Wochenende mehr - Nürnberg oder Wolfsburg?

Wenn der Club auf die Wölfe trifft, dann wird Alexander Esswein sich vorgenommen haben, den VfL noch mal daran zu erinnern, dass es keine gute Idee war, ihn einst ins Regionalligateam zu verbannen. Ohne Perspektive in Wolfsburg wechselte Esswein dann in die 3. Liga nach Dresden, wo der Club auf ihn aufmerksam wurde. Inzwischen ist Esswein in Franken der zweitbeste Torschütze des FCN in der Bundesliga, nach Tomas Pekhart.

Jan Polak hingegen steht womöglich vor seinem ersten Rückrundenspiel für den VfL - gegen den Club, mit dem er 2007 DFB-Pokalsieger wurde. In dieser Woche war Polak, der seit mehr als vier Monaten nicht mehr berücksichtigt worden war, von Felix Magath begnadigt worden, wie der Kicker vermeldet. Felix Magath, der übrigens den FCN 1998 in die Bundesliga führte. Doch da Nürnberg mit Dieter Heckings unspektakulärem und kostengünstigen Stil momentan genauso gut dasteht wie Wolfsburg unter den Bedingungen von Magaths Einkaufsexzessen, weint man dem Ex-Trainer in Mittelfranken wohl weniger Tränen nach als Jan Polak.

4) Dennis Aogo kann gegen seinen Ex-Club wohl nicht spielen. Droht nun das Comeback von Slobodan Rajkovic?

Ziemlich genau die Hälfte seiner Profikarriere verbrachte Dennis Aogo in Freiburg, bevor er nach Hamburg wechselte. Am Wochenende droht der Nationalspieler mit einer Wadenzerrung auszufallen. Das könnte eine Hiobsbotschaft bedeuten, denn da Heiko Westermann gesperrt ist, muss wohl Slobodan Rajkovic, der gegen Stuttgart einen inversen Hattrick (Schuld an drei Gegentoren) feierte, wieder zum Zug kommen - es sei denn, Marcell Jansen ist inzwischen, wie die HSV-Website mutmaßt, Opfer einer Wunderheilung geworden und könnte wie auf Schalke links hinten spielen.

Positiv immerhin aus Sicht des HSV: Gegen den Sportclub sollten die Rothosen erfahrungsgemäß besser auftreten als zuletzt, holte das Team doch in der Ära Thorsten Fink aus den acht Spielen gegen die ersten Acht der aktuellen Tabelle drei Punkte - aus den acht Spielen gegen Teams auf Platz 9-18 aber 16 Punkte.

5) Hat Patrick Owomoyela noch eine Zukunft in Dortmund?

Vor dem Spiel gegen seinen Ex-Club Werder Bremen darf Patrick Owomoyela sich kaum Hoffnungen auf einen Einsatz machen. Sein Vertrag läuft nur noch bis zum Saisonende und verlängert sich nur automatisch bei 20 absolvierten Spielen. Diese Marke kann der Hamburger gar nicht mehr erreichen. Da mit Lukasz Piszczek einer der formstärksten Spieler der ganzen Bundesliga auf seiner Position gesetzt ist, sieht es nicht danach aus, als solle sich das ändern - zumal im defensiven Mittelfeld des BVB schon Spieler wie Ilkay Gündogan auf der Bank sitzen.

Nimmt man dazu noch das voranschreitende Aufbautraining von Julian Koch, der praktisch überall spielen kann, wo Owo auch spielen kann, so scheinen die Chancen auf eine Verlängerung bei dem Club, der ansonsten bis hin zu Norbert Dickel alle Leistungsträger bis 2016 an sich gebunden hat, immer geringer. Schade, vor allem, wenn man sich an das Hinspiel erinnert, in dem der Rechtsverteidiger sein Startelf-Comeback nach mehr als einjähriger Verletzungspause gegeben und mit einem Tor im Weserstadion gekrönt hatte.

6) Wenn es Karma gibt, darf dann Mathias Abel bitte am Sonntag gegen Schalke gewinnen?

Nachdem der Mainzer Mathias Abel 2005 einen Vierjahresvertrag auf Schalke unterschrieben hatte, passierte ihm mehr Unheil als Hugo "Hurley" Reyes nach Gewinn des Lotto-Jackpots. Schon vor dem Wechsel verletzte er sich am Rücken, in Gelsenkirchen selbst zog er sich auch noch einen Kreuzbandriss zu. In drei Jahren bestritt Abel nur ein einziges Bundesligaspiel für die Knappen, bevor er nach Kaiserslautern wechselte.

Dort läuft es seither etwas besser für den Innenverteidiger, der am Sonntag vor der undankbaren Aufgabe steht, Klaas-Jan Huntelaar an Saisontreffer 37 zu hindern. Die Omen könnten allerdings schlechter sein: Das Hinspiel gewann der FCK in Gelsenkirchen, es war der vorletzte Punktspielsieg der bisherigen Saison - außerdem die einzige Niederlage für Huub Stevens in seinen ersten zehn Spielen nach seiner Rückkehr. Vielleicht klappt es diesmal nicht mit einem Sieg, sondern nur mit dem dritten 0:0 in Folge für Kaiserslautern. Mathias Abel wäre wohl zufrieden - vielleicht sogar sein Trainer Marco Kurz, der es übrigens in seiner aktiven Zeit auf etwas mehr Spiele für Schalke brachte: 58 mal lief er in Königsblau in der Bundesliga auf.

7) Was macht eigentlich Michael Thurk?

Augsburg gegen Mainz - bei diesem Spiel hätte man vor der Saison einen Stürmer mit Springmesser zwischen den Zähnen auf den Platz laufend erwartet. Aber Michael Thurk wurde ja von Trainer Jos Luhukay zu Saisonbeginn aussortiert. Unter bis heute ungeklärten Umständen, die im Dezember eine neue Wendung erhielten, als der zu dem Zeitpunkt noch in Augsburg unter Vertrag stehende, aber vom Training und Spielbetrieb suspendierte Stürmer von Präsident Walther Seinsch in einem Sky-Interview als "Straßenköter" beschimpft wurde.

Die unwürdige Posse fand dann im Januar ein Ende, als Thurk, dem viele FCA-Fans zunächst noch die Treue gehalten hatten, seinen Vertrag auflöste und nach Heidenheim in die 3. Liga wechselte. Dort hat er bisher in sechs Rückrundenspielen zwei Tore erzielt und hat keine schlechten Chancen, mit seinem neuen Club noch in die 2. Bundesliga aufzusteigen - und dort dann vielleicht in der kommenden Saison gegen Augsburg zu spielen.

Daniel Raecke

sportal.de/sportal

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