. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
9. März 2009, 13:16 Uhr

Scholz & Friends & CDU

Auffällig häufig vergeben CDU-geführte Bundesministerien und Behörden lukrative Aufträge an die PR- und Werbeagentur Scholz & Friends. Konkurrenten argwöhnen, dass es an der CDU-Nähe einiger der Inhaber und Manager der Firma liegt. Die Agentur bestreitet das. Von Hans-Martin Tillack

Werbung,Kampagne,Scholz,Friends,CDU,von,der,Leyen,Ministerium

Auch den Werbeauftrag für die von Ursula von der Leyen propagierten Mehrgenerationenhäuser übernahm die Agentur Scholz & Friends© Gerit Borth/DDP

Selbst in Deutschland kannte ihn bisher kaum einer, den Präsidenten des Europaparlaments Hans-Gert Pöttering. Doch kürzlich wäre es dem Osnabrücker Christdemokraten beinahe gelungen, sogar die unendlichen Weiten des Weltalls zu erobern.

In Brüssel kannte man ihn bisher eher als biederen Katholiken. Doch nun sollte er auf einer Videokonferenz mit der Internationalen Raumstation ISS Reklame machen für die Europawahlen im Juni - genauso wie in Videoclips, die das Europaparlament von Portugal bis Finnland ausstrahlen wollte.

So sah es allen Ernstes ein Vorschlag der deutschen Agentur Scholz & Friends vor, als Teil einer millionenschweren, europaweiten Werbekampagne. Mit der will die Straßburger Volksvertretung in den kommenden Monaten gegen das wachsende Desinteresse der Bürger an den EU-Wahlen ankämpfen. "Unser gemeinsames Ziel ist es, über eine bestmögliche Kampagne die Wahlbeteiligung zu steigern und insgesamt eine Imageverbesserung des Europäischen Parlaments zu erreichen", schrieb die Agentur im September in einem internen Brief an Pöttering. Zugleich bedankte sich die Firma bei dem Präsidenten artig "für das Vertrauen in unsere Agentur".

Empört über das Kampagnenkonzept

Doch vom Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit bis zu der FDP-Frau Silvana Koch-Mehrin empörten sich die EU-Abgeordnetenkollegen über das Kampagnenkonzept. Das sei allzu viel indirekte Wahlwerbung für den CDU-Mann Pöttering. Der schwor darauf dem Personenkult ab und versprach, dass auch andere EU-Politiker "deutlicher herausgestellt würden".

Die PR-Kampagne kommt nun aber trotzdem - als Teil eines bis zu 26 Millionen Euro schweren Budgets, mit dem das Europaparlament jüngst die deutsche Agentur bedacht hat. Laut EU-Parlament hatte Pöttering selbst nichts mit der Vergabe des Werbeetats zu tun. Trotzdem wundern sich Branchenvertreter über eine Häufung von PR-Aufträgen an Scholz & Friends durch CDU-geführte Behörden in Brüssel, Berlin und anderswo.

Die Agentur, mit Sitzen in Hamburg und Berlin, ist eine der größten und renommiertesten im Land. Doch einige Konkurrenten fragen sich, ob die jüngsten Erfolge des Unternehmens wirklich allein mit der Brillanz seiner Kampagnen zu erklären sind - oder ob es auch einen Zusammenhang mit der Tatsache gibt, dass das Unternehmen mit der CDU gut vernetzt ist. Ausgerechnet der für PR-Kampagnen zuständige Vorstandsmann der Firma, Klaus Dittko, war Redenschreiber für Kanzler Helmut Kohl. Miteigentümer Sebastian Turner ist der Sohn des parteilosen George Turner, der im seinerzeit CDU-geführten Berliner Senat einige Jahre lang Wissenschaftssenator war. Kohls Nachfolgerin Angela Merkel wiederum pflegt die Freundschaft mit dem Mitinhaber Thomas Heilmann. Der ist selbst CDU-Mitglied, leitete zeitweise eine Internetkommission der Christenunion und ist bis heute erreichbar unter thomas.heilmann@cdu.de.

Scholz & Friends bestreitet CDU-Nähe

Bei Scholz & Friends bestreitet man eine irgendwie geartete CDU-Nähe. Turner schmückt sich gerne mit der Tatsache, dass er auch mal für die linke "tageszeitung" eine Rettungskampagne entwarf. Trotzdem fällt auf, dass ausgerechnet die beiden engsten Vertrauten der Kanzlerin im Kabinett die Agentur öfter mal zu Hilfe rufen: Familienministerin Ursula von der Leyen und Bildungsministerin Annette Schavan, beide CDU.

Die Bildungsministerin vergab zunächst Ende 2006 einen Kontrakt über 2,3 Millionen an Scholz & Friends, um das so genannte "Jahr der Geisteswissenschaften" zu propagieren. Im Jahr darauf wurde die Firma die Leadagentur des Ministeriums, mit einem Rahmenvertrag über 32 Monate im Wert von bis zu drei Millionen Euro.

Ebenfalls 2006 ergatterte die Firma einen weiteren lukrativen Auftrag aus dem Hause Schavan. Für "die Konzeption einer kommunikativen Dachkampagne zum internationalen Forschungsmarketing für den Forschungs- und Entwicklungsstandort Deutschland für das Pilotland Südkorea" flossen 825.000 Euro, zuzüglich Umsatzsteuer.

Aufträge in Millionenhöhe

Es blieb nicht bei dem Pilotauftrag für Südkorea. Obwohl das Bildungsministerium noch Mitte Januar auf Anfrage von stern.de behauptete, es seien "keine Agenturen" für die Entwicklung von ähnlichen Kampagnen für andere Länder beauftragt worden, hatte eine dem Ressort unterstehende Forschungseinrichtung bereits im Dezember genau solch einen Auftrag vergeben - wieder an Scholz & Friends. Für Werbung für den Forschungsstandort Deutschland wurden der Agentur vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bis zu 1,3 Millionen Euro bewilligt.

Einen weiteren Etat im Wert von über einer Million bekam die PR-Firma in diesem Januar. Für die vom Schavans Ministerium mitfinanzierte Fraunhofer-Gesellschaft in München organisiert die Agentur eine so genannte "Road-Show" mit einem doppelstöckigen Lastwagen - aus Anlass des sechzigsten Geburtstages der Einrichtung. Die Fraunhofer-Gesellschaft sagt, sie habe "keine Kenntnis" von einer Beteiligung von Vertretern des Bildungsministeriums am Verfahren oder der Auftragsvergabe.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Nordlich26 (12.03.2009, 16:42 Uhr)
Regierungs-PR ist Bullshit und Reporter-Korruption
Als man die Regierungs-PR unter Schröder einführte, erzählte man uns, dass man gute Politik mache, aber auch wolle das diese endlich wahrgenommen werde. Heute ist es so, dass man Monate nachdem sowieso überall bekannt ist, dass es einen Post-Mindestlohn gibt Motive einer seichten Regierungskampagne in der Zeitung findet, auf denen einem dann erklärt wird, man müsse eine oberflächliche Webseite besuchen, wo dann sehr euphorisch das steht, was man Monate zuvor eh schon im Stern und der Tageszeitung gelesen hat. Das ist Bullshit.
Außerdem sichert sich die Regierung mit den Regierungskampagnen zwangsläufig Einfluss bei den Medien. Berichtet jemand schlecht, wird derjenige gar nicht oder weniger gebucht. Schließlich arbeiten auch in den Presseabteilungen der Ministerien viele Ex-Agenturleute. Haben wir ja 2007 gesehen beim Skandal um PR des Wirtschaftsministeriums: Anzeigen nur gegen Berichterstattung....
Und auch die Agenturen versuchen sich die Ministerien warm zu halten: auffallend hübsche Frauen betreuen viele Auftraggeber. Auch ich hatte mal die Bekanntschaft. Und ich gebe hier einfach mal eine Schlagzeile vom Juni 2008 wieder: "Kokain, Sex mit Verhandlungspartnern: Das US-Innenministerium wird von einem schlüpfrigen Skandal erschüttert"
Und wem die Kosten für die Pendelei von ca. 5-10 Millionen im Jahr für Bonn-Berlin stets ein Dorn im Auge waren, der sollte sich mal damit beschäftigen, wieviel neuerdings jedes Jahr (!) für PR-Agenturen ausgegeben wird. Das war in Bonn nicht so. Da hat man für das Gemeinwesen wertvolle Verbraucherschutzorganisationen gefördert, anstelle Bullshit-PR zu unterstützen. Wir reden hier in den vergangenen 5-6 Jahren zusammengefasst von mehr als einer halben Milliarde (!) Euro. Halten Sie sich aber ruhig am Berlin-Bonner Beamtenshuttle auf. Schließlich ist auch das nichts anderes als eine Kampagne von Hauptstädtern, die sich die Arbeitsplätze aus Bonn sichern wollen. PR ist alles in der Berliner Republik.
utospatz (11.03.2009, 00:37 Uhr)
Was für ein armes Reiches Land!
Hat irgend ein Idiot solche Arschlöcher gewählt?
War die Kanzlerin eventuell in einer Schule wo die Scheißhausschüssel mit Urinstein behaftet, schon beim Schnuppern ihr die Kohlsche Nase verbogen? 82 millionen Bürger kannst du nur von Oben nach Unten demolieren!
gagarin (10.03.2009, 23:38 Uhr)
Geschickter Schachzug?
Sympathie unter Parteifreunden und die hohe Kreativität sind zwei naheliegende Gründe für die gehäufte Auftragsvergabe an S&F. Ein weiteren Vorteil hat der stern vielleicht übersehen: Werden alle wichtigen Etats an einer Stelle platziert, lässt sich auch die Regierungskommunikation bequem am mit Sozis versuchten Bundespresseamt vorbei koordinieren ohne dazu einen kostenspieligen Apparat im Konrad-Adenauer-Haus aufbauen zu müssen.
utospatz (10.03.2009, 16:31 Uhr)
Selbstverständlich ist dieß
Alles Parteibuch-Gemäß!
Wie viele Kriminelle in dieser Republik soll ich denn suchen?
Ein jeder Trottel der heut geht zur Wahl, war von Geburt an schon verarscht, christlich, und sozial Allemal!
Adabei (10.03.2009, 09:54 Uhr)
Nicht normal für Ministerien
Klar ist es vollkommen normal, dass man gute Dienstleister weiterempfiehlt. Aber ein Ministerium arbeitet mit Steuergeldern und ist deswegen verpflichtet, sich an vorher festgelegte Regeln für die Vergabe von Aufträgen zu halten. Diese Regeln sehen eben nicht vor, dass einfach fröhlich weiterempfohlen wird, sondern es gibt eine offizielle Ausschreibung, bei der alle teilnehmenden Agenturen Chancengleichheit haben sollen. Wenn dies von vorne herein ausgeschlossen ist, verkommt der gesamte Pitch zur Farce und der Verschwendung von Steuergeldern sind mal wieder Tür und Tor geöffnet. Mal abgesehen von den Kosten, die den am Pitch beteiligten Agenturen entstanden sind.
g3cd (10.03.2009, 09:33 Uhr)
PS: Vergaberecht
Nicht die billigste Werbung ist die beste Werbung. Es ist unsinnig, hier rein auf das "Vergaberecht" zu pochen und einen Millionenetat dann an eine Klitsche zu vergeben, die billig ist, aber die Kampagne in den Sand setzt.
"Zum goldenen Hirschen" ist eine wahnsinnig kreative, mutige, "junge" Agentur mit gleichzeitig einem hochprofessionellen Anspruch. Wäre ich bei den Grünen, würde ich auch lieber zum Hirschen als zu McCann-Erickson gehen.
Nein, ich arbeite nicht für Scholz & Friends oder den Hirschen. Und ich würde auch nicht für die CDU arbeiten.
g3cd (10.03.2009, 09:26 Uhr)
Vollkommen normal
Ich arbeite seit 18 Jahren in der Werbung, lange Zeit davon freiberuflich und ich finde das alles vollkommen normal: ich kam bislang an so gut wie alle Aufträge ausschließlich durch Empfehlungen. Da kannte jemand jemand und der meinte, man solle es doch mal mit mir probieren. Und wenn der Job dann gut gelaufen war, bekam ich Folgeaufträge.
Warum soll das bei Scholz & Friends anders sein? Wenn sie gute Arbeit machen, wenn sie mit dem Kunde harmonisieren und gut klarkommen, wenn die Kampagnen erfolgreich sind und die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert ... dann vergibt man eben auch Folgeaufträge. Oder redet mit Freunden darüber, wie gut das gelaufen ist und empfiehlt die Agentur weiter. Egal, ob man jetzt CDU, Tchibo oder Snickers heißt.
Und zum Jubiläum des Max-Planck-Instituts: DOCH, es ist so, dass solche Jubiläen immer vollkommen überraschend geschehen und keiner daran gedacht hat. Häufig wird ein Unternehmen erst durch einen Hinweis seiner Werbeagentur darauf aufmerksam, dass "dieses Jahr doch der 60. ins Haus steht". Sowas passiert andauernd. Vollkommen normal.
Prato61 (10.03.2009, 09:20 Uhr)
Verschwendung von Steuergeldern
Ich verstehe die Aufregung nicht. Wie es die derzeitge politische Großwetterlag in Deutschland eindeutig beweist, schafft es auch die tolle Agentur Scholz&Friends nicht, die CDU-Politkier in das rechte Licht zu rücken. Wie auch? So ein gewaltiges Unterfangen setzt bei den Protagonisten einen gewissen Unterbau an Intellekt, Intelligenz und nicht zuletzt ein Minimum an sozialem Gewissen voraus.....
Das einzige was hier nervt, sind die immensen Steuergelder, die für dieses unsinnige Unterfangen durch den Kamin gejagt werden. Aber an derartiges haben wir uns ja inzwischen gewöhnt.
O Herr, lass Hirn regnen!!!!! Nie war es so wertvoll wie heute!!!
Adabei (10.03.2009, 07:10 Uhr)
Überfälliger Artikel
Schön, dass das Treiben endlich zur Sprache kommt, geht ja schon jahrelang so. Wie sich hier über Vergaberecht hinweggesetzt wird, ist wirklich erstaunlich. Wahrscheinlich ist es einfach nur naiv zu glauben, Regierungsbehörden müssten sich bei Auftragsvergaben regelkonform verhalten.
audio001 (09.03.2009, 22:54 Uhr)
Gut so!
Alles hat ein Ende;- nur die Wurst hat zwei!
Wer Transparenz will, wird Transparenz ernten!
Gut so!
MEHR ZUM ARTIKEL
Große Koalition Ab jetzt wird gestänkert

Selten hat eine Bundesregierung so früh die Segel gestrichen wie die Große Koalition unter Angela Merkel: Schon sechseinhalb Monate vor der Bundestagswahl schalten führende Bundespolitiker von Kooperations- auf Angriffsmodus. Der Wahlkampf ruft. Nur einer will da nicht so recht mitspielen. mehr...

Wahl-Kampfname Steinmeier legt den Walter ab

In der Kürze liegt der Wahlsieg, hat sich die SPD gedacht. Deshalb sprechen die Genossen mehr und mehr nur noch von "unserem Kanzlerkandidaten Frank Steinmeier". Zu sperrig wirkt ihnen wohl der Doppelname Frank-Walter. Doch der Verzicht auf einen "Walter" ist für einen Politiker im Grunde fatal. mehr...

Wahlkampf SPD setzt auf Internetkampagne

Obama hat mit seiner Internetkampagne Millionen Wähler mobilisiert - und dieser Erfolg hat auch die deutschen Parteien heiß gemacht. Nun geht die SPD mit einer relaunchten Parteiseite an den Start - inklusive Spenden-Button. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe