Auffällig häufig vergeben CDU-geführte Bundesministerien und Behörden lukrative Aufträge an die PR- und Werbeagentur Scholz & Friends. Konkurrenten argwöhnen, dass es an der CDU-Nähe einiger der Inhaber und Manager der Firma liegt. Die Agentur bestreitet das. Von Hans-Martin Tillack

Auch den Werbeauftrag für die von Ursula von der Leyen propagierten Mehrgenerationenhäuser übernahm die Agentur Scholz & Friends© Gerit Borth/DDP
Selbst in Deutschland kannte ihn bisher kaum einer, den Präsidenten des Europaparlaments Hans-Gert Pöttering. Doch kürzlich wäre es dem Osnabrücker Christdemokraten beinahe gelungen, sogar die unendlichen Weiten des Weltalls zu erobern.
In Brüssel kannte man ihn bisher eher als biederen Katholiken. Doch nun sollte er auf einer Videokonferenz mit der Internationalen Raumstation ISS Reklame machen für die Europawahlen im Juni - genauso wie in Videoclips, die das Europaparlament von Portugal bis Finnland ausstrahlen wollte.
So sah es allen Ernstes ein Vorschlag der deutschen Agentur Scholz & Friends vor, als Teil einer millionenschweren, europaweiten Werbekampagne. Mit der will die Straßburger Volksvertretung in den kommenden Monaten gegen das wachsende Desinteresse der Bürger an den EU-Wahlen ankämpfen. "Unser gemeinsames Ziel ist es, über eine bestmögliche Kampagne die Wahlbeteiligung zu steigern und insgesamt eine Imageverbesserung des Europäischen Parlaments zu erreichen", schrieb die Agentur im September in einem internen Brief an Pöttering. Zugleich bedankte sich die Firma bei dem Präsidenten artig "für das Vertrauen in unsere Agentur".
Doch vom Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit bis zu der FDP-Frau Silvana Koch-Mehrin empörten sich die EU-Abgeordnetenkollegen über das Kampagnenkonzept. Das sei allzu viel indirekte Wahlwerbung für den CDU-Mann Pöttering. Der schwor darauf dem Personenkult ab und versprach, dass auch andere EU-Politiker "deutlicher herausgestellt würden".
Die PR-Kampagne kommt nun aber trotzdem - als Teil eines bis zu 26 Millionen Euro schweren Budgets, mit dem das Europaparlament jüngst die deutsche Agentur bedacht hat. Laut EU-Parlament hatte Pöttering selbst nichts mit der Vergabe des Werbeetats zu tun. Trotzdem wundern sich Branchenvertreter über eine Häufung von PR-Aufträgen an Scholz & Friends durch CDU-geführte Behörden in Brüssel, Berlin und anderswo.
Die Agentur, mit Sitzen in Hamburg und Berlin, ist eine der größten und renommiertesten im Land. Doch einige Konkurrenten fragen sich, ob die jüngsten Erfolge des Unternehmens wirklich allein mit der Brillanz seiner Kampagnen zu erklären sind - oder ob es auch einen Zusammenhang mit der Tatsache gibt, dass das Unternehmen mit der CDU gut vernetzt ist. Ausgerechnet der für PR-Kampagnen zuständige Vorstandsmann der Firma, Klaus Dittko, war Redenschreiber für Kanzler Helmut Kohl. Miteigentümer Sebastian Turner ist der Sohn des parteilosen George Turner, der im seinerzeit CDU-geführten Berliner Senat einige Jahre lang Wissenschaftssenator war. Kohls Nachfolgerin Angela Merkel wiederum pflegt die Freundschaft mit dem Mitinhaber Thomas Heilmann. Der ist selbst CDU-Mitglied, leitete zeitweise eine Internetkommission der Christenunion und ist bis heute erreichbar unter thomas.heilmann@cdu.de.
Bei Scholz & Friends bestreitet man eine irgendwie geartete CDU-Nähe. Turner schmückt sich gerne mit der Tatsache, dass er auch mal für die linke "tageszeitung" eine Rettungskampagne entwarf. Trotzdem fällt auf, dass ausgerechnet die beiden engsten Vertrauten der Kanzlerin im Kabinett die Agentur öfter mal zu Hilfe rufen: Familienministerin Ursula von der Leyen und Bildungsministerin Annette Schavan, beide CDU.
Die Bildungsministerin vergab zunächst Ende 2006 einen Kontrakt über 2,3 Millionen an Scholz & Friends, um das so genannte "Jahr der Geisteswissenschaften" zu propagieren. Im Jahr darauf wurde die Firma die Leadagentur des Ministeriums, mit einem Rahmenvertrag über 32 Monate im Wert von bis zu drei Millionen Euro.
Ebenfalls 2006 ergatterte die Firma einen weiteren lukrativen Auftrag aus dem Hause Schavan. Für "die Konzeption einer kommunikativen Dachkampagne zum internationalen Forschungsmarketing für den Forschungs- und Entwicklungsstandort Deutschland für das Pilotland Südkorea" flossen 825.000 Euro, zuzüglich Umsatzsteuer.
Es blieb nicht bei dem Pilotauftrag für Südkorea. Obwohl das Bildungsministerium noch Mitte Januar auf Anfrage von stern.de behauptete, es seien "keine Agenturen" für die Entwicklung von ähnlichen Kampagnen für andere Länder beauftragt worden, hatte eine dem Ressort unterstehende Forschungseinrichtung bereits im Dezember genau solch einen Auftrag vergeben - wieder an Scholz & Friends. Für Werbung für den Forschungsstandort Deutschland wurden der Agentur vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bis zu 1,3 Millionen Euro bewilligt.
Einen weiteren Etat im Wert von über einer Million bekam die PR-Firma in diesem Januar. Für die vom Schavans Ministerium mitfinanzierte Fraunhofer-Gesellschaft in München organisiert die Agentur eine so genannte "Road-Show" mit einem doppelstöckigen Lastwagen - aus Anlass des sechzigsten Geburtstages der Einrichtung. Die Fraunhofer-Gesellschaft sagt, sie habe "keine Kenntnis" von einer Beteiligung von Vertretern des Bildungsministeriums am Verfahren oder der Auftragsvergabe.