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Gas-Pipeline "Power of Siberia": So verdient Putin Milliarden am Klimaschutz

Die Pipeline wurde ohne Verzögerung in Dienst genommen.
Die Pipeline wurde ohne Verzögerung in Dienst genommen.
© Gazprom / PR
Europa blickt auf Nord Stream 2, weit wichtiger ist aber die Fertigstellung einer gigantischen Leitung, die russisches Gas nach China pumpt. Paradox: Mit ihr verdient Putin an der Verdrängung von Kohle in China.

In Europa wird nach wie vor erregt über die Gasleitung Nord Stream 2 gestritten. Mit ihr soll noch mehr russisches Gas nach Deutschland und in die EU fließen. Das würde die Abhängigkeit von Russland weiter erhöhen, monieren die Kritiker. Die USA wollen die Fertigstellung nun sogar mit Sanktionen verhindern. Fast unbemerkt wurde unterdessen vom russischen und chinesischen Premier ein anderes und weit wichtigeres Pipelineprojekt eröffnet.

Die erste Ausbaustufe der Pipeline "Power of Siberia" hat den Betrieb aufgenommen. Dafür wurde ein 3000 Kilometer langes Rohrsystem in etwa fünf Jahren fertiggestellt. Die Kosten sollen etwa 55 Milliarden US-Dollar betragen. Die sibirische Leitung ist wesentlich bedeutender für den Kreml als das Nordstreamprojekt. Die neue Leitung nach Europa wird nicht unmittelbar dazu führen, dass die Mehrkapazität der Leitungen auch tatsächlich in Europa verkauft wird.

Wichtigster Kunde für Gazprom

Die "Power of Siberia" hingegen verbindet den zweitgrößten Gasexporteur der Welt noch weiter mit dem größten Absatzmarkt der Welt. Schon jetzt ist China der größte Abnehmer des Russengases.

Die vom russischen Energieriesen Gazprom gebaute Pipeline verläuft rund 3000 Kilometer von den neuen Gasfeldern Chayanda und Kovykta im kältesten Teil Sibiriens bis Blagoveshchensk, nahe der chinesischen Grenze. In China schließt sich eine weitere Leitung an das russische System an, sie soll weitere 3370 Kilometer bis nach Schanghai überbrücken. Gazprom plant, mit Lieferungen von 10 Millionen Kubikmetern pro Tag zu beginnen und im Jahr 2025 die volle Kapazität zu erreichen.

Gas-Pipeline: "Power of Siberia": So verdient Putin Milliarden am Klimaschutz
© Gazprom / PR

Das Pipelinesystem könnte man auch nach Westen erweitern, sodass Gas aus diesen Lagerstätten nach Osten und Westen fließen könnte. Aus Sibirien wird auch Flüssigkeit mit Tankern exportiert. Tanker haben den Vorteil, dass sie jedes Land der Welt erreichen können und der Bau der teuren Leitungssysteme entfällt. Doch auf lange Sicht ist der Transport via Pipeline sehr viel günstiger als das Flüssiggas aus dem Tanker.

Europa nach wie vor von Interesse

Das Projekt bedeute keine Abwendung von Europa, sagte Francis Perrin, Senior Fellow am French Institute for International and Strategic Affairs (IRIS) zu Euronews. Dass der Vertrag über die Pipeline auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise unterzeichnet wurde, sei nur ein Zufall gewesen. "In dieser Zeit gab es den Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine und den Beginn der westlichen Sanktionen. Aber wenn Russland und China 2014 einen riesigen Vertrag unterzeichnen konnten, dann natürlich, weil die beiden Länder lange Zeit verhandelt haben. Ein großer Vertrag wie dieser braucht viele Jahre, um ihn zu verhandeln."

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Die neue Leitung verringert allerdings die Abhängigkeit Russlands von den Gasmärkten in Europa. Neben dem nur schwach wachsenden Wirtschaftsraum der EU versorgen die Russen nun die schnell wachsenden Volkswirtschaften Asiens. Insbesondere China ist auf den Export angewiesen.

Asiens Bedarf ist gigantisch

Der Bedarf Chinas scheint unersättlich. Allein in den letzten zwei Jahren ist der Verbrauch um ein Drittel gestiegen und wird weiter steigen. Um die ehrgeizigen Ziele in Sachen Luftreinhaltung und Klimaschutz zu erreichen, setzt Peking die Umstellung von Kohle auf das sauberere Gas rigoros durch.

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Der Gasbedarf wird in China letztlich von der Politik definiert. Für Russland ist das ein sicheres Geschäft mit hohen Einnahmen, auch wenn die enormen Kosten der Anlage berücksichtigt werden. Der Preis des China-Gases ist an den Ölpreis gekoppelt, der sogenannte Basispreis entspricht nach russischen Angaben dem Wert, der auch dem Vertrag zwischen Gazprom und Deutschland zugrunde liegt.


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